| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||
kosen bis kost (Bd. 11, Sp. 1842 bis 1850) | |||
kosen kosen koserei, f. kosewort, n. kosig kosig kosper kossate, m. kost kost, f. kost, f. koste, f. kost köst, f. kostbar kostbarkeit, f. kostbarlein, n. kostbarlich köstbarlich kostbarlichkeit, f. kostbeladen kostbeutel, m. kostbier, n.? köstchen, n. koste, f. koste, m. f. koste, m. köste, f. kösten, f. kostegläslein, n. kostekraut, n. kosten kosten kosten kösten kostenanschlag, m. kostenaufwand, m. kostenausgleichung, f. kostenberechnung, f. kostenbetrag, m. kostenerkenntnis, f. kostenersatz, m. kostenersparung, f. kostenerstattung, f. kostenforderung, f. kostenfrei kostenfreiheit, f. köstenlich kostenlos kostenordnung, f. kostenpreis, m. kostenpunkt kostenscheu, f. kostenspilterung kostensplitterig kostenüberschlag, m. kostenz kostenzettel, m. koster, m. koster, m. koster, m. kosterei, f. kostewein, m. kostfrau, f. kostfrei kostfreie, f. kostfreiheit, f. kostgänger, m. kostgängerin, fem. kostgeber, m. kostgebür, f. kostgeher, m. kostgeld, n. kostgroschen, m. kosthalter, m. kosthaus, n. kostherr, m. kostig, adj. köstigen kostjungfer kostkännlein, n. kostkind, n. kostknecht, m. köstlein, n. köstlich köstlichheit, f. köstlichkeit, f. kostmangel kostmeier, m. kostort, m. kostreich kostschule, f. kostschüler, m. kostspielig kostspieligkeit, f. subst. kostspilterung, f. kostsplitterig kostsplitterlich kosttag, m. kostung, f. | I. Geschichte, herkunft, formen. a) mhd. kôsen, ahd. chôsôn, aber eig. eben nur hd., allen andern germ. sprachen ist es eigner weise fremd geblieben, sodasz selbst nd. und nl. nur späte spuren oder ansätze dazu erscheinen (s. f). mhd., noch mehr ahd. war es dagegen reich entwickelt, nicht nur in der bed. des einfachen wortes (s. b), auch in den formen, denn es sind verzeichnet subst. chôsi n. eloquium (s. vorhin kose), gichôsi n. sermo, loquacitas, tractatus, assertio, adj. chôsîg und chleinchôsîg beredt, dazu chôsîgî beredtsamkeit, chleinchôsôn disserere, ferner tief ins leben eingreifend vilichôsîg geschwätzig, argchôsôn übelreden, verlästern, lindchôsôn schmeicheln, willechôsôn einem nach dem willen reden, schmeicheln, widarchôsôn widersprechen, pichôsôn bereden, tadeln und noch weit mehr; schon mhd. erscheint das als stark beschränkt, unser nhd. kosen nur als ein letztes restchen des ganzen. b) als quelle dieses reichen wortes wird gleichwol ein fremdwort angenommen mit groszem scheine, das lat. causari in seinem späteren gebrauche für das schleppendere alte causam dicere u. ä., vom reden vor gericht (s. in der lex langob. 2, 52, 1 z. b. causam alterius agere aut 'causare'), das auch romanische wörter nachliesz, wie altfranz. choser zanken, tadeln, prov [Bd. 11, Sp. 1843] chausar, it. cusare sein recht geltend machen, behaupten. altein die bed. des lat. und des deutschen wortes stimmen keineswegs zusammen. jenes ist bei Ducange nur causam agere, litigare, calumniari, das deutsche wort steht aber in den glossen und sonst nie für causari, es glossiert (s. 4, 501 ff.) disputare, dissertare, conferre (sich besprechen), tractare (causam cum aliquo), allegare, conficere, loqui, gichôsôn deliberare; gichôsi ist oratio, das reden nach der kunst chôsôn (s. besonders leseb. 122, 35 ff., 1859 138, 34 ff.), dann auch die rede der dichter (der suoʒo chôsônto Homerus Boeth.), desgl. das heutige kosende reden (s. II, 2), gerichtliches reden aber musz mit zugesetztem ding gericht besonders bezeichnet werden: 'mit langemo dingchôse, rhetorico syrmate'. c) was für causari spricht, ist der merkwürdige umstand dasz lat. causa früh volksmäszige aufnahme gefunden haben musz nach kôsa im muspilli 40, von dem kampfe zwischen Elias und dem Antichrist: khenfun sint sô kreftîc, d) nebenformen vereinzelt. spät mhd. kœsen Meyer u. s. 50a, 426, wol durch köse (sp. 1841) veranlaszt; s. auch kœselen II, 1, c. im 16. jh. ein falsches part. gekosen (s. dazu sp. 1724): ich het oft under roten rosen e) in den wbb. ist es übrigens eigner weise eine zeit lang verschwunden gewesen, es fehlt bei Dasypodius, Maaler, Schönsleder, Denzler, Aler, Ludwig u. a.; erst Stieler, Rädlein, Steinbach, Wachter, Frisch bringen es wieder, aber nur als alt und ausgestorben oder zur erklärung von liebkosen oder als landschaftlich, wie Adelung als schwäbisch. ohne diesz liebkosen wäre es der gebildeten und schriftsprache wahrscheinlich verloren geblieben, erst die dichter des 18. jh. haben es wieder in gang gebracht, wie es denn heute nur noch dichterwort oder niederes volkswort ist (s. u. II, 1, c): 'indessen haben unsre modeschriftsteller das wort in gunst genommen und gebrauchen es, besonders von verliebten unterredungen, bis zum ekel häufig'. antib. 2, 196. ob auch franz. causer plaudern darauf wirkte? es soll nach Diez, Scheler u. a. umgekehrt unter deutschem einflusz stehn, während es Littré doch schon altfrz. nachweist (vgl. altfrz. kose neben chose). f) spuren von nd. bestande (s. unter a) sind ostfries. köseln, kösken plaudern, salbadern 118a, auch kaseln närrisch reden brem. wb. 2, 749? nl. keuzelen plaudern, kosen, bei Kil. auch koosen gleich liefkoosen adulari, nach dem nd.? aber auch engl. dial. coze to converse with earnestly and familiarly 276b, vgl.cosey, schott. cozy, cosie snug? s. auch das halbklare, doch anklingende cose bei 1, 256a. II. Gebrauch und bedeutung. 1) die allgemeinere bed. noch nhd. anfangs. a) kosen, reden, sprechen, sagen, teidingen, sermocinari, loqui, narrare. voc. th. 1482 r ija; wan (denn) wir horten die weisen kosen (sagen), dein (des weines) kraft kan niemand ausgekosen. weingrusz altd. bl. 1, 412, völlig herzählen; also saugen sie das latein (in der schule) in sich mit groszer arbeit, wan sie aber uf die canzel kommen, so koszen sie es herausz einesmals (auf éinmal) wie ein stork die schlangen den jungen. narrensch. 12b, reden sie flieszend lat.?; di hárt wider'n gerechten kôsen. dærn mnd z'n nechsten von frid kôset. L 4a; [Bd. 11, Sp. 1844] ich kan euchs nicht versagen (völlig sagen), wie behende er von dem kauterwelschen geschere des gefirmaments ein stück weg kosen kan. studentenleb. D 2, klug von den sternen reden, ein schäfer. b) selbst mit dativ: denn sich über sie, wie man mir kost (erzählt), c) mundarten haben es noch heute als kraftwort für reden überhaupt, so oberpf. kousen 2, 337, östr. kauschen viel reden 181, schles., deutschungr. kosen 72b, kausen nachtrag 35a, siebenb. kuisen, obers. und thür. bäurisch kûsen, henneb. auch erweitert kusern, küsern 2, 458. 462; ebenso mit l erweitert mhd. kœselen nach liebekœseler, einer der süsze minnereden führt neun felsen 59, daher schweiz. küseln lispeln 2, 146 ? vgl. ostfr. köseln, nl. keuzelen vorhin (I, f). 2) plaudern, schwätzen, besonders von traulichem zwiegespräch. auch diesz schon ahd. nach minnichlîcho chôsôn 27, 3. es ist intrans. (doch s. auch d). a) von vertraulichem zwiegespräch: gebete alein mit gote kôset. Renner 20597; swer die heiligen schrift gerne list, lieber müszig sitzt an der thür (ein alter), mit dir nun musz ich kosen, wir koseten traulich von diesem und dem. so koszten sie die nacht entlang. b) besonders von verliebten: ir versprechet (verredet zu heiraten) rîche künege, den sît ir gehaʒ, si sprach 'zwâr, wir müeʒen altissimus (gott) wart cosen c) auch mit zurücktreten des zwiegesprächs, plaudern, schwatzen überhaupt, vom einzelnen wie von einer menge. so mhd. (s. das wb.) z. b. von 'geschwätzigen' bächen: ouch hôrte man da kôsen ir peinlein sie (die bienen) mit plümlein hoseten, [Bd. 11, Sp. 1845] wir künnen zaubern und auch kosen, die weiber beim wein und bier d) auch transitive fügung kömmt vor: Käthe der narre (meine frau) hat mirs so eingekost (dasz der sohn studieren sollte). a. a. o. H 6b, eingeschwätzt; was wir hie kosen, das bleib under den rosen. sprichw. 2, 84a; ich wolt gern ein weil mit euch kosen. 'wol an, liebs beuerlein, kos her! was wiltu mit mir kosen?' sat. u. pasqu. 2, 73; was wir hier vertraulich kosen, ich hab ein gut wörtchen zu kosen mit dir. mit jedem aus klagen, traulich mit freunden gekost, e) das neu emporgebrachte wort ist dann auch neu weitergebildet worden z. b. in entkosen ( 1, 97), ankosen (6, 28), vorkosen, aufkosen, umkosen u. a., älter schon einkosen (s. u. d), mhd. sich erkôsen u. a., vergl. 1, b; alt ist auch liebkosen, ebenso minnekôsen 8. 9, und wie liebkosen gebildet nordd. klugkosen (s. klugkoserei), auch witzkosen, fragkosen ( jug. 3, 30. 100). 3) das kosen als liebkosen aber gieng vom plaudern über in thätliches schmeicheln und streicheln, 'lieb haben' (adulari kosen schon im 15. jahrh. 14c), das liebende kosen in verliebtes tändeln, schäkern, buhlen. tirol. um Bozen gosen 200. a) intr., wie älter lieb kosen (z. b. mit einer lieb kosen Ambr. lb. 169, 43): die buhler sind bienen, die jungfern sind rosen, unter blüten des mais spielt ich mit ihrer hand, schäferin und schäfer kosen das toset und koset so lange. b) bei dichtern oft bildlich: die zephyre kosen so geht es, will um rosen das ist im thal éin glänzen, kosen Faust hört vergnügt im sanften meerestosen c) mit dativ, wie früher liebkosen, und wie schmeicheln: wol koset dir verlockend dir mit wolgeruch zu kosen .. ihr erschrecket, wenn sie dasteht, dann kost der fürst als seinem trautel dir. d) dann auch, und öfter, mit acc., den zuletzt auch liebkosen erhielt, an das in folg. stellen gedacht sein wird: koset nur den knaben und schlieszt ihn in die zärtlichen arme. 1, 14; koset ihn und drängt euch nur an ihn! 1, 35; dém bieten graue eltern noch auf bräunlichem aste kosten sich da seh ich wundernd das erschrockne thier ists möglich dasz ich, liebchen, dich kose! [Bd. 11, Sp. 1846] 1, a) nhd. nur in einem einzigen zeugnisse: dis wasser ist an seiner kost dem scharpfen essig gleich. von wassern 237. auszerdem gibt nur 1017 an er hat eine gute koste, einen feinen gaumen, jedenfalls aus seiner heimat Thüringen; dort und in Sachsen hat man oder macht man sich solche subst. fem. von allen ähnlichen verben, z. b. er hat eine feine rieche, schmecke. dennoch wird jenes kost alt sein, vielleicht älter als kosten selbst. merkwürdig auch böhmisch košt m. geschmack und 'das kosten, verkosten', zu dem von uns entlehnten koštovati kosten. b) als masc. auch schweiz., doch mit u (wie unter 2 und wie kusten, küsten für kosten, s. dort), der kust oder chust geschmack, dazu abkust beigeschmack, abgeschmack, kustig, küstig schmackhaft, unkustig geschmacklos. 2, 147, 2, 483a. das heiszt zwar auch gust, app. gusta m. 247a, mit anlehnung an ital. gusto wie es scheint (vgl. ebend. gû, d. i. frz. goût), wie auch bair. gust m. 2, 79; aber es ist darum kein fremdwort, die ähnlichkeit mit lat. gustus stammt von urverwandtschaft. c) schweiz. auch von geistigem geschmack, e gueti chust ha judicio pollere, kei chust ha prorsus insipidum esse (Schmidt id. bern. bei 2, 483a), ganz wie in sapere u. a. die klugheit vom geschmackssinn benannt ward. 2) bezeugt ist es übrigens aus alter zeit, aber nur in übertragener bed.: ahd. chost m. arbitrium 4, 518, gewöhnlich mit u (wie unter 1, b), das. s. 514 chust f. aestimatio, existimatio, delectus, alts. kust f., ags. cyst m., altn. kostr wahl u. a., auch schon goth. kustus m. und gakusts f. für δοκιμή, prüfung, also schon mit beiden geschlechtern, wie nhd.; aber die älteste bed. ist da einmal nur nhd. bezeugt (natürlich durch zufall), denn das prüfen ist eig. ein kosten, s. darüber kosten 1 und kiesen, das stammwort dieser aller. 1) Eigentlich. a) der genaue begriff ist speisung, aber nicht speisung überhaupt, sondern solche, deren genusz einer irgendwo hat, besonders wenn das regelmäszig ist, also was unter umständen schärfer durch beköstigung ausgedrückt wird (den grund s. u. 4). α) so heutzutage und schon mhd.: die kost enzugen si im (dem löwen) dâ von, Bachus zwar, der fürst der kost die kost war fremd, das bett war schlecht. [Bd. 11, Sp. 1847] gesinde erhält kost und lohn, kost und kleidung, es hat einer freie kost, dient um die kost, klagt er verdiene kaum die kost, verdingt sich in die kost u. a. β) diesz in ist die praep., die die meisten wendungen besorgt, man geht bei einem in die kost (daher kostgänger), ist bei einem in der kost, nimmt einen in die kost, ein meister hat so und so viel leute in der kost oder in kost, schüler sind bei einer familie in der kost, in kost (kost und wohnung), und so von jeher (den grund s. unter 4): wöllen wir, dʒ hinfuro weder unser camerrichter noch ainicher der assessores .. ainichen procuratorem .. bei im ime haus wesenlich (wohnhaft) oder in der cost haben noch halten (soll). reichstagsabschied Augsb. 1500 C ijb; nahm er mich gutwillig an und dingte mich auch in die kost. Simpl. 1, 344, 31 Kz.; er geht mit ihm in die kost, ist sein tischgenosz. 1, 918; man rechnet dasz tausend millionen zu gleicher zeit auf der erde leben und bei dem lieben gott in die kost gehen, ohne das gethier. schatzk. 5. γ) doch auch mit an (vgl. DWB an den tisch nehmen u. ä.): (Christus) der ward der krippen last. der must in kält' und frost δ) in höhnischem witze von übler behandlung: abgepeitschet wie hunde, einen tritt zur thür hinaus, das ist die kost für so kerls! 1, 196, wie einen so und so tractieren sowol beköstigen als mishandeln bedeutet. ähnlich nordd. volksm. an die kost kommen, schläge oder schelte bekommen antib. 1, 91, du warst an de kost kamen! die strafe wartet auf dich 251b (vgl. aber sp. 1852 mitte). Furchtbar bitter aber einen von der kost thun, höhnisch verhüllend für tödten: gleichfalls braucht Joab keinen puffer (pistole), als er Abnerum und Amasam schelmischer weis von der kost thät. Simpl. (1713) 3, 64; lag sie dem könig Sigismundo .. an, bis er ihr verwilligt, dasz sie ihn heimlich von der kost thun möchte. 3, 400 (1684), eigentlich einen kostgänger beseitigen, um zu sparen? b) im genauesten sinne aber (s. 4) ist in kost der ganze täglich unterhalt überhaupt inbegriffen, unter umständen auch die wohnung. α) so bei kindern, schülern, die in kost sind, die man in die kost thut bei einer familie: meine tochter ist noch auf dem lande, ich bin also nur blosz in gesellschaft meines Fritzen, denn dasz Engelbert in der kost ist wissen sie wie ich glaube. mad. an Lessing 13, 560, d. h. die kost drückt da aus was man jetzt meist deutsch-französisch pension nennt ('pangsjohn'!), im vorigen jahrh. scheint dafür noch kost vorgeherscht zu haben, wie wol noch am Oberrhein, in der Schweiz. 'eine kost', eine pension: den auftrag, für ein junges frauenzimmer .. in einem ehrbaren bürgerlichen hause .. eine kost zu suchen. pros. versuche 2, 9 (aber kost und wohnung s. 41). dazu kostgeld, für pensionat kosthaus, kostschule, für pensionär kostschüler, kostkind, vgl. DWB kostjungfer, s. auch kosthalter, kostherr, kostfrau. β) auch das ist alt. in einem schweiz. weisthum des 15. jh. z. b. heiszt es von brüdern nach des vaters tode: die wil und (d. i. solange) si teil und gemein mit ein andern habent und in éiner cost sind. w. 4, 348, deutlich 'éinen haushalt zusammen haben'. freilich heiszt das ebend. 345 die in éiner spis sind (vgl. unter a, β die wohnung von der kost getrennt), aber der sinn ist auch da kein anderer, die speisung ist nur als das hauptstück des ganzen unterhalts angesehen. gilt doch brot (2. 4) ebenso. daher werden auch speise und kost verbunden: wer einen man umb sîne bekante (eingestandene) schult .. in gefengnisse brenget, der sal in mit spîse unde mit koste halden glîch sîme gesinde. Magdeburger fragen s. 167 (vorher zerunge genannt, ebend. bekostigen), koste wird hinzugesetzt sein, um das blosze denken an die speisung zu verhüten; vergisz auch nit der cost und speis. γ) sogar für lebensunterhalt überhaupt: es ist gar ain arme kost, da man den kram also fail tregt. Keisersberg geistl. spinn. (granatapf.) L iijb, d. h. als wandernder krämer. c) aber auch die speise, das gegessene selbst. α) das was die speise hergibt, 'nahrungsmittel': ir weine, getreide, vihe und andere koste und habe ires closters. mon. [Bd. 11, Sp. 1848] boica 25, 248, lebensunterhalt, 'victualien'. besonders aber kleinere nahrungsmittel, genauer als kleine kost bezeichnet, mhd.: obeʒ und knoflach .. und eier und smer .. und nuʒʒen und kesten (kastanien) und swaʒ sô getân klein kost daʒ ist (zum verkauf). Meraner stadtrecht 6, 413. so erklärt Maaler kost f., ms, allerlei speis, one wein und brot, opsonium, epulae 249c, womit der sprachgebrauch in schweiz. weisth. übereinstimmt: und sol man im gen win und brot und allerhand kost genuog. w. 4, 342; (die göttin) die statt eicheln zur kost goldenen weizen verlieh. β) dann aber auch das bereitete gericht: wiltu die kost salzen iht, zu dem mostekoste, wer .. gute kost salzt mit eschen ... der magen leichtlich nimpt ein scheü (nach dem bade) viel obst ist ungesund; wir keuen alle dran, γ) eigen auch kost mus, puls, pulmentum, gerstenkost offa hordeacea 1228a, wie koch (n.) 1 mus, brei, eig. warme speise. δ) was ein mann für sich braucht zum unterhalt: ir hond (habt) wol dreier man kost gessen. Eulensp. hist. 23 s. 47 Lapp., von einem gesellen beim meister. ε) dazu hauskost, hausmannskost, bauernkost, kinderkost, frühkost, abendkost, nachtkost, zukost, nachkost, vorkost, himmelskost u. a. d) auch von thierfutter (wie mhd. unter 1, a, α), dichterisch: wenn man vogel fangen wil, streut man auf die beste kost. ein sperling half den frommen tauben e) einzeln auch vom trank, wie der ja im vorigen der sache nach oft mit eingeschlossen ist (vgl.lebenskost vom wein b. Göthe): so ist der winzer gleich erstickt, schont auf heute (zum hochzeitmahle) f) der begriff speisung brachte aber auch den von schmaus, gasterei hervor: sus rîcher koste krangel 2) Bildlich: die kost der hailigen geschrift (in sich aufnehmen). 119, 6, von schuolern; Christus wil die koste sein dan arbeit, mühde, schweisz und frost [Bd. 11, Sp. 1849] bezaubrend unding (ehre), kost der ohren, die freundschaft stammt von ihr, der herzen süsze kost, 3) Früher aber auch als masc. koste, kost, schwach und stark: und wan das geding gehalten (zu ende), gehen sie ... in des burgermeisters haus, der ist ihnen essen und trinken, nemblich einen ziemblichen kosten zu geben schuldig (das nämlich führt den herkömmlichen 'namen' des essens ein). weisth. 2, 209, vom Hundsrück 16. jahrh., eine gehörige bewirtung, ein schmäuschen; wan alsdan die früchten ausgeliefert seint (als zinse), so ist der junker den scheffen ein zimblichen kosten schuldig zu geben. rhein. weisth. bei denkw. aus d. arch. d. reichsk. 198 (in der überschr. imbisz); darvon gebürt ihnen auch der kosten. 200, beköstigung; von dem ordentlichen kosten oder diät, welche Grandgoschier mit essen und trinken halten thät. Garg. c. 3 überschr.; aber die zame hummeln. die fliegen nicht so von haus zu haus bettlen, sonder bleiben in ihrem bienkorb, und da kriegen sie den kosten ohn arbeit. bienk. 238b (1588 264a); darnach möchten sie uns das triburinisch concili für die nasen stellen, welches verbiet, das man kein geld für die begräbnussen nemmen solle. was guter jar! wer solt von diesem kosten essen können? 44b, bei 35b wat goedjaer, wie soude van dien cost (m.) willen eten? also starkf., wie rhein. im folg.: und wan der (als frohnfuhre hinzuschaffende) wein ufm schlosz fur dem backhaus licht, ist i. ch. g. den furleuten den kost schuldig. weisth. bei a. a. o. 196. 4) Ursprung. a) man suchte den ursprung gern in kosten gustare, mit verweisung auf ähnliche anwendung des lat. worts; aber kosten und gustare heiszen nicht essen, sondern nur von etwas essen, naschen, gustus nur ein vorgericht, blosz zum kosten, im gegensatz zum eig. essen, gustulus ein leckerer imbisz. b) es ist aber nichts als das folg. kost, koste, aufwand, in einer besonderen anwendung, durch deren häufigkeit sich diesz kost speisung im sprachbewusztsein von jenem abgelöst hat als ein wort für sich. die formen treffen bei beiden urspr. genau zusammen, fem. und masc. und collectivischer singular; die trennung beider geschah wol völlig erst als sich bei dem mutterworte der pl. festsetzte. kost war urspr. aufwand oder ausgabe für bewirtung und pflege und wurde dann die bewirtung, verpflegung, speisung selber; anlasz dazu gab die gastfreundschaft des mittelalters; s. besonders kostfrei, auch kösten und köste sp. 1853. c) man kann die neue bedeutung gleichsam entstehen sehen aus der ersten, z. b.: diu hôchzît diu werte den vierzehenden tac .... dô si (die Burgunden) über die Trûne kômen bî Ense ûf daʒ velt ... d) eben so gut von aufwand für sich selbst, 'selbstbeköstigung': daʒ Baier in ein stat wâren komen [Bd. 11, Sp. 1850] e) bei beiden bedeutungen war haupts. in gebräuchlich (s. schon aus dem Renner unter d), in eines kost (oder kosten sg.) ist der, der 'auf seine kosten' lebt (s. 250a sp. 1851 γ): des vogtes reht ist, swenne er durch gerihtes willen uffen den meierhof kumt .., das in der meier sol haben in sîner koste. Habsb. urb. 79, 14; da soll er nachfolgen (heeresfolge thun) und soll den ersten tag und nacht in seiner kost liegen. weisth. 1, 799, sich selbst beköstigen, für anderes aber soll ihm der pfalzgraf seine kost abthun das. (erstatten), man sieht noch das schwanken beider bed. in eins; denselben man (einen flüchtigen todtschläger) sall der scholteisz offnemen drie dagh und sesse woichen langh in siner kost. 2, 464, 16. jahrh. von der Mosel. 219b erklärt servire cibo suo (Plaut.), sich im dienst selbst beköstigen, 'dienen in seinem kosten', aber trotz cibus war ihm kosten noch mehr der aufwand, das zeigt 'alienus cibus, speis in eines anderen kosten' 219a. noch heute fällt im häuslichen gebrauch von kost vielfach das hauptgewicht auf das erhalten der speise vom kostgeber, besonders gegen bezahlung, oder auf das selbstverdienen, sodasz der begriff des aufwands dafür noch uns darin spielt. f) erwähnenswert ist, dasz der gleiche gang der entwickelung sich in speise zeigt, das auf mlat. spensa, d. i. expensa aufwand zurückgeht. und ebenso wird sich der zusammenhang von lat. daps mahl (gr. δεῖπνον) mit δαπάνη aufwand erklären. aber cost selbst zeigt auch keltisch neben der bed. aufwand die bed. speise, kost ( goth. wb. 2, 459), findet sie sich schon altfranz.? Das subst. hat sich bei uns früh manigfach gestaltet, es ist sowol m. als f. (wie mlat. vorhin auch) und bildete eine form mit umlaut (s. II); auch in andern beziehungen sieht es uns jetzt recht fremd an. I. Die umlautlose form. 1) masc., und diesz wieder doppelt, schwach und stark. a) das starke m. zwar ist selten, mhd. kost, gen. kostes: (reines gold) ist des hôsten kostes (: rostes) viel leut ir gelt unnütz verschieszen (verschleudern) ... b) herschend aber war früher schwaches m., das auch schon mhd. sich findet (ein beleg unter γ). α) haupts. alem. und überhaupt oberd., auch rheinisch (während dem nd. das ganze m. fremd scheint?): der kosten, so .. geschicht [Bd. 11, Sp. 1851] (aufwand, der gemacht wird). reichstagsabsch. 1512 § 10; den kosten abzulegen (zu erstatten). erklärung des landfr. von 1522 § 11; das man leit (legte) ein so mächtig gelt das jagen ein unnötigs ding, β) aber auch mitteld. früher, z. b. bei Luther neben dem f., das doch häufiger ist: da er aber sahe, das er nicht gelds gnug hatte ... besorget er, er vermöchte den groszen kosten lenger nicht zu tragen. 1 Macc. 3, 30; die stad Ptolemais .. gebe ich dem tempel zu Jerusalem, zum kosten der auf das opfer gehet. 10, 39; zum gebew und besserung des tempels .. wil der könig den kosten auch legen von seinem eigen einkomen. 10, 45; das Seleucus .. aus seinen emptern verordnen liesz allen kosten, so man zum opfer bedurft. 3, 3. ist das alt? oder oberd., rhein. einflusz? die heutigen ostmd. mundarten wissen nichts davon, ob die oberdeutschen? in Sachsen doch noch im 18. jh. bei schriftstellern: ihr achtet viel auf schöne kupferstiche .. lieber! wendet den kosten daran und laszt euch die Jesabel .. abmahlen! unerk. sünden der welt Dresden 1701 979. γ) danach wird auch folg. kosten nicht als plur. anzusehen sein, sondern als sing. m. schwacher form: unde die amptliute ûʒ des bischoves costen suln ime rât tuon (seine bedürfnisse liefern) .. der trusseʒʒe daʒ eʒʒen .. der schenke den wîn. Baseler bischofs- u. dienstm. recht 12, 7 s. 19 Wack. (weisth. 4, 477), also schon mhd. auch schw. m.; und so vil kosten dran geleit. dann wenig kosten man dran leit. 48, 27; das er ouch kosten leg dar an. 59, 7; (wer an die fähre kommt) der sol dristunt (dreimal) rfen. komt der fer (ferge) nit, so mag er in das wirtshus gan und uf des fern costen ain masz win trinken u. s. w. zeitschr. 5, 380, vom j. 1497; in eins anderen kosten läben, aliena vivere quadra. 250a (zugleich das vorige 'kost', unterhalt); das niemand gröszer gebreng halten oder kosten machen darf dann sein stand ist. ehbüchlin F 2b. setzt er doch im dict. dicht neben den lat. pl. expensa deutsch den sing.: ad assem reddidit mihi expensa, er hat mir den kosten bei eim heller bezalt. BB 4a.2) fem., aber lange auch nur im sing.; mhd. bestanden auch hier zwei formen, kost und koste (beide starkf.), die nhd. meist nicht mehr zu unterscheiden sind (s. unter c); auch mnd. kost f., z. b.: (Karl d. gr.) minnede sêre ellende lûde unde hadde sô grôte kost mit armen luden, dat he is (gen., davon) itteswenne vil sere bekumberet wart. zeitb. 262a; öfter auch im Sp. a) erkennbares fem.: der ander kost ich schwigen will. [Bd. 11, Sp. 1852] um von dem übrigen aufwand nicht zu reden; und die kost (des baus) sol vom hause des königes gegeben werden. Esra 6, 4; wer ist aber unter euch, der einen thurn bawen wil und sitzt nicht zuvor und uberschleget die kost, ob ers habe hinaus zu füren? Luc. 14, 28; wage die kost an sie. apost. 21, 24; mit groszer kost .. erkauft aus Rom. 1, 191b; seines lieben sons blut, das ist die kost die daran gewand und dadurch uns solchs erworben ist. 6, 287a; mit schwerer kost. Ringwald tr. E. L 1a, wie jetzt mit schweren kosten. b) auch folg. kost ist danach als f. anzusehen: wo die herzen unterricht sind, das .. durch bilde im (gott) kein gefallen geschicht, sondern (das) ein verlorner dienst und kost ist, fallen die leute selbs williglich davon. 3, 38a; wer aber auf menschen trawet (statt auf gott), uber das (auszerdem) das er nichts findet, verleuret er auch das das er drauf gewand hat, und wird also seine hoffnung und kost auch zu nicht. 3, 300a. c) einzeln im 16. jh. doch auch noch das volle koste f.: mit aller solcher groszen koste und schwerer rüstung, da viel aufgehet und viel dazu gehört, mögen sie (Attila u. a.) nicht so viel, das sie irs lebens ein augenblick sicher weren. 4, 247b (263a), kriegsaufwand; freilich könnte das -e durch den dat. herbeigeführt sein. d) auch diesz fem. im sing. lebte noch im 17. jh.: was wolt ihr menschen bauen wann auch gewesen wer' in Jesus zeit zu finden und der auch, welcher hat die kost an dich gewand, 3) mitteld. eine nebenform kust, wie noch jetzt mundartlich (vgl. 4, 376 vorhin lust : kost), so schon im 15. jh.: expensa, kust 218a; werden denne di scheppin .. des rechtis gefroget, wissen si denne des rechten nicht und nemen der sachwalden gelt zu der kust, das rechtis (was 'rechtens' ist) zu holen .. Magdeb. fragen s. 24, zu den kosten für einholung des rechtsbescheids aus einer andern stadt. vielleicht schon aus dem 14. jh. bei 1, 329 (s. unter III, 1, a, β). auch in der bed. speise: daʒ sie mit flʒe nême war, II. Daneben eine umlautsform. 1) in der gewöhnlichen bedeutung. a) im sing., köst und köste fem. (ahd. chostia?): das heiszt der welt verkerte weisheit, die mit gülden netzen fischet, da die köst gröszer ist denn der gewin. 1, 190a (ausg. v. 1564); wo er (der teufel) .. die liebe jugent verlöre und leiden müste, das sie mit seiner köste und güter ('auf seine kosten') erhalten würden zu gottesdienst. 2, 471b (1555 460b), die ausg. der luth. schriften schwanken oft zwischen koste und köste. auch oberd.: so werden sust etlich die unsern auf ir selbs köste auch komen (in den Hussitenkrieg). Nürnb. chron. 2, 50, v. j. 1427 (sonst das. kost f.), wenn das nicht pl. zu kost m. ist (I, 1, a). köst, cöste impensa in einem md. und einem rhein. voc. des 15. jh. 288b, auch in einem oberd. (tirol., vgl. u. 2) impensa köst (impensare verchösten) nov. gl. 211a. b) rhein. und oberd., besonders alem. ist ein plur. kösten (unkösten) bis in neueste zeit gültig: mit den geringsten kösten. weisth. 5, 338, aus der Bonner gegend; dasz ein abt vom Laach den thurn .. lasse bewachen auf seine des abts unkösten. 3, 812 (16. jh., aber nach einer abschrift des 18. jh.); eine weite reis ... ohne sonderbare unkösten zu vollbringen. Simpl. 4, 326, 24 Kz.; sechstens haben vermög altes landsbrauchs die herren im Bregenzerwald (wenn sie dahin zu gericht kommen) .. ihr speis und trank .. bei den geistlichen ohne des lands kösten zu suechen. landsbrauch d. inn. Bregenzerw. 121 (s. unter [Bd. 11, Sp. 1853] kirchen); er macht sich .. lustig auf unkösten der mönche. bei Drollinger 228; mit groszen unkösten, ohne die geringsten unkösten. leben Hallers Zürich 1755 s. 162. 163; die gerichtskösten. wirtemb. briefe (o. o. 1786) 115; einen in kösten bringen. 13, 49 u. ö.; der spruch hiesz endlich 'theilet euch c) doch hat das mit dem köste unter a wahrscheinlich nichts zu thun, es wird nur ein falscher pl. von der kosten sein, wie z. b. kästen, gärten von kasten, garten. denn beides erscheint auch beisammen: wan er gericht ist .. soll man rechnen die unkösten. hait der misthädiger nit so viel hindergelassen, dasz man die kösten erlegen kan, so soll u. s. w., hat der kläger auch nit so viel, dasz man den unkosten von ime kregen könte .. weisth. 2, 318, v. j. 1508 von der Mosel. und schon in einem oberrh. weisth. des 15. jh.: so mag er daʒ pfant .. verkaufen für sine schulde (sg., was man ihm schuldet) und küntlichen kösten. 1, 436, nachher ebenso für küntlichen kosten, vorher mit dem kosten. 2) das fem. köste aber auch in der bed. speise (s. sp. 1849): du thust recht sam ein sau in einer pfützen, Christus wil die köste sein 3) daher auch in der bed. imbisz, schmaus. a) heimisch ist das namentlich im nd. (wechselnd mit kost), mnd. aventköste abendschmaus, amtköste amtsausrichtung (d. i. wahlschmaus, den der gewählte amtmann gibt), pl. kösten, s. bei Haupt 3, 90 aus Pommern 16. jh., noch bei Fr. Reuter köst schmaus, austköst erndefest. in Siebenbürgen heiszt der richtschmaus (beim 'richten' eines hauses) die köst, d. h. vom Rhein eingeführt (s. b). s. auch köstchen. ein aus Weimar stammendes geburtstagscarmen 'am 5. april 1810' beginnt: frisch hinaus, wo grosze köste b) dasz diesz dasselbe wort ist wie unter 1. 2, wird hier besonders klar an einem rheinischen belege (s. schon sp. 1849 4, c); in demselben Bonner weisthum, wo kösten pl. für kosten steht (1, b), wird dieser pl. auch von der unter a erwähnten amtsköste gebraucht: wann nun die mahlzeit geschehen .. dann haben die fahrmeister macht und sollen aufstehen und sich berathschlagen, ob die kösten auch geschehen wären, wie sie von alters bräuchlich seind (kurz vorher die genaue beschreibung des mahles), der neugewählte bürgermeister ist nämlich schuldig den ehrsamen fahrmeisteren zu Bonn und Beuel in (ein?) frei kösten zu halten und zu thuen. weisth. 5, 336, zuletzt scheint der pl. (eig. aufwand) sogar in einen neuen sing. übergetreten. c) das nd. köste unter a gilt vorzugsweis vom hochzeitschmause (als dem wichtigsten der einem im leben vorkommt), dann kurz von der hochzeit selbst, 'köst un kindelbêr' hochzeit und taufe 118b (vgl. kindelbier); so im 16. jahrh. kösten pl. 3, 90, im 17. bei Lauremberg, wo im anhang eine beschriving wo it mit dem honnichsöten frien vör un bi der köst togeit, dazu köstenlüe hochzeitsleute, köstedach hochzeitstag, köstebreef hochzeitsgedicht u. a. (s. Lappenbergs ausg. 287a); s. DWB koste so sp. 1848 (f). daher bei nordd. schriftstellern, wie baurenköste bauernhochzeit 262. aber auch, im edelsten stil, bei Opitz, der Antigone klagen läszt, οὔθ' ὑμεναίων ἔγκληρον übersetzend: man hat mir nur, als wie ich zwar gedacht, eins ist es, das mir hier an kösten misgefället, [Bd. 11, Sp. 1854] III. Gebrauch und bedeutung. 1) Für den gebrauch des wortes ist zu bemerken a) vor allem der ausschlieszliche plural, dem das wort jetzt verfallen ist. es heiszt nur noch grosze kosten haben von etwas, die kosten eines baues berechnen, auf seine kosten etwas unternehmen u. dgl., nicht mehr groszen kosten oder grosze kost u. s. w.; wer etwa von einem fremden nach dem sing. oder nach dem geschlechte von 'kosten' gefragt wird, kommt in verlegenheit, denn auch das ist unserm sprachgefühl mit dem sing. verloren. wie alt ist und woher rührt dieser zustand? α) noch im anfang des 18. jh. gibt am Oberrhein Denzler den plur. gar nicht mit an (nur groszer unkosten u. dergl.), am Niederrhein aber Aler neben seinem pl. kösten auch noch einen sing. (s. II, 1, b). Sachsen dagegen geben da schon blosz kosten pl., wie Ludwig, Schmotther, beide auch schon ohne geschlecht, wie der Schlesier Steinbach auch, doch 559a als 'm. plur.' (aber ohne sing.). so wird dieser pl. auch durch den sächs. einflusz jener jahre verbreitet worden sein (bei z. b. s. 2, c, α, heimisch war ihm kost f., das auch Schottel noch allein als hd. ansetzt). übrigens gibt ihn schon am ende des 17. jahrh. der Thüringer 1018, der den sing. der kosten zwar noch mit ansetzt, aber nur pl. zu brauchen scheint: die kosten (des processes) steigen höher als die schuld, kosten sparen, vorschieszen, die unkosten wol anlegen, dazu prozesskosten, einquartirungskosten, baukosten, begräbnüskosten u. s. w., ganz wie jetzt. so wenig wirkte mitten in lutherischen landen nur anderthalbhundert jahre später Luthers täglich gelesenes bibeldeutsch, der da nur der und die kost brauchte (s. u. I 1, b, β und 2, a) und einen pl. noch gar nicht kennt! β) und doch ist er weit älter als diese wörterbuchsangaben, eben auf md., thür.-meiszn. boden; denn in dem sog. Eisenacher rechtsbuche find ich 3, 106, wo von veränderung des ackergrundes durch wassergewalt die rede ist: weme daʒ (d. h. etwas der art) zûfloʒʒe, daʒ behûfelich (brauchbar) wêre, daʒ sal der zu lôsene gebe (kaufsweise wieder hergeben) nôch den kosten, die her darûf getân hât. rechtsqu. 1, 742; dô sollen alle die darzû helfin (die burg niederzureiszen), die in dem gerichte sitzin, .. bî erin (ihren) selbist kosten. 745 (3, 109), in der entsprechenden stelle der distinct. das. s. 329 bî ores selbes kuste (s. I, 3), wie auch dort in glîcher koste 731, die kost gelden s. 719, die ausgelegten unkosten erstatten, also der sing. und plur. noch nebeneinander. der pl. erscheint auch in dem sog. rechtsbuch nach distinctionen, das meiszn. ist: ab he schaden nempt (nimmt) an sînen kosten. 3, 16, 10 ( 1, 167); mit gewonlîchen kosten, mit gewonlîcheme getrenke. 3, 16, 1, von beköstigung, s. III, 3, b; mit sînes selber kosten. 2, 2, 9 (111), also schon im 15. 14. jh. an der stelle, von wo er viel später sich verbreiten sollte. Aber auch in der reichscanzlei brauchte man den pl. schon 1500: nach dem sy .. die costen nit bezalen mügen (für berufung ans kammergericht). reichsabsch. Augsb. 1500 C 5a; so .. sy die costen nit zubezalen hetten. das.; die partei, so in die costen ertailt ist. 5b (C 3a noch zu merklichem costen, 3b iren costen acc.). γ) als urspr. sing. zum nhd. kosten ergibt sich danach die kost oder koste (I, 2); da diese aber stark sind, musz auch der pl. damals koste geheiszen haben (auszer im dat., der fürs md. unter β allein als nachweis diente), man könnte ihn in die koste gelden 1, 697 suchen. der südd. acc. die costen in dem reichsabschied dagegen enthält den sg. der koste oder kosten (I, 1, b), wovon rheinisch und oberdeutsch auch kösten pl. ward (II, 1, b). Übrigens ist der pl. dem begriffe ganz angemessen, die menge fühlen zu lassen, während der alte sing. die menge collectivisch zusammenfaszte. dasz aber länger beides zugleich bestehn konnte (wie noch nl.), darf nicht wundern, es war ebenso bei lat. sumptus und ist noch bei franz. dépense und dépenses, auch coût und coûts, engl. cost und costs. b) bemerkenswert ist auch, wie sich der gebrauch mit der manigfaltigkeit der überlieferten formen in der nhd. zeit einrichtete. wie jetzt die kosten und die kost scharf getrennt sind (freilich so scharf dasz uns ihr zusammenhang verloren ist), so ist eine solche auseinandersetzung längst erstrebt worden. während noch Brant das f. auch für sumptus brauchte (I, 2, a), trennt Maaler durchaus die kost speise und der kost, der kosten ausgabe, d. h. wol, der oberd. gebrauch hatte sich inzwischen so entschieden (so schon in dem reichsabsch. 1500), und er wirkte damit bis ins mitteldeutsche herein, sodasz Luthers fem. für sumptus dann veraltet erscheinen mochte. Im nd. dagegen lebt diesz heute noch, sodasz da das fem. noch schwankt zwischen speise und ausgabe, wie mhd. [Bd. 11, Sp. 1855] und mnd.; aber man hat dort theilweis eine andere theilung getroffen, indem die umlautsform köste für schmaus, hochzeit besonders bestimmt ward, z. b. in Hamburg nach 136 (brem. alles nur kost f. nach dem brem. wb.). Das schwanken zeigt sich am stärksten im nl., da geben neuere, wie Weiland, De Vries für beide hauptbed. kost m., ohne ein f. nur zu erwähnen; aber (1729) gibt für speise kost f., für ausgabe als vorherschend kosten pl. (im sing. auch f.), also wie nhd. c) erwähnenswert ist endlich auch, wie es sich gegen die leidige beschränkung im gebrauch der possessivpronomina lange gewehrt hat, dasz sie immer zugleich den bestimmten artikel enthalten sollen: on alle deine kost und erbeit. 4, 458a; es haben zwar meine lieben eltern .. mich .. zur schulen und lehr mit groszem irem kosten .. gehalten. Kirchhof disc. mil. vorr.; wilst du darvon ein comödi ohne deinen kosten sehen? gerichtsh. 1684 1, 221 — alles heute nicht mehr sagbar, ohne kosten für dich oder deinerseits, mit groszen kosten ihrerseits musz es nun steif und schleppend heiszen; auf meine kosten ist noch deutsch, und ohne meine kosten nicht mehr! 2) Auch die heutige bedeutung ist doch nur der rest eines gröszeren ganzen. a) wir haben nicht mehr die bed. wert, besonders kaufwert, kaufpreis, die doch noch in kostbar wertvoll uns nahe liegt und genau zu kosten wert sein stimmt; es ist wahrscheinlich die älteste bed., da sie sich unmittelbar ans kaufmannswesen anschlieszt, aus dem das ganze wort gekommen sein musz. α) mhd. schon oben I, 1, a ein beispiel, des hôhsten kostes, vom höchsten werte oder preise; der (wer etwa) sîn hete gegert er (der pfelle) muoʒ grôʒe koste hân. Parz. 629, 30; diu (lieht) wârn von armer koste niht. 236, 2. β) aber auch noch im 16. jh.: kost, kosten, werd eines dings, valor. 249c, abgeredter kosten, pactum pretium (verabredeter preis). 249d; pretium, kost oder gält oder wärschaft die man umb kauft ding gibt. 1055a. ja noch bei 1618 f 8c kost, pretium (er benutzte Maaler). anders gewendet bei 1228b das kosten, valor, pretium rei. γ) einen beleg volksmäsziger geltung gibt eine redensart: wenn du nur allain die priorin förchtest (und nicht aus tugend die sünde unterlässest), so ist es arme kost. Keisersb. has im pf. Aa 3b (a 3a), ist es wenig oder nichts wert, vgl. vorhin unter α mhd. arme kost, geringer wert. b) gleichfalls verloren ist die bed. geldmittel zu einem bestimmten zwecke, die sich aus folg. ergibt. α) mhd., von den armen heiszt es den reichen gegenüber, sie gewinnent in die koste gar über sîne koste dicke ist ir mêre koste bî (wendet mehr auf), β) auch nhd. noch, selbst im 18. jh.: so hat er alles geng da neben, witz, tugend und der gute name verreisten einst auf einge zeit, γ) unsicher in dieser bed. ist kosten haben: wer buwen wil, der schlag vor an, niemen ist (dann) sô rîche, c) aber selbst die uns verbliebene bed. aufwand, ausgabe ist in einer eigenen beschränkung begriffen. [Bd. 11, Sp. 1856] α) es galt früher auch für aufwand überhaupt: unmäszigen kosten treiben, über die masz auszgäben und verthun. 250a. in gleichem sinne kosten machen, facere sumptus Alberus (I, 1, b, γ)), grosze kösten machen 1228b. daher auch 'kosten (nom.) geschehen', werden gemacht (schon sp. 1850 unten): was für unglaublich grosze kosten dem handel hier zum nutz geschehn. β) jetzt fast nur von bestimmten (bedeutenderen) ausgaben für einen bestimmten zweck, daher gern mit dem bestimmten artikel, z. b.: ich stehe für die kosten, übernehme die kosten (eines processes z. b.); er ist in die kosten (des processes) verurtheilt worden; die kosten (des heerwesens z. b.) sind unerschwinglich; es bringt die kosten nicht ein, von einem geschäftlichen unternehmen; er kommt nicht auf seine kosten (das sein enthält den bestimmten art. mit, s. unter 1, c). oder anders bestimmt, z. b.: das macht viel kosten oder grosze kosten (aber kleine kosten nicht mehr, nur geringe, unbedeutende o. ä.); mit schweren, bedeutenden kosten. eigen schweiz. einem in den kosten sein, ihm kosten machen 2, 328. 338. γ) unbestimmte verwendung dagegen fällt uns jetzt auf, z. b.: si würden .. costen darumb zu leiden gedrungen. reichsabsch. 1500 C 1b; kosten sparen, impendio parcere, sumptuum rationem habere. 249d; kosten dargeben suggerere sumptus, beschnitten kosten geben, maligne sumptus praebere 366d; wann sie (die ehefrau) merket, das ir .. lust habt, kosten auf silbere verguldte geschirr u. dgl. anzuwenden. ehz. 74 (467 Sch., alle diese kosten sind übrigens sing. m.). unsere neigung gienge da entschieden auf zuziehung des art., an den kosten sparen, die kosten vorstrecken o. ä., die kosten für silbergeschirr dranwenden; denn wir dächten da schon mit an die vorgelegte rechnung, dort ist aber zugleich an geldmittel überhaupt gedacht (nach b). δ) übrigens ist noch eine neigung des heutigen begriffs zu erkennen (die aber vielleicht von jeher mit darin liegt), dasz mit kosten besonders schwere ausgaben bezeichnet werden, z. b.: das wird kosten machen! wie das wird geld 'kosten'! d. h. viel geld; er hat dabei keine kosten gescheut, d. h. auch die gröszten nicht; er hat sich dabei in kosten gesteckt, in schwere kosten, beinahe gleich 'in schulden'. d) es dient jetzt vielfach in bildlicher bedeutung. α) hauptsächlich in der wendung 'auf kosten' (s. dazu 3, a): überall leben die colonisten (in Amerika), was weide, dünger und brandholz betrift, blosz auf kosten der natur. phant. 1, 348, d. h. sie selbst thun nichts dazu, die natur musz gleichsam die kosten bestreiten, wie in der redensart auf regiments unkosten leben u. dgl., das ganze bild stammt aus dem rechnungswesen; ich habe nichts gewollt als das land sehen, auf welche kosten es sei. 27, 191, aus Italien 1786 brieflich, er setzt hinzu und wenn sie mich auf Ixions rad nach Rom schleppen, so will ich mich nicht beklagen. β) es wird nämlich damit meist ein schade für den bezeichnet, auf dessen kosten es geht: der jüngste sohn wird vom vater bevorzugt auf kosten der übrigen geschwister, zu deren nachtheil, die gleichsam die kosten davon tragen müssen; er arbeitet auf kosten seiner gesundheit; du sollst nicht mehr auf unsre kosten lachen. 11, 159; seinen witz auf kosten der religion spielen zu lassen. 102a, kr. ausg. 2, 10, 15; dasz wir kraft und freiheit lieber auf kosten der gesetzmäszigkeit geäuszert, als die gesetzmäszigkeit auf kosten der kraft und freiheit beobachtet sehen. 1133a; die geschichte ist im grunde unterhaltend, obwol auf meine kosten. Qu. Fixl. (1796) 357, obwol sie mich lächerlich macht. γ) dasz aber das wort auch darin eigentlich schon erstarrt ist, kann folg. andere wendung Lessings zeigen, die wir uns jetzt übersetzen müssen um sie zu fassen: L. aber liebster herr Staleno — St. er bringt seine schmeichelei zu unnützen kosten. was ich gesagt habe, habe ich gesagt. lustspiele 1767 2, 170 (der schatz 1. auftr.), d.i. du verschwendest dein schmeicheln, eig. du setzest es in unkosten ohne gewinn. 3) Noch ist einiges nachzutragen zu gebrauch und bed. a) bemerkenswert ist 'auf kosten ...', denn während das wort jetzt so stark zur bestimmtheit neigt (c, β), stellt es sich da eigner weise zu den wörtern, die den bestimmten artikel nicht brauchen [Bd. 11, Sp. 1857] um bestimmt zu sein (wie auf erden für auf der erde). denn es heiszt z. b. er reist auf fürstliche kosten oder auf kosten des fürsten, nicht auf die kosten des fürsten, was doch bestimmt gemeint ist (wie frz. aux dépens du prince): auf kosten des herzogs. 899a; gehts auf kosten des bürgers und bauern. 329a. die wendung musz formelhaft überliefert sein, wahrscheinlich im gerichtsgebrauch, aus dem z. b. auch auf antrag (des klägers), nach anhörung (der zeugen), mit hinweisung .., auf wunsch (des vaters, aber nach dem w. d. v.) u. a. sich erklären, wo überall der art. zu vermissen ist. doch find ich die wendung älter nur so: alsdann soll er ein botten nach Echternach schicken uf des hern kost (f.). weisth. 2, 384; uf der parthien kost. 2, 464; auf unser kost. Nürnb. chron. 3, 347, 11; auf der von Augsburg kost und sein (eignen) schaden. Augsb. chr. 2, 132 anm.b) früher galt aber statt auf da auch in oder mit oder aus u. a.: und sint die huber sollichs .. in iren costen zu thun schuldig .... (die parteien) sol der meiger uf iren costen inbieten, doch das sie den meiger vorhin (im voraus) sicher mechten umb den costen. weisth. 5, 485; in eins anderen kosten läben 250a; doch gaben mir die bcher trost, c) das anwenden von kosten hiesz auch kosten anlegen, sumptus ponere (Cic.), facere 366d (vgl. bei II, 2, b, β) und blosz legen: zum gebew und besserung des tempels ... wil der könig den kosten auch legen von seinem eigen einkomen. 1 Macc. 10, 45. auch von kosten, den man verliert, ist die rede: kost und arbeit verlieren, vergebens arbeiten, oleum et operam perdere. 366d; die zirlichen wat, messgewant u. s. w. sei unnutz und verlorn kost. Nürnb. chron. 3, 175. d) es findet sich früher oft mit gewissen andern wörtern wie formelhaft verbunden, wie eben vorhin 'kost und arbeit', schon mhd.: daʒ wer und daʒ obirval sullen si (die müller) mit einandir haldin in glîchir koste und erbeit. rechtsqu. 1, 731. 286; nu .. man ohn meinen dank (willen) meine bücher wil durch den druck itzt samlen, musz ich sie die kost und arbeit lassen dran wagen. 1, vorr. iija; mit groszer kost, müe und arbait. Augsb. chr. 2, 159, 25; vil und grosz müe, arbait und kost hat sich ergangen zwischen und in der sach. 102, 14. auch kost und schade (s. schon unter a a. e.): rechts kosten (sg.) und schaden eim auferkennen, litem aestimare. 366d; uf ihren costen und schaden. weisth. 1, 798. ebenso kost und verlust Frankf. reichsc. 1, 257. auch geld und kost: mit dem wern sie umb zwifach gelt und kost komen. Nürnb. chr. 2, 129, 15. e) bemerkenswert ist eine unterscheidung von kosten und unkosten: die gesandte waare beträgt sich an kosten und unkosten so viel, the cost and charges of the merchandise. 1060 aus dem kaufmännischen deutsch; ich will die kosten bezahlen, ihr aber sollt die unkosten tragen. ders., ungefähr wie spesen. ebenso ungeld neben geld. f) endlich das, worin das fast erstarrte wort jetzt am lebendigsten ist, in der zusammensetzung mit unbeschränkter freiheit, wie baukosten, transportkosten, reisekosten, fahrkosten, druckkosten, gerichtskosten, processkosten, kriegskosten, anlagekosten, erhebungskosten (der steuern), ausbeutungskosten (bergmännisch), herstellungs- und erhaltungskosten, zehrungskosten u. s. w., s. auch DWB unkosten, selbstkosten (weisth. 4, 556).
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