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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
bestätigen bis bestaudung (Bd. 1, Sp. 1656 bis 1659)
 
 bestätigen , firmare, asserere, was bestäten, und die heute gangbare form, doch bietet sich im pass. K. 99, 33 bereits bestetegen dar.
1) jener weidmännische sinn erscheint auch hier. der jäger bestetigt den hirsch. Becher s. 46. der herr läszt durch den jäger und dessen leithund das wild vor der jagd bestätigen und anzeigen, damit zu bestimmter stunde gejagt werden könne. Döbel 2, 46, wie es im weidschrei 204 heiszt:

bis wir morgen früh aufstehn,
ziehen aus gen feld und gen holz,
bestätigen edle hirsche stolz,
dasz wir unsern herrn ergetzen,
uns in seine gnade setzen.


2) seine ehre bestätigen, öffentlich etwas thun, was ihn vor den leuten als einen ehrenmann, ihrer genossenschaft würdig bekundet: hei, bestettig dir dein ehr, lieber son, das weinschenken stet dir wol an! Garg. 97b, aufforderung zum trinken; welche fraw kein gelt hett, die opfert ein guldin oder silbrin ring, und ie ein hett acht uf die ander, ob sie auch opfert, und welche geopfert, die meint sie hett ir eer bestettigt und ir bös geschrei damit genummen. Eulensp. cap. 31; nur dem Dacherius, der die gesammten werke des Lanfrancus 1648 herausgab, ist es zu verargen, dasz er dem Quadratus die ehre der ersten ausgabe bestätigte. Lessing 8, 348. nicht unähnlich ist das mhd. sîn êre sprechen und einem êre tuon (gramm. 4, 609). in anderm sinn aber schreibt Wirsung: o mein eerentreicher vatter, wol hab ich dein hochberümet lob geschwecht, stadt (gelegenheit, statt) und anzaigung geben, nit allain dem (? dein) haus, sondern auch dein eer z bestätigen. Cal. b 1a. hier scheint es begraben, bestatten, wie auch sonst: desgleichen lesen wir von den lieben erzvetern, das sie ire todten beklaget und bitter beweinet haben und sie ehrlich zur erden bestetiget. Luther 2, 519a; er soll auch mit seiner eignen hand dreihundert marterer begraben haben und z der erd bestetiget. Frank chron. 275a; nachdem wir unsere gesellen bestetiget (begraben) hatten.

[Bd. 1, Sp. 1657]
Rollenhagen wunderb. reisen 65; mancherlei art die todten zu bestättigen (bestatten). Lauremberg acerra phil. 131.
3) und den ersten son, den sie (des bruders witwe) gebirt, sol er bestetigen nach dem namen seines verstorbenen bruders, das sein name nicht vertilget werde aus Israel. 5 Mos. 25, 6; das der mensch bestätiget werd von dem schaden. Braunschweig 42; er hat Menelaon in das hohe priesterampt bestätiget. Reiszner Jerus. 2, 54a; einen im amt bestätigen.
4) also ward Ephrons acker Abraham zum eigengut bestetiget. 1 Mos. 23, 17; also ward bestetiget der acker und die höle darinnen Abraham zum erbbegrebnis von den kindern Heth. 23, 20; denn er hatte dein reich bestetiget uber Israel fur und fur. 1 Sam. 13, 13; der sol mir ein haus bawen und ich wil seinen stuel bestetigen ewiglich. 1 chron. 18, 12; der herr wird das haus der hoffertigen zubrechen und die grenze der widwen bestetigen. spr. Sal. 15, 25; der himmel war noch nicht recht volkomen zugericht und bestetiget. Luther 4, 6b. bergmännisch, ein gemutetes revier, ein feld bestätigen, als lehen übergeben.
5) und wil meinen eid bestetigen, den ich deinem vater Abraham geschworen habe. 1 Mos. 26, 3; bestetiget aber das wort seines knechts. Es. 44, 26; der herr bestetige dein wort, das du geweissagt hast. Jer. 28, 6; zu bestetigen die verheiszung den vetern geschehen (goth. du gatulgjan gahaita attanê). Röm. 15, 8; verachtet man doch eines menschen testament nicht, wenn es bestetigt ist. Gal. 3, 15; wie sie ire wege und weise nach dem gesetz bestetigten. Luther 1, 45a. 3, 26; der das evangelium so mechtiglich bestetiget hat. 3, 28; das kein doctor noch scribent, kein theologus noch jurist, so herlich und klerlich die gewissen der weltlichen stende bestettigt, unterricht und getröstet hat, als ich. 6, 9a;

nun greift in ewrn peutel hinein
und gebt ein gotzpfenning drauf,
so bestetigt ir den kauf. fastn. sp. 1187;

und gott hat uns geben den eid, damit wir versigelen und bestetigen sollen die warheit und wir bestetigen damit falscheit. Keisersb. s. d. m. 21b; dan obschon dis ein wunderwerk was, damit sein lehr (zu) bestätigen. bienenk. 148b;

bestehtiget mit ruh sein land.
Weckherlin 435;

versag uns nicht disz zu verleihen,
was deinen bund mit uns bestättigt.
Gryphius 2, 284;

wenn auch alte und ansehnliche leute durch ihre gegenwart solche gute ordnung bestätigten. Weise kl. leute 321; Richelieu habe sein glücke durch hoher personen blutvergieszen bestätiget. 376; wann ich diese holde traurigkeit mit einem bestätigten herzen würde verbinden können. Göthe 14, 67; wie denn alle diese verhältnisse sich immerfort lebendig erhielten und durch meinen aufenthalt am letztern orte (Jena) immer mehr bestätigt wurden. 31, 93; jeder condottiere, damit er sich von einem wandelbaren kriegsfürsten zu einem bestätigten friedens- und landesfürsten erheben möchte. 38, 258; wie oft hab ich schon dafür gedankt, wie ist mein und meines bruders Lavater physiognomischer glaube wieder bestätigt. an Aug. Stolberg 3; die ernstliche freundlichkeit bestätigte (bestärkte) mich in dem groszen begriffe, den ich von jeher von diesem geschlechte gefaszt habe. Thümmels reise 2, 60; kein mensch, ja kein endliches wesen wird im guten bestätigt (fest). Fichte sittenl. 254.
6) sich bestätigen: die erinnerungen seiner ersten liebe wurden dadurch wieder so neu belebt, dasz er sich aufs neue in dem entschlusz bestätigte, ihrem andenken getreu zu bleiben. Wieland 3, 82; und welche eltern finden sich nicht genöthigt, töchter und söhne in so schwebenden zuständen eine weile hinwalten zu lassen, bis sich etwas zufällig fürs leben bestätigt, besser als es ein lange angelegter plan hätte hervorbringen können. Göthe 26, 29; eine gesellschaft hochgebildeter männer, welche sich jeden freitag bei mir versammelten, bestätigte sich mehr und mehr. 31, 69; der vorzug des weinglases vor dem arzneiglase in krankheiten der schwäche bestätigt sich auch an erwachsenen. J. Paul; es hat sich nicht bestätigt; wenn es sich bestätigen sollte, dasz.
 
 
bestätiger, m. der bestätiger einer bekräftigung. Garve zu Cic. de off. 3 s. 247.
 
 
bestätigung, f. in allen bedeutungen des bestätigens: die bestätigung des gerüchts blieb aus; der vertrag erhielt die bestätigung nicht; in wichtigen momenten, eben da, wo es scheinen sollte, der mensch bedürfe fremden beistandes, fremder bestätigung am meisten. Göthe 17, 372.

[Bd. 1, Sp. 1658]

 
 bestätigungsgeld, n., was im bergbau für ein gemutetes lehen entrichtet wird.
 
 
bestätigungsjagd, f., eine jagd für die das wild vorher bestätigt, aufgespürt worden ist.
 
 
bestätigungsrecht, n.
 
 
bestatten , oft mit bestäten und bestätigen zusammenfallend,
1) sepelire, den todten, die leiche zur erde, zum grabe bestatten, ihr eine stätte, ruhestätte bereiten: mein kind, wenn einer stirbt, so beweine in und klage in, als sei dir grosz leid geschehen und verhülle seinen leib gebürlicher weise, und bestatte in erlich zum grabe. Sir. 38, 16; und lieszen sie erlich zur erden bestatten. 2 Macc. 4, 49; es ist keins andern saitenspil von nöten, dann des thonen der glocken damit man mein todten leib zur erden bestatten soll. Wirsung Cal. g 3a; als man sie zu grabe bestatten wollte. Göthe 20, 279;

heut früh bestatteten wir ihn.
Schiller 394a;

man hat in fürstengrüften
bestatten mich gewollt.
Rückert 198.


2) locare, verheiraten: sein kind zu der ee bestatten. weisth. 2, 241; ehelich bestatten. Frankf. ref. III. 8, 6. V. 8, 14; gehen sie (die brautleute) im läger zum predicanten, sich ehelichen zusammen bestatten zu lassen. Kirchhof mil. disc. 147; von einem alten, der sich ein jung meidlin bestattet. Zinkgr. 69, 6. locare führt wiederum auf stätte, locus, doch ausstatten auf parare.
3) confirmare, bestätigen: den glauben damit z bekreftigen und z bestatten. Melanchth. 1 Cor. 1; solang gegenwartig, bisz die zeugen beeidet und bestattet weren. Kirchhof mil. disc. 256;

der unser ordnung bstetten wil.
Ayrer 125b.


4) figürliche anwendung der ersten bedeutung des begrabens:

sie solten blosz mit schlafen,
mit freier gasterei, mit spiel und frölichkeit,
mit tanzen und mit lust bestatten ihre zeit.
Opitz 3, 272,

d. i. obruere, delere, terere tempus, wie es heiszt:

cuncta tuus sepelivit amor.
Plautus Most. V. 2, 1;

Voss, von dem kyklopen, vino sepultus:

denn sobald er, vom schmause gefüllt und mit weine bestattet,
seinen gebogenen hals hinsenkt.


 
 
bestattung, f. sepultura:

schon bei vieler helden bestattungen warst du zugegen.
Voss Od. 24, 87.


 
 
bestauben, bestäuben, pulvere conspergere, nnl. bestoven, der umlaut schwankend wie in glauben gläuben und ähnlichen, weshalb sich kein intrans. stauben dem trans. stäuben entgegensetzen läszt.
1) die schuhe, die kleider bestäuben; ein fuszbestäubter wanderer, piedpoudreux, pede pulverosus; die bäume an der heerstrasze stehen bestaubt; alle tische und bänke waren bestaubt; bestaubte blumenkelche; gelb bestäubt. Brockes 6, 18; die rothen augenwimpern bräunte, die nägel vergüldete, die haare bestäubte sie. Lohenst. Arm. 2, 85;

der thau wusch die bestäubten fluren.
Lichtwer;

sei immer unfreundlich, winter, meine flöte soll doch nicht bestäubt in der hütte hangen. Geszner; bestaubte bücher.
2) wie man sagt, der staub fliegt die sachen an und die wange ist von zartem milchhaar angeflogen, heiszt sie schön auch bestäubt, gleichsam befiedert, beflaumt; die jünglinge, wann ihnen anfähet das maul mit milchhaaren besteubt zu werden. Simpl. 3, 87. vgl.

nunc primum opacat flore lanugo genas.
Pacuvius.


3) bestäubt ist auch ein lebendiger ausdruck für berauscht, betrunken, benebelt, weil rausch und nebel sich unvermerkt ansetzen: es was ein fürnem man zunftmeister, ward auf einmal besteubt mit wein. Keisersb. s. d. m. 9b; der sechst schad ist hunger. wie ist, das der also besteubet wirt von fressen und sufen, den durstet immermeder. 10a; ich wil hie nit reden von schimpfweisen oder werken, als die betler treiben, die da besteubt und trunken werden, die schirmen mit einander. 52b.
4) sich bestäuben: du hast dich ganz bestaubt oder bestäubt; die hühner wälzen und bestauben, putteln sich; dann die pferd, die sich im sand umbwalzen und wie die geilen

[Bd. 1, Sp. 1659]
hennen bestauben, die sind besser, als die sich im wasser niderlegen.
5) bildlich, das er auch etwas damit bestäupt (besudelt, beschmutzt) sei. bienenk. 229b; der durchaus mit römischer heiligkeit bestäupt ist. 231b; bestäubte, veraltete grillen. Kant 3, 63;

richtelnde könnens (das werk) mit tadel bestäuben und lobe.
Klopstock 2, 63.

s. bestieben.
 
 
bestauden, sich, fruticescere, staudig wachsen, stauden treiben: der türkische weizen bestaudet sich herlich.
 
 
bestaudung, f. fruticatio.