Der Begriff "Frau" im Wandel der Zeiten

Gruppenmitglieder: Paul Eisenberg, Dominik Weidert, Vanessa Lang, Thomas Busch

Die etymologische Entwicklung des Wortes "Frau" hin zur heutigen Bedeutung von einer "erwachsene[n] Person weiblichen Geschlechts" 1 hat ihre Wurzeln in der germanischen Religion 2, entstammt doch der Ausdruck selbst der indoeuropäischen Sprachfamilie 3:

Als Namensgeber kommen das Göttergeschwisterpaar
Freyr / Frey und Freyja / Freya
(Fruchtbarkeitsgott)   (Liebes - und Glücksgöttin)
sowie als höhere Wesen einzustufende mythologische Figuren
Frigg, Fricke Frecke
  in Frage.  

Den Beweis für die Richtigkeit dieser Annahme liefert die Untersuchung der Kasus der verschiedenen Wortformen (siehe zweites Arbeitsblatt 4) in Bezug auf die Götternamen. Insbesondere der Genitiv zeugt von verblüffender Ähnlichkeit 5. Sinngemäß übertrug sich der Ausdruck anfangs auf beide Geschlechter, und zwar mit einem Bedeutungshintergrund, wie er sich aus dem gehobenen Ansehen der überirdischen Wesen erklären lässt: das althochdeutsche (750-1050) "frô" sprach den Mann als "Herren" im Sinne einer sozialen Vormachtstellung an und fand für weibliche Vornehme und Edle eine Entsprechung in "frauja/frouwâ/frauva" bzw. "froho" (Altsächsisch, stimmt mit dem Althochdeutsch zeitlich überein). Dieses mitschwingende "gebieterische" Element lässt sich in gegenüber Deutschland religiös und sprachgeschichtlich benachbarten Regionen verfolgen. Man denke etwa an das dänische und niederländische "fru/fr" oder auch an das dänisch - schwedische "frö" sowie das altisländische "fre". Selbst die Goten kannten den Ausdruck "fraujô" für "Herrin" (hier und weiter unten werden gemäß der Aufgabenstellung allein die femininen Formen untersucht, auf das Wortfeld "frô/frono/vron(eFron )/ 6 - hriro/herre/herr/ Herr 7 - man/Mann 8" wird nicht eingegangen). Entsprechend wurden die Veränderungen innerhalb des deutschen Sprachraumes in den erwähnten Ländern mitgetragen, vgl. etwa das mittelhochdeutsche (1050-1350) "frouwe/ vrouwe" mit dem mittelniederländischem "vrouwe" und dem neuniederländischem "vrouw". Selbst die Verballhornung der behandelten Begriffe blieb nicht auf Deutschland beschränkt. So findet sich das mittelalterliche "fer/ver" außer im heutigen Wort "Jungfer" in den neuniederländischen Ausdrücken "juffer" oder "juffertje", und zwar mit derselben Bedeutung, wieder. An diesem und weiteren Beispielen - "Fräulein" und "Hausfrau" im Vergleich zum schwedisch-niederländischen "fröcken" und zum schwedisch-dänischen "husfru" - wird deutlich, dass der mit den grammatikalischen Veränderungen einhergehende innerdeutsche Intentionswandel, wie ihn das zweite Arbeitsblatt zeigt, länderübergreifende Parallelen aufweist. Demnach wird die eingangs zitierte Erklärung des Wortes "Frau" auf einer breiten sprachlichen Ebene angenommen. Dies bedeutet aber gleichzeitig einen "sozialen Abstieg" 9 des Ausdrucks von einer Titel- zu einer herkunfts- und berufsunabhängigen Geschlechtsbezeichnung wie Hausfrau, Obstfrau, Karrierefrau oder Bettelfrau.

Graphische Darstellung der Entwicklung des Wortes "Frau"

  1. Drosdowski, Günter et al.: Duden Deutsches Universalwörterbuch A-Z. 2., völlig neu bearbeitete und stark erweiterte Auflage. Mannheim 1989, S. 533.
  2. Grimm (Hrsg.), Bd. 4, S. 71ff.
  3. Bertelsmann (Hrsg.), infoRom 97/98. Bertelsmann Universallexikon. München 1997.
  4. Das Arbeitsblatt selbst und weitere Ausführungen ohne Verweise auf eigene Quellen entstammen Grimm.
  5. Grimm, a. a. O.
  6. Duden Deutsches Universalwörterbuch A-Z., a. a. O., S. 541.
  7. Duden Deutsches Universalwörterbuch A-Z., a. a. O., S. 695, Grimm, a. a. O..
  8. Duden Deutsches Universalwörterbuch A-Z., a. a. O., S. 985.
  9. Grimm, a. a. O.