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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
klucken bis klucks (Bd. 11, Sp. 1258 bis 1260)
 
 klucken , gleich glucken.
1) von vögeln.
a) glocire, klucken als die bruthennen. voc. opt. Lpz. 1501 M 3a, gemma Cöln 1507 (Dief. 265c), klucken gracillare Dief. 267c (md., rhein.). schon mhd. mit schwankendem anlaut, glucken und klucken (s. b):

wan als ein voller krupfei (hahn),
der gât ûf einem tenne,
und als ein volkrüpfiu henne
diu niht mêre glucken mac,
alsô giengens als den tac,
diu hûsfrouwe und er,
hôchbrogende in dem hûse entwer. Kolocz. cod. 164.

klucken neben glucken geben noch Schottel 1346, Rädlein 547a (das hun klucket, questa gallina chiocca), Steinbach u. a. die tenuis herscht in nd. klucken (brem. wb. u. a.), nl. klokken, dän. klukke, schw. klokka, klukka u. ä. Rietz 329b, ags. cloccan, engl. cluck, auch clutch Halliwell 258b, schott. clock, cluck.

[Bd. 11, Sp. 1259]

b) übertragen von menschen, hauptsächlich frauen:

noch habent die frouwen einen site ...
sô sie verslâfent etewenne,
daʒ si gênt kluckend über den tenne
durch den tac als ein bruothenne,
aleine (obgleich) ein man doch wol bekenne (merkt)
daʒ eʒ ein goukelklucken sî u. s. w. Renner 142a v. 12243,

dasz sie erbärmlich thun, nur halblaut und kläglich reden, gleich einer henne die legen will; s. dazu DWB kluck 1 und schweiz. glugghenne von einer reizbaren person (Tobler 226a). ebenso span. clueco gluckend, und alterschwach, kränkelnd, ital. chioccio, wie chiocciare glucken und kränkeln, sich klagen, auch engl. als adj. cluck slightly unwell Halliwell 258a, wie man von einem kränkelnden sagt er hat den pips, er pimpelt.
c) bemerkenswert ist die übereinstimmung der sprachen in der auffassung dieses naturlautes, doch ist auch hier urverwandtschaft nicht zu verkennen trotz der mangelnden verschiebung (vgl. sp. 3): gr. κλώζω (fut. κλώξω), lat. glocire; in den rom. sprachen gilt aber auch meist die tenuis: it. chiocciare, chioccare, span. clocar, cloquear, älter frz. clocloquer ('kluck kluck' machen, jetzt glousser), prov. clouchà, wal. clocëì (s. Diez 99), es wird wol auch lat. clocire gegeben haben. auch lett. klukstét, litt. klugěti, kluksěti. etwas abweichend slav., sloven. kvokati, poln. kwokać u. s. w. s. auch DWB klucke.
d) auch vom raben einmal, von milderen tönen: raben versammeln sich .. gleich als wolten sie spielen, fliehend lang in der luft, darzu ein wenig schreiend oder kluckend. Colerus cal. (im hausb. 1640) 128. vgl. unter kluchzen 2.
2) von flüssigkeiten die durch eine enge gehen.
a) eine flüssigkeit, die aus einer flasche mit engem halse geht, kluckt, s. z. b. einklucken, auch klocken 1 (sp. 1221), bair. kluckezen (s. DWB kluckzen). daher heiszt ein solches glas kluckglas, engster, bombylius Chytraeus c. 91 (glückelglas Alberus), nl. klockglas Kil., vgl. kolkerglas.
b) daher auch vom klange des schluckens (schlucken selbst klingt verwandt, vgl. sp. 1018): klucken, gargarisare. Schottel 1346; dat kind treckt (zieht), datt man so kluckt, dasz es nur so kluckt, von säuglingen. Danneil 106b. auch mit persönlichem subj.: se mag wol ins (einmal) klucken, liebt den trunk. brem. wb. 2, 812.
c) ob diesz klucken mit dem vorigen wirklich eins ist, bleibt näher zu prüfen, wenn sich ältere formen finden. die töne sind sich ähnlich und oft gleich oder ähnlich bezeichnet, nl. klocken von beiden bei Kil., ebenso dän. klukke (auch kluckend trinken); schwed. klukka vom zweiten Rietz 330a (glukka 202a), ebenso schott. glock, glog (vom ersten clock). man sehe auch klunken.
d) auch keltisch, gael. glug (vgl.glogag a bubble of water), kymr. clogorennu to bubble. und slavisch, klokotati κοχλάζειν, bullire Miklosich 290a, slov. klokotulja bombylius (s.kluckglas unter 2, a), niederwend. klokasch, kwokasch, hastig schlucken, 'glucken' Zwahr 156, böhm. klokati gurgeln, prudeln.
e) wol auch klucken gleich schlucksen, s.glugger unter klocken 2, und klucksen, kluchzen.
 
 
klücken, klopfen, ergibt sich wol aus folg.: der nit darmit kan (mit dem feuerzeug umzugehn weisz), der schlecht etwen weisz wie lang und klügt sich ee uf die hend, eb (eh) im ein liecht kan werden. Keisersberg bilg. 13a, von klüggen, s. das erste klocken. das u ist auch in kluckezen von dem klopfen in einem geschwür, bei kopfweh Schmeller 2, 352 (vgl. DWB kluckzen 3), ebenso ostfries. klukken Stürenburg 113b; am einfachsten kärnt. kluck m. schlag, stosz Lexer 161.
 
 
klucker, m. knippkäulchen von thon, klucker globus voc. 1429 (aber gluckern globisare) Schm. 2, 353: kluckern, schnellkugeln. Fischart Garg. 168a (Sch. 309) im spielverzeichnis; mach daraus (aus dem teig) kuglen wie ein zimlicher klucker. Seuter rossarznei (1599) 27; si achtet alle die, so vor ir stunden, nit eins kluckers. Wirsung Calistus P, die kinder brauchen die kugeln gleich geld, wie die knöpfe.

teufel. ich weisz der lecker noch gar vil,
die stets ligen im klugkerspil,
auch ander kind, die nit wend lernen (nichts lernen wollen) .....
knabe. ach lieber gsell, hast du ouch gsehen ...
wie der tüfel zu der hellen
hat gtragen unsern klugkergsellen?
J. Kolros betrachtn. 1532 E 3a.

klucker, sonst auch glucker, geben M. Kramer, Denzler, es ist noch bair., schweiz.; els. glucker Fromm. 4, 8. schwäb. glucker Schmid 235 ist auch ein groszer ziegelstein, wie sie zum kaminbau gebraucht werden, gleich klinker, das eben auch die spielkugel, klicker bezeichnet. so könnte klucker eine nebenform von klicker

[Bd. 11, Sp. 1260]
sein, aber schon ahd. findet sich ein dim. clucli globulus Graff 4, 567, glucli Haupt 3, 473a (vgl. Weigand 1, 448 und klunker). s. auch kluckern und klicker.
 
 
kluckerin, f. die kluckhenne: die jungen hünlin, so sie die kluckerin also mit groszem fleisz erzogen hat, sobald sie gröszer werden, so zanken sie mit der muter umb ein gerstenkörnlin. Keisersberg schif der pen. 106d. s. DWB kluck, klucken und gluckerin.
 
 
kluckern, mit schnellkügelchen spielen, s. DWB klucker, DWB gluckern voc. 1429: fuchs, vogel, spil und kluckern bis auf St. Ulrichstag verboten, den knaben das klebern erlaubt. Ulmer ratsprotok. v. 1517 (Schmid schwäb. wb. 315); habend wir ... das kluckeren, stöcklen, hutschieszen und derlei spil, wie es die jungen in übung habend, genzlich abgestelt. mandat und ordnungen .. der statt Zürych 1637 D 1a, unter spielen der jungen bursche die um geld gehen; zum karten und würflen, zum kegeln und kluckern. Selhamer bei Schmeller 3, 472. klückern bei M. Kramer deutsch-holl. wb.
 
 
kluckern , fortgesetztes klucken.
1) von der henne, schweiz. gluggern Stalder (s. gluckern). selbst vom hahne: indem wurde sein haushan gewar, dasz die gartenthür offen stunde. derowegen kluckerte er durch seine sprache, die ich eben nicht ausdrücken kan, seine hüner zusammen. Simpl. 1684 3, 658. Dasselbe ist eig. nd. kluckern liebeln, kosen Richey 125, Dähnert 238a, brem. wb. 2, 812, von dem ähnlichen stimmklange und thun der henne mit den küchlein.
2) in kleinen absätzen trinken. Danneil 106b.
 
 
kluckerschlag, m. kluckernder schlag, gesang, bei Harzer canarienvögeln, vgl. DWB klingelschlag.
 
 
kluckhenne, f. bruthenne, gallina glocitans Stieler 750, Rädlein 547a, M. Kramer, nl. klokhen (klockhinne Kilian), engl. cluckhen, dän. klukhöne, sonst hd. gluckhenne, glucke (vgl.klucke): denn auch Christus, nach dem er jederman aufs heftigst bestraft hat, wündschet er darnach eine kluckhenne zu sein, das er sie unter seine flügel sammele. Luther 1, 559a; kluckhän die scharrn alles vor ihr glücklin. Lehman floril. 1, 193.
 
 
kluckisch, von der bruthenne heiszt es, sie ist kluckisch (in Thüringen, klucksch), ostfries. kluksk, gluksk Stürenburg 71b, s. DWB kluck.
 
 
klucklein, n.? alsbald wir ein klucklin hören, so helfe uns der heilig sant Flucht darvon. Wirsung Calistus g 3. den geringsten laut? vgl. DWB kicks 2 und kluck 2.
 
 
klucks, klux, m.
1) singultus, λύγξ, der schlucken, klux Schottel 1347, Steinbach 1, 881, auch klugs Keisersberg (s. nachher), Golius c. 63 (vgl. DWB glugsen unten): der klux oder heschen (sp. 439) ist ein heftig bewegung oder ufbörung des magens. Ryff schwang. frauen roseng. (1569) 298b; do kame in der klux oder jest, z latin genant singultus. Gersdorf wundarzn. 39; singultus, der klux oder gest. 100; vertreibet den heschen oder klux, so von winden verursachet wird. Tabernaem. 390; er vertreibt den heschgen oder klux, er eröffnet die leber. 3 (1588). im auslaut anders vorarlberg. glutsch (s. DWB klutzen) Fromm. 5, 482, auch klubs das.; andere namen sind nesch, nosch, hasch, heis, schlick Dief. 536c. 537a, hätsch, hixen Frisius.
2) das hühnerweh in der brutzeit, von klucken glocire: henne die den klux hat und brütig ist. Keisersberg bilg. 58a. 57c.d. angewandt auf frauen (s. darüber kluck und klucken 1, b): das heiszt der blitz, der klugs (s. die blitz unter kluck). wan die weiber also den blitz haben, so wer gut das der man der frauen wenig basz uf lugte, wan wie man den brütigen hennen thut, so müst man inen auch thun. narrensch. 134b.