| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
klebern bis klebi (Bd. 11, Sp. 1051 bis 1053) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
klebern kleberrot klebeschaum, m. klebeschmiege, f. klebeschwamm, m. klebespindel, f. klebestecken klebet, adj. klebetuch klebewurm, m. klebi klebicht klebig klebis klebisch kleblich klebrute, f. klebscheit, n. klebschiefer, m. klebsilbe, f. klebwerk, n. klebwurz, f. klebzettel klechel kleck, m. kleckbar kleckbruch, m. kleckbuch, n. kleckchen, n. klecke, f. kleckel, m. kleckeln klecken klecker, m. kleckerei, f. kleckerer, m. kleckerin, f. kleckerisch, adj. kleckern kleckicht, adj. klecklein, n. klecklen klecklich kleckmaler, m. kleckmalerei, f. kleckpapier, n. klecks, m. kleckschen, n. kleckschulden klecksen klexen kleckser, m. kleckserei, f. klecksig kleckstein, m.? kleckt, m. kleckteufel, m. kleckung, f. kledeln klee, m. kleeacker, m. kleeart, f. kleebar kleebau, m. kleebaum, m. kleebeblümt kleebeisz, m. kleebesät kleebeunde, f. kleeblatt, n. kleeblattzug, m. kleezug, m. kleeblume, f. kleeblümlein, n. kleeblüte, f. kleeboden, m. kleebube, m. kleebulte kleebusch, m. kleedame, f. kleedaus, n. kleefähig kleefarbe, f. kleefeld, n. kleefutter, n. kleefütterung, f. kleegefilde, n. kleegelb kleegras kleeheu, n. kleehonig, m. kleeig kleekönig, m. kleeland, n. kleemeister, m. kleemetzger, m. kleemüde kleen kleenutzung, f. kleereich, adj. | 1) klettern. a) hd. klebern, klimmen, klettern oder steigen, scandere. voc. theut. 1482 q 7b; er kan sich einkeren (mystisch, sp. 421) wenn er wil, er bedarf (um zu gott empor zu steigen) [Bd. 11, Sp. 1052] nit mer also mit der vernunft hinnach stopfen (schiebend, stoszend helfen) und also hinauf klebern an den creaturen. spinnerin 1510 d 4a, 1511 (granatapf.) O 3b; die (gemsen) sach ich aus klüften und klemsen b) mit anderm vocal nrh. klavere in Aachen (von bäumen, klemme von anhöhen) Müller u. 111, wie nnl. klaveren, auch nd. klawwern in Osnabrück 105, saterl. clawerja, nordfries. klawrin 42, dän. klavre, schwed. klavra refl. 326a, und altengl. nordengl. claver 253a, aber auch clever 254b, wie schottisch. endlich mit i altnorw. isl. klifra, manibus et pedibus clivum ascendere 1, 459b, norw. klivra, das aber klebern entspricht, da diesz nach der schwz. form ë hat. c) auch eine einfache form bietet sich in bairisch kleppen dar (vgl.klepern unter a zuletzt): der hopf, wann er .. nicht kann .. an einer hecken hinauf kleppen .. Abr. a S. Clara gagaga ( 2, 360). mit verstärktem auslaut klepsen: da dann ihre fürstl. gn. die erste wilde gembsen an den bergen herummen klepsen gesehen haben. reisebeschr. 19 ( 796). d) wichtiger ein nord. starkes zeitwort: altn. klîfa (kleif, klifinn) klimmen, steigen, gewöhnlich klîfa upp; noch norw. kliva, schw. klifva, dän. klyve, alle noch stark, mit ableitungen wie schw. klev n. stelle zum übersteigen, kliv n. sprosse, s. 323b. ebenso fries. auf Amrum klîwan klettern, steigen 173b, mnl. cliven. und wie zu altn. klîfa sich klifra stellt als eine art frequentativum, so ist hinter unserm klëbern, kleveren ein ahd. chlîban, alts. klian mit sicherheit zu vermuten. e) das vorhandne chlîban, klîan heiszt aber vielmehr kleben (s. kleiben), welche bed. dem nord. worte abgeht; doch eben kleben hiesz auch selbst klettern (sp. 1045), und das klettern sieht aus wie ein kleben am baume u. dgl., nur mit bewegung verbunden; vgl. DWB kleber m. 1, c vom spechte, und das folg. klebern kleben. So stimmt schwed. klissa klettern 323b nahe zu klessa kleben (intr.) 326a, schwed. klänga klettern zu engl. cling kleben, sich anklammern, klettern selbst vielleicht zu der klebenden klette, völlig aber lettisch lipt kleben (intr.) zu lipt klettern, litt. lipti (praes. limpù) kleben zu lipti (lippu) klettern, steigen, die vielleicht selbst verwandt sind (s. kleiben). f) aber klaveren? auch bei kleben tritt ja diesz a auf in nl. claf, engl. clave klebte (sp. 1044), und ist schwed. klufsa klettern 323b echt (vgl.klepsen unter c), so ergäbe sich neben chlîban ein altes chlëban mit ablaut i a u, wie ein verwandter fall sicher vorliegt in mhd. krësen neben krîsen kriechen (s.kresen); das u erscheint auch in nl. klubber unter kleber m. 2, c. g) einiges freilich weist zugleich nach einer andern richtung. wie Binnaert claveren erklärt fixis unguibus conscendere, an claeuwe unguis denkend (vgl. unter klavier 4), so stimmen wirklich osn. bei Strodtmann klawwern klettern und klawwe klaue, pomm. hamb. holst. klauern klettern mit klaue, vgl. kleggen klettern und kratzen (s. kleien) Strodtmann, und eigner weise klingt ebenso an engl. clever klettern, cliver klaue an (sp. 1025), an claver, klaveren hd. klaber klaue, altengl. cleafer 110, selbst an klettern hd. klater, klatter klaue. dennoch wird das meist nur spätere auslegung des sprachbewusztseins oder zufall sein, da dort die übereinstimmung völlig ist, hier nur theilweis oder scheinbar, s. DWB klettern. 2) klebern als intensivum zu kleben (intr.) bei 977, kleberen haesitare, adhaerescere, im vogelleim klebern, klebernd werden lentescere, klebernd machen lentare; man hört noch in Thüringen, Sachsen z. b. von kluntschigem gebäck, es klebert. götting. klêwern und kliwern sehr kleben 104a, auch schweiz. chlebera und chlippera 108b, vgl. DWB kleber m. 2 und das adj. kleber. 3) ein dunkles klebern bringt schwäb. wb. 315 aus einem Ulmer ratsprotokoll von 1517: fuchs, vogel, spil und kluckern bis auf st. Ulrichstag verboten, den knaben das klebern erlaubt; er vermutet vogelfang mit vogelleim (s. kleber 2). es kann aber wol gleich kläubeln 5 sein, â für au (ou) ist altulmisch (vgl. alem. gr. s. 79. 35), ê dazu umlaut (das. 80. 38). 4) klebern und kleibern carptim edere, more edentulorum manducare, müffeln, bei 977, also gleich kläubeln, steht es für älter thür. kläubern? s. klaubern. [Bd. 11, Sp. 1053]
|
| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| © 1998—2010 by Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier Home | Impressum | Kontakt | ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||