Übersetzung von 'Helmbrecht'

  Sagten die Großmagd und der Knecht vielleicht:
  "Herzlich willkommen, Helmbrecht!"?
  Nein, das ließen sie wohlweislich sein;
  denn es sträubte sich in ihnen ,etwas dagegen.
715 Sie sagten vielmehr: "Herr Junker,
  grüß Sie Gott!"
  Er antwortete: "Leiwe seute Kinderkens,
  Gott late ju ümmer glücklich sin!"
  Die Schwester lief ihm entgegen
720 und umarmte ihn stürmisch.
  Da sagte er zur Schwester:
  "Gratia vestra!"
  Die Jungen stürmten vorneweg,
  die Alten folgten langsamer hinterdrein;
725 die Begrüßung nahm überhaupt kein Ende.
  Zum Vater sagte er: "Dieu vous salue!"
  Zur Mutter sagte er sogleich
  auf tschechisch: "Dobrí jitro!"
  Verdutzt sahen sich die beiden an,
730 Mann und Frau.
  Die Bäuerin sagte: "Vater,
  wir können nicht mehr bei Sinnen sein.
  Er ist gar nicht unser Sohn;
  er ist vielmehr ein Tscheche oder ein Slowene."
735 Der Vater sagte: "Er ist ein Franzose.
  Mein Sohn, den ich Gott befohlen hatte,
  der ist es sicherlich nicht,
  wenn er ihm auch aufs Haar gleicht."
  Darauf sagte seine Schwester Gotelint:
740 "Euer Sohn ist er bestimmt nicht,
  denn er begrüßte mich auf lateinisch:
  er kann nur ein Geistlicher sein."
  "Wahrhaftig", sagte der Großknecht
  "wie ich ihn habe reden hören,
745 so ist er in Niedersachsen
  oder in Brabant großgeworden.
  Er sagte: ,Leiwe seute Kinderkens':
  er kann nur ein Niedersachse sein."



Übersetzung von 'Stynchyn van der Krone'

Stynchyn van der Krone, in: Drei Kölner Schwankbücher aus dem XVten Jahrhundert: Stynchyn van der Krone, der Boiffen Orden, Marcolphus, hrsg. v. J.J.A.A. Frantzen und A. Hülshof, Utrecht 1920, S. 4f., dazu S. I-VIII ‚Einleitung‘, S. VIIIf. Anmerkungen zum Text, die bei der Übersetzung berücksichtigt worden sind; S. LII-LXXII ‚Glossar‘. Der Dialektunterschied war in der Übersetzung nicht wiederzugeben; sie will nur Verständnishilfe sein.

   
  Von dem Oberdeutschen, seiner Kleidung und Rede
   
  Ein Halskragen von Marderfell lag ihm um den Hals,
  Lang, kraus, blond war sein Haar,
  Seine Schuhe waren innen (auf der Seite des Knöchels) mit Pelz gefüttert,
  Sein Mantel lang, mit Futter versehen und weit,
  Teuer, wie man das in Nürnberg gewöhnlich hat.
   
6 Ferner war sein Bart gekräuselt und zweigeteilt
  Er sagte: "Was gebietest du, meine Liebste?
  Du hast Gewalt über allen meinen Willen."
  Sie sagte: "Habt Ihr etwa Herzenkummer;
  Den sollt Ihr mir auf der Stelle mitteilen,
  Und wie es um Euren Schmerz steht,
  Deshalb habe ich Euch kommen lassen.
   
7 Nun erzählt mir, wo drückt Euch der Schuh
  Und weshalb sitzt Ihr hier.
  Fijchen soll uns etwas zu Trinken herholen.
  Warum, Metzgijn, Byelgijn, hört ihr nicht?
  Warum, in Gottes Namen, was tut ihr jetzt?
  Bringt unverzüglich den Wein her,
  Eine von euch, kümmert euch um den Kaufladen."
   
8 Unter großen Seufzern sagte er:
  "Wehe, meine liebste Frau, hört!
  Wehe, daß ich Euch jemals erblickt habe!
  Alle meine Worte sind mir jetzt töricht geworden,
  So daß ich Eure Vollkommenheit und Tugend nicht aussprechen kann,
  Da ich Eure Ehrerbietung zu beklagen habe".
  "Wagt Ihr nicht, mir gegenüber das auszusprechen?
   
9 Ist Euch etwas Unfreundliches von den Mägden widerfahren,
  Worüber Ihr von Rechts wegen Klage führen sollt,
  So bestrafe ich die junge Dienerin wahrhaftig,
  Dazu bin ich so recht in Stimmung.
  Sie sind kenntnislos, das muß ich eingestehen,
  Ist Euch etwas von ihnen angetan worden,
  Dann werde ich sie ausschimpfen – das sollt Ihr sehen."
   
10 "Bei Gott, nein, von den jungen Frauen braucht Ihr keine auszuschimpfen.
  Sie haben mit meiner Qual nichts zu tun,
  Ich bin krank, das muß ich Euch mitteilen.
  Das könnt Ihr immer genau bemerken, wenn Ihr nur wolltet,
  Es sei denn, daß Ihr es unterlaßt wegen einer listigen Schlauheit,
  Ihr seht doch stets genau, was mir mir los ist,
  Und woher mein Zustand herrührt."
   
11 Ganz sicher, auf Krankheit verstehe ich mich nicht,
  Ein Gelehrter (Arzt), der Rodolff van Narden heißt,
  Der kann ganz genau im Urin erkennen (von welcher Krankheit Ihr befallen seid),
  Den lasse ich vor Euch kommen, wenn Ihr auf ihn warten wollt.
  Er hilft vielen Männern und Frauen,
  Der wird Euch gewiß ein Rezept für die die Apotheke verschreiben
  Und Eure Krankheit gänzlich vertreiben."


Übersetzung von 'Das Leben des heiligen Meinolf'

Aus diesem Grund gab König Karl dem obenerwähnten Kind - nach bayrischer Schreibweise - den Namen "Maynulphus", als ob er damit sagen wollte: "Dieses Kind soll mein Ulphius sein, so wie jener, den der heilige Markus taufte, dessen Ulphius war." Denn Karl hoffte, daß der christliche Glaube durch das Kind in diesem Land gefördert werde, so wie der Glaube einst durch den jungen Ulphius, den der heilige Markus taufte, seinen Fortgang genommen hatte.
Da nun die Franken in dem Land, in dem Würzburg liegt, "meyn" sprechen, wo die Bayern "mayn" sagen, so wurde das Kind von den Franken, die zu jener Zeit als erste mit der Glaubenspredigt in Westfalen begannen, "Meynulphus" genannt, während die Bayern "Maynulphus" sagen. Deshalb findet man den Namen auf zwei verschiedene Weisen geschrieben, die Bedeutung ist jedoch die gleiche. Da nun die Franken näher bei den Westfalen wohnen als die Bayern und ihnen auch den christlichen Glauben brachten, wie das dem Bischof von Würzburg befohlen worden war, so blieb die Namensform "Meynulphus" allgemein in Gebrauch.