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Band 33
[I]

VORWORT


    RUDOLF MEISZNER blieb es versagt, den vorliegenden Band, an dessen Vollendung er die ganze Muße und die letzte Kraft seines Alters gesetzt hatte, abzuschließen. Im Spätherbst 1948, als er sich eben anschickte, noch einmal Hand an das fast vollendete Werk zu legen, wurde er durch den Tod abberufen. Das Geschick hat mir die Aufgabe zugewiesen, das Erbe meines väterlichen Freundes der Öffentlichkeit zu übergeben. In dieser Fügung sehe ich vor allem die Verpflichtung, dankbar der Verdienste des Mannes zu gedenken, der sechs Jahrzehnte, länger als irgendein anderer vor ihm oder nach ihm, dem Werke der Brüder Grimm in unwandelbarer Treue gedient hat.
    Schon die ersten wissenschaftlichen Versuche RUDOLF MEISZNERs galten dem Deutschen Wörterbuche. Sie fielen so günstig aus, daß ihm sein Lehrer MORITZ HEYNE die neugeschaffene Stelle eines hauptamtlichen Assistenten übertrug und ihn so zu seinem engsten Mitarbeiter machte. Seither fühlte sich der junge Anfänger beauftragt und berufen, dem großen nationalen Werke für immer zu dienen. Der Eintritt in das akademische Lehramt stellte ihn vor neue Aufgaben, eigene Forschungen entführten ihn in entlegene Gebiete, aber er verlor sein Ziel nicht aus den Augen und fand immer wieder den Weg zurück zum Deutschen Wörterbuche. Die lange Kette von Beiträgen zu den voraufliegenden Bänden legt Zeugnis davon ab.
    Neben diesen sichtbaren Anteil tritt die stille, aber nicht minder gewichtige Mitwirkung an der Neuordnung des Deutschen Wörterbuches kurz nach der Jahrhundertwende. Angeregt wurde sie durch die Eingabe des Hamburger Philologentages vom Jahre 1905 an die Reichsregierung: sie hatte RUDOLF MEISZNER zum Verfasser. Gleich darauf zieht ihn die Deutsche Kommission der Akademie bei den langwierigen Verhandlungen mit dem Reichsamt des Inneren, dem Preußischen Kultusministerium und den Mitarbeitern als Sachberater heran. An der entscheidenden Konferenz vom 5. Januar 1907, die zur endgültigen Übernahme des Werkes
[II]
durch die Akademie führte, nimmt er als Beauftragter der Deutschen Kommission teil, und auch in den folgenden Jahren, vor allem bei der Gründung der Göttinger Centralsammelstelle, hat die Akademie seiner Hilfe nicht entraten können.
    Zum vorliegenden Band hatte RUDOLF MEISZNER den Grund bereits gelegt, als sich unsere Wege kreuzten. Das weitere Wachsen des Werkes konnte ich dann aus nächster Nähe beobachten und durfte auch an den Sorgen und Mühen lexikographischer Arbeit Anteil nehmen, seitdem wir, verbunden zu gemeinsamer Lehrtätigkeit in Bonn, Tür an Tür arbeiteten. Die Hoffnung auf einen baldigen Abschluß des Bandes, die RUDOLF MEISZNER damals noch hegen konnte, ging nicht in Erfüllung. 1913 war die erste Lieferung erschienen, die Ausgabe der zweiten verzögerte sich durch den Ausbruch des Weltkrieges bis zum Jahre 1919. Auch die dritte erforderte eine Vorarbeit von 7 Jahren. Erst als er, frei von beruflichen Verpflichtungen, sich wieder wie in jungen Jahren dem Werke der Brüder Grimm ganz zuwenden konnte, erschien - beginnend mit dem Jahre 1931 - Jahr für Jahr eine Lieferung. 1939 konnte er sogar Lieferung 11 und 12 gleichzeitig herausbringen. Nur Wochen trennten ihn noch vom Abschluß des Bandes, als der zweite Weltkrieg ausbrach und ihn von seiner Arbeitsstätte vertrieb. Nach seiner Rückkehr ist er über Vorbereitungen zur Wiederaufnahme der Arbeit nicht mehr hinausgekommen.
    Mein Schüler JOHANNES ERBEN schloß mit der 13. Lieferung (Vorwendung - vulkanisch) den Band, WILHELM WISSMANN überprüfte die etymologischen Herleitungen, dem Leiter der Berliner Arbeitsstelle BERNHARD BECKMANN oblag die Sorge für die endgültige Drucklegung.


Berlin, im Dezember 1951.
THEODOR FRINGS
als Vorsitzender der Deutschen Kommission bei der
Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin