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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
klebern bis klebi (Bd. 11, Sp. 1051 bis 1053)
 
 klebern , ein schwieriges wort mehrfacher bedeutung.
1) klettern.
a) hd. klebern, klimmen, klettern oder steigen, scandere. voc. theut. 1482 q 7b; er kan sich einkeren (mystisch, sp. 421) wenn er wil, er bedarf (um zu gott empor zu steigen)

[Bd. 11, Sp. 1052]
nit mer also mit der vernunft hinnach stopfen (schiebend, stoszend helfen) und also hinauf klebern an den creaturen. Keisersberg spinnerin 1510 d 4a, 1511 (granatapf.) O 3b;

die (gemsen) sach ich aus klüften und klemsen
auf den stafligen felsen klebern.
H. Sachs 1, 251b.

Es ist noch schweiz., kläbern Stalder 2, 107, bern. chläbere auf bäume klettern Fromm. 2, 371b; aber auch am Mittelrhein klewwern (Taunus) Kehrein 229, s. frankf. kläbern im 17. jh. sp. 1045 unten, wie nl. kleveren Kil. mit gesteigertem auslaut fränk. klepern nach Adelung. s. auch klebergang.
b) mit anderm vocal nrh. klavere in Aachen (von bäumen, klemme von anhöhen) Müller u. Weitz 111, wie nnl. klaveren, auch nd. klawwern in Osnabrück Strodtm. 105, saterl. clawerja, nordfries. klawrin Johansen 42, dän. klavre, schwed. klavra refl. Rietz 326a, und altengl. nordengl. claver Hall. 253a, aber auch clever 254b, wie schottisch. endlich mit i altnorw. isl. klifra, manibus et pedibus clivum ascendere Biörn 1, 459b, norw. klivra, das aber klebern entspricht, da diesz nach der schwz. form ë hat.
c) auch eine einfache form bietet sich in bairisch kleppen dar (vgl.klepern unter a zuletzt): der hopf, wann er .. nicht kann .. an einer hecken hinauf kleppen .. Abr. a S. Clara gagaga (Schm. 2, 360). mit verstärktem auslaut klepsen: da dann ihre fürstl. gn. die erste wilde gembsen an den bergen herummen klepsen gesehen haben. Schickhardt reisebeschr. 19 (Scherz 796).
d) wichtiger ein nord. starkes zeitwort: altn. klîfa (kleif, klifinn) klimmen, steigen, gewöhnlich klîfa upp; noch norw. kliva, schw. klifva, dän. klyve, alle noch stark, mit ableitungen wie schw. klev n. stelle zum übersteigen, kliv n. sprosse, s. Rietz 323b. ebenso fries. auf Amrum klîwan klettern, steigen Johansen 173b, mnl. cliven. und wie zu altn. klîfa sich klifra stellt als eine art frequentativum, so ist hinter unserm klëbern, kleveren ein ahd. chlîban, alts. klian mit sicherheit zu vermuten.
e) das vorhandne chlîban, klîan heiszt aber vielmehr kleben (s. kleiben), welche bed. dem nord. worte abgeht; doch eben kleben hiesz auch selbst klettern (sp. 1045), und das klettern sieht aus wie ein kleben am baume u. dgl., nur mit bewegung verbunden; vgl. DWB kleber m. 1, c vom spechte, und das folg. klebern kleben. So stimmt schwed. klissa klettern Rietz 323b nahe zu klessa kleben (intr.) 326a, schwed. klänga klettern zu engl. cling kleben, sich anklammern, klettern selbst vielleicht zu der klebenden klette, völlig aber lettisch lipt kleben (intr.) zu lipt klettern, litt. lipti (praes. limpù) kleben zu lipti (lippu) klettern, steigen, die vielleicht selbst verwandt sind (s. kleiben).
f) aber klaveren? auch bei kleben tritt ja diesz a auf in nl. claf, engl. clave klebte (sp. 1044), und ist schwed. klufsa klettern Rietz 323b echt (vgl.klepsen unter c), so ergäbe sich neben chlîban ein altes chlëban mit ablaut i a u, wie ein verwandter fall sicher vorliegt in mhd. krësen neben krîsen kriechen (s.kresen); das u erscheint auch in nl. klubber unter kleber m. 2, c.
g) einiges freilich weist zugleich nach einer andern richtung. wie Binnaert claveren erklärt fixis unguibus conscendere, an claeuwe unguis denkend (vgl. unter klavier 4), so stimmen wirklich osn. bei Strodtmann klawwern klettern und klawwe klaue, pomm. hamb. holst. klauern klettern mit klaue, vgl. kleggen klettern und kratzen (s. kleien) Strodtmann, und eigner weise klingt ebenso an engl. clever klettern, cliver klaue an (sp. 1025), an claver, klaveren hd. klaber klaue, altengl. cleafer Stratmann 110, selbst an klettern hd. klater, klatter klaue. dennoch wird das meist nur spätere auslegung des sprachbewusztseins oder zufall sein, da dort die übereinstimmung völlig ist, hier nur theilweis oder scheinbar, s. DWB klettern.
2) klebern als intensivum zu kleben (intr.) bei Stieler 977, kleberen haesitare, adhaerescere, im vogelleim klebern, klebernd werden lentescere, klebernd machen lentare; man hört noch in Thüringen, Sachsen z. b. von kluntschigem gebäck, es klebert. götting. klêwern und kliwern sehr kleben Schambach 104a, auch schweiz. chlebera und chlippera Tobler 108b, vgl. DWB kleber m. 2 und das adj. kleber.
3) ein dunkles klebern bringt Schmid schwäb. wb. 315 aus einem Ulmer ratsprotokoll von 1517: fuchs, vogel, spil und kluckern bis auf st. Ulrichstag verboten, den knaben das klebern erlaubt; er vermutet vogelfang mit vogelleim (s. kleber 2). es kann aber wol gleich kläubeln 5 sein, â für au (ou) ist altulmisch (vgl. Weinhold alem. gr. s. 79. 35), ê dazu umlaut (das. 80. 38).
4) klebern und kleibern carptim edere, more edentulorum manducare, müffeln, bei Stieler 977, also gleich kläubeln, steht es für älter thür. kläubern? s. klaubern.

[Bd. 11, Sp. 1053]

 
 kleberrot, eine weinsorte bei Colerus hausbuch 4, 4. 6 (Frisch 1, 521a), bei Krünitz 39, 742 der kleberrote, hd. der kleerote, nach nordd. kleber gleich klee. Stieler 2301 nennt aber die traube klebrot, uva purpurea, Adelung gibt kleberoth gleich kleeroth (vgl. DWB klee 4). vgl. das vierte kleiber.
 
 
klebeschaum, m. bei Tieck: oben mit dem weiszen klebeschaum im kopf, in dem der geist am liebsten herumplätschern soll. ges. nov. 4, 307. es scheint rahm, crême gemeint.
 
 
klebeschmiege, f. gleich backenschmiege. Campe.
 
 
klebeschwamm, m. agaricus viscarius. Nemnich 1, 116.
 
 
klebespindel, f. bei den drechslern, eine spindel um grosze gegenstände aus einem brete zu drehen, das daran befestigt wird. Adelung.
 
 
klebestecken? s. DWB klebefleck.
 
 
klebet, adj. klebicht, aus älterem klebecht: mit einem klebeten pflaster bedecket. Würtz wundarzn. 280.
 
 
klebetuch, n. flicklappen, fleck: pittacium, pletz vel klebduch, klabtch. Dief. 433b, ahd. chlebetuoh Graff 5, 366, mhd. klebetuoch sum. 13, 10. vgl. DWB klebefleck, DWB klebeläppchen, auch mlat. clivare calceos, lappen und cliva, lappe Dief. 127c.
 
 
klebewurm, m. taenia haeruca, ein eingeweidewurm in hechten, forellen, kabeljauen, börsen. Campe.
 
 
klebi, vogelleim, s. unter DWB klebe 1.