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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
ausgang bis ausgebäude (Bd. 1, Sp. 865 bis 866)
 
 ausgang, m. exitus, finis, nnl. uitgang, mhd. ûʒganc. troj. kr. 18306.
1) ausgang aus dem hause, lande: ausgang der kinder Israel aus Egyptenland. 2 Mos. 19, 1; dein ausgang und eingang mit mir im heer. 1 Sam. 29, 6; das er erkennete dein ausgang und eingang. 2 Sam. 3, 25; weisz nicht weder mein ausgang noch eingang. 1 kön. 3, 7; daher behüte deinen ausgang und eingang. ps. 121, 8; zeige inen die weise und muster des hauses und seinen ausgang und eingang. Ez. 43, 11; redeten von dem ausgang, welchen er solt erfüllen zu Jerusalem (ἔξοδον ἐν Ἱερουσαλήμ). Luc. 9, 31; alle ausgenge des heiligthums. 44, 5; das haus hat nur einen ausgang; buch des ausgangs, exodus. fastn. sp. 11, 24.
2) insonderheit der erste ausgang der frau nach der niederkunft, des genesenden nach der krankheit, des reisenden nach der ankunft: es ist wirklich sein erster ausgang. Lessing 2, 536; die frau hat ihren ausgang, ihren kirchgang noch nicht gehalten. von Göchhausen in Böttigers lit. zuständen 2, 256. sonntags hat eine magd um die andere ihren ausgang.
3) weidmännisch, das wild hat seinen ausgang, geht auf die felder weiden; der hirsch hat die schönsten ausgänge.
4) ausgang des flusses, mündung, auslauf: die Trave, welche ihren ausgang bei Lübeck hat. Micrälius a. P. 1, 29; ausgang des gewässers. ausgang bei der grenze: von dem berge Hor messen bis man kompt gen Hamath, das sein ausgang sei die grenze Zedada. 4 Mos. 34, 8.
5) ausgänge des leibs: das der bapst solchs nicht macht hat zu gebieten, als wenig als er macht hat zu verbieten essen, trinken und den natürlichen ausgang. Luther 1, 304a; von der rr oder ausgang. Albrecht rosarznei 96.
6) ausgänge der zeit, des jahrs, monats, der woche, des tags, welche man oft persönlich dachte, ihnen also wirklichen gang zuschrieb: im ausgang des jars. 2 Mos. 23, 16; nach ausgang der flitterwochen. Kirchhof wendunm. 328b; nach ausgang der erstgeschwornen zeit. mil. disc. 66.
7) ausgang heiszt den schriftsetzern der schlusz eines redesatzes, nach welchem abgesetzt oder der absatz eingezogen wird.
8) ausgang, ende, ziel, eventus: der sachen ausgang vorbedenken. Kirchhof wendunm. 282a; endlich war dies der ausgang. Garg. 269a; der ausgang der bewegung war ein edler;

der anfang seh auf den ausgang,
der ausgang macht gut den anfang.
Logau 1, 7, 100;

was es für einen ausgang mit ihnen genommen hab. Schuppius 7; viel haben von dem ausgang gezweifelt. 748;

was nicht hat einen guten anfang,
das gewinnt einen bösen ausgang.
Lehmann 23;

graunvoller ausgang meiner ahndungen.
Gotter 2, 245;

es ist im ausgange (zuletzt) einerlei, ob ich sage etc. Kant 2, 393; wenn es ein nothwendiger ausgang der natur ist, dasz ein weltsystem endlich zum völligen stillstande gelange. 6, 66; wie der ausgang dieses schlusses ein lachen erweckt. 8, 365; jeder ausgang ist ein gottesurtheil. Hugo naturrecht 1819 s. 547.
 
 
ausgänger, m. qui est a pedibus, sonst ausläufer: nun kam der ausgänger des klosters und fragte, ob sie nicht in das refectorium kommen wollten. Millers Siegwart 1, 28.
 
 
ausgangsgebühr, f. was ausgangszoll.
 
 
ausgangspunct, m.: ihr seid von einem richtigen ausgangspuncte in eine falsche folgerung gerathen. Dahlmann franz. rev. 315; der erste ausgangspunct ist verborgen.

[Bd. 1, Sp. 866]

 
 ausgangsthor, n.
 
 
ausgangszoll, m. portorium. s. DWB ausfuhrzoll.
 
 
ausgäten, evellere, eruncare, besser ausjeten, ausjäten: wilt du denn, das wir hingehen und das unkraut ausgeten? Matth. 13, 28; dasz ir nicht zugleich den weizen mit ausreufet, so ir das unkraut ausgetet. 13, 29; das unkraut ausgetten. Frank 5, 148; der magister schwur unterwegs aus ihm (dem beiderseitigen zöglinge) jeden tag so viel auszugäten, als jener (der mitlehrer) einharke. J. Paul Tit. 1, 107; du alter graubärtiger, ungehangener dieb, du darfst mir nicht viel, ich gäte dir den bart aus. Gryphius 1, 769.
 
 
ausgattern, aucupari ex insidiis, durchs gitter erspähen, rimari: wenn er gleichwol sein Hannchen ausgattern könnte. C. F. Weisze;

der patriarch
hiernächst hat ausgegattert, wie die veste
sich nennt, und wo auf Libanon sie liegt,
in der die ungeheuern summen stecken.
Lessing 2, 220;

sie wird nicht ruhen, bis sie ihn ausgegattert hat. vgl. DWB aufgattern und DWB ergattern.
 
 
ausgaukeln, herausgaukeln, aus der tasche locken: die leut ubertölpelen, besefelen und inen das pludermus und wurmsamenkat auf zigeinerisch eingaukelen und den seckelsamen (das geld) ausgaukelen. Garg. 192a.
 
 
ausgebären, parere, gignere ex se:

wie eins im andern sich verliert,
manch buntes kind sich ausgebiert.
Göthe 4, 380;

aus sich selbst in stiller wonne
traubensüsze ausgebieret.
Tieck ges. nov. 10, 296;

gott hat ein wesen ausgeboren. Stilling 691; diese naturanlage der vernunft, welche metaphysik als ihr lieblingskind ausgeboren hat. Kant 3, 279. vgl. DWB ausgeburt.
 
 
ausgebäude, n. aedificium prominens: aus dem liede, woraus, wie ein ausgebäude, die schönen worte herausspringen. Hippel lebensl. 3, 251. vgl. DWB angebäude.