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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
kauten bis kautung (Bd. 11, Sp. 365 bis 366)
 

[Bd. 11, Sp. 365]
 kauten , tauschen, vertauschen, wieder ein mitteld. wort.
1) 'cambire, wesseln, kuden, commutando aliquid pro aliquo dare'. Haltaus 1075 aus einem hds. Lpz. voc.; permutare cuyden im teuthonista, verkûden Dief. 428a: sie mogen auch ir wine verkuden und vermangeln umb ander kaufmanschefte (waare). Mones zeitschr. 9, 25, aus Trier 1419. das alem. verchiuten MS. 1, 152a aber scheint etwas andres. Nhd. bezeugt es Stieler 941 reichlich, es wird vielfach als bes. thür. angegeben: mit einem kleider kauten, commutare vestem cum aliquo, auskauten, abkauten, verkauten, wiederkauten, einem ein pferd vor einen ochsen abkauten, es kautet mancher unlust vor wollust ein, ich wollte meine freiheit nicht üm ein königreich verkauten; dazu auch kautelen (s. DWB kaupeln), dann kauter m., kauterin f.; kautung f., kauticht; vgl. Steinbach (es ist nicht schles.), Frisch. nach Adelung ist es noch thür., auf eine wucherliche art tauschen und vertauschen, wie kaudern, kaupeln. Aber auch henneb., kaut m. und kauten Reinwald 1, 77 (nach Frommann 2, 212 jetzt erloschen), ebenso nordfränkisch Schmeller 2, 342. vom Hundsrück in weisthümern: so soll ein iedes gut, so in diesem gericht kauft, verkauft oder verkaut würd .. sechs pfenning zu weinkauf geben ... ein iglicher der kauft oder kaut, soll mit gerichts recht binnen 14 tagen aus und eingehen. weisth. 2, 170, ebenso formelhaft verkaufen oder verkauten 2, 180, wie verkaufen oder vertauschen 2, 182. auch Seb. Frank von Wörd hat es einmal: und (die wilden) fiengen mit uns an z kauten und tauschen. weltb. 218a (1567 222b), wol aus Franken. es gilt oder galt auch in der Pfalz, s. DWB kautung.
2) aber auch nd.: cambire, buten vel kuten Dief. 92b 15. jh.; noch osnabr. in dem. form kütken, ostfries. kühtjen unerlaubter weise oder betrügerisch vertauschen Strodtmann 118, Stürenb. 127a, es entspricht in bildung und sinn völlig Stielers kautelen, das gleich kaupeln ist. sonst aber ist es nnd. nur mit dem buten vorhin, d. i. beuten, zusammengewachsen erhalten, das selbst auch tauschen bedeutete (1, 1753); nirgends mehr als beim beutetheilen muszte tauschhandel und übervortheilung im flor stehn. aus der formel küten und büten ward kütebüten Richey, kütbüten Dähnert, kütjebüten brem. wb. u. s. w., in gleichem sinn wie kütken, besonders von kindern gebraucht (vgl. nl. ruilebuiten, ruilen en buiten, hin und wieder tauschen).
3) fürs oberd. ist zwar Franks kauten unsicher als beleg; aber doch musz der stamm auch dort einst heimisch gewesen sein, denn kaudern mäkeln findet hier seinen natürlichen anhalt und zeigt doch eine selbstständige bildung. das d dem md. nd. t gegenüber steht nicht im wege, s. z. b. kauder a. e., bitter : bîʒen (2, 53), K 2, g sp. 3. auch im nrh. gebiet: kuddeln schachern, trödeln, kuddel m. schacher, küddeler trödler. Aachener mundart 134. Auszer dem deutschen gebiete zeigt sichs nur in schwed. kyta och byta tauschen (s. Rietz 377b), doch ist das offenbar entlehnt. aber engl. cheat betrügen klingt an, und dial. chowder fischhändler? s. auch DWB kaupeln.
4) wohin gehört henneb. auskauten aufwachsen Fromm. 3, 139 ?
 
 
kautenfaul, ein spiel bei Fischart Garg. 168b (309b Sch.): 'inn kauten, kautenfaul'; nach den vorausgehenden spielen scheint kaute spielgrübchen gemeint.
 
 
kautenflachs, m. flachs in kauten geformt zum verkauf; auch dockenflachs.
 
 
kauter, kissen, werch, s. DWB kauder.
 
 
kauter, m. tauscher, s. DWB kauten.
 
 
kauter, käuter, m. tauber, ein dem alem. eigenthümliches wort: wann ir wöllen euer taubhaus besetzen, sollen ir junge tauben sampt irer muter und dem käuter ausz iren taubhäusern .. nemmen. Sebiz 121; diesz thund auch die tauben allein, dasz die weiblin an statt der männlinen einandern bedeckend, wenn si keine keuter habend, mit dem kuss als die männlin. Heuslin Gesners vogelbuch 1557 240a, der übersetzer war Schweizer (Horsts ausg. Frkf. 1669 ändert tauber); der kauter badet und walet sich im staub. 240b. das eu, au ist nur ein zugeständnis an die neue schriftsprache, Maaler 228b gibt 'kuter, der mann der tauben, wilder kuter palumbus' (Fris. 252b), Stalder kuter, küter, auch für hahn von vögeln überhaupt, und von verliebten männern. bei Dasyp. aber keüter columbus, Golius keütter, also elsäss., jetzt in Straszburg kîtter Fromm. 4, 469für lang ü, vgl. u. kammermäuschen); schwäb. kauter, käuter Schmid 307. Maaler hat aber auch chutter 84a, und so schwäb. kutter Schmeller 2, 345.
Auch die taube hat ihren entsprechenden namen: keutin f. columba Dasyp., chüttin Maaler 84a, kütin Fris. 252b, Denzler, noch jetzt kütine, kütinn Stalder.

[Bd. 11, Sp. 366]

Und noch einfacher, ganz alterthümlich: kut, küt m. tauber Stalder, chût Tobler (pl. chüt); dazu wieder chüti täubin Tobler 123b, schwäb. käutel f., und adj. chütig, kûti von der taube die nach dem tauber verlangt Tobler; auch kuter, kütin sind sichtlich erst von diesem kût weitergebildet. schon in Wack. voc. opt. 37, 37 columbus, tub kuto (vgl. bei Brack: col. tauber kutter, var. tubenkutter, Dief. 134a), es scheint tûbkûto gemeint, also kûto schon vogelmännchen überhaupt; kutt columbus in dem voc. in Mones anz. 4, 232; also ahd. wahrscheinlich chûto, aber auch die kürze könnte alt sein. Das weiter verbreitete kutern vom girren der tauben (vgl. kaudern, kuttern) macht es denkbar, dasz der tauber da von seinem verliebten girren benannt sei.
 
 
kauterbunt, verstärktes bunt: denn sie hat selbsten ihre freude drüber, wanns manchmal da so kauterbund zugehet. Schlampampe (1750) 2, 19. es stellt sich zwischen kauderwelsch und kunterbunt; denn jenes wird auch mit t geschrieben. auch bei schweiz. schriftstellern findet sich kauderbunt (Reithard geschichten aus der Schweiz 54), und fries. kôterbunt.
 
 
kautern, s. kaudern und kauter.
 
 
kautsche, kautscher, s. DWB gautsche, DWB gautscher.
 
 
kautschuk, m. gummi elasticum, franz. caoutchouc.
 
 
kautung, f. vertauschung: dasz hinfürter alle dunkle kauf und gefährliche (betrügerische) kautung, als gut um gut, dardurch der erbe möchte um sein erbtheil kommen, verboten sein sollen. weisth. 1, 478 von der Bergstrasze. s. DWB kauten.