| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
kauten bis kautung (Bd. 11, Sp. 365 bis 366) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
kauten kautenfaul kautenflachs kauter kauter, m. kauter, m. käuter, m. kauterbunt kautern kautsche kautscher kautschuk, m. kautung, f. kauung kauwe kauz, f. käuzchen, n. käuzel, n. kauzen kauzenspiel kauzenstreichen, n. kauzenstreicher, m. kauzeule, f. kauzhut, m. kauzig, adj. kauzin, f. kauzkäfer, m. kauzkopf käuzlein, n. kavel kavete, f. cavete, f. kavetenglocke, f. cavetenglocke, f. kavitsche, f. kawetscher kax kaxen käxen kay kebbeln kebeln kebler kebsbette, n. kebsbraut, f. kebse, f. kebse, f. kebsehe, f. kebsen kebser, m. kebsfrau, f. kebsgemahl, m. kebsin, f. kebskind, n. kebsmann, m. kebssohn, m. kebssprache, f. kebsweib, n. kech kecherlich keck keckbrunnen, m. kecke, f. kecken kecken keckercht keckern keckhaft keckheit, f. kecklecht kecklich, adv. kecklichkeit, f. keckmütig, adj. kecksilber, n. keckwasser, n. keden keder keelen keete kefe kefeln kefer kefern kefet keffach, n. keffer, m. keffer, m. keffer, m. kefferrad, n. keffet, f. n. kefet, f. n. keffy kefy kefig kefse kegel, m. kegel kegelachse kegelader, f. kegelaufsetzer, m. | [Bd. 11, Sp. 365] 1) 'cambire, wesseln, kuden, commutando aliquid pro aliquo dare'. 1075 aus einem hds. Lpz. voc.; permutare cuyden im teuthonista, verkûden 428a: sie mogen auch ir wine verkuden und vermangeln umb ander kaufmanschefte (waare). zeitschr. 9, 25, aus Trier 1419. das alem. verchiuten MS. 1, 152a aber scheint etwas andres. Nhd. bezeugt es 941 reichlich, es wird vielfach als bes. thür. angegeben: mit einem kleider kauten, commutare vestem cum aliquo, auskauten, abkauten, verkauten, wiederkauten, einem ein pferd vor einen ochsen abkauten, es kautet mancher unlust vor wollust ein, ich wollte meine freiheit nicht üm ein königreich verkauten; dazu auch kautelen (s. DWB kaupeln), dann kauter m., kauterin f.; kautung f., kauticht; vgl. (es ist nicht schles.), Frisch. nach Adelung ist es noch thür., auf eine wucherliche art tauschen und vertauschen, wie kaudern, kaupeln. Aber auch henneb., kaut m. und kauten 1, 77 (nach 2, 212 jetzt erloschen), ebenso nordfränkisch 2, 342. vom Hundsrück in weisthümern: so soll ein iedes gut, so in diesem gericht kauft, verkauft oder verkaut würd .. sechs pfenning zu weinkauf geben ... ein iglicher der kauft oder kaut, soll mit gerichts recht binnen 14 tagen aus und eingehen. weisth. 2, 170, ebenso formelhaft verkaufen oder verkauten 2, 180, wie verkaufen oder vertauschen 2, 182. auch Seb. Frank von Wörd hat es einmal: und (die wilden) fiengen mit uns an z kauten und tauschen. weltb. 218a (1567 222b), wol aus Franken. es gilt oder galt auch in der Pfalz, s. DWB kautung. 2) aber auch nd.: cambire, buten vel kuten 92b 15. jh.; noch osnabr. in dem. form kütken, ostfries. kühtjen unerlaubter weise oder betrügerisch vertauschen 118, 127a, es entspricht in bildung und sinn völlig Stielers kautelen, das gleich kaupeln ist. sonst aber ist es nnd. nur mit dem buten vorhin, d. i. beuten, zusammengewachsen erhalten, das selbst auch tauschen bedeutete (1, 1753); nirgends mehr als beim beutetheilen muszte tauschhandel und übervortheilung im flor stehn. aus der formel küten und büten ward kütebüten Richey, kütbüten Dähnert, kütjebüten brem. wb. u. s. w., in gleichem sinn wie kütken, besonders von kindern gebraucht (vgl. nl. ruilebuiten, ruilen en buiten, hin und wieder tauschen). 3) fürs oberd. ist zwar Franks kauten unsicher als beleg; aber doch musz der stamm auch dort einst heimisch gewesen sein, denn kaudern mäkeln findet hier seinen natürlichen anhalt und zeigt doch eine selbstständige bildung. das d dem md. nd. t gegenüber steht nicht im wege, s. z. b. kauder a. e., bitter : bîʒen (2, 53), K 2, g sp. 3. auch im nrh. gebiet: kuddeln schachern, trödeln, kuddel m. schacher, küddeler trödler. Aachener mundart 134. Auszer dem deutschen gebiete zeigt sichs nur in schwed. kyta och byta tauschen (s. 377b), doch ist das offenbar entlehnt. aber engl. cheat betrügen klingt an, und dial. chowder fischhändler? s. auch DWB kaupeln. 4) wohin gehört henneb. auskauten aufwachsen 3, 139 ? Auch die taube hat ihren entsprechenden namen: keutin f. columba Dasyp., chüttin 84a, kütin 252b, Denzler, noch jetzt kütine, kütinn Stalder. [Bd. 11, Sp. 366] Und noch einfacher, ganz alterthümlich: kut, küt m. tauber Stalder, chût (pl. chüt); dazu wieder chüti täubin 123b, schwäb. käutel f., und adj. chütig, kûti von der taube die nach dem tauber verlangt Tobler; auch kuter, kütin sind sichtlich erst von diesem kût weitergebildet. schon in voc. opt. 37, 37 columbus, tub kuto (vgl. bei Brack: col. tauber kutter, var. tubenkutter, 134a), es scheint tûbkûto gemeint, also kûto schon vogelmännchen überhaupt; kutt columbus in dem voc. in anz. 4, 232; also ahd. wahrscheinlich chûto, aber auch die kürze könnte alt sein. Das weiter verbreitete kutern vom girren der tauben (vgl. kaudern, kuttern) macht es denkbar, dasz der tauber da von seinem verliebten girren benannt sei.
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