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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
huf bis hufeisenkraut (Bd. 10, Sp. 1867 bis 1868)
 
 huf, interj. zuruf an das zugvieh, zurück zu gehen und den wagen zurückzuschieben. Frisch 1, 472b als vorzüglich fränkisch; auch hessisch. Vilmar 177, hûf zurück!; hennebergisch fränkisch hf! und hf zeröck! Fromm. 5, 450; bair. hüf, huif, hüf! Schm. 1, 1063 Fromm.; in Tirol und Schwaben aber hauf! Fromm. 3, 110. 6, 233. vgl. hufen.
 
 
hufbein, n. 1) der gröste von den zwei knochen im hufe, auch kleiner fusz, löffel genannt. Nemnich. 2) s. hüftbein.
 
 
hufbeschlag, m.
1) das beschlagen der hufe: an landwirtschaftlichen anstalten wird eine vorlesung über den hufbeschlag gehalten.
2) das womit die hufe beschlagen werden: die hufbeschläge aber an des pferdes füszen waren von feinem silber, dahero man sie auch keine hufeisen nennen kan. Simpl. 2, 133 Kurz.
 
 
hufe, f. ein landmasz. ahd. huoba, mhd. huobe, alts. hôva, dem ags. und altnord. fehlend, gothisch nicht nachgewiesen; im ältern nhd. hube. daneben begegnen die formen mit innerm v oder f in mittel- und niederdeutschen quellen seit dem 15. jahrh. häufig: mansus hove, huyf, hauf, huff, hoef, hufe, hueve u. ähnl. Dief. 347c. noch im 17. und beginnenden 18. jahrh. gehen für die schriftsprache die formen hube und hufe neben einander, die wörterbücher führen beide als gleichberechtigt auf (hube und hufe mansus Schottel 1338. Stieler 724. Steinbach 1, 789), Frisch 1, 471c bevorzugt bereits die seither allein geschriebene form hufe, der gegenüber hube nur den mundarten, namentlich den westmitteldeutschen, geblieben ist.
Dasz hube, hufe in zusammenhang mit haben stehe, ist längst bekannt; nur wird nicht sowol der begriff des besitzes, als der des umfassens und zusammenhängens (vergl. DWB haben I, 1, sp. 50) für die eigentliche bedeutungsbestimmung von hufe heranzuziehen sein, so dasz das wort zunächst nur ein zusammenhängendes, einheitliches stück land bezeichnen soll. als nächster verwandter darf ein gothisches eben so auf haban zurückführendes verbum ga-hôban angesehen werden, das durch sein verbalsubstantiv gahôbains in dem übertragenen sinne ἐγκράτεια, continentia, castitas Gal. 5, 23 bezeugt, und von der bedeutung des zusammenhalts im allgemeinen auf die innere, sittliche geschlossenheit gewendet ist. formell, weniger dem sinne nach steht eben so nahe ags. be-hôfian brauchen, dürftig sein, nhd. behuben und behufen, vgl. theil 1, sp. 1343.
hufe bezeichnet
1) ein gemessenes und gehegtes landstück in flur oder wald, dessen grösze schwankt, vgl. die angaben bei Grimm rechtsalt. 535 und bei Frisch 1, 471c, dreiszig oder vierzig morgen, anderswo fünfzehn oder zwanzig (Schm. 1, 1039 Fromm.) werden genannt; mansus ein huff lands von XII iucharten Dief. 347c; hueb mansus, huba idem, est possessio agrorum, vel juger. voc. inc. theut. k 4a, hier ist hufe und juchart gleichgestellt, wie noch bei Kirsch cornuc.: jugerum ... ein morgen oder huf landes; also das die erste schlacht, die Jonathan und sein waffentreger thet, war bei zwenzig man, bei nahe in halber huffen ackers, die ein joch treibet. 1 Sam. 14, 14;

auszer dem hof erstreckt ein garten sich, nahe der pforte,
eine huf ins geviert, und rings umläuft ihn die mauer. Odyssee 7, 113;

weil an Europas groszem besten
ihm mehr liegt als an ein paar hufen landes,
die Oestreich mehr hat oder weniger.
Schiller Piccol. 1, 4;

sprichwörtlich:

heute mein,
morgen dein.
so theilet man die huben.
Simrock sprichw. s. 249.


2) das von einem colon bewohnte ackerland, stehe es in abhängigkeit von einem herrenhofe, oder sei es unabhängig (Grimm rechtsalt. 535. 536), das ackergut: unser herre hat zwölf hbe, der giltet iecliche âne vier nün schillinge. weisth. 4, 104 (Elsasz, 15. jahrh.); wan ein hubner die herren oder den vogt nit bezalt und uf den huben wonet, soll man inen (ihn) pfenden. 580 (fränkisch, von 1462); nach Stüve wesen und verf. umfaszt die hufe stets die 3 stücke, die wohnstatt (area, word, wehr, sohlstätte, curia, curtis, hof, casa, nothstelle), das ackermasz im felde, und den ideellen theil der gemeinheit in wald und weide. s. 25. vgl. auch haupthufe sp. 617.
3) hufe, in freierem sinne, besitz, landbesitz:

was sprecht ihr nachbar? dieser rein,
der sollte, meint ihr, euer sein?
nein, er gehört zu meinen hufen.
Gellert 1, 40;

[Bd. 10, Sp. 1868]
auf seiner hufe sitzen, leben: der brief wird dich immer mit einem sehr seltenen manne bekannt machen; mit einem vasallen nämlich, der zufrieden auf seiner hufe sitzt. Thümmel 4, 419; ihm, der auf seiner hufe ganz ruhig gesessen. Göthe 23, 226; junker Siegfried, ... der auf seiner hufe in gutem wolstande lebte. Musäus volksm. 483; noth und mangel treiben die männer von ihrer hufe in die weite. Prutz museum 1866 s. 712.
 
 
hufefüszer, m. mit behuften füszen versehen:

wo der schnelle hufefüszer
scharrend eine quell ergieszt.
v. Birken östl. lorb. 418.


 
 
hufeisen, n.
1) eisen am hufe eines pferdes, esels u. s. w., mhd. huofîsen, huobîsen, hôbeisen (mhd. wb. 1, 756b): huefeisen, batum, babatum. voc. inc. theut. k 4a; auch uncorrect von einem hufbeschlag aus anderem metall (vgl. unten hufbeschlag 2):

die silbere hufeisen
des Pegasi.
Weckherlin 651;

wer ein hufeisen oder ein stück davon findet, hat glück. gestr. rockenphil. 2, no. 37; findet er ein hufeisen mit allen nägeln und nagelt es ob seiner hausthüre, so verbrennt das haus nicht. Wolfs zeitschr. 4, 48 (aus Schwaben); ein blinder findet auch ein hufeisen. Lehmann 112; er könte ein hufeisen verdauen. Düez 24; eines hufeisens willen verdirbt oft ein pferd. Simrock sprichw. 262.
2) von einem gefallenen mädchen heiszt es bildlich, sie habe ein hufeisen verloren (vergl. auch unter eisen theil 3, sp. 365): sie hat ein hufeisen abgeworfen. Düez 32; einer vexirte eine dirne, so einem jungen gesellen zu nah gewesen und ein kind von ihm gezielet, sprechend, sie hätte ihr ein hufeisen von demselben abwerfen lassen, und das verloren. Dach kurzw. zeitvertr. 304; ein mensche, die vor wenig wochen ein hufeisen abgeleget. polit. hofmädgen 26. rheinisch einem die hufeisen abreiszen, sterben. Kehrein 203.
3) hufeisen von gegenständen ähnlicher form:
a) in der kriegskunst eine art von runden schanzen, die um die feldwerke gebaut werden. Jacobsson 2, 291a; rundes oder auch ovales werk zur bedeckung der thore. 6, 121a.
b) in den glashütten irdene röhren, durch welche die öffnungen des glasofens über dem hafen in etwas verengert werden, um dadurch die hitze mehr oder weniger zusammen zu halten. 2, 291a.
c) eine erdzunge in einem strome, die vorn breit und hinten schmal ist, auch ochsenhorn. ebenda.
d) in Smyrna eine gewisse gattung weiszer und feiner leinwand, die aus Bengalen kommt, franz. fer de cheval. ebenda.
e) eine art gebackenes in der form eines hufeisens. 6, 121a.
f) eine pflanze, hippocrepis. Nemnich.
 
 
hufeisenbogen, m. in der architektur: der hufeisenbogen (an maurischen bauten), eine form, die ihre beiden schenkel wieder zusammenkrümmt, also mehr als eine hälfte des kreisbogens ausmacht. Lübke abrisz der geschichte der baukunst (1861) s. 115.
 
 
hufeisendorn, m. spitzer eiserner dorn, womit die löcher des hufeisens wieder geöffnet werden, wenn sie sich bei der einrichtung desselben verschlossen haben. Jacobsson 2, 291a.
 
 
hufeisenform, f.: die tafel im speisesaal war in hufeisenform erstellt.
 
 
hufeisenförmig, adj.
 
 
hufeisenkraut, n. hippocrepis (vgl. hufeisen 3, f).