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Mittelhochdeutsches Wörterbuch 
 
œde bis offen (Bd. 2, Sp. 431a bis 432a)
 
 Lexer NLexer FindeB œde swv. ahd. ôdjan Graff a. a. o. öde machen, verheeren. wan daʒ si œdent diu lant Servat. 3381.
 
 Lexer FindeB œdekeit stf. leichtfertiges betragen, albernheit. wâ ist nu al dîn œdekeit; eʒ muoʒ dir werden vil leit Hahn ged. 46,3. swieʒ ( das märe ) gelîche einer lüge unt ze œdekeite züge Eracl. CXII.
 
 Lexer œdelîchen adv. auf widerliche weise. œdelîchen wart von im ûf mînen tratz gesprungen Nith. H. 74,9.
 
 Lexer FindeB œdeclîchen adv. dasselbe. sîn houpt er z'œdeclîchen swanc gein ir zem turloyen Nith. H. 89,1.
 
 Lexer ODERMENIE name einer pflanze. agrimonia sumerl. 53,9. das. 54,17. bibona das. 55,12. concordia das. 56,35.
 
 Lexer ODEVARE swm. der storch. vgl. udebero. sumerl. 12. Gr. 2,787. fundgr. 1, 386. a. noch jetzt in Niederdeutschland adebar.
 
 
Lexer OFFEI interj. altfr. afoi , Roquef. 1,34. a. = ma foi, traun. ir sint ein süeʒer knappe, offei MS. 2,58. b.
 
 OFFE , OFFENUNGE zuweilen für hoffe, hoffenunge.
 
 
Lexer FindeB OFFEN adj. ahd. offan Graff 1,161. participialbildung zu ûf (vgl. Wackern. glossar zum leseb. ) aufgethan, offen. diu venster an den mûren sah man offen stân Nib. Z. 201,4 1 . mînes herzen tiefiu wunde, diu muoʒ iemer offen stên Walth. 74,15 fg. vgl. Parz. im leseb. 420,9. der mantel mit ofenre snüere das. 406,15. als ir mir gebeten habet, offen sî iu diu vart, erlaubt, gestattet, nicht versperrt, Exod. Diemer 155,37. zantswer ist maneger slahte. einer ist offen ( entsteht aus offen zu tage liegender ursache ), der ander tougen. der offen zantswer ist... daʒ si dürchel sint arzneib. Diemer k. VI. got, der der minni ist, hât uns offin, deutlich kund, getân, wie wir schöpfung 99,10. ist aber daʒ offen niht, deutlich nachweisbar, zürcher richtebr. 20. offener sünder heisst der zöllner im evangelium, bihteb. 5. offeniu sünde, von der mehrere wissen. als im diz wart offen und mit lêre erzeiget Pass. K. 647,24. der grabe umbe die stat sul iemer offen sîn, und man sul in iemer besserende sîn das. 67, wohl: man soll nicht zugeben, dass er auf irgend eine weise sich anfülle oder zugeschlämmt werde. als man noch wol hât ir offen brife mit irin ingesigel by der stat, ein für die öffentlichkeit bestimmter brief, eine urkunde. zitt. jahrb. 32,6. des gebe wir desin uffinbriff gevestent und vorsigelt mit unsern angehangen ingesigel das. 51,29. vgl. Scherz 2,1153. daʒ sal ir uffin ganc und gemach sîn, dessen sich jeder ohne hinderniss bedienen darf, zitt. jahrb. 51,13. offener schrîber, notarius publicus, bei Scherz 2,1153 u. 1154. offene tage, judicium peremptorium, führt das glossar zum brünner stadtr. auf, doch trifft das citat nicht zu. eigentlich sind es dies communiter acceptae et publice indictae, vgl. Haltaus 2,1447. darnâch sullent die offen pfeffinne ( neben den gemeinen fröuwelen genannt ) sîn in den obgenanten pênen meran. stadtr. 425, XIII. vgl. offene sünderrinne, offene wîber, meretrices, bei Scherz 2,1155. offen hûs:
1. lupanar, augsb. stadtr. 373. vgl. mehr beisp. bei Scherz 2,1154.
2. eine wohnung, zu welcher der zutritt nicht verwehrt werden darf. unser schloss Brunnenfels und das nuwe hus Hohen Solms sollen der von Wezlar offenhiuser sin ewiclichen, sich davon wider alle ir viende zu behelfende, und uf und abe zu ritende als von eime offen huse, bei Scherz 2,1154, wo noch mehr beispiele zu vergleichen. ebenso offen slôʒ, arx, ubi quis habet jus aperturae, s. ebenda. mit offener und kuntlicher nâme, depraedatione publica, ebenda. über diese und noch einige andere bedeutungen von offen vgl. Haltaus 2,1445 fg. Scherz 2,1153 fg. Westenrieder 398. Schmeller 1,33. dem verstolen entgegengesetzt, ein offeniu süeʒiu wirtes wîp MS. 1,147. a ( die eigene gattin im gegensatz zur helnden minne). verstolne waʒʒer süeʒer sint dan offen wîn, daʒ jehent diu kint Friged. 2812. danach ist zu bessern verboten waʒʒer beʒʒer sint dan oft ( l. offen) wîn, des hœr ich jehen MS. 1,24. a. — sîn brust starc und wol offen, vgl. engl. open , Lampr. Al. 17. b.
 
 Lexer FindeB offen adv. ahd. offano Graff 1, 162. palam, führt Ziemann auf, Doc. 1,227 citierend.
 
 
Lexer offen swv. ahd. offanôn Graff 1, 164. auch offanjan kommt vor, vgl. das. 1,168. aber den umlaut zeigen nur wenige späte beispiele. prät. offente, inf. offenen und sehr häufig offen.
1. mache offen, entgegengesetzt dem verschliessen. wir wolden offen diz tor Ludw. kreuzf. 5384. wolden aber diu liute ir ture niht offen ör. w. s. 609. got hât mir geuffint daʒ ôre myst. 182,14. dô offinte im got der herre di innewendigin ougen Ludw. 36,17. die offenten im ein pförtelîn Heinr. Trist. 3077. offent eʒ (des herzen tor) den sünden sich, sô füllet aber diu sünde dich Barl. 176, 29. diu himelvart uns goffent ist das. 209,31, vgl. das. 272,15. daʒ velt öffen, nach der ernte die weide eintreten lassen, münch. stadtr. 494.
2. eröffne, mache bekannt, entgegengesetzt dem verbergen. mîn kunst, diu was verborgen ie, die wolde ich nu offen hie Wigal. 125. die offent er in sêre in bezeichenlîcher lêre Barl. 76, 13. unz got dô wolde offen sînen namen Servat. 147. dô offent got sîne maht warnung 1999. ich zwîvel niht, daʒ dises mort got offenen sol Boner. 61,28. wil ich selb den gebresten mîn offnen, wer sol mir den gestân? das. 76,53. swer heimlich ûf des andern guot klagt, der sol eʒ offenôn vor dem schultheiʒen zürch. richtebr. 55. swer hie wider tuot, den suln si dem râte offenen das. 68. dâ mite er sînes herzen grunt offente eime knehte Pass. K. 141,85. eʒ wirt durch untruw hûsgesind geöffent und usbrôcht geschwind narrensch. 39,28. vgl. Schmeller 1,34. besonders in der gerichtssprache: offnen des hofs recht Gr. w. 1,7. di wîle man des gerichtʒ und zwings rechtung offnet — sol man umb eigen und erb und des vogtʒ und der liute recht offnen das. 1,41; urtheilen, zu gericht sitzen. vgl. offenunge.
3. aufgehen lassen, anfangen machen. daʒ begunde in beidiu stillen und offenen ir ungemach Trist. 12036.