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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
klippklapp bis klippschenk (Bd. 11, Sp. 1208 bis 1209)
 
 klippklapp , vereinigtes klipp! klapp! (s. d.), wie schnip schnap Brant narr. 44, 10, krick krack u. a.
1) als interj.; vom klappen der pantoffelabsätze:

sie (die meidlein) richten sich fleiszig zu ...
mit hohen pantoflelen (demin.) ...
damit gehn sie klip und klap,
wie ein zeltner seinen trap. volskl. des 16. jh. bei
Adrian mitth. 371,

vergl. 'die klip die klip' pferdetrappeln malend Opel u. Cohn 30jähr. kr. 425; es ist nacht, man liegt im bette .. es schleicht was herbei, die vorhänge rauschen, klipp! klapp! die pantoffeln fallen, und husch! man ist nicht mehr allein ... ich halte mich an das klipp! klapp! ... klipp! klapp! ist das schönste thema zu einem rondeau. Göthe 19, 170;

doch schallt im haus ihr behendes klipklap (von ihrem gehn),
nicht stich noch nath will mir taugen.
Voss mus. 1798 s. 198.

von geld: hörten sie das geld drinnen sich regen und klingen klipp klapp, klipp klapp. kinderm. nr. 45 (1, 225).

bald lief die mühle klipp klapp klapp.
J. Fr. Kind;

wenn ich die liebe fühle,
gleicht mein herz einer mühle.
da geht es klipp klapp immer fort ...
klípp, klàpp, klípp, klàpp. das gärtnermädchen, kom. oper (1771) s. 104.


2) mit ausfüllung der senkungen: de mähl güng klippe klappe, klippe klappe, klippe klappe. kinderm. nr. 47 (1, 238). gleichen zweck der rhythmischen, gleichsam taktierenden ausfüllung hat auch der dazwischen gesetzte scheinbare artikel (s. schon unter 1):

die mühle geht die klipp die klapp. weim. jahrb. 4, 330;

da schlug die thür die klipp die klapp. kinderm. nr. 38 (1, 202).

ebenso in die klinke die klanke sp. 952, die kip die wip 788, den klinker den klank 1171 (15. jh.), s. auch klinkerklunker, holterdiepolter.
3) als subst., wie klingklang und andere ähnliche schallwörter: der klipp-klapp, molarum strepitus. Stieler 968; über dies ist der deutsche jambus jener ausgehunzte klippklapp keinesweges. Bürger 178b, eintöniges geklapper (s. dazu sp. 962 und unter 4), vorher ein beständiges einerlei, ein ewiger klipp klapp! 178a, s. Göthe unter 1. aber auch als subst. im neutr.:

drosch durch die ausgebreitete saat ihr wirbelndes klippklapp.
Sonnenberg.


4) aber auch als adv., wie es unter 1 schon mehrmals klingt: nur musz es eben (das versmasz des alexandriners) nicht so klipp-klapp behandelt werden wie es seiner zeit von Gottsched, Uz u. a. geschah. Augsb. allg. zeit. 1866 s. 5463b. diese wörter sind gleichsam noch ungestalteter bloszer wortstoff, daher zu allem brauchbar.
5) ein spiel klipklap spielen Schottel 1346, vgl. dick und dack spielen Fischart groszm. 133 (652 Sch.), s. dickedack.

[Bd. 11, Sp. 1209]

 
 klippklappen, klippklapp machen. Harnisch 229. 235. vgl. Luther unter klippen.
 
 
klippkram, m. trödelkram, s. das folg.: die klippkrämer, trödeler, kleidersöllerschen (d. i. kleidertrödlerinnen, halb nd.) mit ihrem klipkram (halbgeschnitten wahren) wollen alle handelsleute geheiszen sein. Docemius Comenius sprachenthür 492. nd. auch kläterkrâm, von klätern klappern, rasseln.
 
 
klippkrämer, m. nordd., nundinarius, tabernarius vilior. Frisch 1, 523c, nd. klippkramer Lauremberg 3, 451, 'krämer der schlechte sachen zu kaufe hat, als hölzerne kleinigkeiten, spielgeräthe u. s. w.' brem. wb. 2, 791, der mit klippwerk handelt: einem merkler, hausirer oder klipkramer. J. Praetorius Katzenveit (1692) 91; Carlstadt hat a. 1524 sich eine meil von Wittenberg zu Kemberg häuslich niedergelassen, ein klipkrämer geworden, gebranten wein, pfefferkuchen, spiegel, nessel u. dgl. zu kauf gehabt. Arnold kirchen- u. ketzerhist. 2, 239; klippkrämer und marquetender. Scherz 797. altn. kommt klippari so vor, s. Fritzner 353b, sagte man also auch klipper?
 
 
klippkrug, m. geringes wirtshaus. Rethmayer braunschw. chron. 4, 217. Frisch 1, 523c. nd. klippkrôg, davon klippkröger brem. wb. 2, 791.
 
 
klipplein, n. wie klippchen, s. d.
1) ein schnippchen 'mit dem finger' (d. i. daumen und mittelfinger) als zeichen eines nichts das doch etwas ist, einer bagatelle: denn was ist keiser, bapst, könige, fürsten und alle welt gegen gott? Esaias sagt sie seien ein chen (51, 6 ), das ist 'unum sic', ein kliplin so man mit dem finger schlegt. Luther 5, 51a, es ist wie lat. 'ne tantillum quidem', mit dem gewiss ein ähnliches fingerzeichen urspr. immer verbunden war. daher ein klipplein geben auf oder um etwas (als kaufpreis) wie noch 'nichts geben auf ..': und wolt nicht ein klipplin auf die papisten oder ihr wüten und drewen geben. 5, 42b; bauwer, bürger und die vom adel geben nicht ein kliplin umb das evangelium. tischr. 99a; geben nicht ein kliplin auf sie. 129a. 244a, man denke sich immer dazu das schnippchen geschlagen.
2) man machte aber einem andern im wortstreite ein solch schnippchen vors gesicht, um ihm so zu sagen, dasz man nichts oder genauer wie viel man um ihn gebe; das bedeutet eig. 'einem ein klipplein (schnippchen) schlagen': item zu Jhene in der herberge, da wir von der sachen redten und er (Carlstad) sein ding aufs allersterkeste zuverteidingen sich verhiesz, wand er das maul (verächtlich) und schlug mir ein klipplin und sprach 'umb euch ist mir nichts'. Luther 3, 46a. daher überhaupt als ausdruck triumphierender geringschätzung: du thust es alles in gottes namen .. (ironisch) und beutest dem schrecklichen gottesgericht gleich trotz. lieber, schlahe im ein kliplin dazu und reif (räuf) im den bart aus. Luther 1, 365a; alsdenn wird recht angehen das fröliche rhümen und trotzen, das wir werden sagen und singen 'tod, wo ist nu dein stachel? helle, wo ist dein sieg?' das heiszt dem tod und helle ein kliplin geschlagen und gesprochen 'lieber tod, beisz mich nicht' u. s. w. 6, 270a; des sind wir gewis und frölich und bieten des mit einem kliplin trotz allen pforten der hellen. 8, 87b; das ich dem teufel und hellen ein kliplin schlahen köndte. 8, 102a.
 
 
klippmeister, m. nordd., schulmeister in einer klippschule. klippmêster brem. wb. 2, 791.
 
 
klippmühle, f. wie klappermühle, vergl. DWB klatschmühle: zwei schlösser oder bürge haben zu Tennstedt gestanden am Himmelreich bei der Klipmühle. J. Chr. Olearius thür. historien 1, 338.
 
 
klipprohr, n. bei vogelstellern, ein gestell auf dem finkenherde woran die ruhrvögel gebunden werden. Campe.
 
 
klipprose, f. die felsennessel. Nemnich 1, 60.
 
 
klippschenk, m. caupo. Frisch 1, 523c, wie nd. klippkröger. s. das folg.