Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
knorzicht bis knospengras (Bd. 11, Sp. 1493 bis 1497)
 
 knorzicht, knörzicht, knorzig, knorrig, s. DWB knorz; schon ahd. in 'manacchnorzig multinodus' Graff 4, 583: tortilis, knorzig. voc. ex quo v. 1440 Dief. 589c, wie z. b. eine wurzel, knorrig gedreht; eine andere art der langen cucumern (gurken) ist knorzicht, wie auch die gemeinen. Tabernaem. 865, mit knorren besetzt; knorzig, voller äste und knoten. Rädlein 552a; den ganzen wald ... mit allem, was er hat, knorzig und glatt. kindermärchen 2, 388. auch knorziger mensch Campe, verwachsener, wie knorz 5. Auch mit umlaut, knörzicht: daher die starken knörzigten oder knöpfichten gleser in brauch kommen sein. Mathesius Sar. 195b; knörzet:

das unbehaubne knörzet holz.
Eyring 1, 787.

dän. knortet, schwed. knórtig, knórted Rietz 338b.
 
 
knörzlein, n. kleiner knorz, s. DWB knorz 2. 4 und knörzel.
 
 
knösel, m. ein nrh. wort, knirps, zwerghaft verkrüppeltes ding, nicht ausgewachsnes kind, verwachsener apfel, kartoffel. Aach. mundart 117; grundbegriff ist das knorzige (s. DWB knorz 6), es gehört mit knaus, knaust, knospe zusammen zu dem dort besprochenen stamm kn-s. dasselbe ist eig. mnl. cnosele knorpel (vgl. knirps : knorpel, auch fläm. knoezel u. a. sp. 1373 unten), wol auch westf. knüesel, auch nüesel (üe gleich ü oder ö) lichtschnuppe Kuhns zeitschr. 2, 98, wie butze beide bed. hat s auch knussel

[Bd. 11, Sp. 1494]

 
 knöseln, knuppern, knappern, bei einem Schlesier:

und knösel an den knochen.
W. Scherfer grobianus 34.

es gehört mit knuspern, knauspern zu dem stamme kn-s, der unter knascheln besprochen ist, s. besonders dän. knase knuspern dort 3, vgl. auch knusen.
 
 
knöspchen, n. calyculus. Steinbach 1, 888; s. DWB knospe 3:

ich brach ein noch nicht ganz geöffnet knöspchen ab.
Brockes 2, 63;

(als ich) auf das erste knöspchen lauernd
früh zu meinem garten gieng.
Göthe 47, 27.


 
 
knospe , f. nodus, tuber, gemma, urspr. auch masc., s. 4. 5, auch in der 3. bed. bei Ludwig der knospe, bei Frisch frz. wb. (1719) 1, 1141 ein knospe; vergl. DWB knospel. die annahme einer umstellung aus einem angenommenen knopse (J. Grimm gramm. 3, 413, schon Wachter 861. 674) wird unnötig durch den zusammenhang von stammverwandten in dem es auftritt, und unmöglich, weil es dazu nd. sein müszte, während es sich als gut hd. (und md.), nicht nd. ausweist; nicht das s ist darin das bildende, sondern das p, es gehört mit knospel, knaspel, knispel, knüspel, alles gut hd. wörtern, zu dem unter knascheln besprochnen stamme knas, der in knischen, knuschen denselben ablaut zeigt, vergl. besonders knospel 2. knospe, knaspel, knospel verhalten sich zu diesem kn-s genau wie knorpel (s. d.) zu knorre, knarren u. s. w., der begriffskern ist wie da das harte das beim bearbeiten knarrt, knirrt, knistert u. dgl., s. DWB knorre, vgl. DWB knospern, DWB knuspern. freilich kommt knopse doch wirklich vor, im sog. Grützlande an der sächs. Elbe spricht man von rosenknopsen. aber das musz erst aus knospe umgestellt sein, wie das gleichbed. brospe (s. d.) als bropse vorkommt, geschr. probse, bei Megenberg (s. unter knögerlein); es ist aber von brosz gebildet, und heiszt auch broste:

so er (der feigenbaum) prosten gwint und plätlein,
wirt es nit fer vom summer sein.
Schmelzl aussend. 13b,

ganz wie knospel und knostel neben einander stehn. unsicher ist mir das ps in mnl. onderknopsel ascella, internodium Mones anz. 6, 444, d. i. knöchel, vgl. unter knospel 1. s. auch knops.
1) knospe, knorre, diese urbedeutung erscheint einmal mhd. myst. 1, 319, 32 in der hs. G, die statt des knurren im texte knospen hat, knorren an einem steine (s. die stelle u. knorre 2), wol knospe m. daher erklärt sich bergmännisch knospe, knorriges stück, eig. wol knorriger auswuchs (s. unter knospicht), in den wbb. bis jetzt fehlend: spricht gott sein segen fürs ort und sprenget schöne glaserz knospen oder rotgüldige euglein in sein gang .. Mathesius Sarepta 209b (1562 296a, 15. pred.); gott .. wird sein milte hand aufthun und euch knospen glaserz in ewer genge triefen .. lassen. 20b; reichen segen von knospen glaserz. 6b. s. auch knüspel 1, nodulus.
2) knorriger auswuchs am körper, wie knorre 7 (vgl. DWB knaus 2. 3): dasz etlich durities werden .. an inwendigen gliedern, auch etlich auswendig entspringen, knospen, ubergewechs. Paracelsus 1, 1025c. ähnlich in einem sprichwort: hüte dich vor den knospen an der stirn, die in der ehe aufbrechen. Simrock 5791. s. dazu knospenraupe, knospel 2. nach letzterem darf man auch knospe als knorpel vermuten.
3) an pflanzen, wie knopf 5, schon in mhd. zeit in dem mitteld. knospechin knöspchen, s. fundgr. 1, 379b. es ist seit dem 18. jh. das herschende wort, woneben die früher geltenden, brosz, bolle, butze (2, 591), knopf, knoten, auge, zurückgetreten sind in mundartlichen gebrauch; knospe scheint von mitteld. rede aus so in gang gekommen zu sein, nd. heiszt es knobbe.
a) die eig. bed. ist auch hier, wie bei knopf (s. sp. 1473 mitte), härtliches rundes ding, knoten, auswuchs (vergl. DWB knospengras), daher vom blumenkelch (im strengen sinne), calyx Kirsch 2, 195b. Frisch 1, 529b.
b) blütenknospe, blattknospe am baum und strauch, blumenknospe, trageknospe Brockes 2, 39. 40:

ohn knospen, zweig und bletterlein,
wie kan so ein baum fruchtbar sein?
Wellers lieder des 30 jähr. kr. 70;

G. H. Schreiber, neu ausgeschlagene liebes und frühlingsknospen. Frkf. 1664 (Gödeke grundr. 466);

(rose) die in der grünen knospen brust
vor diesem lag verborgen.
Hoffmannswaldau getr. schäfer 26;

ein baum voller knospen, arbor gemmans. Stieler 998 (der wie alle wbb. es blosz in dieser bed. kennt); knospe, aug am weinstock. Rädlein 552a;

verspricht uns rosen aller tugend,
die itzo noch in knospen sind.
Günther 177, aber knöpfe 176;

[Bd. 11, Sp. 1495]

ein birnbaum von sehr früher art
zeigt' allbereits im merz die knospen seiner blühte.
Brockes 1, 8 (1728);

die andern (rosen) die in gröszrer zahl ...
durch noch geschloszne knospen funkeln. 93, knopf 95;

viel tausend knospen öffnen sich. 4, 37;

gestern waret ihr (blumen) knospen, jetzt stehet ihr offen da. S. Geszner;

diesz röschen, in der knospe noch verhüllt.
Gotter 1, 182;

im wunderschönen monat mai,
als alle knospen sprangen.
H. Heine b. d. l. 106.

dazu denn rosenknospe, nelkenknospe u. s. w.
c) dasselbe oft bildlich, wie schon vorhin Günther, gleich keim: ich, der keim, die knospe eines menschen (jüngling). Lessing 2, 98, Philotas 4. auftr. (vgl. unter knösplein);

diese kleinen leichenhügel decken
kinder. eh die knospe
ihrer kindheit sich entfaltet, wurden
sie des grabes beute.
Hölty (1858) 224, Schmidts anth. 3, 203;

endlich kam es, sie holte tief athem ... so bricht die knospe der liebe in ihrer gröszten schönheit und bescheidenheit auf! Göthe 16, 208;

dein lenz ist da, es ist die zeit der hoffnung,
entfaltet ist die blume deines leibes.
doch stets vergebens harr ich, dasz die blume
der zarten lieb' aus ihrer knospe breche
und freudig reife zu der goldnen frucht!
Schiller 449a;

o eine saat unendlicher unaussprechlicher freuden schien in dem augenblicke wie in der knospe zu liegen. 212a;

wie grosz war diese welt gestaltet,
so lang die knospe sie noch barg. 48b;

mit linder macht der menschheit knosp' entfaltend
fährt gottes geist, umbildend und gestaltend.
Voss 5, 72;

wie sollte nicht talent, das in der knospe lag,
sich durch beharrlichkeit entfalten?
Gotter 1, 273;

in der knospe sank hier meine wonne
und mein stolz hinab (ein kind). 1, 215;

aus den knospen der kinderjahre. J. Paul Fibel 168; die üppig berstende knospe seines geistes. ders.;

und Preuszens blüthe die knospe sprengt. flieg. blatt von 1813.

rein dichterisch, nach der rosenknospe: wenn sie ... die knospe der rosenlippen halb von einander schlösse. J. Paul uns. loge 2, 94; mit zärtlicher sehnsucht öffnete sich die knospe des schönen mundes. Schlegel Lucinde 131. vgl. knospen.
4) knospe, als masc. (s. b), von menschen, schon mhd., da es im 14. jh. als name erscheint, z. b. ein Henko Knosp in einer lat. urk. von 1374 bei Behrend die Magdeb. fragen s. xiii, vgl. bei Wolkenstein 33 knospot leut, klotzige, plumpe. es ist nichts als die bed. 1, angewandt wie knorre 10, knolle 9, knopf 13. vielleicht aber gieng wie bei knorre eine bed. knorriges holzstück, klotz voraus, da sich unter 5 anwendung auf holz verrät. s. auch DWB knüspel in gleicher bed., kolpenknospe.
a) als schelte, kraftwort: ruckt zusamen, ir knospen, ich gehör auch an den pfosten, sagt der dib .. zu eim gespickten galgen. Garg. 97b (Sch. 171), hier wie ein titel den sich schelme unter einander geben;

komm her, du dölpel, knosp und filz.
Hellbach grobian 34.

es ist noch schles., wie es scheint nach Weinh. 45a, klotz, grobian.
b) im 17. jh. rheinisch für schulfuchs: da hette ich eher vater und mutter in stich gesetzt als dasz ichs hier hette lassen anbrennen und mangeln, sonst were ich für einen knospen und schulfuchs, der das πρέπον bursale academicum nicht verstünde, gehalten worden. Philander Leiden 1647 6, 69.
c) mit eigner bildung bair., knospes Schm. 2, 376, schon im 16. jh. auch in Meiszen bekannt, denn ein hr. v. Rüxleben war beschuldigt, den herz. Christian einen bengel oder einen knospes genannt zu haben (s. Opel Val. Weigel s. 25). Es ist wie knoppes unter knopf 13, a, knibes, knirbes unter knips, knirps, knolles unter knolle 9, krampampes unter krambambuli, wie am Rhein hospes alberner mensch, eckes unumgänglicher mensch, bolles untersetzter dicker mensch, u. a. (s. Kehrein), schlesisch gniskes knicker Weinhold 28a. nun erscheint bei Logau Gniscus als name eines geizhalses, bei Abr. a S. Clara knospus gleich knospe (s. 3, 1215 unter fabelhans), auch in Cnospinianus gelehrt scherzhaft ausgeprägt, wie bei Conlin narrnwelt 3, 114 ein unverständiger Knospinianus (vgl. Wackernagel Germ. 5, 327). danach scheint denn diesz -es urspr. lat. -us zu sein, auf lat. schulwitze

[Bd. 11, Sp. 1496]
beruhend, wie albertät, filzität, küelität (Schm. 2, 291) u. a., was auf maccaronisches latein zurückgeht; dasz dergleichen auch aus der schule unters volk kam, zeigt sich z. b. unter knibus. manche freilich, wie knirps, knips (kniebes), werden von rein heimischer bildung sein, und zu erwägen ist auch eine bildung mit -as, wie kargas neben karges geizhals, s. J. Grimm Germ. 12, 123.
5) in den bair. alpen ist knospe (knospen) m. ein holzschuh, klotzschuh (it. cospo), s. Schm. 2, 376; tirol. knosp, auch knasp, pl. knospen, s. Fromm. 3, 458. 4, 78, Schöpf 330. es wird nach dem vor. doch auch hierher gehören, die form mit a stimmt zu knaspel neben knospel.
6) schweiz. knospe f. typha latifolia, deren sich die bötticher bedienen um die fässer wasserdicht zu machen durch verstopfen der fugen damit (verknospen, knospen) Stalder 2, 116, knospen der küferen, papyrus, mariscus Denzler 2, 173b. es ist die rohrkolbe, sumpfkolbe, bei Alberus DD 1a, Junius nom. 106a liesknospen, narrenkolben; so könnte knospe einst auch 'kolbe', holzkeule bedeutet haben, zumal man zu keulen knorrige stücke nahm, s. dazu das ähnliche knospengras, kolpenknospe.
 
 
knospel , auch knöspel (5), altes demin. von knospe, s. d., gewiss auch urspr. mit der bed. knorre; als geschlecht ist m. wahrscheinlich nach den ablautenden nebenformen knaspel, knispel, aber auch das fem. bezeugt (s. 3), beide geschlechter hat auch knospe. s. auch knüspel m.
1) auswuchs am körper (s. DWB knospe 2): dergleichen auch die glieder biegen und sie knöpfecht (knotig) machen mit beulen und knospeln. Paracelsus chir. schr. 239a. auch die bed. knöchel wird zu finden sein, die in knaspel erscheint.
2) knorpel: cartilago, cnospeln (pl.). rhein. voc. ex quo von 1414 Dief. 103a, knospel dict. lat.-germ. Frkf. 1610 s. 127, Rädlein 552a, knospelbein Stieler 124. hier tritt der grundbegriff des klangs beim bearbeiten (s. DWB knospe, knorre) und die ableitende natur des p deutlich hervor in nl. knosen zermalmen Kil. 249a (mnl. cnosele, cartilago. hor. belg. 7, 9a), knaspen knirschen 247b, fläm. knospen knirschen Schuermans 261b, s. nd. gnuss cartilago und andres einstimmende unter knorpel, auch vergl. knostel, krospel.
3) knospel am fruchtbaum: alle bäume müssen im advent .. behauen werden, damit man inen also das uberige holz und die ubergeschosz entnemme, sampt allem demjenigen, was zu hoch oder zu grosz wachsen und also die knospeln oder tolden die blüet verhindern will. Sebiz feldbau 371, 'die blüet' musz relativsatz sein (die die blüten trägt), knospeln also nom. und schwaches fem., in der bed. knotenansatz, der tragknospen verspricht, vgl. DWB knuspel bei Sebiz.
4) bündelchen: ein lot muscatpluet pind in ein tuchlein, und ein muscatnusz pind auch in ein reines tuchlein. nim di zwei knospel, heng si in di mosz weins. küchenmeisterei d iiij, das wie ein säckchen zusammengefaszte tuch mit den muscaten darin. dieselbe bedeutung zeigt knispel, ähnlich knaspel fruchtbüschel; s. auch 5. vergl. die doppelbedeutung von balle an hand oder fusz und bündel, klumpe harter klosz und haufe, auch knopf 8.
5) ein kräuteraufgusz: Siegfried fragte: 'so wird es in einer allgemeinen purgierung nicht angehen, insonderheit wann einer communität ein purgierender nodulus oder knöspel verordnet wird, da denn mit einerlei dosis alt und jung, schwach und stark bedienet wird?' Pilovski antwortete .. 'ob sie gleich alle insgemein von dem knöspel éine dosis gleich durch bekommen ...' Ettner medic. maulaffe 635 fg., es ist wie knispel 1, b, eig. das bund kräuter das dazu genommen wird, 'nodulus', s. 4.
 
 
knospelbein, s. DWB knospel 2.
 
 
knospen, gemmare, knospen treiben, bei Stieler 998 nur in knospung gemmatio: der baum fängt an zu knospen. Schmotther 2, 388;

geheim knospet es dir,
tochter Eurynomas (wachsen die blumen für dich).
Klopstock 2, 97;

und wie dem walde gehts den blättern allen,
sie knospen, grünen, welken ab und fallen.
Göthe 3, 137;

zeuge diesz zepter! so wahr das nie mehr blätter und zweige
treiben noch knospen wird.
Bürger Iliade 1, 235;

voll schon knospet der busch, und die zeit bringt rosen.
Voss Luise 3, 2, 118;

im knospenden lenz. ders., die büszenden jungfraun v. 61

die knospende schwellende erde. J. Paul Hesp. 3, 139;

da knospete der kranz.
Uhland ged. 238.

[Bd. 11, Sp. 1497]
bildlich, vgl. unter knospe:

wer sturm verachtend, heiteres strals gewohnt,
hier weisheit knospet, schönheit und stärke reift.
Voss 3, 94.

vgl. DWB aufknospen, DWB beknospen, DWB entknospen. auch dän. ist knospe für knoppes nicht unbekannt, nach dem hd.
 
 
knospenbeiszer, m. insect das die knospen zernagt. Campe.
 
 
knospengras, n. sparganium erectum, ein gras das an sumpfigen orten wächst, auch riedknospe, rindknospe, igelsknospe, igelskolbe. Nemnich 4, 1330; der name vom fruchtknoten der als ein ovaler knopf, kolbe erscheint, also wie in knospe 6.