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Mittelhochdeutsches Wörterbuch 
 
wadel bis strîtwâfen (Bd. 4, Sp. 454a bis 457a)
 
 Lexer FindeB wadel , wedel stm. wedel. ahd. wadal, wedil Graff 1,622, wo dieses wort ohne noth von dem vorhergehenden adjectiv und dem folgenden vollworte etymologisch getrennt wird. im allgemeinen vgl. Gr. 2,99. d. mythol. 674. 1223. Gr. zu Ath. s. 60. H. zeitschr. 11,52. Frisch 2,413. 414. 427. b. Schmeller 4,21. 22.
1. das schwanken, schweifen. si wolten des chriegs wedel dem schwanken des krieges geben ein end Ottoc. 511. a. sonst nur in der verbindung enwadele, enwedele vage; vgl. Gr. 3,145. ir sin fuor enwedele sam vor dem winde diu vedere unt ouch daʒ loub gerne tuot Mar. 29. swie vil ich var enwadele (: zadele), sô bin ich an dekeiner stete dâ man mir tuo als man im tete Helmbr. 848 u. anm.
2. die phasen des abnehmenden und zunehmenden mondes mit ausschluss des neumondes. vgl. R. v. Liliencron in H. zeitschr. 6,368. mehrfach wird das wort auch für vollmond im gegensatze zu dem neumond genommen. plenilunium, der volmôn, wädel Dasyp. mehr d. mythol. u. Schmeller a. a. o. Stalder 2,456. diu mâninne ne gât niht ze sedele an deme niu noch an deme wedele Diemer 342, 28. ein nûwe unde ein wedil. daʒ sint vîr wochin Mühlh. str. 49. des mânen wedel Mart. 181. c. wissent daʒ der hornung durch unde durch ganz wedel ist ( weil, wie s. 368 ausgeführt wird, der neumond auf den 31. januar fiel) H. zeitschr. 6,353. ietz sô ist er nüw, ietz fol, ietz alt, ietz die erst quart, ietz die ander quart, ietz ist es wedel Keisersp. post. 138. b. vgl. Oberl. 1957.
3. wallender, wehender dampf, dunst. Schmeller 4,22. vgl. vaporare auʒ wademen voc. 1419.
4. büschel oder bündel von haaren, federn, zweigen u. dgl. vgl. pensum wedel gl. Mone 7,591. peniculum wadel sumerl. 12,57. daher besonders
a. wedel zum sprengen. aspersorium wadel voc. o. 11,20. hierher wohl: du bist ein hôchgewurkter wadel, mit dem man sich vor laster nert MS. 2,244. b. wobei wohl an den zum weihwasser gebrauchten wedel gedacht ist. Gr. z. Ath. a. a. o. erklärt wedel für geisel.
b. fächer. flabrum wadel, wedel gl. Mone 7,589. sumerl. 7,75. Diefenb. gl. 126. du bist daʒ küneclîche sedel, dar ûf, durch küeler tugende wedel, got selbe wolte sitzen g. sm. 1730.
c. büschel von federn, oder auch einzelne federn als schmuck. eins pfâwen zwêne wedele fuort er ûf sînem helme guot Engelh. 2522. u. anm. vgl. schwanr. 922. turn. 69,5.
d. buschichter wipfel eines bäumchens nach Schmeller a. a. o., auch reisbündel. Stalder 2, 431. daher
e. büschel von reisern im bade zum streichen und peitschen gebraucht. als ich zuo dem badehûse kam, der kneht von mir nam daʒ gewant und leit eʒ hin. — er sprach 'nu her ân allen tadel einen frischen niuwen wadel, hinden wol gebunden' Helbl. 3,20. mich juckent arm unde bein. nu dar zwei scheffel an die stein, dâ wir nâch erswitzen! macht vinster dâ wir sitzen, daʒ wir die wedel swingen das. 3,41. wie der queste ( s. dieses wort) wurde der wadel auch gebraucht, um sich damit die scham zu decken. daher perizomata wadol bei Graff 1,622. ebenso machten in wadel von veigen paum Oberl. 1920. aus einer übersetzung der bibel ( Genes. 3,9. ) vgl. H. zeitschr. 11,52.
5. buschichter schwanz verschiedener thiere. eʒ ( das pferd ) was gar bar des zagels — man mohte niht geprîsen des wedels noch der ôren vorn krone 244. b Sch. sîn wedel der wurm ze samene scheip das. 165. b. vgl. Suchenw. 12, 109. sîn wadel was ûf gebunden Ls. 2,415. dem chalb das wedel ab snîden ab sînem swenzel Gr. d. mythol. XLVII. ausg. 1. der löw fieng an ze schmucken sînen wadel Halbsuter, leseb. 924,37. ein pfâwen wadel krone 129. b. daʒ der wedel solte sîn, daʒ wâren lange visches gran das. 13. a. beide male nach P, dagegen hat V zagel.
 
 
Lexer batwadel stm. perizoma voc. 1445. Schmeller 4,21. vgl. wadel 4. e.
 
 
Lexer FindeB sprencwadel stm. aspersorium voc. o. 9,43. gl. Mone 4,236. 8,250. 256.
 
 Lexer wîhewadel stm. weihwedel. aspersorium. Oberl. 2030.
 
 Lexer wadelec adj. arm, elend? daʒ uns gewerren ne mege nâhen noh verren des vîantes lâge in disem wadligen ellente H. zeitschr. 8,154.
 
 Lexer FindeB wadele , wedele swv. schwanke, schweife, flattere. ahd. wadalôm Graff 1,776. er sach andirnthalb den arn von eime scafte wedilin Ath. B, 81 u. anm. si sluogen ûf helme daʒ daʒ viur wilde wadelende drûʒ vlouc Lanz. 5319.
2. ein monat wedelt an dem tage wo der zunehmende mond eintritt. hiute wedelt der wintermônôt unde gât die sunne in den tarant H. zeitschr. 6,363. des wintermônôts kraft wedelt hiute unde gât die sunne in den schützen das. 364. vgl. anm. 368.
3. transit."> geisele. man wadelt uns vil arme liute mit geiseln daʒ uns vallent die hiute W. gast 6683. man wadelt in umb sîn gebeine das. 6689.
 
 Lexer wadelære stm. der welcher schweift, schwankt. er muose sîn fluhtiger unt wadalêre Genes. fundgr. 26,5. daʒ bezeichenet ze wâre alle wadelâre Diemer 35,29.
 
 Lexer wedeliere swv. schweife, flattere. diu sper von krache helle sach man zebrochen klein ûf wedelieren Tit. 4514 H.
 
 Lexer FindeB WÂFEN , WÂFEN stn. waffe, wappen. ahd. wâfan , goth. vêpna (plur. gr. ὅπλα ) Gr. 1,406. 679. 2,161. 3,440. Ulfil. wb. 190. Graff 1,785. wâffen ( mit unterpunctiertem n) Diemer 349,1. wâppen W. Tit. 2,1. das nhd. fem. waffe erklärt sich aus dem häufigen gebrauche des pluralis. der unterschied zwischen wâfen und wâpen ist mehr dialectisch. die bedeutung scheint durch den gebrauch der einen oder der andern form keine änderung zu leiden. in Leys. pred. findet sich auf derselben seite 91 wâfen und wâpen.
1. waffe.
a. im singular vorzugsweise das schwert. hete mîn bruoder Hagene sîn wâfen an der hant Nib. 421,2. wer hât diz veige wâfen her getragen Trist. 1099. er twanc daʒ wâpen mit manlîcher hende Rab. 953. dann angriffswaffe. swanne der man vihtet, sîn wâffen ûf rihtet Diemer 349,1. des tôdes wâfen ze sêre sneit Nib. 939,3. nach C, wo A zeichen; man kann auch bei wâfen an wappen denken. vgl. d. mythol. 807. er hete wâfens gnuoc an einer stange Iw. 188. auch die ganze rüstung. sîn wâfen daʒ was alleʒ rôt Wigal. 2997. ein ritter bî rôtem (rôten D. ) wâpen unrekant Parz. 398,5.
b. im pluralis die angriffswaffen, namentlich schwerter. swer von wâfen wirt wunt Iw. 65. si leiten diu wâfen von der hant Nib. 439,1. sîniu wâffen er dô sleif kindh. Jes. 97, 13. dann alles was zur bewaffnung gehört. der helm ist iu benennet niht, noch ander wâpen, noch der schilt W. Wh. 161,21. welich die wâpen sîn, dâ mit wir den tûvel vertrîben Leys. pred. 91,36, wo brünne, schilt, helm, swert genannt werden. wâpen tragen W. Wh. 161,6. Parz. 370,23. 618,21. W. Tit. 2,1. wâfen tragen Nib. 27,1. Barl. 263,18. die helde in hieʒen soumen beide wâfen und gewant Nib. 68,4. wâfen nemen s. v. a. swert nemen wehrhaft, zum ritter gemacht werden Gudr. 178,4. wir wollen unsere wâpen abe legen myst. 204, 30. beschirme si mit dînen wâpenen das. 141,9. vollen rât von wâpen H. Trist. 1631. die knaben von den wâpen ( später herolde ) Engelh. 2755. endlich werkzeuge überhaupt. einen boum mit bete sunder wâpen nider geneigen MS. 1,51. a. wol behouwen und geebenet mit allen den wâfenen, dâ mit sie sie immer gequelen konden Leys. pred. 117,18.
2. wappen. ditz selbe wâfen fuort er Wigal. 2292. ein rat von rôtem golde erhaben. daʒ wolder zeinem wâfen haben dâ man in bî erkande das. 1830. ecidemôn daʒ reine tier het im ze wâpen gegeben diu küngin Parz. 741,17. als man an deme schrâte daʒ wâpen gesniten hâte Herb. 490. vgl. Gr. zu Ath. s. 59. mit vremden wâfen Iw. 252. diu wâppen errkande Parz. 43,11. 80, 11. ich sach mîns bruoder wâpen tragen mit ûf kêrtem orte ( als zeichen der trauer ) das. 91,10. das wappen wird zunächst an dem schilde, dann an andern theilen der rüstung des mannes und des rosses, auch in der fahne angebracht. dô erschein sîn wâfen an dem schilte Wigal. 1138. des schildes wâpen Parz. 662,14. durch den satel der Anfortases wâpen pfligt das. 487,30. dô er sîns landes wâfen truoc vür den sal künec Hetelen. obene durch die zinne lieʒ man den vanen weiben Gudr. 792,2. ich sihe diu Hagenen wâfen in einem segele rîche das. 489,3. von dem ichʒ beste hœre sagen, des wâfen wolt ich gerne tragen in dessen gefolge wollte ich sein, ihm angehören Vrid. 74,18 u. anm. über Vrid. s. 65. des vîndes wâfen tragen Barl. 276,19. gelîchiu wâfen tragen sich gleich sein Ls. 1,167. der sol der werlte widersagen und sol ir wâfen niht mê tragen misc. 2,221. tragen daʒ wâfen des tôdes Wigal. 7797. vgl. d. mythol. 807. der unfröude Stricker 12,31. des wînes weinschwelg, leseb. 575,26. der minne Mai 10,12. si truoc der minne wâfen, einen munt durchliuhtic rôt Parz. 130,4. man sach hie minne wâfen: daʒ sint reines wîbes ougen Türl. Wh. 46. a. ir traget sîns tôdes wâpen gar, der uns von helle erlôste ( das kreuz ) W. Wh. 17,16. mîn sanc süle des winters wâpen tragen MS. 1,178. b.
3. als noth- und hülfsruf, wehe! ursprünglich aufruf zu den waffen. Gr. 3,297. o mucro wolago wâfane Diut. 1,533. a. die ursprüngliche bedeutung bricht noch in dem rufe des wächters bei dem herannahen der feinde durch: wol ûf, ir stolzen recken! wâfen, herre, wâfen Gudr. 1360,3. alle zungen suln ze gote schrîen wâfen Walth. 33,25. vgl. H. heldenb. 1,89. wâfen! Nib. 426,3. 2311,1. Bit. 90. a. MS. 1,41. b. 58. 171. 2,87. a. 105. a. b. Ls. 2,270. wâfen, herre, wâfen Iw. 134. wâfen, herre, iô MS. 1,13. a. wâfen iemer wê Diut. 2, 260. wâfen immer mê Pass. K. 124, 66. wâfen hûte und immer mê das. 102,64. 263,61. owê mir unt ô wâfen Trist. 10098. ach wê mir unde wâfen troj. 17103. wâfen mir heut und immer mêr fasn. 414. mit genitiv der sache. wâfen sender nôt MS. 1,196. b. 204. b. mit präpos. wâfen, herre, wâfen über des hellehundes list Gregor. 162. ich schrire wâfen über dich büchl. 1,329. vgl. Wigal. 9825. 11557. frauend. 533,13. MS. 2,204. a. H. heldb. 1, 90. Ls. 2,270. nu solt ich schrîen wâfen umb ir scheiden Parz. 242,16. wafenâ MS. 2,9. b. beitr. 57. Hätzl. 1,3,45. wâfenâ, herre, wâfen Flore 6388 u. anm. mit genitiv der sache. wâfenâ der lieben stunde, der leide beitr. 230. 259. wâfenô Parz. 675,18. Geo. 4372. Pass. K. 422,18.
 
 Lexer armwâpen stn. armilla, dextrale Diefenb. gl. 38. 96.
 
 Lexer strîtwâfen stn. waffe die zum kampfe dient. acies spitz strîtwâfen gl. Mone 6,213.