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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm  ·  · 
 
berather bis beräuchen (Bd. 1, Sp. 1488 bis 1490)
 
 berather, m. consultor, monitor, adjutor:

Domitian, Roms schändlicher berather,
heiszt, wie August, des vaterlandes vater.
Hagedorn 1, 12;

es sind
noch andre, die mich rächen werden, da,
vor allen aber mein berather Zeus.
Bürger 144a;

es ziemet dem
berather, dem ein heer vertraut ist, der
oft sorgen soll, nicht nächtelanger schlaf. 150a;

o sei du mein berather,
weil man mich hier vergiszt.
Rückert 247.


 
 
berathfragen, consulere, ahd. râtfrâgôn (Graff 6, 816): auf berathfragen unser obrigkeit. Mathesius 137b; es hat sich aber fürst Georg von Anhalt mit doctor Luthern darob beratfraget. bericht wider das interim. Wittenb. 1559. bl. 63a; als sie mich darüber berathfragten. pers. rosenth. 3, 16; sich mit den namkundigen zu berathfragen. pers. reiseb. 2, 3.
 
 
berathschlagen, consulere, deliberare, ahd. râtslagôn (Graff 6, 775), nnl. beradslagen: und der könig beratschlaget sich mit seinen knechten. 2 kön. 6, 8; denn ich wuste nicht, das sie wider mich beratschlagt hatten. Jer. 11, 19; solchs ist im rat der wechter beschlossen und im gesprech der heiligen beratschlagt. Dan. 4, 14; so beratschlaget euch unter einander. 2 Macc. 11, 36; beratschlaget er mit inen. 13, 13; sie haben beradschlaget ein neuwerung zu machen. Münster 1205; wo habt ir ie anderst an mir gespürt, dann das ich (Witzel spricht) alle mein sach klüglich, fursichtiglich, weislich und witzelich, ja witzelisch und witzelissime beradschlagt hab? Alberus wider Jörg Witzeln L 1b;

die mit im beratschlaget haben.
H. Sachs V, 287d;

die zunft der kundigen war heut früher als die andern zünfte zusammen gekommen, sich zu berathschlagen. Klopstock 12, 261; sie fiengen nun auch an, sich über die mittel ihrer befreiung zu berathschlagen. Wieland 1, 49; wer sich berathschlagt, was recht ist. Garves anm. zu Cic. de off. 3. Gegen die sprache bildet Fischart das praet. stark: berathschlug Grandgosier mit gedachtem vicekönig. Garg. 145a.
 
 
berathschlagung, f. deliberatio, consilium: wenn Sigmund, herzog von Österreich mit den adlichen berathschlagung hielt, so liesz er oft die schriften der weisen den ausspruch thun. Klopstock 12, 242 (oben sp. 1131); allein, was sie hierüber hätte trösten können, war, dasz alle ihre berathschlagungen und erfindungen vergeblich gewesen wären. Wieland 1, 49; diese zeitung veranlaszte eine geheime berathschlagung unter den häuptern der räuber. ebenda; in berathschlagung mit jemand treten. Klinger 4, 67.
 
 
berathung, f. deliberatio: berathung des entwurfs eines strafgesetzes; die berathung hat schon begonnen.
 
 
berauben , spoliare, privare, goth. biraubôn, ahd. piroupôn (Graff 2, 358), mhd. berouben, nnl. berooven, ags. bereáfjan, engl. bereave, eigentlich ausziehen, entkleiden, wie bei Ulfilas Luc. 10, 30 biraubôdêdun ina gerade zu ἐκδύσαντες αὐτόν, vulg. despoliaverunt eum, verdeutscht. auch entspricht ags. reáf vestis, tunica, ahd. roup, mlat. rauba, franz. robe kleid ganz dem lat. spolium und exuviae (von exuere, excubiae bei Graff 2, 357 für exuviae), abgezognes kleid (neben indusium, angezognes). mehr unter raub und rauben.
1) der entzogne, sinnliche oder unsinnliche, gegenstand steht im gen., die person im acc. (oder nom.): warumb solt ich ewr beider beraubt werden éinen tag? 1 Mos. 27, 45; ir beraubt mich meiner kinder. 42, 36; auswendig wird sie das schwert berauben. 5 Mos. 32, 45; und gab sie in die hand

[Bd. 1, Sp. 1489]
dere, die sie raubten, das sie sie beraubten. richt. 2, 14; wie dein schwert weiber irer kinder beraubt hat, also sol auch deine muter kinder beraubt sein unter den weibern. 1 Sam. 15, 33; ich wil in senden wider ein heuchelvolk, und im befelh thun wider das volk meines zorns, das ers beraube und austeile. Es. 10, 6; sein haus beraube. Matth. 12, 29; sehet zu, das euch niemand beraube. Col. 2, 8; also asz Esau geitiglichen ein schüssel mit linsen aus, darumb ward er beraubt des segens von gott. Keisersb. sünden des munds 5a; weger wer dir gewesen, das du ein zeitlichs hettest verloren, weder das du des ewigen mst beraubt sein. 22a; verschweigt nun einer ding, die er beichten sol, so wirt er der frucht beraubt, die von der beicht kümpt. 78b; der ward mit beraubtem (abgehaunem) haupt und händ unbegraben hinweg geworfen. Frank weltb. 189c; sondern er wird auch aller seiner ehren und glaubens beraubet und entsetzet. Fronsperg kriegsb. 3, 151b; sonder beraubt auch den menschen seines verstands. bienenk. 244a;

sag wil sie ferner mir nicht trauen,
so soll sie dessen sein gewis,
dasz ich mich wil der welt berauben
mit mancher noth und herzverdriesz.
Neumarks lustw. 77.

so noch heute: er ist seiner augen, seines gesichts beraubt; der lange krieg beraubte das vaterland seiner kräftigsten söhne; du willst mich alles trostes, aller hofnung berauben; das kind, seiner kleider beraubt, fror; die äpfel der schale berauben, abschälen; den baum des laubs;

geheimnisvoll am lichten tag
läszt sich natur des schleiers nicht berauben.
Göthe 12, 42.

der gen. kann aber ausgelassen und hinzugedacht werden:

entlaubet ist der walde
gen diesem winter kalt,
beraubet wird ich balde (meiner wonne, hofnung),
mein lieb das macht mich alt.
Hoffm. gesellsch. no 4;

als sie ihre nassen augen mit dem schwarzen spitzenflor verhüllte, der nachher immer über seinen (des lichts) beraubten augen herüber hieng. J. Paul Hesp. 2, 171; ich will dich nicht berauben, du beraubst dich (der dargebotnen sache). statt des gen. die praep. an:

der mensch beraubt den mensch an dem, das ihm gegeben
von leumut, ehre, gut, gesundheit, wolfart, leben.
Logau 1, 3, 33.


2) dat. der person, acc. der sache, wie bei bestehlen:

sie (die juden) haben das tempelgeld uns beraubt.
G. Mauricius weisen aus morgenland. 1606 C 4b;

dem ackerman die ernd, dem kaufman all sein gut,
dem hofman seinen pracht, dem kriegsman seinen mut,
dem bürgern seine ruh, und jedem noch das leben
beraubend.
Weckherlin 516;

wir lassen uns berauben
das beste auf der welt durch gar zu leichten glauben.
Opitz 1, 435.

es sollte einfaches rauben gesetzt sein, vgl. die fügung von schenken und beschenken. richtig wäre der dat. und acc., wenn sich ein ausgefallner gen. hinzudenken läszt, z. b. du hast mir meinen garten (des obstes) beraubt. auch H. Sachs schreibt III, 1, 163b falsch:

die kleinater darausz beraubt seind,

für geraubt.
 
 
berauber, m. spoliator. Maaler 58b.
 
 
beraubnis, f. privatio: die beraubnus der sinn. Paracelsus 1, 492a.
 
 
beraubung, f. spoliatio, privatio: die beraubung der leichen; der erst schad ist beraubung groszer früchten, die ein mensch ablesen mag von seinem mund. darumb also unvernünftiglichen schweigen bringt beraubung groszer frücht, ein mensch mag got loben, das ist ein frucht. Keisersb. sünden des munds 78b; die verneinung, insofern sie die folge einer realen entgegensetzung (zweier bestimmungen, deren jede für sich positiv) ist, will ich beraubung (privatio) nennen. Kant 1, 33 (nach dem sprachgebrauch der älteren wolfischen schule).
 
 
berauchen, fumo fuscare, beschmauchen, fast nur im part. praet. üblich: berauchte wände, stuben, hütten; berauchte bilder, gemählde;

(Lucas Kranach) der auf gemeiner bahre
ward nach der gruft geschickt, dem zahlen hundert jahre
für die berauchte kunst viel tausend gulden aus.
Gryphius 2, 94;

[Bd. 1, Sp. 1490]

ein werk, das wenigstens Homers berauchte schrift
und alle kunst Virgils beschämend übertrift.
Uz 2, 94.


 
 
beräuchen, fumigare: beräuch im sein nasen mit wenteln. Forer fischb. 199b; die ursach zu erklären folgendes beräuchens und fegfeurs des h. röm. bienenkorbs. bienenk. 2a; wider solche krankheiten sol man iren binenkorb oft beräuchen. 242b; es ist oft ein sach also geschaffen, dasz man sich dabei mehr beräuchen als warmen kan. Lehmann 96. heute braucht man beräuchern. Maaler 59b schrieb beröuken.