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Mittelhochdeutsches Wörterbuch 
 
RUOF bis widerruofe (Bd. 2, Sp. 803a bis 806a)
 
RUOF, adj.
RUOFE, stv. swv. stv. stv. swv.
RIEF, stv. swv. stv. stv. swv.
RÜEFE, stv. swv. stv. stv. swv.
RUOFTE, stv. swv. stv. stv. swv.
rüefen, stn.
ruofen, stn.
beruofe, stv. swv.
berüefe, stv. swv.
beruofen, adj.  part.
beruofer, stm.
beruofunge, stf.
geruofe, stv. swv.
gerüefe, stv. swv.
überruofe, stswv.
verruofe, stswv.
verrüefe, stswv.
widerruofe, stswv.
widerrüefe, stswv.
ruofære, stm.
ruofer, stm.
rüefære, stm.
rüefer, stm.
wînruofer, stm.
wînrüefer, stm.
ruof, stm.
ruoft, stm.
betelruof, stm.
drouweruof, stm.
sündenruof, stm.
wâfenruof, stm.
widerruof, stm.
widerruoft, stm.
gerüefe, stn.
geruofede, stn.
gerüefede, stn.
geruofte, stn.
gerüefte, stn.
RUOLANT, nom.  propr.
RUOM, stm.
RUON, stm.
ruomewât
ruomwæhe
ruome, swv.
rüeme, swv.
ruomen, stn.
rüemen, stn.
ungerüemet, adj.  part.
beruome, swv.
berüeme, swv.
berüemet, adj.  part.
entrüeme, swv.
gerüeme, swv.
verrüeme, swv.
verrüemet, adj.  part.
volrüeme, swv.
rüemære, stm.
ruomære, stm.
gerüeme, adj.
rüemlîch, adj.
rüemec, adj.
rüemeclîchen, adv.
ruomehtec, adj.
ruomese, swv.
ruomesære, stm.
RUORE, swv.
RÜERE, swv.
ruoren, stn.
rüeren, stn.
geruort, part.  adj.
ungeruort, part.  adj.
berüere, swv.
beruore, swv.
unberuort, adj.  part.
unberüeret, adj.  part.
errüere, swv.
gerüere, swv.
rüerec, adj.
gerüerec, adj.
geruorec, adj.
unberuorlîch, adj.
unberüerlîch, adj.
ruore, stf.
ruor, stf.
gruntruore, stf.
ruorschît
beruorde, stf.
berüerde, stf.
gerüerde, stf. stn.
RUOST, stm.
RUOST, stn.
RUOTE, stswf. stf.
geiselruote, st. swf.
lîmruote, st. sw. f.
mandelruote, stsw. f.
mansruote, st. swf.
meʒruote, f.
schuolerruote, f.
segelruote, f.
weibelruote, st. swf.
 Lexer RUOF adj. was RUF. vgl. dasselbe. unser gesmach wirt ruoffe unde breit, daʒ ist guot liumunt lât iu niht wesen leit Diemer 83,20. einen rinderîn schuoch, dâmite ist des genuoc, siben ellen ze hemede unde bruoch ruofen tuoch kaiserchr. RA. 340.
 
 Lexer Lexer NLexer FindeB FindeB RUOFE stv. prät. RIEF , daneben RÜEFE swv. prät. RUOFTE part. geruoft u. gerüefet ahd. hruofan, hriaf Graff 4, 1132 fg. u. adh. hruofjan, hruofta das. 1135. goth. nur sw. goth. hrôpjan, hrôpida . sollte sich die seit dem ahd. überwiegende starke form erst nach analogie des stv. hvôpan gebildet haben? zu lat. crepare? wäre mhd. der umlaut überall geschrieben, so würde es leicht sein, die starke u. die schwache form aus einander zu halten; da das aber nicht immer der fall ist u. ein unterschied in der construction u. bedeutung sich nicht begründen lässt, dieselben dichter sich auch beider formen bedienen, so sind das stv. u. swv. nachstehend gemeinsam abgehandelt. schreien, rufen, laut singen.
1. ohne alles object."> unde kum er niht vil schiere, sô ruofet über fluot und jeht, ir heiʒet Amelrîch Nib. Z. 236, 6 1 . sô der klagvogel rüeft oder schreit, sô tuot er sam er wain oder klag Conr. v. Megenb. 227,22. die widhopfen rüefent vast in dem sumer, dâ si eʒ guot habent das. 228,31. sâ zehant sô bist du in der rüefenden sünden Berth. 204. vgl. das. 330 u. 390. si ruoften unde sungen, si zugen ûf ir segel Orendel 392. dô ruoften si und sungen und hêten aller freuden wunne das. 437. gehört hieher: den schilt nam er ze halse sân. hie stuont ein ros vil wol getân, gewâpent vaste unz ûf den huof, hie garzûne ruofâ ruof Parz. 72,2 ?
2. es folgen die worte, die man ruft.">
a. in directer rede."> ich hete ungerne 'decke blôʒ' gerüefet, dô ich sie nacket sach Walth. 54,22. der helt ze sînen vriunden starke ruofen began 'geloubet iuch des sturmes' Nib. Z. 33,3 1 . dô rief vil jæmerlîche diu küneginne milt 'owê mir miner leide' das. 153,7 1 . dô ruofte er mit der sterke, daʒ al der wâc erdôʒ, 'nul hol mich Amelrîchen' das. 237,3 1 . eʒ rief dirre und rief der 'harnasch unde ros her' Iw. 174. vil lûte rief er unde sprach 'rîter, ir sît triuwelôs' das. 35. si rief sêre unde sprach 'er ist zwâre hinne' das. 59. er rief und sprach 'lât genesen' das. 193. und rief vil jæmerlîche 'wâfen über den helt balt' Wigal. 9824. dâvon ruoften si 'du bist komen' Leys. pred. 15,13.
b. in indirecter rede."> sus vuorters vür daʒ bürgetor: dâ hôrten sî in ruofen vor, er hienges alle viere, ob man si niht vil schiere mit ir swester lôste Iw. 186.
3. mit präpositionen."> ine mac niht wol benennen gar, an den ruoft der heiden sunderschar W. Wh. 372,2. ob er mit ganzer innekeit an mich ruofet Marl. 24,525. er rief an in schier 'lieber vater, hilf mir' leseb. 828,12. si bliesen unde ruoften vaste nâch in, hinter ihnen her, Diemer 177,15. sô dise armen gotes kinder über iuch ruofent an dem jüngesten tage Berth. 129. diu sünde, diu über dîne sêle ruofet tac und naht vor got das. 204. vgl. das. 390. der wolf was in diu schâf kumen, dâ er von lebene vil erbeiʒ, wand sich niemannes kraft dô vleiʒ, der über den wolf dâ riefe Pass. K. 668,45. von den die ze wîne ruofent zürch. richtebr. 46. swer ze Zürich ze wîne ruofet, der sol teil noch gemein hân an keinem wîne ebenda. swer ze wîne rüefet, der sol niht wan zeinem wîne rüefen das. 47. ze gote ruofen beten.
4. mit dativ der person,"> ahd. u. mhd. weitaus die gewöhnlichere verbindung. alle zungen suln ze gote schrîen wâfen und rüefen ime, wie lange er welle slâfen Walth. 33,26. dô tete si als ir wære gâch, unz er ir rief anderstunt Iw. 138. si sprach 'wer ruofet mir? wer?' ebenda. unz im der wâre jâmer rief Parz. 191, 28. hiemite begunde er überlût den hunden ruofen 'zâ, zâ, zâ' Trist. 3013. sus riefens an den stunden den andern zweien zuo zin das. 9393. dô man mir des morgens rief, dô wart mîn angest swære Gregor. 3530. dô ruoft er im anderstunt das. 2887. der knappe gab im einen brief, der Artûs in sîn herze rief Parz. 649,6. und dô er Lazarum hieʒ ûf stân, dô ruoft er im unde sprach myst. 285,32. und wan vil manige in disem tôtlîchen slâfe ligent, so rüefet in sant Paulus und sprichet Leys. pred. 2,15. alsô rüefet uns der wecker der gelust der werlt das. 3,29. ich sach den engel stên in der sunne und ruoft allen vogelen das. 18,39. wen hiut berüeft die gotes stim, der weiss nit, ob sie morn rüef im narrensch. 31,32. vgl. Lachm. drei bruchst. 8.
5. mit accus.">
a. der sache:"> ausrufen. nu hieʒ man ruofen in dem sal eine stille überal Trist. 11225. von dem ruofe, den sante Johannes in der wuoste ruofte spec. eccl. 132. nu rüefe ouch ich denselben ruof W. Wh. 69,1. flêlich rief er disen ruof Ludw. kreuzf. 3815.
b. der person.">im ahd. u. ältern mhd. nicht belegt. vgl. commentar zum narrensch. zu 31,32. des rûfte konig Wenceslaw di burger von der Zittaw besundern und sprach czu yn zitt. jahrb. 4,29. eʒ ist diu zît kumen, daʒ ir gerüefet sît zuo den die dâ besitzent die krône der gerehtikeit zürch. jahrb. 48,11.
6. mit ortsadverbien u. adverbialpräpositionen."> unde rief ir hin nâch Iw. 137. sîne seltsæne gruoʒe, die harpft er alsô suoʒe, daʒ iegelîcher darzuo lief, dirre jenem dar nâher rief Trist. 3570. den fursten rief man allen dar Ebern. Heinr. u. Kuneg. 2260. an ruofen mit acc. d. sache oder d. person. durch dînen heiligen namen, den ane ruofte mîn ano Abraham Genes. fundgr. 2,75,44. die sîne gnâde wârlîchen und inneclîchen an ruofent spec. eccles. 21. ruofet sîne michel genâde an das. 61. daʒ si got ane rief, daʒ er ir nôt bedæhte Iw. 214. si ruofte an in ir muote got gar inneclîche Mai 67,6. und ruoften got an, den miltôsten rihter, zürch. jahrb. 46,31. und ruoften sîn hilf und genâd an das. 47,37. dô quam ein wîb vor in gegân und begonde in rûfin an Jerosch. Pf. 150. d. daʒ monstir, dâ man die lieben koniginne Marîen sundirlichen sûcht und ane rûfit Ludw. 88,6. di in in ganzer innekeit rufen an das. 69,29. den tiufel rüefte gar mancher an, wann er von im hülf wartend wær narrensch. 38,43. dô Saul der künec was verlân von got, ruofte er den tiufel an das. 65,94. zu hant der eber dô entslief, auch der hirte im nit ûf rief Keller 61,27. eructo sive letari, aus ruffen vel singen Diefenb. gl. 110.
 
 Lexer NLexer FindeB rüefen , ruofen stn. das rufen. als eʒ von grôʒer müede quam, daʒ er sîn rüefen niht vernam, dô ruoft er im anderstunt Gregor. 2886. ân winseln und ân rüefen Conr. v. Megenb. 166,31.
 
 Lexer FindeB beruofe , berüefe stv. u. swv. , doch überwiegt die starke form.
1. berufen, wie nhd. er lieʒ berüefen ûf den hof al gemein die pfaffheit Theoph. 298. daʒ si berîfen drâte Symônem unde Pêtrum Pass. 174,27. alsus sach man berûfin in zu sîme hove alle die bischofe Jerosch. Pf. 13. a.
2. ausrufen. darnâch über vier wochen beruofen und besprochen, bekrîet schône und beschrît wart des fürsten hôchgezît reht ûf die zît ze pfingesten Heinr. Trist. 510. dâ wart ein kirmesse bî in eime dorfe berûfen Marleg. 22,40. ein tornei wart dâ berûfen Ludw. 40, 3. des wart ir prîs beruofen in mangiu lant W. Titurel 149,4. der ritter ie berûfen wart für einen helt ûʒerlesen Pass. K. 375,53. Schoysiâne ir muoter dâfür wart beruofen, daʒ got selbe unde des kunst mit willen ir klârheit geschuofen ä. Tit. 98,1.
3. schelten, tadeln, vorwürfe machen. starke er in berief, als er wol mohte, von sîner unzuhte Lampr. Alex. M 2 4291. er beruofte in drumbe sêre unde sprach im an sîn êre Iw. 13. vgl. die anm. zu 111. die begund er strâfen und beruofen umb ir slâfen Erec 2524. daʒ er dich dîner dumheit berûfit Wernh. v. Elmend. 125. Herôdes, der valsche man, betrübet sêre wart dâ von, daʒ in Johannes sus berief Pass. 350,65. fürchtest du die vrouwen nicht, daʒ du ir tugent berûfen wilt Marleg. 24,217. hievon si müesal überlief, wand si ( die Martha ) die swester ( Maria ) ouch berief: daʒ darumbe gar geschach, wand si etc. Pass. K. 333,58; der hsgbr. hat die stelle nicht verstanden.
4. bezaubern, verhexen? so erklärt Benecke Boner. 93,30 : wenne den beruffet der slâf, der hüeten unde wachen sol, sô schict sîn vîgent sîn dinc wol.
5. reflex. ">
a. zu nr. 1 gehörig, ähnlich wie sich besenden: sich gegenseitig bestellen, zu einem kriegszuge zusammenrufen. di wîle si diz schûfin, dô hâtin sich berûfin di Nattangin zusamin Jerosch. Pf. 75. d. dô die heidin sâhen daʒ, vil snel si sich berîfin das. 139. d.
b. zu nr. 2 gehörig: sich berühmt machen. so erklärt das glossar zu Pass. K., aber ich möchte die angezogene stelle lieber unter a bringen und erklären 'ein heer zusammenbringen,' wie auch er besendet sich dasselbe bedeutet: dar nâch über manegen tac, dô ouch der lûte vil verlief, in Persenlande sich berief ein rîcher künec, hieʒ Cosdrôê (nâch der heidenischen ê hielt er sich und sîn lant). er gewan vil starke hant an eime her. diz geschach. under sîn gebot er brach vil der lande um in gelegen Pass. K. 279,74.
c. appellieren, sich an eine höhere instanz wenden; diese wird durch an ( auch in?) mit dem acc. angeknüpft. di dô wider ires ordenes gesetzce sich anderswar berûfen adir appelliren stat. d. d. ord. s. 97, XXXIII ( gesetze cap. 33). dâ wider berief sich der apt gar hefticlich, iʒ half abir wênig Ludw. 15, 30. unde berief sich des an meister Klingesôr das. 10,4. Jeronimus schrîbet in der vorrede uber Mathêum, daʒ andirre vile was, di ouch êwangelia geschriben haten, und di wâren nicht gerecht. “dô sleif ich mîne zene mit eime steine und berief mich in den abrahêmischen exemplar, dô ich die êwangelia und die biblien ûʒ gedûtit hate myst. 210,25.
 
 Lexer beruofen adj. part. berühmt, bekannt er was achper ze hove und an kunstes prîse berûfen und wîse Pass. K. 365,26.
 
 Lexer beruofer stm. der appellant. vgl. Gr. w. 2,2.
 
 Lexer NLexer beruofunge stf. die appellation. appellacio beruffung Diefenb. gl. 32. zû der berûfunge wart ime ein jâr tag gegeben Ludw. 10,6.
 
 Lexer Lexer NLexer FindeB FindeB geruofe , gerüefe stv. u. swv. was ich ruofe. swaʒ man ime dâ. gerief Iw. 125. swie vil man im geriefe, er kêrte sich ze nihte daran Ulr. Trist. 2598. swaʒ im des morgens widerlief ode swie vil diu krâ gerief, der ungeloube in niht betrouc Wigal. 6186. ichn gerüefe dir niemer mê Gregor. 2891. dô er nâch im vil genuoc mit sînen worten gerief, ze jungest er hinabe lief Pass. K. 22,47. swelicher an dem ring oder an der schrannen stât, alsô daʒ man im gerüefen mac münch. stdtr. cap. 5. darnâch si zusamen sich geriefen nâch der nôt ( vgl. beruofen nr. 5. a) Jerosch. Pf. 178. a. dô si got an geruoften zürch. jahrb. 48,9. als die sêlige rote angerief den gotes geist Pass. K. 359,42.
 
 Lexer überruofe stswv. an stärke des rufes übertreffen. eʒ enzimt uns niht wol, daʒ uns Ruolant überruofen sol Karl bei Schilter s. 20. a.
 
 Lexer FindeB verruofe , verrüefe stswv.
1. öffentlich ausrufen, proclamieren.
a. mit dativ der person."> du êwiger vater, dich êrit alle di erde, dir vorrûfen alle di engele und alle di himele, dir rûfit Cherubîn und Seraphîn etc. myst. 116,30.
b. mit acc. einer sache."> diu pfant verrüefen, öffentlich ausbieten, vgl. Gr. w. 1,67.
2. reflex. "> appellieren. und er darüber mit unreht zu den steten oder an den künig sich vorrüefet schemnitzer stadtr. art. 15.
 
 Lexer FindeB widerruofe , widerrüefe stswv.
1. widerrufen, zurücknehmen. der keiser widerruofte die gebot, die sîn vorder hete getân wider die kristenheit Clos. chron. 13. pâbist Clêmens der vumfte die gift des lênis widdirrief Jerosch. Pf. 172. b.
2. widerlegen. dar wider habent die juden etlich argument, di widerrûft Nic. de Lyra alle, bei Scherz 2,2021.
3. reflex.? mit gen.?"> aber er beharret und saget, sich nichts geirret haben, noch sich wöllen widerrüefen der andern falschen laster und schuldigung uber jn bösslich gethôn Nic. Wyle, im leseb. 1046,14. in betreff beider worte wird sclavische anlehnung an das lat. original walten.