Wörterbuch der elsässischen Mundarten. Bearbeitet von Ernst Martin und Hans Lienhart. 2 Bände. Straßburg 1899-1907. [Nachdruck Berlin/New York 1974].
  A  -  e   (Band 1, Spalten 1a - 2b )  
Verknüpfung auf diesen Artikel  A der erste Buchstabe im Alphabet. Spw. Wer A seit, muess aüch B sajen Bf. Über ich bin a, der erste beim Spiel, s. an.

A B C [à pə tsé Hf.] n. das ABC. Vielfach im Kinderspruch [Â pé tsé, T Khàts leit em ‚Sné, Tər ‚Sné két əwak, T Khàts leit em Trak Rchw. Dü. Ndhsn. Str. Ingw. Rotb.] STÖBER Volksb. 2 Nr. 279. [Â pé tsé, T K. két em ‚Sné, Tər Hùnt em Trak ùn pist tər K. tə Wàtəl əwak Z]. Abzählvers: ABCD, D Katz laüft in der Schnee, Der Hund läuft noch, D Katz schreit mordjo! Hi. STÖBER 280. In Zinsw. sagt ein Kind zum andern ABC, D Katz het Flöh, Du hest noch viel mehr (Der Hund het n. v. m. Ndrbetschd.) – Urspr. wohl eine Besegnung gegen Schmerzen SCHWEIZ. 1, 1.

a U.] Interj. der Verwunderung: so? [Mòrn (oder: mòrm) khomt min Ùkəl! – â! oder â só!] so? Z.SCHWEIZ. 1, 1.

a [â] f. 'nur in Bachnamen und davon abgeleiteten Ortsnamen: [‚Stokâ, Wolmsâ M.] – mhd. ahe = lat. aqua. SCHWEIZ. 1, 1.

a M. U.] = ab.

a O.; M.] = an. SCHWEIZ. 1, 2.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  aLiebsd. bis Zinsw.] und aa [áa zweisilbig mit absteigendem Ton Dü.]

 1.  Laut, mit welchem kleine Kinder das liebkosende Anschmiegen des Gesichtes an das Gesicht Anderer zu begleiten pflegen;

 2.  m. Kuss kleiner Kinder. Gib mir en A! mach mir a! Hi. Willst en A?

A-bäckele dass. [Khùm, pre mər ən Ápækələ Wh.] – SCHWEIZ. 1, 3.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  aZ.] Interj. der Freude. [Hent ket s Krùmpêrəsalôt heut Abend gibt es Kartoffelsalat. – á! Hf.]

Bd. 1, Sp. 1b

Demin. ägele [ákələ Horbg.] Ausruf freudiger Verwunderung bei Kindern. Hüt derfst mit. – Ägele!

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  a ihn, s. ina.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  aHf.] Interj. bei Eintritt eines unerwarteten Ereignisses oder Hindernisses: [hàltə! tó tèrf nièmə ne! – à! Hf.] – SCHWEIZ. 1, 2.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  aHf.] Interj. des Verneinens bei Antworten: [es͑ tes wór? – á! Hf.] s. auch aba und jo.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  äSu.] Interj. des Erstaunens: [ǽ âwər seht doch! ǽ lyəkə nùr tohé Su.] – SCHWEIZ. 1, 3.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  äWh.] Conj. auch.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  äHi. Str.] ä ä [æ æ, auch a a, mit Kehlkopfverschluss dazwischen Dü. Lohr] in der Kindersprache: Notdurft [Màχ a a! Ingersh.]. Das ist ä! das ist etwas Unsauberes! Hi. Vgl. bä.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  äDü.] abschlagende Antwort der Kinder auf eine Bitte oder einen Befehl. Gib dem Schwesterle aüch e Stückle vun dinem Apfel! – ä! Nein, ich will nicht.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  äHi. Ruf.] Verneinung.SCHWEIZ. 1, 3.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  ä ä [æ æ oder è è mit absteigendem Ton, dazwischen Kehlkopfverschluss Logelnh. Rapp. U.] Verneinung. Bist du s gsin? – ä ä! Gilt für unmanierlich.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Au [Œy Ingenh.] f. Aue, nur noch als Flurname: in der Au Ingenh., oder in zusammengesetzten Ortsnamen: Kurwau, Musau u. a. bei Str. ‚Mer sehn die brächdi Licht drus uf der Kurrwau PFM. I 4. ‚s Dannebäumel uff der Kurwau‘ Friedhof zu St. Urban K. Bernhard SCHK. 74. Krutenau

Bd. 1, Sp. 2a

als Stadtteil Str. die Krautenaw da die Schiffleuth wohnen la prairie aux herbes‘ MARTIN Parl. N. 230.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  EhSu. Dü. Str. Z.; È M.; Ê Wh.] f. Ehe. [En Ainərə t É fərs͑praχə Dü. Su.] Eppes in d Eh bëkummen etwas als Mitgift bekommen. Der Schluss eines Kinderliedchens, das beim Schaukeln gesungen wird, die Frage von den Umstehenden, die Antwort von dem oder der Schaukelnden, lautet: [Wàs pəkhùms͑ en t É? – A Pâr nèji ‚Sýa. – Wàs noχ tərtsýa? – A fíróti Khýa Balzenh.]. – SCHWEIZ. 1, 6.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  ehZ. Prinzh.; iè M.] Adv.

 1.  früher, eher. Wënn ihr e bissel eh wärden kommen, (so hättet ihr etwas bekommen) saujen d Strossburjer, sprichwörtlich auf dem Land, aber scherzhaft zu einem unerwarteten Besuche, der nach der Mahlzeit eintrifft. Eh als nit höchst wahrscheinlich. Du muest z erst anderi Hosen anthuen, eh weder dass du mich packen willst bevor du mich bezwingen willst Prinzh.

 2.  lieber: Blib du eh dheim! ‚Nun glaubt man offtermals viel ehe einem verlogen vnd ehrlosen menschen, der einem andern sein ehr hinderwertig abschneidt‘ GEILER Narr. 29. s. auch eb und ender. –
SCHWEIZ. 1, 10.

wanneh [wàné Str. K. Z. Obbr. Tieffenb.; wonê Wh.] wann? Wanneh kummst zue üs (uns)? Ich weiss nit wanneh Obbr. Tieffenb. Bitz wanneh? bis wann? K. Uf wanneh soll ich s Zumorjenëssen rüsten? Ingenh. ‚wane, wane mügen wir von hinnen komen?‘ ALTSWERT 18, 13.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  eWh.] verstärkendes Anhängsel mancher Adverbien: [làê lang, tàpərê schnell, pàlê bald, filê viel, witê weit: s es͑ witê fùərt ks͑prù; ê hat stets den Wortton].
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  eDü. M.] Interj. des Erstaunens: ei! bes. verdoppelt: [È, lya tû, wàs es͑ tan tàs? È è, hès͑ tû khért? Dü.] Zur Einleitung einer Antwort: Was soll ich machen? – E, mach was de willst! Soll ich das Ding kaüfen? – E jo, kaüfs! Dü. JB. V 129. – SCHWEIZ. 1, 11.

e na [è nà, ə nà Dü. mit leichtem h wie in franz. hein; è na̜ M.] Ausruf der Ungeduld, der Verwunderung: nun, na! wohlan! [Wet net met? – Nai, i ké net met. – Ènà, sa kéw i alai. Ènà, wàs es͑ jèts? I hà fil Nùsə ùn Èpfəl pikhùmə, lya na Mûl! – Ènà! Dü.] – mhd. inâ, bei dem sog. Seifried Helbling 1, 464 ein Kennzeichen der

Bd. 1, Sp. 2b

Schwaben, die mit den Habsburgern nach Oesterreich gekommen waren.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  e, en [è M.; vor Vocal: æn] Conj. s. eb.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  eStr. Hf.] Vorschlagssilbe in eleider, erëcht; verkürzt aus al in eso, elein, s. d.SCHWEIZ. 1, 12.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  e [ə] aus dem unbestimmten Artikel ein, s. d.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  e [ə] aus der abgeschwächten Präp. in, mhd. en-: ewëg weg, e Gots Nammen in Gottes Namen (Stossseufzer) U., [ə Kòts lìèwə Nàmə! Hf.].
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  e [ə] aus der abgeschwächten Copulativpartikel und in gewissen formelhaften Verbindungen, s. und.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Ei [Ai fast allg.; Pl.-ər] n.

 1.  Ei. Eps vun Eiern Eierspeise Dü. Eier im Anken leckere Speise Hi.; ‚frixa ova‘ DASYP. Herte Eier, linge (weiche) Eier Hi. Rda. Sie sind Eier und Schmalz engbefreundet Ingw. Uf (wie uf) Eiern gehn, Eier tripplen behutsam, geziert gehn Ruf. Bisch. Barr Str. S ist notwëndig, dass mer d Eier wëndt ironisch für etwas Unnötiges Su. Do will s Ei gescheiter sin als d Hënn von vorlauter Jugend. E Teil Lüt meinen, ihri Eier hän zwei Dutter von eingebildeten Menschen. ‚Dine un mine Eyer henn nur ei Dutter Mü. MAT. 44. Sich um ungeleiti Eier bekümmeren nach Dingen fragen, die einen nichts angehn. ‚Menge g'scheite Huhn legt d‘ Eyer näwe ‘s Nest‘ Alter schützt vor Thorheit nicht Mü. MAT. 58. Eier picken das gegen Ostern stattfindende Spiel der Kinder, gefärbte Eier auf einander zu stossen, wobei der Besitzer des ganz bleibenden das zerbrechende gewinnt Str. ALS. 1851, 136 ff. ‚zwei wolten mit eiern klucken‘ ALTSWERT 90, 20. Wird einmal ein Marder gefangen, so tragen ihn die Kinder im Dorfe umher und sammeln Eier, indem sie singen: Eier herus oder mir schicken (len lassen) der Marder in s Hus Dü. Sitte des Eierspringens am Ostermontag von den militärpflichtigen jungen Leuten geübt S. JB. II 191. Ein Springer hat zerstreut gelegte Eier zu sammeln, bevor der andere nach einem Ziele und zurück gelaufen ist. Vgl. das Eierlaufen am Pfingstmontag ALS. 1852, 138 f. Volksrätsel für das Ei: men wirft s wiss uf s Dach, s kunt gëlb abe Hi. Frage an ein Kind: Wolltst liewer breit gschlagenen Waien (Kuchen) oder hoch gepoppelte Eier? – Antwort: Keins von beiden! das eine ist Kuh-, das andere Pferdemist Olti. Krummi

Bd. 1, Sp. 3a

Eier Kot des Hahns Obhergh.

 2.  Hode des Menschen Dü.
SCHWEIZ. 1, 13.

Ameiseneier n. Pl. Ameisenlarven Su.SCHWEIZ. 1, 15.

Nëstei n. das Ei, das der Henne im Nest belassen wird, damit sie ihre Eier nicht an einen andern Platz legt. Rda. Ohne N. legt nit bald e Huen wo nichts ist, kommt nichts hin O.SCHWEIZ. 1, 17.

Osterei n. Osterei, meist gefärbt. Ueber das Färben, Aufsuchen u. s. w. der Ostereier und andere Ostergebräuche s. JB. II 184; III 125 f; IV 114; V 153; VI 166; VIII 163. Verschen auf O. in althanauischen Dorfschaften stehen verzeichnet ERW. 1839, 224. O. werden mit Ostermaien (s. d.) gefärbt Obbruck. Am Ostersamstag gehn die Kinder von Haus zu Haus und betteln: Gib mir ouch en Ei oder zwei oder e Su oder e Groschen Wittenh. Am Ostersonntag holt man sich das Osterei beim Paten U. Osterei: Ostergeschenk Rapp.SCHWEIZ. 1, 15.

Pfingsteier am Pfingstmontag gesammelt Ndrmagst.

Speckeier Speck und Eier zusammengebacken Obsteinbr.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Ei Name des Buchstaben y M.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  ei Ausruf der Verwunderung, der Entrüstung: [Aiai! oder Aiaiai! wàs hàs͑ tan kmàχt?] w rd etwa ein Kind gefragt, welches leicht verwundet nach Hause kommt Dü. †Ei ze bais, ei ze schlaa ei so schlag (der Donner hinein)! Str. ‚Ey se schlaa‘ PFM. II 1. ‚Ei Hem, Interiectio corripientis‘ DASYP.SCHWEIZ. 1, 19. Ueber ei ja wohl, s. wohl.

eie bubaie [aiə pùpaiə Rotb. Oermi.] Lallwörter in Wiegenliedern, s. STÖBER Volksb. Nr. 8. 11. 12. Kinderspruch: eie bubaie, s Bibbel hat e Gaggel geleit, der (das Kind wird beim Namen genannt) ist froh Oermi. JB. V 140. – SCHWEIZ. 1, 19.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  euer [æjər Su.; èiər Dü. Str. Wörth Ndrbetschd.; ùiər M.; ø̀yjər Geisp.; øyjər K. Z.] Pron. poss. der 2. Pl. euer. Eüri die Eurigen, eure Angehörigen: sind Eüri schun dheim? Unsri sind noch nit do Dü.SCHWEIZ. 1, 618.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  i [í] der Buchstabe I. s Tüpfele uf dem i derf nit fëhlen die Arbeit muss vollständig, genau gemacht sein Str. K. Z.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  iO.] abgekürzt aus dem Adv. in, s. d.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  i [i] abgeschwächt aus ich, üch, s. d.

i [i bes. O.] in Ableitungen:


 1.  Deminutivformen in der Kindersprache: Näsi, Betti;

Bd. 1, Sp. 3b

Nüni Schläfchen;

 2.  Tiernamen: Biesi Kätzchen, Schnaüzi Hund, Munni Stier, Schäki geflecktes Rind, Rolli Kater;

 3.  Personennamen mit derbem Beigeschmack: Alberti, Berti, Alberi, Beri, Luisi, Lüwisi, Wisi;

 4.  Gattungsnamen aus ursprünglichen Vornamen: Nazi einfältige Mannsperson, Drëckbawi unsaubere Weibsperson;

 5.  oft Ableitungen von Ztw., die eine lächerliche, verächtliche Thätigheit ausdrücken: Schlappi träger Mensch, Gluri der schielt, Zitteri, Nätschi dummer Schwätzer, Polteri unbeholfener Mensch;

 6.  absolut stehende Grundzahlen: s ist e Viert l ab fimfi. Mir sind unseri funfzehni Co. s. Menges JB. XI bis XIII.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  oSu. Str. K.; ô Z.] Ausruf des Bedauerns: † o krewe! (frz. crevé), o jä Gott! o Jere, o Jerum! Str. O liäwer gestert, wärst hette (heute) kummen Stossseufzer ohne Sinn; o Elënd! Su.

oha [óha Hi. Su. M. Dü.; óχa Dü.]


 1.  bedauernd zu einem Kinde: Zeig mir s Wiwi (den Ort, wo es weh hat); oha, s heilt wider Dü.

 2.  Fuhrmannsruf zum Anhalten der Zugtiere: halt! Ebenso ola, öha, öla! Der Halteruf o la ba (frz. oh là - bas) wird meist zu Kindern gebraucht, die in einem Wägelchen sitzen Geud.

 3.  Interj. des Widerspruchs: oha, do wellen mir luegen einschreiten Su. Bei Tische zu dem, welcher eingiesst oder die Speise reicht: öha, gnunk! Ndrbetschd.; ohau links! Tieffenb.
SCHWEIZ. 1, 22.
 

 
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