| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
knorzicht bis knospengras (Bd. 11, Sp. 1493 bis 1497) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
knorzicht knörzicht knorzig knörzlein, n. knösel, m. knöseln knöspchen, n. knospe knospel knospelbein knospen knospenbeiszer, m. knospengras, n. knospenhäutchen, n. knospenhülle, f. knospenkleid, n. knospenkranz, m. knospenmund, m. knospenraupe, f. knospenreich knospenreis, n. knospenschuppe, f. knospenvoll knospenzeit, f. knospenzweig, m. knospern knospicht, adj. knospig, adj. knösplein, n. knostel knoster knostern knosz, m. knotast, m. knötchen, n. knötchen knötchenarbeit, f. knötchengras, n. knötchenschiff, n. knötel, m. knöteln knoteln knoten knote knoten knöten knotenader, f. knotenartig knotenbart, m. knotenbeiszer, m. knotenblümchen, n. knotenbund, m. knotendorn, m. knotenfisch, m. knotenfuchsschwanz, m. knotenfürzelein, n. knotengras, n. knotenkette, f. knotenkoralle, f. knotenkraut, n. knotenlinie, f. knotenlos, adj. knotenlösung, f. knotenmos, n. knotenpeitsche, f. knotenperücke, f. knotenprügel, m. knotenpunkt, m. knotenreich knotenschnecke, f. knotenschürzung, f. knotenschwamm, m. knotenseil, n. knotensieb, n. knotenspark, m. knotenspreu, f. knotenstab, m. knotenstock, m. knotenstrick, m. knotentuch, n. knotenwurz, f. knoter, m. knöterich, m. knoter, m. knotern knötern knötern knotheit, f. knotholz, n. knoticht knotig knötlein, n. knotpeitsche, f. knötschen knottel, m. knöttel, m. knottel, m. knöttel, m. knotteln knotter | das unbehaubne knörzet holz. [Bd. 11, Sp. 1494] und knösel an den knochen. ich brach ein noch nicht ganz geöffnet knöspchen ab. (als ich) auf das erste knöspchen lauernd so er (der feigenbaum) prosten gwint und plätlein, 1) knospe, knorre, diese urbedeutung erscheint einmal mhd. myst. 1, 319, 32 in der hs. G, die statt des knurren im texte knospen hat, knorren an einem steine (s. die stelle u. knorre 2), wol knospe m. daher erklärt sich bergmännisch knospe, knorriges stück, eig. wol knorriger auswuchs (s. unter knospicht), in den wbb. bis jetzt fehlend: spricht gott sein segen fürs ort und sprenget schöne glaserz knospen oder rotgüldige euglein in sein gang .. Sarepta 209b (1562 296a, 15. pred.); gott .. wird sein milte hand aufthun und euch knospen glaserz in ewer genge triefen .. lassen. 20b; reichen segen von knospen glaserz. 6b. s. auch knüspel 1, nodulus. 2) knorriger auswuchs am körper, wie knorre 7 (vgl. DWB knaus 2. 3): dasz etlich durities werden .. an inwendigen gliedern, auch etlich auswendig entspringen, knospen, ubergewechs. 1, 1025c. ähnlich in einem sprichwort: hüte dich vor den knospen an der stirn, die in der ehe aufbrechen. 5791. s. dazu knospenraupe, knospel 2. nach letzterem darf man auch knospe als knorpel vermuten. 3) an pflanzen, wie knopf 5, schon in mhd. zeit in dem mitteld. knospechin knöspchen, s. fundgr. 1, 379b. es ist seit dem 18. jh. das herschende wort, woneben die früher geltenden, brosz, bolle, butze (2, 591), knopf, knoten, auge, zurückgetreten sind in mundartlichen gebrauch; knospe scheint von mitteld. rede aus so in gang gekommen zu sein, nd. heiszt es knobbe. a) die eig. bed. ist auch hier, wie bei knopf (s. sp. 1473 mitte), härtliches rundes ding, knoten, auswuchs (vergl. DWB knospengras), daher vom blumenkelch (im strengen sinne), calyx 2, 195b. 1, 529b. b) blütenknospe, blattknospe am baum und strauch, blumenknospe, trageknospe 2, 39. 40: ohn knospen, zweig und bletterlein, (rose) die in der grünen knospen brust verspricht uns rosen aller tugend, [Bd. 11, Sp. 1495] die andern (rosen) die in gröszrer zahl ... viel tausend knospen öffnen sich. 4, 37; gestern waret ihr (blumen) knospen, jetzt stehet ihr offen da. S. Geszner; diesz röschen, in der knospe noch verhüllt. im wunderschönen monat mai, c) dasselbe oft bildlich, wie schon vorhin Günther, gleich keim: ich, der keim, die knospe eines menschen (jüngling). 2, 98, Philotas 4. auftr. (vgl. unter knösplein); diese kleinen leichenhügel decken dein lenz ist da, es ist die zeit der hoffnung, wie grosz war diese welt gestaltet, mit linder macht der menschheit knosp' entfaltend wie sollte nicht talent, das in der knospe lag, in der knospe sank hier meine wonne und Preuszens blüthe die knospe sprengt. flieg. blatt von 1813. rein dichterisch, nach der rosenknospe: wenn sie ... die knospe der rosenlippen halb von einander schlösse. uns. loge 2, 94; mit zärtlicher sehnsucht öffnete sich die knospe des schönen mundes. Lucinde 131. vgl. knospen.4) knospe, als masc. (s. b), von menschen, schon mhd., da es im 14. jh. als name erscheint, z. b. ein Henko Knosp in einer lat. urk. von 1374 bei Behrend die Magdeb. fragen s. xiii, vgl. bei 33 knospot leut, klotzige, plumpe. es ist nichts als die bed. 1, angewandt wie knorre 10, knolle 9, knopf 13. vielleicht aber gieng wie bei knorre eine bed. knorriges holzstück, klotz voraus, da sich unter 5 anwendung auf holz verrät. s. auch DWB knüspel in gleicher bed., kolpenknospe. a) als schelte, kraftwort: ruckt zusamen, ir knospen, ich gehör auch an den pfosten, sagt der dib .. zu eim gespickten galgen. Garg. 97b (Sch. 171), hier wie ein titel den sich schelme unter einander geben; komm her, du dölpel, knosp und filz. b) im 17. jh. rheinisch für schulfuchs: da hette ich eher vater und mutter in stich gesetzt als dasz ichs hier hette lassen anbrennen und mangeln, sonst were ich für einen knospen und schulfuchs, der das πρέπον bursale academicum nicht verstünde, gehalten worden. Leiden 1647 6, 69. c) mit eigner bildung bair., knospes 2, 376, schon im 16. jh. auch in Meiszen bekannt, denn ein hr. v. Rüxleben war beschuldigt, den herz. Christian einen bengel oder einen knospes genannt zu haben (s. Val. Weigel s. 25). Es ist wie knoppes unter knopf 13, a, knibes, knirbes unter knips, knirps, knolles unter knolle 9, krampampes unter krambambuli, wie am Rhein hospes alberner mensch, eckes unumgänglicher mensch, bolles untersetzter dicker mensch, u. a. (s. Kehrein), schlesisch gniskes knicker 28a. nun erscheint bei Logau Gniscus als name eines geizhalses, bei Abr. a S. Clara knospus gleich knospe (s. 3, 1215 unter fabelhans), auch in Cnospinianus gelehrt scherzhaft ausgeprägt, wie bei narrnwelt 3, 114 ein unverständiger Knospinianus (vgl. Germ. 5, 327). danach scheint denn diesz -es urspr. lat. -us zu sein, auf lat. schulwitze [Bd. 11, Sp. 1496] beruhend, wie albertät, filzität, küelität ( 2, 291) u. a., was auf maccaronisches latein zurückgeht; dasz dergleichen auch aus der schule unters volk kam, zeigt sich z. b. unter knibus. manche freilich, wie knirps, knips (kniebes), werden von rein heimischer bildung sein, und zu erwägen ist auch eine bildung mit -as, wie kargas neben karges geizhals, s. Germ. 12, 123. 5) in den bair. alpen ist knospe (knospen) m. ein holzschuh, klotzschuh (it. cospo), s. 2, 376; tirol. knosp, auch knasp, pl. knospen, s. 3, 458. 4, 78, 330. es wird nach dem vor. doch auch hierher gehören, die form mit a stimmt zu knaspel neben knospel. 6) schweiz. knospe f. typha latifolia, deren sich die bötticher bedienen um die fässer wasserdicht zu machen durch verstopfen der fugen damit (verknospen, knospen) 2, 116, knospen der küferen, papyrus, mariscus 2, 173b. es ist die rohrkolbe, sumpfkolbe, bei DD 1a, nom. 106a liesknospen, narrenkolben; so könnte knospe einst auch 'kolbe', holzkeule bedeutet haben, zumal man zu keulen knorrige stücke nahm, s. dazu das ähnliche knospengras, kolpenknospe. 1) auswuchs am körper (s. DWB knospe 2): dergleichen auch die glieder biegen und sie knöpfecht (knotig) machen mit beulen und knospeln. chir. schr. 239a. auch die bed. knöchel wird zu finden sein, die in knaspel erscheint. 2) knorpel: cartilago, cnospeln (pl.). rhein. voc. ex quo von 1414 103a, knospel dict. lat.-germ. Frkf. 1610 s. 127, 552a, knospelbein 124. hier tritt der grundbegriff des klangs beim bearbeiten (s. DWB knospe, knorre) und die ableitende natur des p deutlich hervor in nl. knosen zermalmen 249a (mnl. cnosele, cartilago. hor. belg. 7, 9a), knaspen knirschen 247b, fläm. knospen knirschen 261b, s. nd. gnuss cartilago und andres einstimmende unter knorpel, auch vergl. knostel, krospel. 3) knospel am fruchtbaum: alle bäume müssen im advent .. behauen werden, damit man inen also das uberige holz und die ubergeschosz entnemme, sampt allem demjenigen, was zu hoch oder zu grosz wachsen und also die knospeln oder tolden die blüet verhindern will. feldbau 371, 'die blüet' musz relativsatz sein (die die blüten trägt), knospeln also nom. und schwaches fem., in der bed. knotenansatz, der tragknospen verspricht, vgl. DWB knuspel bei Sebiz. 4) bündelchen: ein lot muscatpluet pind in ein tuchlein, und ein muscatnusz pind auch in ein reines tuchlein. nim di zwei knospel, heng si in di mosz weins. küchenmeisterei d iiij, das wie ein säckchen zusammengefaszte tuch mit den muscaten darin. dieselbe bedeutung zeigt knispel, ähnlich knaspel fruchtbüschel; s. auch 5. vergl. die doppelbedeutung von balle an hand oder fusz und bündel, klumpe harter klosz und haufe, auch knopf 8. 5) ein kräuteraufgusz: Siegfried fragte: 'so wird es in einer allgemeinen purgierung nicht angehen, insonderheit wann einer communität ein purgierender nodulus oder knöspel verordnet wird, da denn mit einerlei dosis alt und jung, schwach und stark bedienet wird?' Pilovski antwortete .. 'ob sie gleich alle insgemein von dem knöspel éine dosis gleich durch bekommen ...' medic. maulaffe 635 fg., es ist wie knispel 1, b, eig. das bund kräuter das dazu genommen wird, 'nodulus', s. 4. geheim knospet es dir, und wie dem walde gehts den blättern allen, zeuge diesz zepter! so wahr das nie mehr blätter und zweige voll schon knospet der busch, und die zeit bringt rosen. im knospenden lenz. ders., die büszenden jungfraun v. 61 die knospende schwellende erde. Hesp. 3, 139; da knospete der kranz. [Bd. 11, Sp. 1497] bildlich, vgl. unter knospe: wer sturm verachtend, heiteres strals gewohnt,
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