|
1. kratzen (an leblosen Gegenständen), reiben, radieren. Am Arsch k. schmeicheln Brum. vgl. Kratzbürst. ‚kratz du mich, so kratz ich dich‘ BRANT Narr. 33, 8. Wer kratzt, wo s ihne nit bisst? Der Kaminfëjer! Str. Zss. Kratzfuess Seite 151. 2. intr. schnell davon laufen: Mir sind ab gekratzt Fisl.; uf Amerika ab k. Hf. ‚Jetz kannsch d‘ abkratze!‘ HIRTZ Ged. 248. † bekratzen tadeln, Vorwürfe machen GEILER P. I 28b. ‚nochdem als der here disze ding hatt geredt, sye gestrofft und bekratzet hatt von ihrem unglauben‘ ebd. III 23. Bd. 1, Sp. 534b uf kratzen durch Kratzen öffnen, z. B. eine Wunde Su. zusammen kratzen sparen. ‚Auch wie sie spar vnd zamen kratz‘ FISCH. Flöhh. 349. Kratz f. = Kruck 3 Kühlend. Mueldkratze f. Eisenstück zum Auskratzen der Mulde Strüth. – SCHWEIZ. 3, 929. Ofenkratzi m. Schüreisen Rixh. Pfannenkratz f. Geud., Pfannenkratz er m. Ingenh. Flussmuschel. Syn. Schërrhäfel 2 Seite 307 u. Schnëffhörnel Seite 374. – Vgl. SCHWEIZ. 3, 929. Wollkratz f. von Hand oder Maschine getriebenes Werkzeug zum Auseinanderreissen der Wolle und Pferdehaare der Matratzen u. s. w. Bf. SCHWEIZ. 3, 931.Arschkratzer Büst, Arschkratzeren Pl. Rauw. Lorenzen, Arsch krätzerle Wh.; Arschkrätzle Oermi. m. Hagebutte; = Krätz am Ärsch Lorenzen. ‚Arschkratzlen Rosa canina‘ KIRSCHL. 1, 248. Bartkratzer m. Barbier Rixh. Matratzenkratzeren f. Matratzenmacherin Str. ‚S‘ Mattrazzekrazzers Maidel, ‘s Luwwisel, wo dert drus by ‘s Zundelbatschers wohnt‘ PFM. V 6. Mistkrätzerle n. ( scherzh.) Hahn, Huhn Str. Kratzete [‚Xrâtsətə Roppenzw.] f. letzter Teig im Trog. † Kratzenberger m. schlechter Wein Str. ‚Was, trinke die denn Wyn? – Jo jo! ‘S wurd Krazzeberjer sin!‘ PFM. III 7. krätzen [kratsə K. Z. Prinzh.; krætsə Lohr] kratzen, jucken (Insektenbiss, Parasiten und Hautkrankheiten). Du krätzst d ganz Zitt uf dem Kopf, du hest allewëj Lüs! Prinzh. Krätzi [Kratsi Ruf.] m. der einen Ausschlag hat. |
|
|
|
1. geflochtener Tragkorb, Rückkorb. Zu einem kleinen Rekruten Bd. 1, Sp. 535a sagen die andern: Dich nëhmen mir in d Kräzen! Banzenh. Solche Körbe mit Essvorrat werden bei längeren Fahrten an die linke Seite des Wagens gehängt Hf. ‚auff Eneisch eyn Krätz auß jr (sich) machen‘ FISCH. Garg. 102.2. Traggestell der Hausierer und wandernden Glaser: ‚Peter Hofmann hat sich in eine glaßkhretzen einpackhen vnd also hinauß (aus Mülhausen 1587) tragen lassen‘ PETRI 413. ‚ein Kretze voll mists‘ GEILER Arb. hum. 21b. ‚die vollen Krätzen trucken den Esel am allermeisten‘ FISCH. Bin. 143b. MA. 3, 120. 4. Tragriemen, Hosenträger. 9. alti K. alte, magere Frau, Kuh Su., krankhaftes Mädchen CS. Zeij, sëlbi K.! Umselichi K. kränkelnde Person Ndrröd. 10. d ganz K. (die ganze Geschichte, das ganze Haus) könnt mer uf der Achsel furt schleppen Str. [tə kø̀nts Kráts] die ganze Welt, alles Geud. Du bist guet von der K. kummen du bist glücklich von der Sache frei geworden Z. Zss. Kräzkasten, träger. – Hosenkräze f. Hosenträger Tagolsh. Hurzelkräz [Hùrtslkráts Co.; Hùtslkráts M.] m. H. machen einen auf dem Rücken tragen (Spiel) Co. † Korbkretz m. Rückenkorb, Tragkorb: ‚so legt man eim Esel zween Körbkretzen uff‘ GEILER Ev. m. Ussl. 50a. kräzlen Steinbr. Lutterb. Pfast. Bghz. Su. Ruf. Logelnh. Co. NBreis. M. Dü. auf dem Rücken, auf den Schultern tragen, bes. Kinder. Kräzel mich! Mittl. ‚ha-n-ich Dich nitt als iwer ‘s Wasser grätzelt?‘ LUSTIG II 594. – SCHWEIZ. 3, 928. |
|
kritzen [rìtsə Fisl. Roppenzw. Liebsd.; retsə Olti.; krìtsə Hi. Obsteinbr. Lutterb. Banzenh. Geberschw. Ruf. Bf. Str.; kretsə Su. Logelnh. Co. Ingersh. Horbg. NBreis. Barr Kerzf. Bisch. K. Z. Hf. Molsh.; krêtsə Lobs. Betschd.] 1. ritzen: ich hab mich gekritzt an der Hand Fisl.; ‚Gib aacht, im Schwamme do sinn Buzze, Stainle-n-au, wo mi ganz bluedi krizze‘ PFM. IV 5; kritzeln, auf der Schiefertafel mit dem Griffel aufdrücken Olti.; mit einer schlechten Feder schreiben Su.; schreiben (scherzh.), kratzen Roppenzw. Lutterb. Ruf. d Fëder kritzt Z. Zss. Kritzisen Wagenbremse Hi. 3. mit den Zähnen knirschen Su. Co. Dü. M. K. Z. Lobs., bes. bei Speisen, die Sand enthalten: das Brod kritzt Dü. – uf kritzen aufschreiben (scherzh.) Hlkr. verkritzen [fərkrìtsə Dü. Bf. Str.; fərkretsə K. Z.; fərkrêtsə Betschd.] 2. beim Schreiben, Zeichnen unabsichtlich oder böswillig mit Rissen verderben: d Tafel, der (den U.) Tisch, d Wand u. a. v. Dü. Bf. Str. U. – Gekritz n. Gekritzel, schlechte Schrift Ingersh. Kritzer [‚Xrìtsər Fisl.; Krìtsər Sier. bis Co.; Kritsər Ruf.; Kretsər Ingersh. bis K. Z.; Krêtsər Lobs. Betschd.] m. 1. Zündhölzchen, Streichholz; Synon. Ripser, Gripser) O. 2. Rille auf der Schiefertafel Co. Mütt., auf Glas, polierten Flächen u. ä. U.; krummer Strich Molsh.; Gekritzel Lobs. Kritzet f. kleine Holzabfälle beim »Vermachen« Barr Scherw., beim Verarbeiten von Gold od. Silber Str. kritzig Adj. kratzend (vom jungen Wein) Mü. kritzlen [rìtslə Roppenzw.; krìtslə, kretslə fast allg.] 2. kitzeln: s kritzelt mich uf dem Buckel Bd. 1, Sp. 536a Co. M. Str. Z. ‚kritzeln‘ MURNER FISCH. ‚Hans süecht sie ze krétzle‘ MANGOLD Colm. Kom. 9.3. ‚Se krizzle-n-e halt au schunn d‘ Zähn‘ E. STÖBER II 127. uf kritzlen aufschreiben Banzenh. K. Gekritzels n. 1. unleserliche Schrift, Geschreibsel Z. 2. ‚Gegrezels Kitzeln‘ Str. ULRICH. Kritzelte f. = Gekritzels Hi. Co. – SCHWEIZ. 3, 936. kritzlig [krìtslik Geberschw. Hlkr. Logelnh. Co,; kretslik Horbg. M. Dü. Bebelnh. Barr; kretsli K. Z.; krìtsli(χ) Str.] Adj. kitzlich, empfindlich, reizbar. ‚Gewen acht, i bin krietzli‘ Str. JB. VIII 195. |
|
|
|
|
|
1. Kreuz als christliches, bes. katholisches Abzeichen. s K. traujen (tragen) beim Leichenbegängnis K. Z. S ist e K. am Wëj Logelnh. D Krütz kommen die Prozession naht Hlkr. Mit Krützen (Krützern), Krütz und Fahn Roppenzw., (ze Krützen Saarunion) gehn an einer Prozession Teil nehmen. Von einem brauchbaren oder ansehnlichen Menschen (bes. Knaben) sagt man: dën kann men doch mit Krützen schicken Su. Men kann nit lütten und mit Krützen gehn ze glich zweierlei Arbeiten zugleich verrichten Bf. ‚mit Krutzen gon‘ CHRON. ‚so man .. mit Creitzen gehet‘ SCHLETTST. Chron. 12. ‚mit den heiligen Creutzen gehn‘ FISCH. Garg. 220. 2. Kreuzzeichen: s K. schlaujen, machen (daher die Katholiken als Krützmacher, köpf gescholten); s K. vor einem machen ihn verabscheuen Bf. Spw. ‚Wenn Einer klaujt (klagt), dem isch ze helfe, wenn awer Einer pratzt (prahlt), vor dem müess mer ‘s Kriez mache, d. h. sich hüten‘ RATHGEBER 33. E wiss K. in s Kemin machen, schriwen (einen Besuch Bd. 1, Sp. 536b o. ä.) als eine Seltenheit anmerken Fisl. Co. ‚Do mache Si nurr gschwind e Kryzz in ier Kämin‘ PFM. II 6; Kreuzzeichen × beim Juckerspiel (Seite 406) K. Z.3. Kummer: dër het tschon Krützer ghabt! Fisl. Er het schun eppes K. ghabt sin Lëbtig M. S ist mir e hëll K., dass ich dich jetzt ummesunst hab machen kummen Dü. Spw. Es gibt kein grösser K. als dis, wo men sich sëlwer macht Bf. Kleini Kinder, klein K.; grossi Kinder, gross K. Dü. ‚in meinem Creutz = leid dueil‘ MARTIN Parl. N. 406. Wortspiel: A. Ich hab viel Krütz! B. Mach s Zwerchholz weg, dernoch ist s K. enweg Str. 4. unteres Ende des Rückgrats, sacrum. Ich trag s uf m K. auf dem Rücken Su. [e pâr ùf s Krits s͑lâkə M. JB. X 246.] Davon Krützweh Hf. Er het e Bësenstiel (Stëcken) im K. hält sich steif Barr. 5. Farbe im Kartenspiel allg. Reime beim Ausspielen: [Kritz! wan s net s͑lêt, tsə lit s! Krits! – têr két en t ‚Swits Hf.] ‚drei Kreuz‘ altes Mülhauser Kartenspiel MIEG 1, 46. 6. in Flüchen, bes. als Ausruf des Erstaunens: Krützbattaljon! Str.; Krützdunderwëtter! Dollern Hf.; Krützmilljonenbatalljon! Hf.; Krützefahnereich! Bf.; Krützsackermënt! Blotzh.; Krütznundadje! Mütt.; Krütznundebuckel! Steinbr.; Verdrehung von ‚Kreuz-Element‘: ‚Un for d‘ Familjen-isch, Kryz un ken End, e bissel meh Ehr derby, wenn ich, e hiesjer Burjers Sohn, die Dochter nimmt‘ PFM. II 5; auch mit hochdeutschem Vocal: e Kreüz! Str.; potz Kreüz! Dü. Mittl. K. Z.; Kreizbatalljon! Kreiz der e jener! Kreiz deren Wëlt! Z. 7. sonst verstärkend in Zss. krützdumm, krützlahm, krützliederlich. Zss. Krützstock, krützwis. – 1. Kreuzchen von Metall als Schmuck od. Ehrenzeichen. 2. Kreuzzeichen × in alten Akten u. Urkunden an Stelle der Unterschrift von Personen, die des Schreibens unkundig waren allg. Zss. Krützelstreich, stich. † Etterkreuz n. Kreuz, das auf der Markscheide steht ST. † Theningercreutz n. Kreuz der Bruderschaft des h. Antonius. ‚Der buchstab T ist gleich einem Th. cr.; man liest von dem heil. Anthonio, wie er vil grosser u. schwerer anfechtung hat gehabt‘ GEILER B. S. 32. Bd. 1, Sp. 537a krützen [kritsə Dü.] über's Kreuz legen. Der gerupfte Hanf wird [Hàmfl] für [Hàmfl] auf den Boden gelegt; ein paar Tage später gekreuzt, um geröstet zu werden. Krützer [Kritsər Geberschw. Str. Ingw.] m. Kreuzer: kein K. wërt; dëm gibt mer keinen K. use Geberschw. † Gantkreuzer m. prozentualische Besteuerung des Erlöses bei einer gerichtlichen Versteigerung zu gunsten des amtierenden Richters; der G. wurde durch eine Verordnung vom 5. Februar 1714 beseitigt Hegenh. ORD. I 432. Bd. 1, Sp. 537b Krützefix [Kritsəfiks M.; Pl. ər] n. Krucifix; bes. in Flüchen: Krützefixe (auch Krützefitze Blotzh.) Gott verdamm mich u. ä. Olti. Molsh. krüzewënzen Fluchwort: ich söll k. nimmer vum Platz kummen, wënn s nit wohr ist! Mittl. krützigen Dehli., bekrützigen Bf. Str. refl. sich Kummer machen, sich grämen, um eps. ‚sie settigen nit, sie crützigen nummen‘ GEILER Narr. 61a. Bd. 1, Sp. 538a
|
|
|
|
leilone, löilone [læilónə Ingenh.; lø̀ìlónə Ingw.] nichts, gar nichts. Kaffi l.! schlechter, dünner, wässeriger Kaffee Ingenh. – verstärktes lau JB. XIII 177. |
|
Laüdi I [Lâiti Wittenh.; Loiti M.; Làiti Mittl.] m. das jauchzende Zurufen der Hirten auf den Bergen, das Jodeln: Der Geisbueb het der L. gesungen M. Der L. lautet so: [Ùf tər Hiè fàlt tr ‚Sniè, loityotê, loityotê! Hąniχ kè ‚Satsələ miè, loiryolèiry! M.] Laüdi II [Làìti Roppenzw. Ensish. Westhalten; Làìti, Làỳti, Lòiti Ruf.; Lòiti Hlkr. Horbg. Ingersh.] m. Possenreisser, dummer Spassmacher. Rda. der L. machen Ruf. Westhalten, spilen Hlkr. ungeschickt, einfältig sein. |
|
Bd. 1, Sp. 538b † deinerlei von deiner Art, deinem Stand GEILER J. Sch. 63. – SCHWEIZ. 3, 947. Anderlei, ander Lei [Àntərlai Su. Str.; ntərlæi K.; Ântərlæi Dunzenh.; Àntərlæi Z. Betschd.] von anderer Art. Dis ist jetzt e-n-A.! das ist nun etwas Anderes, das lässt sich nun sehen, hören U. Gëlt, das ist a. als Drëck am Bein? (spasshaft) Lutterb. Su. ‚Jez isch en anderlei. Was bin i awwer froh!‘ PFM. IV 2. Kein Tier frisst ‚das ander das seiner Lei ist, aber wol das ein ander Lei ist‘ GEILER Klappermaul 133a. ‚Es lassent sich auch etlich yetzund hören, wann schon das Evangelium ein Fürgang habe, so werds doch über fünfzig jar ein Anderlei werden‘ Str. 1523 CS. – SCHWEIZ. 3, 948. einerlei [ainərlai Lutterb. Str.; ǽnərlæi K. Z.] Adj. präd. gleichgiltig. Das ist mir e. Lutterb. – SCHWEIZ. 3, 948. parerlei [pârərlai Co.; phârərlai Str.; phôrərlæi K. Z.] Adj. ( nur attrib.) von verschiedener Art: e p. Win, Papier. – SCHWEIZ. 3, 949. |
|
|
|
Bd. 1, Sp. 539a
|
|
|
|
|
|
1. Lab, Vorteig. S L. machen den durchsäuerten Teig herrichten, womit später die ganze Bachet durchsetzt wird Dunzenh. 2. Labessenz, Stoff bei der Käsebereitung verwandt Masmünster Mittl. Demin. Läbel wird gebraucht, wenn vom Backen in der Haushaltung die Rede ist Hf. – 1. Lab an die Milch thun; 2. farzen. erlaben [ərlâwə Bf.] wie hochd. Wird beim Schmaus eine Prise Schnupftabak angeboten, so sagt man dazu: Wënn sich Hërz und Mund erlawen, Muss die arme Nase aüch was hawen (mit hochd. Formen). ‚erlaben recreare‘ DASYP. |
|
Heckenlabe [Hèkalapé Rapp.] n. Zapfen von Pinus silvestris, Kiefer oder Föhre; die Frucht von Abies alba und Picea excelsa heisst Tannzapfen. In Markirch findet Umsetzung der Kons. statt: Beckelabe. |
|
laberen [lâwra Su.] sich läppisch benehmen. ‚labern Unsinn plaudern‘: Meiningen MA. 3, 305. Laberi I [Lâwri Su.] m. = Laberer. |
|
laborieren [làwrîrə Str.] ‚lawriere verschwenden‘ ULRICH. Bd. 1, Sp. 539b
|
|
|
|
|
|
|
|
2. Streulaub. S L. ist ganz druschlich dürr Wingen. Rda. Gëld wie L. haben RATHGEBER 36, mit iron. Weiterführung: Sie haben Gëld wie L., s fahrt herum wie s Stroh under der Bettlad Str. Er hört s Laüb nimm stossen oder Er sieht s Laüb nimm fallen von einem hoffnungslos Kranken Ruf. Bauernregel: s Laub macht den Acker taub (düngt ihn nicht), s Stroh macht ihne froh Saarunion. Rda. Kein Staub und kein L. mehr gar nichts mehr Scherw. Zss. Laübflëcken Seite 167. – Buebenlaub [Pỳawalàip Rädersd.] n. Saudorn, Berberis vulgaris. – SCHWEIZ. 3, 956. Espenlaub [Ès͑palàip Su.; Ès͑palòip Dü.; làip Bf.; As͑pəlœyp Z.] n. Espenlaub. Rda. Er zittert (vor Angst) wie E. – SCHWEIZ. 3, 956. Nusslaub n. Laub des Wallnussbaumes Su. Z. Rëblaub n. Reblaub Bf. U. – SCHWEIZ. 3, 956. lauben [làywə Ruf.] Laub im Wald holen. – SCHWEIZ. 3, 957. Lauber [Làipər Fisl.] m. der grüne Wasserfrosch, Rana esculenta. In dëm Wasser sind viele L. Lauberhütten [Làiwərhìtə Bf.; Laùwər- Str.; Lœywərhetə Z.] Pl. Laubhütten, jüd. Erntefest. lauberen [lòiwərə Logelnh. Horbg.] entlauben, insbes. einen Teil des Reblaubes entfernen, damit die Trauben besser reifen können. Häben ihr d Rëwen schon gelaüwert? Logelnh. – vgl. BAYER. 1, 1405. lauberig [lòiwərik Dü.] Adj. dicht belaubt. Das ist e l-er Baüm, do ist gueter Schätten drunder. Die Rëwen sind arig l., mer muess e bissle Luft machen drinnen, sunst schint keine Sonn und kein Mond mehr drin. Bd. 1, Sp. 540a
|
|
|
|
1. luftiger, meist nach einer Seite hin offener Raum, Laube, Balkon, Vorbau; Gallerie um das obere Stockwerk von Bauernhäusern. Hënk die Wäsch uf die L.! Pfetterhsn. MONE 8, 35. 4. Fruchthalle. Ist viel Frucht under der L.? Logelnh. In Colmar heisst so eine alte Kirche, die lange Zeit als Getreidehalle diente und jetzt wieder für kirchliche Zwecke hergerichtet und erweitert wird. 5. Spritzenhaus M. ‚lŏbe Arcade, Kaufmannsgewölbe‘ CHRON. 1042, 42. ‚eine Laub in viel Ställ getheilt hale distinguee en plusieurs estables‘ MARTIN Parl. N. 535. Demin. Läuble [Laiplə Roppenzw.; Lèiwlə, Læilə M.; Loilə Günsb.; Læiwlə Ingersh.] n. 1. Treppenabsatz Ingersh. 2. überdachte Treppe, welche von aussen in das zweite Stockwerk eines Hauses führt nebst der dazugehörigen Gallerie M. Günsb. 3. Empore in der Kirche M. 4. Bodenluke M. 5. Abort: ‚Es ist gar ein fein ding, da einer in ein roszstal gat, oder in ein küstal, denn wenn man auff ein leublin gat‘ GEILER Brös. 79b. Zss. Laubenbank; hüeter m. Aufseher oder Hüter auf der Vorbühne der Kirche; stëg, thür Steinbr. – Brotlaübi Pl. Spitzname der Bewohner von Ober- u. Niederburbach Kr. Thann. – vgl. SCHWEIZ. 3, 964 Brotlauben. SCHWÄB. 342. Ërbsenlaub [Ærps(ə)laùp Str.; Arpsəlœyp U.] f. Bezeichnung für die heutigen Bd. 1, Sp. 540b Gewerbslauben Str.; früher war hier der Erbsenmarkt, vgl. ‚Erweisloube‘ 1351, ‚Erbslaub‘ 1469 CS. ‚Unter der Erbselaub‘ Ged. v. Ch. Berdellé, auf Seite 31 seiner ‚Elsässische Lieder und Gedichter vum e Hauenauer‘; später auch einzeln als Bilderbogen Nr. 11 der ‚Strossburjer Bilder‘. ‚Wärd ich wie die, i gängt in d‘ Erbslaub ale Daa‘ PFM. I 6. ‚Erbslaub la hale aux pois‘ MARTIN Coll. 31.Ërbsenläubler [Ærpslaiwlər Str.] m. Bewohner der Gewerbslauben. Rotläuble n. Ebene zwischen Colmar, Breisach u. Ensisheim O. ST. † Summerlaub f. ‚Pergula ein Gang oder summerlaub / darin man spatzieret‘ GOL. 336. – SCHWEIZ. 3, 965. |
|
derlauben [tərlœywə Ingenh.] erlauben (bes. nach Verneinungen). Verlaubnis [Fərlàipnis Bf.] f. Erlaubnis, Verlaub: Mit V., Herr Pfarrer, ich sollt e Wort mit ihnen reden. – SCHWEIZ. 3, 961. BAYER. 1, 1406. |
|
|
|
1. wie hochd. S L. losse(n), verlieren sterben, umkommen durch ein Unglück. S L. absajen jemand verloren geben Rapp. Umesunst is der Tod, und dër kostet s L. Dü., ähnl. U. E hartes L. haben eine kräftige Natur besitzen Ruf. So gewiss ich s L. hab! zur Beteuerung gesagt Bf. s L. g(e)niessen U. Rda. S lustig L. ist s best, awer s währt nit lang Bf. Spw. Was einem sin L. ist, ist vielmol im anderen sin Tod des einen Glück ist oft des andern Unglück Bf. ‚Däärt hät mi fätär s lAAbä gloo‘ LANDSMAN Lied. 136. 2. Stelle eines verletzten Gliedes, wo zuerst die Empfindung zurückkehrt Hf.; empfindliche Stelle: der Schmid het im Ross in s L. ghaüen, won-er s bschlagen het Bf. 3. Freude, Ausgelassenheit. Rda. Jetzt ist L.! Str. Bd. 1, Sp. 541a Do ist L.! K. Z. Morjen hän mir keine Schuel, jetzt ist L. Dü. Gut Lëwens machen sich durch lustiges Spielen unterhalten M. JB. VIII 139 Anm. 2. Der Bueb het gar kein L. wie anderi Bf. Ich weiss gor nit, s ist gor kein L. mehr in ihm er ist immer so verdriesslich Ingenh. Birnenschnitz und e Schüfele von ere Soü: das ist im Pfetter sin L. das isst er für sein Leben gern Bf. – Tag des Lëben(s) [Tœỳ təs Láwə Illk.; Tâ təs Lǽwəs Str.; Tœy təs Láwəs K. Z.; Tâkə təs Láwəs M.] bes. in Beteuerungen, gew. min T. d. L.: Haw ich jetzt min T. d. L. auch schon emol eso eps gsëhn?! Z. Haw ich min T. d. L. schon eso Lëbtage erlëbt! Illk. scherzhaftes Wortspiel. Min T. d. L. ist mir nix so passiert! Str. ‚Min ganze Daa des Lewes‘ KETTNER Mais. 29. ‚Myn Zytt-es-Daa-des Lewes Haw i noch kein Rezzept so gsehn!‘ Str. Wibble 27. Zss. Lëbe(ns)tag. – SCHWEIZ. 3, 968. Gutlëbens, Gut lëbelen [Kùtláwəs M.; Kyətláwələs Mü.; láwərlis Gebw.] n. Rda. G. machen sich's wohl sein lassen, schmausen STÖBER Mäder. D Kinder machen guet Lëwens unterhalten sich mit Spielen MENGES Volksmda. 41. Herrenlëben n. feines Leben: der füehrt e H. der hat's gut Wh. – SCHWEIZ. 3, 969. Lasterlëben n. Dirne: Dis ist e rëchtes L.! Geud. Luederlëben n. ausschweifendes Leben: e L. füehren leichtsinnig dahinleben Rapp. – SCHWEIZ. 3, 969. Lumpenlëben n. unordentliches, leichtsinniges Leben Su. – SCHWEIZ. 3, 969. Wohllëben, s. Hitzerle. – SCHWEIZ. 3, 969. lëben [láwa, láwə fast allg.; lǽwə Str. Kindw. W.; Ind. Präs. láp, bezw. lǽp, st, t, Pl. láwə, lǽwə; Part. klápt O. Betschd., kəlápt K. Z., daneben klapt Logelnh. Heidw., kəlǽpt Str. W.] 1. wie hochd. Guet l. mit einander sich gut vertragen Dü. Sie l. wie die Vögel im Hanfsomen (im Schissdrëck Gebw.) in prächtigen Verhältnissen Su., l. wie im Schlaraffenland Str. Von einem unordentlich lebenden Menschen, der in der Winterkälte erfroren oder sonst elend umgekommen ist: Wie gelëbt, so gstorwen! K. Z. Gruss: Wië lëbst? Scherzh. Antw.: Wië ë Kueh, wo am Verrecken ist! oder Wië ë Krott, wo Bd. 1, Sp. 541b am Versticken ist! oder Wië ë Hund, wo am Abschnappen ist! Mü. Anderer Gruss: Lëwet ihr ouch noch? Antw.: Jo, noch wüest genueg! Gewenh. Lëbst ouch noch? mit ders. Antw. Hattst. Lëwet gsund bis ufs Wiedersëhn! Antw.: Und du aüch! Witternh. Allez (frz.) Adje, lëwet als gsund! Antwort: Und ihr auch! Ingenh. Einem ze leid l. immer darauf bedacht sein, ihn zu ärgern und zu schädigen U. Jesus, dir lëb ich! Ausruf des Schreckens und der Verwunderung. 3. das Leben geniessen. Mer muess doch gelëbt habe(n)! (Selbsttrost des Verschwenders) Olti. und allg. Guet l. sich's wohl sein lassen allg. Das ist ze wenig zuem L. und ze viel zuem Stërwen Dü. Er het nit genüe z. L. u. s. w. RATHGEBER 37; s. auch Vogel 1 Seite 99. – SCHWEIZ. 3, 969.gelëbt Part. als Adj. in mittleren Jahren. Es ist schon e gelëbter Mann gewësen. ablëben absterben: dër alt Mann lëbt eso ab Bf.; Part. abgelëbt [àpklapt Dü.; ôkəlápt Z.] alt, schwach, abgezehrt. † beleben zur Lebensart anweisen: ‚e gsetzter (Mann), wo ‘s au belewe kann‘ PFM. II 3. – vgl. holl. beleefd fein gebildet. durchlëben [tùrəláwə Bf.] lebend zurücklegen. Mir hän e guets Johr duregelëbt. erlëben [ərláwə, ərlǽwə allg.] 1. bis zu einem gewissen Zeitpunkt leben. Mir wërden s Ënd der Wëlt nit e. Bf. 2. im Leben erfahren. Wer alt worden ist, het viel erlëbt Bf.; Unangenehmes erfahren: Mit dem wurst noch eps e.! Ingenh. – SCHWEIZ. 3, 971. überlëben wie hochd. allg. Er üwerlëbt mich noch Su. uslëben [ỳsláwə Hlkr.] ableben. Dër lëbt eso us der stirbt so dahin. lëbendig, lëbëndi(g) [lapántik Hi.; lêwətik u. lèwantik Mü.; làwantik Bghz. Su. Dü. Rapp. Bf. Osthsn.; làwænti Str.; làwanti K. Z.; làwæntsiχ Str.; ləwæntìχ Lohr; láwənik M. Sulzern] Adj. 1. lebend. Er hat ihne grod l. wellen frëssen er hat ihn vor Zorn lebendig auffressen wollen Z. S ist alles l. mit Lüten, voll Omeisen Geisp.; auch vom Käse, der Würmer hat Hi., ebenso Do ist alles l.! K. Z. ‚är bhaltät s lävAndig‘ LANDSMAN Lied. 79. Bd. 1, Sp. 542a Der Fritzel zum Dienstmädchen: ‚i guck ebbe nit so viel uf mini gemolde (Saldädle), als iehr uff d‘ lawendije‘ SCHK. 390. Lawendigi Bluemen Str. ‚Do geht myn Rosin‘ anne, nimmt drei lawendji Mys ..‘ PFM. III 4.2. lebhaft, munter: e lëbendiger Buebe. Er het schon halwer gschlofen, awer wo er gehört het, dass mir fort gehn, ist er wider l. worden Dü. 3. leibhaftig: Dis ist grade wie der lëwëndige Teüfel dies (Kind) ist sehr bös Osthsn. Ähnlich: Du hest der Teüfel l. in der Rippe Bghz. E lëwëndige Zitung Klatschbase Dü. – Lassmichlëben [Losmiláwə Dessenh.] m. ein minderwertiger Schnaps. lëbig [lápik Roppenzw.; láwik Heidw. Mü. Su. Logelnh.; láwi Hf.] Adj. lebendig. Er ist noch l. er lebt noch Logelnh. ‚vas lAAvig ïsh un toot‘ LANDSMAN Lied. 128. ‚lebig machen‘ BARLAAM i IVb. – SCHWEIZ. 3, 973. Leidlëber [Laitlǽwər Str.] m. Quälgeist. ‚Dis isch e rechter Leidlewer‘ Quälgeist RATHGEBER 36. leidlëbig, leidlëb isch [læitláwis͑ K. Z. Wörth; iχ Betschd.; laitlǽwiχ Lützelstn.; lǽtlǽwiχ Wh.] Adj. 2. eigensinnig Lützelstn. S ist e leidlëbiger Mensch Hf. Mer glaubt nit, was l. es ist; lieber als dass es von sinem Bruder eps annehmen thäte, thät s verhungeren Lützelstn. Leidlëbigkeit f. absichtliche u. fortgesetzte Zuwiderhandlung gegen Wünsche und Befehle einer andern Person, um dieselbe zu ärgern. S ist nur L. es geschieht nur, um jem. zu ärgern AEckend. Leidlëbischkeit [Læitláwis͑khæit K. Z.] f. das Bestreben, einem andern zu leide zu leben und ihm zu schaden. wollëbig Adj. wohlhabend Gebw. |
|
Bd. 1, Sp. 542b das jm die laus bald über die leber laufft und das er etwas jähzornig ist‘ FISCH. Ehez. 633 (Kl.) ‚Und wann dir eine lus ist über die leber geloffen, so renne deshalb nit allwegen zum bichtvater‘ GEILER, s. ALS. 1862/67, 149. s. auch Lunge. Zss. knöpfle, krankheit. – SCHWEIZ. 3, 975. BAYER. 1, 1410.Demin. Lëberle [Láwərla Ensish. Su.; Læwərlə Str.] n. 1. kleine Leber; übertr. Rda. e weich L. han weichherzig sein Str. Sprichwörtl.: ‚noch mus das La̔berle ich han gessen‘ ich muss der Sündenbock sein FISCH. Flöhh. 114. Auch bei BRANT 798; GEILER. Vgl. Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen 3, 130. 2. ein aus Leber zubereitetes Gericht, gew. in der Zss.: Surlëberle [Sýrláwərlə Dollern] saure Leber, d. i. Leber, Nieren und Lunge eines Schweines mit einer sauren Sauce zugerichtet. Am e Mäntig schmeckt e S. Rehlëber f. Rehleber. Schnellsprechvers: Under der Basler Rhinbruck lijt e roji R. Dü. Spanheizelslëber f. Leber eines Spanferkels Str. ‚D'noh haa i glych derby e Murchel (figürl. für Nase) unterm Glas, gross wie e Spanhaizelslewwer‘ PFM. III 4. Surlëbere [Súrlawərə Felleri.] f. saure Leber. |
|
Schnuderleib [‚Snûtərlèip Roppenzw.] m. ein grober, unverständiger Knabe. |
| kratzen |
| |
| |
| |
| Krutzen |
| lau |
| laüen |
| Ley |
| Lei |
| |
| |
| Leies |
| Louis |
| Lab |
| |
| |
| Labe |
| Laber |
| Laberi , Gelaberi |
| Laub |
| |
| |
| Laub |
| erlauben |
| Laübi |
| Lëben |
| |
| |
| Lëber(e) |
| Leib |
| © 2007 by Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier |