| | Gestalten, verb. reg. act. eine Gestalt geben; ein nur im Oberdeutschen übliches Zeitwort, wo es auch figürlich, für bilden, sittliche Gestalt geben, gebraucht wird. Die gestaltende Kraft des Samens. Die Seele gestaltet den Leib. Er hat von freyer Hand gestaltet Selbst ihrer aller Herzen hier, Opitz. Im Hochdeutschen hat man von diesem Zeitworte nur das Mittelwort gestaltet beybehalten. Sie sind wie Statuen gestaltet, Gell. Ein wohl gestalteter, übel gestalteter Mensch. Im gemeinen Leben lautet dieses Mittelwort nur verkürzt gestalt, auf welche Art es häufig auch in der Deutschen Bibel vorkommt. Wie ist er gestalt? 1 Sam. 28, 14. Vergessen, wie man gestalt gewesen, Jac. 1, 24. Welche Form sich auch in ungestalt erhalten hat. Bey so gestalten Sachen, so gestaltig, und so gestalten Dingen nach, sind Blumen Oberdeutscher Kanzelleyen; so wie die Hauptwörter Gestaltung und Gestaltniß, und das Bindewort gestaltsam, für weil, indem, gleichfalls nur in dieser Mundart üblich sind. Anm. Ein wol gestellet kinne, für ein wohl gestaltetes Kinn, kommt noch bey einem der Schwäbischen Dichter vor, und die Winsbeckinn sagt schon gestalt für gestaltet. In einigen Oberdeutschen Gegenden kennet man auch das Neutrum stalten, vorstellen. Die Schnur staltet eine Kettenlinie.
Das Gestände, des -s, plur. ut nom. sing. bey den Jägern, die Füße der Raubvögel, als ein Collectivum, weil sie darauf stehen; daher sie auch das Gestell genannt werden.
Geständig, adv. welches nur mit dem Zeitworte seyn und der zweyten Endung der Sache üblich ist. Einer Sache geständig seyn, dieselbe gestehen, eingestehen. Bist du der Rede geständig? bekennest du dich zu derselben? Der Dieb will nichts geständig seyn. Zuweilen auch mit der vierten Endung der Sache und der dritten der Person. Ich bin ihm die Schuld nicht geständig, räume es ihm nicht ein, daß ich ihm diese Summe schuldig bin. S. Adelung Gestehen. Im Nieders. nur ständig.
Das Geständniß, des -sses, plur. die -sse, die Handlung, da man etwas gestehet, und die Sache, die man gestehet. Einen Verbrecher zum Geständnisse bringen. Das Geständniß aus einem bringen. Wagen sie ein freyes Geständniß.
Das Gestänge, des -s, plur. ut nom. sing. ein Collectivum, mehrere mit einander verbundene Stangen zu bezeichnen. Ein Gestänge um ein Feld, eine Befriedigung von Stangen. Im Bergbaue ist das Gestänge so wohl die an einander gefügten Stangen einer Wasserkunst, (S. Adelung Feldgestänge, Streckgestänge,) als auch die an einander gefügten Hölzer, worauf man mit dem Hunde in den Stollen läuft.
Die Gestängesteuer, plur. die -n, im Bergbaue, eine Steuer, welche zuweilen, wenn ein Gestänge sehr weit schiebet, zu dessen Unterhaltung von denen gegeben wird, welche mittelbarer Weise Nutzen davon haben.
Der Gestank, des -es, plur. inus. stinkende Ausflüsse aus einem Körper. Einen Gestank von sich geben. Einen Gestank machen, verursachen. In der niedrigen Sprechart auch figürlich ein böses Gerücht, ein übler Nachruhm. Einen Gestank hinter sich lassen. In den gemeinen Sprecharten nur Stank, bey dem Ottfried Stank, im Engl. Stench, Stink.
Gestatten, verb. reg. act. Freyheit geben oder lassen, etwas zu thun, verstatten. Den Kindern allen Muthwillen gestatten. Diese Bedenklichkeiten gestatteten es mir vorher nicht, meinen Willen dazu zu geben. Cajus gestattet sich nicht die geringste Ruhe. Herre Got gestatte mir Das ich sie sehen muesse, Reinmar der Alte. Daher die Gestattung. Anm. Schon Ottfried gebraucht gistatan für zulassen. An einem andern Orte bedeutet es bey ihm befestigen, und in dem alten Fragmente auf Carln den Großen bey dem Schilter wird es auch für erstatten gebraucht, so wie es in Boxhorns Glossen durch stellen erkläret wird. Das Nieders. staden, gestaden,[Bd. 2, Sp. 636]
bedeutet so wohl gestatten, als auch bestätigen. Alles von Statt, Raum, Ort, Platz, da es denn, wenn es für zulassen stehet, eigentlich Platz, Raum geben, bedeutet.
Das Gestäude, des -s, plur. ut nom. sing. 1) Mehrere Staudengewächse, als ein Collectivum, und ein Ort, der mit Stauden bewachsen ist; das Gebüsch. Hecken und Gestäude, Opitz. 2) Das Nest eines Falken, bey den Jägern, weil es aus kleinen Ästen bestehet. S. Adelung Staude.
Das Gestếch, des -es, oder Gestếche, des -s, das Stechen, ingleichen ein anhaltendes und wiederhohltes Stechen, im gemeinen Leben. Ehedem wurde ein Turnier ein Gestech genannt.
Das Gestêck, des -es, plur. die -e, so viel zusammen gehörige Dinge, als gemeiniglich in Ein Futteral zu einander gesteckt werden; ein Besteck. Ein Gesteck Messer, d. i. Messer und Gabel. S. Adelung Besteck 2. |
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