Wörterbuch der elsässischen Mundarten. Bearbeitet von Ernst Martin und Hans Lienhart. 2 Bände. Straßburg 1899-1907. [Nachdruck Berlin/New York 1974].
  gëben  -  gëben   (Band 1, Spalten 194a - 196b )  
Verknüpfung auf diesen Artikel  gëben [ká Olti. Lutterb. Su. Hlkr. Dü. Bf.; k M.; kán Bisch. Barr Mutzig Z. Han.; kan Betschd.; kán und kan Hf.; kên Mittelhsn.

Bd. 1, Sp. 194b

Gimbr.; kn Pfulgriesh.; kæn Str. Lobs. Tieffenb.; †káwə Hf.; kâwa Ensish.; kǽwə Str.; ken Wh.; kin Dehli. Rauw. Harsk.] Ind. Präs. Sg. 1. [kep Su. Hlkr. Bf. K. Hf., wo kew vor Pron. mit vokalischem Anlaut: kew i, kew ərə, kew ùns; auch ke; kìp Hi. Str.; kì Geisp. Dehli. Rauw.; ke M. K. Z.; 2. keps͑ Hlkr. Geud. Lobs. Str.; kes͑ Su. M. Dü. Bf. K. Z.; kìs͑ Geisp. Str. Rauw.; kìs͑t Dehli. 3. kept Str. Hf. Geud., auch ket, was allg.; kìt Hi. Str.; Pl. kǽwə Str. Lobs.; kæn Str. W.; kán K. Z.; ké Geisp.; kên Geud.; kǽn K.; kąį M.; kin Dehli. Harsk.; Imper. kep, ke; Pl. kan, kæn; kin Rauw. Harsk.; kent Hi. Sier.] Conj. Prät. Sg. 1. 3. [káp Su. Hlkr. Hf. (wo auch káw ìχ); kápt Z.; kát Ruf. Hlkr. NBreis. Dü. M. Bf. Bisch. Hf. (selten); káptit, kátit Bf.; i, as káptik Hlkr. (s. auch gät). 2. káps͑, kápts͑ Hf.; †kátits͑ Bf.; káptis͑ Hlkr.; káts͑ Dü. Bf.; Pl. káwə, káptə Bf. Hf.; kátə Barr Hlkr.; káptikə Hlkr.; Part. ká Olti. Lutterb. Su. Hlkr. Dü. Bf.; k M.; kán U.; kæn Str. (neben kǽwə); kəkæn Prinzh.] ‚ich gib‘ GEILER Narr. 14; ‚er git‘ BRANT Narr. 5, 5 .. ‚und söllent eigentlich anzeigen wer gelt git‘ Str. 15. Jh. BRUCKER 241. ‚und git yme ieglicher vier pfenninge‘ Str. 1390 BRUCKER 201. ‚gent si‘ 102, 36; ‚gent‘ 3. Pl. Ind. Präs. schon ALTSWERT 30, 23. ‚hundert rechen gent 2 d‘ Str. 15./16. Jh. BRUCKER 264. ‚so sollent sie keinen win gen untze das der win verungeltet wurt‘ Str. 15. Jh. BRUCKER 569.

 1.  geben. Wer viel gibt, bhalt wenig. Wichs g., ein par g., eini g. ohrfeigen, prügeln, abfertigen; einem s g. abstrafen: ... ‚nam in (den floh) zwischen dza̔n zermalmt in klain: Ich hab dirs ga̔n!‘ FISCH. Flöhh. 1481/82. Sin Wort g. feierlich versprechen. Den gueten Morjen g. den Morgengruss entbieten. ‚(sie) meinen, man soll ihnen gewonnen geben‘ GEILER Narr. 36; so noch jetzt Z. Acht g. aufpassen. Volkswitz: ein Schandarm und sieben g. acht. Kinderreim: geben, geben, nimmihrben; gfungen, gfungen, widerum gëben: was gegeben worden ist, braucht man nicht zurückzugeben, wohl aber was gefunden worden ist K. Z. S ist mir nit g. es liegt nicht in meiner Natur, ich kann nicht (oft ironisch): s ist ihm nit g., dass er ein Mol heim kummt in der Zit. Der gibt sich einen Käs

Bd. 1, Sp. 195a

bildet sich viel ein;r gibt ihne ist hochmütig. Guet g gëben gut gesagt, öfters im PFM. I 8; V 8. G. g., Herr Pfarrer! spöttische Zurückweisung einer Rede. Was gibst (de), was hest (de) aus Leibeskräften (bes. laufen). ‚thate desswegen einen sprung zurück vnd davon was gischte was hescht‘ MOSCH. I 181. ‚was gisch de, was hescht!‘ HIRTZ Ged. 232. ‚Was gischde, was heschde, durch Dick und durch Dünn Zuem Garde, s'meecht Jedes am Erste drinn sinn!‘ Aug. Stöber SCHK. 60. ‚Der Bäck laüft no, was gisch was hesch‘. LUSTIG I 53. ‚wo err d‘ Maddamm, was gisch de, was hesch de, anranzt‘ Str. Wibble 35. Auch: plötzlich, unvermutet: was g., w. h. fangt dër uf einmol mit mir Händel an Liebsd. Was gibst de, was hast de ohne langes Besinnen, wilst oder nit? drängen zur Entscheidung beim Kauf Rauw. Was gibst was hest mir nichts dir nichts Ruf.

 2.  ergeben, werden: dis het awer einen Kërl geben! das ist ein Bursche geworden! U.

 3.  vorhanden sein: s gibt viel Obs dis Johr. Beim Vorübergehn an einem Jäger fragt man: Gibt s brav? Antw.: He, s passiert noch Geiswasser. S gibt s gërn es kommt oft vor. Auf die Frage was gibt s? (zu essen) antwortet man spasshaft: Gëlbi Ruewen und Schnitz Str. ULRICH. (Verdämpfti Fëldlüszung, frikassierti Schnëckenhörner Horbg.). S gibt viel, awer mir han gar wenig Dollern. Nitsnutz Olti. Nit viel Dunzenh. Ebenso antwortet ein Ruhender auf die Frage Was gi t's? M. JB. XII 119. S kann s wider gëben beim Abschied Antwort auf die Einladung bald wieder zu kommen, etwa in einem Kaufladen Hi.

 4.  treffen. Wënn mer e Bëngele änger e Hërd Sui wirft, brüellt nämme die, wo s gibt trifft Mb. JB. VI 145. [Se hąį ùf nə ks͑osə, àwr s hèt nə net k M.] Beliebtes Wortspiel mit Ortsnamen: du bist nit vonbwiller, awer vonhmheim; nit von Gëwerschwir, awer von Bhaltens dheim (Baldenheim); ender vonhmendingen Gebw. Mü. ‚wenn er schun nit von Geewiller awwer vun Thann isch‘ Str. Wibble 43. Über den Conj. Praet. in Umschreibungen = thät s. unter gät. –
SCHWEIZ. 2, 96.

Zss. Gibred: ‚eine grosse Büchßen, zwölff centner schwär, Gibred geheissen‘ Mü. PETRI 163.

ab gëbe(n)


 1.  abgeben, übergeben. Er

Bd. 1, Sp. 195b

het sinen Platz abgëben seine Stelle niedergelegt Su.

 2.  ablassen. s Mul sollt dir bald ab g. du hast nun genug geredet Hi.

 3.  darstellen, werden: dis gibt einen Herr Pfarrer, Doktor ab dies wird einmal ein Pfarrer, ein Arzt ebd.

 4.  sich a. g. mit eps sich beschäftigen mit etwas, daran denken allg.
SCHWEIZ. 2, 77. BAYER. 1, 865.

an gëbe(n)


 1.  angeben, anzeigen, anmelden: den Tubak a. g. die Tabakspflanzen für die Steuer anmelden. Der het ihne a. g. verraten. Du wurst on geben beim Lehrer, häufige Drohung unter Kindern Dunzenh. Ingenh. Sin Spiel a g. die im Spiel vorhandenen Punkte, Augen, Trümpfe oder sonstigen Werte anzeigen. D Karten an gëben die Karten zuerst geben Hf.

 2.  in die Feder diktieren Hi. ‚angeben auffzuschreiben dictare‘ DASYP.

 3.  raten, einreden, überreden. Wer het üch dis angeben? wer hat euch diesen Rat gegeben? Er het s ihre guet angeben er hat sie überredet Su.
SCHWEIZ. 2, 81. BAYER. 1, 865.

enwëg gëbe(n) weggeben, aus der Hand geben:r dumm Teüfel het s enwëg gëben Olti., verschenken Katzent.SCHWEIZ. 2, 93.

ergëbe(n)


 1.  ergeben.

 2.  sich e. sich ergeben, bes. sich erbrechen Hi.; nachgeben, nach anfänglichem Widerstreben einwilligen; locker werden (Geschwulst; Schraube), weich werden (Geschwür), nachlassen (Krankheit), zur Krisis kommen (Lungenentzündung), gelenkig werden (steifes Gelenk) Hf. Er het sich in dem Suffen ergëben ist ein Gewohnheitssäufer geworden.
SCHWEIZ. 2, 83.

hër, hëre gëbe(n)


 1.  verschenken. Der thät s Hëmd vom A. h. g.! Ingenh.

 2.  (Speisen) erbrechen Co. Str.

 3.  verkaufen Wh.

i(n) gëbe(n)


 1.  in den Mund geben: Speisen, Arzenei.

 2.  in den Sinn geben: der Teüfel muess ihm das inben haben Bf.

 3.  einreichen: d Demission ing gëben Ingenh.
SCHWEIZ. 2, 83.

dri(n) gëbe(n) drein geben: uf das Dutzend Subrödle gëben d Becken eins drin Bf.SCHWEIZ. 2, 83.

inne gëben hineingeben: in dem Vieh i. g. das Futter einstecken Su.

na(ch) gëbe(n) nachgeben; sich ziehen lassen (Leder). Der Gescheidst gibt noch Bf. Str.SCHWEIZ. 2, 91.

Bd. 1, Sp. 196a

her gëben nachgeben, zurückweichen Lützelstn.; s. auch nach II.

übergëbe(n)


 1.  übergeben, bes. die Meisterschaft über Haus und Hof übergeben K. Z.

 2.  bildl. sterben: Jetzt het der Hans aüch üwergëben ist auch gestorben Dü.

 3.  d Kart ü. falsch geben K. Z.

 4.  sich ü. sich erbrechen.
SCHWEIZ. 2, 78. BAYER. 1, 866.

uf gëbe(n)


 1.  aufgeben, eine Arbeit; nicht weiter führen, ein Geschäft Lutterb. Su. ‚(wer) den zapfen ufgit‘ aufhört Wein zu verzapfen Str. 15. Jh. BRUCKER 572.

 2.  verzichten, im Kartenspiel beigeben, eine niedrigere Karte darauflegen Z. SCHWEIZ. 2, 79. SCHWÄB. 223.

druf gëbe(n) zum Voraus etwas auf den Kauf geben: der Metzger het mir einen Ochs abkaüft und het mir glich einen Heijer (Fünffrankenstück jüd.) druf gëben Bf.SCHWEIZ. 2, 79.

drum gëben gehorchen; auch: um s Wort gëben M.

herum gëben sich erbrechen Wh.

umme gëben


 1.  (Geliehenes) zurückgeben; beim Fangspiel den wieder treffen, der eben gefangen hat Liebsd. Su.; erwidern, widerreden Hi.

 2.  sich erbrechen M.
SCHWEIZ. 2, 80.

us gëbe(n)


 1.  (Geld) ausgeben.

 2.  Ër gibt us erbricht sich Ruf.

 3.  bei der Ernte, Wein- und Obstlese: ergiebig sein. Der Weisen Waizen gibt nit viel us dis Johr. S het guet usgëben uf dëm Stückle. Gibt s wohl, brav us? fragt man die mit der Ernte u. s. w. Beschäftigten. Sie antworten: Jo, so zimlich, passawel; Jo, e wenigle Obbr. Kaysersbg. Ammerschw. Ha, na so Co. Jo, s ist kum der wërt, dass men schafft Hirzfn.
SCHWEIZ. 2, 84. BAYER. 1, 865.

herus gëbe(n)


 1.  nach Abzug eines Guthabens von einem Geldstück den Rest zurückgeben. Behalt jetzt denen Tholer nummen, ich kann dir doch nit rusgëben Ingenh.

 2.  (einem Spötter) die Abfertigung zu Teil werden lassen; frech antworten allg.

use gëben (Geld) herausgeben; einem u. g. derb antworten, einen abfertigen Liebsd. Su.SCHWEIZ. 2, 85.

vergëbe(n)


 1.  in einem v. jmd. verzeihen Bf. Ich hätt ihm können v.

 2.  s Holz v. die Lose des Bürgerholzes austeilen Wh.

 3.  refl. sich v. beim Kartenspiel unrichtig Karten austeilen Pfetterhsn.

Bd. 1, Sp. 196b

Su.; in diesem Sinne intr.: Du hest v.! Z.
SCHWEIZ. 2, 86. BAYER. 1, 866.

Part. vergëben Adj. vergeblich. S ist vergëbeni Müeh Heidw. Dü. Adv. umsonst. Du kummst vergëwen Dü. Anders vergeben (umsonst) ist das underston des arbeitenden‘ GEILER J. Sch. (b 11). – SCHWEIZ. 2, 87.

vergëbents Ruf. Su. Logelnh. Dü., vergëbens Lutterb. Bf. U. Adv. (eig. Gen. des vorigen) umsonst. V. schaffen ohne Lohn arbeiten; v. laufen laufen, ohne die Absicht zu erreichen. S ist alles v. allg. D Rëwenben nix v. man muss viel Arbeit auf die Reben wenden O. [ər hèt nə fərkáwəs pəkhès͑tikt M.] Nit vergëwens (nicht ohne Absicht) het er sich alli Müej ongethon Ingenh.SCHWÄB. 224.

vor gëbe(n) beim Spielen, bes. beim Billard oder Kegeln, einem weniger geübten Gegner Vorteile zugestehn; bildl. etwas besser verstehn als ein andrer Su. [iχ kát tər nòχ femfi fór ká trùf] ich würde dir noch fünf Punkte vorausgeben Rapp.SCHWEIZ. 2, 89.

zeruck gëbe(n) zurückgeben allg.; zur Entschädigung geben Hlkr. Rapp.

zusammen be(n) trauen, copulieren, im O. nur von der Civiltrauung. Henicht wërden sie z. g. und morn haben si Hochzit in der Kirch Dü. Hüt Mittaug het sie der Pfarrer z. gëben Dunzenh.SCHWEIZ. 2, 93.

zue gëben nachgeben. Men muess dem Unverstand z. g. Su. Hlkr.SCHWEIZ. 2, 94.

vergëblich Adj. und Adv. vergeblich: e vergëwlicher Gang Geisp. Dis ist wi der alles vergëwlichi Ärwet! Ingenh.

Anbenerei f. Angeberei, Klatschsucht Ndhsn.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gob [Kóp Wh.] f. grüne Wanze.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gablie [Kápliə Felleri.] n. Kapuze.

Gebs, Gebsel, s. Geps, Gepsel.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  gäch, ch, gähn [kǽ Sier. Roppenzw. Fisl. Olti.; káχ Pfetterhsn. bis Rchw. M.; kán Molsh.; ká M. Bisch. K. Z.; kǽ Str.; kái Lützelstn.; flectiert: kǽə Olti. Roppenzw. Fisl.; káχə Hi. Banzenh. Logelnh. Dü. Mittl., a kánər Pari Bisch. Molsh.; káər Hf.] Adj.

 1.  jäh, steil, rasch eintretend, plötzlich: der Buckel (Hügel) ist so g. wie ein Dach; [a káχi ‚Stáj steile Treppe Dü., e kái Hets heftige Ofenhitze, s ká Tóts ‚starwə Hf.]; der

Bd. 1, Sp. 197a

gäch Hunger, auch der gäch mit Ellipse von Hunger Heisshunger Ruf. Hest der gäch? sagt man zu einem, der ungeduldig nach Speise verlangt Banzenh.; ich glaüb du hest den gänen Bisch.

 2.  jähzornig, übereilt: ein gächer Mensch. ‚in dem gehen geist würst du zu ermürsen, zerbrechen oder verhergen die Schiff‘ GEILER P. I 18; 28, b. ‚gech‘ J. Sch. 7. ‚Ein geswindes gehes Licht kam und umbefing mich‘ MERSWIN CS. ‚der gehe Dot‘ CHRON. 20, 32 uö. GEILER Narr. 24d. ‚Hitzig Köpff und gehe Daten‘ MURNER Luth. Narr. CS. ‚gäch, hoch praeruptus, praeceps‘ DASYP. Adv. steil, rasch; unversehens, sofort. S geht gar g. der Bërg uf, den Bëri hinab; [ká ùm s Èk ərùm fârə Hf.] Der ist g. rich worden Fisl. Jetzt gehst mir g. zúem Hus use! –
SCHWEIZ. 2, 99.

Zss. chhitz rasch zunehmende Hitze K. Z. Betschd.

chschützig Adj. jähzornig M.; stützig Betschd.

chzorn m. Jähzorn Geud.

chzornig Adj. jähzornig Bf. Geud.

hlig [kálik M.] plötzlich: [ə kálikər st ein plötzlicher Zorn M.] – SCHWEIZ. 2, 103.

hling Adj. ‚ein gählinger Schauder‘ KLEIN 156.

hlings, hlingen, hning [kális Geud.; kálè, kalæə M.; kális Bf.; káne, kánle Mutzig] Adv. jählings, plötzlich, unvorsichtig: s geht g. hinab; er ist g. gestorwen; sie sind g. fortgezöuen. De muest nit so gählingen drin springen M. ‚gêhelingen‘ CHRON. 548, 25. (gêhes Adv. 31, 26). ‚thu nicht urblickig oder geheling‘ GEILER S. M. 20. ‚gehelingen‘ P. III 15. ‚gehelingen sterben‘ GEILER# ält. Schr. 117. ‚gächlingen‘ WICKRAM Roll. 120. ‚gächling repente, subito‘ DASYP.SCHWEIZ. 2, 103.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gauch I [Koiə Lüxd.; Kài Pfirt Geberschw. Osenb.; Kàia Su.; Kau Hi.] f. ( m. Hi.) Baumwanze, Halbflügler: stinken wie eine G. Die Brumberen kann ich nit ëssen, sie stinken noch Gäuchen Geberschw. ‚Stinke wie-n-e Gauch‘ Ob. S. ST.SCHWEIZ. 2, 103 Gāch, Gāk (vgl. auch 2, 199 Gaja, Gaji). BAYER. 1, 869 Gachel, Gackel; 881 Gueg.

vergäuchen [fərkaiχa Horbg.] veraulen: in dëren Füchtigkeit vergäucht alles.

Bd. 1, Sp. 197b

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gauch II [Koiχ M.]

 1.  Kukuk: [tər Koiχ kykst schreit M.]

 2.  †göuch, gauch m. Thor, Narr; f. Thorheit, Narrheit (vgl. Murners Geuchmatt) GEILER P. II 4 (ST.)

Zss. Gauchenbrot M.

Gauchenhor M.

Gauchenloch M.SCHWEIZ. 2, 103. BAYER. 1, 869.

Gugauchen, Gugucken [Kykàia Ensish.; Kykykə Hi. Baldenh.] f. Pl. Wiesenbocksbart, tragopogon campestris. Gügücke‘ STÖBER Mäder, wo auf Hebel ‚Guckauch‘ verwiesen wird. ‚Guckgauch cuculus‘ DASYP. FISCH. Bin. 84. – SCHWÄB. 249 gukkigauch. SCHWEIZ. 2, 106 Guggaucha Anemone, als Frühlingsblume gleichzeitig mit dem Rufe des Kukuks.

Gutzgauch m. Kukuk. ‚die gänsz gagacken, die endten schnattern, die gutzgauch gugucken‘ GEILER Narr. H. 151, 6. (ST.)

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  gochen thöricht handeln. ‚Bedunckht vnsz nit wenig mit jnen geeillet vnd gegochet gesein‘ Basel und Mülhausen, 18. Juni 1586. (ST.)
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gichte, Gicht [Kítə Obbruck; Kiχt Bf.; Pl. Kîtər Banzenh.; Kiatər Pfast. Su.; Kièχtər Illk. Hf.; Kieχtər M.; Kéχtər Horbg. Rchw. Molsh. K. Z. Prinzh.; Kiχtər Mütt. Str. Hf.; Keχtər Dü. Bf.; Kiχtərə Lützelstn. Wh. Tieffenb.] f. Gicht. Meist Pl. Krämpfe, Konvulsionen der Kinder, besonders bei plötzlichem, heftigem Schrecken, auch beim Zahnen. Ein Mittel für die ‚so an den güchtern liegen‘ s. JB. VII 111 f. Str. 1625; STÖBER Kochersberg 34. ‘S Kind het nit kinne zahne un het stark Gichder ghet‘ PFM. III 4; Weinkrämpfe. Unser Büewel ist an den Gichtern gstorwen. D stilli G. Mienenveränderung, auch Lächeln und Augenverdrehen der Kinder im Schlaf. Vgl. die Dinger. Auch von Erwachsenen bei grossem Schrecken: du hast mir ganz G. ing jagt. Ich bin fast in d G. gefallen. ‚de krysch jo bygott d Gychtre, wenn ‘s Bäsel nur syn Näsel zait‘ FROELICH Holzh. 10. – SCHWEIZ. 2, 113. BAYER. 1, 869.

Gedärmgichter [Kətarmkìèχtər Hf.] Pl. Konvulsionen bei Unterleibsschmerzen. – SCHWEIZ. 2, 111 Darmgicht. BAYER. 1, 870.

Gegichter Convulsions‘ MARTIN Coll. 156. – SCHWEIZ. 2, 113.

Geisengichter [Kaisakeχtər Dü. Horbg.; Kaisəkiχter Mütt. Str.; Kaisəkéχtər

Bd. 1, Sp. 198a

Molsh. Prinzh.; Kǽsəkéχtər Barr; Kæisəkéχtər K. Z.] Pl. furchtbare Angst, bes. unbegründete grosse Furcht, panischer Schreck. Aus einem Rätsel: ‚s Ganz (das Ganze) isch e Ferchtebutz, der het Vun jeher d‘ Gaisegichter ghet‘ Aug. Stöber SCHK. 357. – SCHWEIZ. 2, 113.

Kiffelgichter [Khefəlkìèχtər Hf.] Plur. Konvulsionen vom Kiefer aus, Starrkrampf.

gichtig Adj. aufgebracht. ‚er ward so gichtig, bo̔ss vnd kiebig, dass er vor zorn ein Nuss mit dem Arss auffgebissen het‘ FISCH. Garg. 404. – SCHWEIZ. 2, 114.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  sunegihte, 24. Juni: ‚uf sant Johanns tag zů singihten‘ Str. 1451 BRUCKER 203 = sunewende LEXER.LEXER = Mittelhochdeutsches Handwörterbuch von M. Lexer, III, Lpz. 1872–78.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gaden n. Gemach; Kaufladen; Stockwerk; Bude; Werkstatt. ‚in yedem gaden das silber ... zu verwürcken‘ Str. 1482 BRUCKER 244. ‚ein gaden uswendig siner rechten huswonung‘ Str. 1496 BRUCKER 269. ‚wan du gest in das grosz gaden aller geschöpf gottes‘ GEILER Bilger 5, 15. [ST.] CHRON. ‚der Gaden, Kram la boutique‘ MARTIN Coll. 170. ‚drey Gaden trois estages‘ MARTIN Parl. N. 173. MOSCH. Anl. 327. ‚Gaden Bude, LadenKLEIN.SCHWEIZ. 2, 114. SCHWÄB. 213. BAYER. 1, 871. HESS. 113.

Demin. gedemly ein kleiner Kaufmannsstand, Zelt. ‚wan er überkumpt, so will er darnoch ein gedemly haben, und würt darnach ein kaufmann und haltet husz‘ GEILER W. K. 90.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gäder [Kǽtər Roppenzw.; Kátər Steinbr. bis Bf.] m. ( n. Felleri. Wittenh. Banzenh. Geberschw. Dü. Obhergh.; f. Su. Katzent.) der sehnige, flechsige Teil des Fleisches, Knorpel. Us dem G. macht mer Salot Bisch. Mer meint, er ist vun nix als Hut und G. Dü. Ich hab ne G. los mich verstaucht Hüss. [s Kátər ìm Fárs͑t Felleri.] – eig. Ge-äder. SCHWEIZ. 1, 88.

Gegäder [Kəkátər M.] n. der sehnige Teil im Fleisch, Flechsen.

gäderig [kátərik Mü. bis Bf.] Adj. flechsig, von Sehnen durchzogen (Fleisch); muskulös, kräftig: e gäderiger Kërli Banzenh. ‚g. Fleisch zäh KuhfleischStr. ULRICH.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gaudel [Koỳtl Steinbr.] m. Narr.; f. Gaud [Koit M.] – SCHWEIZ. 2, 121 aus lat. gaudiu

Bd. 1, Sp. 198b

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Guder [Kútər Roppenzw.] f. Pl. Guderen Blasen im Wasser.SCHWEIZ. 2, 114.

guderen [kútərə Roppenzw.] Blasen im Wasser entstehen lassen.SCHWEIZ. 2, 123. 126.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  vergüden [fərkítə Hi.] vergeuden. ‚vergüden‘ GEILER J. Sch. Cc iijb. – SCHWEIZ. 2, 125 güde(n). BAYER 1, 873. mhd. giuden prahlen; vgl. HESS. 125 geudig verschwenderisch.

Vergüder(en) m. f. Verschwender (-in) Hi.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gafe [Káfə Ingw.] m. dummer Hochmut: der het e G.! – jüd. aus hebr. gaăwâh Hochmut JB. XII 143.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  gaffen [kàfə Osenb. Su. Dü. Bf. Str. Dehli.] stieren, starr ansehen, mit grossen Augen verwundert und gedankenlos betrachten: zuem Fënster nus g. Ane stehn und g. kann jeder, awer dass einer helft – nein! Str.SCHWEIZ. 2, 127.

a(n)gaffen anstarren, verwundert ansehn. Was gaffst mich eso an? O. ‚Was nitt grad noch der hiesije Mode-n-isch, gafft er an, wie e Kuh e neis Door‘ STÖBER Daniel 20.

begaffen Bed. wie a(n) gaffen Winzenh.

umme gaffen herum blicken Su.

vergaffen refl. zu viel, zu lange schauen: ich han mich do e biss l vergafft und sin se (zu) spot gekummen Dehli. Bf.; sich thöricht verlieben: in denen liederlichen Mensch Dehli., an dem armen Meidel Str. Ndhsn. Bf. Wü kann mer sich nummen an ere so e Gëlbschneik v.! Ingenh.SCHWEIZ. 2, 127.

Gigaffi [Kikàfi Obhergh.] Scheltwort, Schimpfname.SCHWEIZ. 2, 127 Gaffi.

gaffle gaffen GEILER P. IV 8b. ST.

Gaffel m. der dumm, leichtsinnig in die Welt hineinschaut, spricht; Gaffer; f. herumgaffendes Weib Str. CS. ‚albernes, leichtsinniges WeibKLEIN. Demin. Gäffel [Kæfl Str. ST.; Kafl Z.] n. einfältiges Mädchen. Jo, du dummes G.!

Göffel m. Pl. Gaffel, Begaffer, müssige Leute. ‚Gassentreter und göffel‘ GEILER Narr. Zss. göffelsmaul MURNER Schelmz. ST.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  gaflen [kâflə Ruf. Katzent.] nagen, gierig essen.

Bd. 1, Sp. 199a

vergaflen zernagen: d Ratten han s Straü vergafelt Katzent.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  †‚die Gauff vola‘ DASYP. ‚Vola die höle oder das mittel in der hand oder fůs der gauff, gusel‘ GOL. 99.

Gaufel, Gaufle [Kàuflə Hi.; Koifl Dü.; Kàỳflə Banzenh.] f. hohle, gekrümmte Hand; die beiden Hände zu einer Schüssel vereinigt: e ganzi G. voll; e G. Nussen; e G. Wasser. – SCHWEIZ. 2, 127. SCHWÄB. 222 Gäufel. BAYER. 1, 874. HESS. 1, 118.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  geffen [kèfə Ingersh.] dürfen. Meister, gef ich mit üch uf Kolmer?
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  geiferen [kaifərə Liebsd. Hi. Steinbr. Wittenh. Ensish.; kèifərə Olti. Geberschw. Hlkr. Ingersh. NBreis. Logelnh. M. Bebelnh. Rapp.; kǽfərə Barr]

 1.  Speichel oder Speise und Trank aus dem Munde fliessen lassen und dadurch die Kleider beschmutzen.

 2.  unaufhörlich sinnloses Zeug schwatzen, ein Geheimnis ausplaudern; spöttisch: reden. Gaifer oüch emol eps, sunst hest d Schnurr allewil uf! Ruf.
SCHWEIZ. 2, 129. BAYER. 1, 874.

vergeiferen


 1.  anzeigen, verraten, verleumden Su.

 2.  küssen (verächtlich) M.

Gegeifer n. Geschwätz, Gerede Rapp.

Zss. Geifermäntele Geiferlätzchen.

Geiferi [Kaifəri Roppenzw. Hi. Hattst. Ruf. Co. Obhergh. Logelnh. M. Rothb.; Kǽfəri Barr] m.


 1.  Geiferer.

 2.  Schwätzer: du dummer G.! Ruf. ‚‘r sei gar e stolze Geifri g'sé‘ MANGOLD Colm. Kom. 85. –
SCHWEIZ. 2, 129.

Geiferte f. Schaum vor dem Munde der Pferde Logelnh.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Giff [Kif Str.] f. leicht reizbares, boshaftes Frauenzimmer.

Giffel [Kifl Str. Geud.] n. albernes älteres Mädchen.

Zss. Giffsack [Kifsàk Prinzh.] m. ein Kind, das beständig Laute ausstösst.

giffig [kifiχ Str.] Adj. heftig, boshaft. Numme nit so g., du richtst nix us derdurch!

giffen [kifə Ingw. Prinzh. Z. (seltener khifə Hf.; Part. kefə] schwache Laute ausstossen, wimmern, schreien von Säuglingen: wënn du redst, se giffst de numme so sprichst du unverständlich Prinzh.; es gifft numme'noch von krepierendem Federvieh Z. ‚gyffen‘ GEILER LK. 73 b. ST. ‚Wer recht thuot ... gyffet nit uff die sachen domit die welt um got‘ ders. P.

Bd. 1, Sp. 199b

II 51. ‚giffen seufzen, widersprechen, zanken, keifenKLEIN.FRISCH ‚gyffen dehiscere.‘

gif-gif [kif kif Str. Ingw.] einerlei, gleichwertig: es ist g. g. (bei der Wahl zwischen zwei Personen oder Dingen). – Vgl. franz. Argot kif kif bourricot.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gifitz [Kífits Kerzf. Bisch. Barr Bf.] m.

 1.  Kiebitz, Vanellus cristatus. ‚Gifitzen‘ FISCH. Garg. 376. ‚Vanellus Gyfitz‘ GOL. 318. ‚Gywitz Vaneaux‘ MARTIN Parl. N. 560. ‚Gyfitzen‘ WEISSLINGER bei Flögel Gesch. des Grot.-Kom. 225.

 2.  leicht aufbrausender Mensch, Hitzkopf.

 3.  weichherziges Mädchen. –
andre Form Fifitz s. d.; SCHWEIZ. 2, 130. SCHWÄB. 226 Geiwitz.

Demin. Gifitzel [Khífitsl Str. Hf.] n. Kiebitz. Kinder erhalten auf die neugierige Frage, was es zum Mittagessen gibt, die Antwort: Gifitzle im Essig geplotzt Str.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gofren [Kûfra Strüth; Kôfra Co.; Kôfrə Str.] f. Pl. Waffeln. Ein Strassburger Ratsbeschluss von 1734, 1. Dez., bestimmt: »Das Goffern schreien und verkaufen auf den Gassen abgestellt« ST.frz. gaufre. SCHWEIZ. 2, 131.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Goferdeckele [Kofərtèkala Attenschw. Kop- M.] Interj. der Verwunderung: G., bist du do? – verdreht aus Gott verdamme!
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Guf(e), Guffe, Glufe [Kûfə Roppenzw. Sier. Olti. Hi. Banzenh.; Kûf Steinb. Urbis Ruf. Su. Bghz. Mütt. Co. Rapp. Ndhsn.; Kóf Co. Ingersh.; Kof Hlkr.; Kûf M.; Kùf Logelnh. Str. K. Z. Prinzh. Lobs. Weissenbg.; Kùw Wh.; Klùf, Klùfə Weissenbg.] f. Stecknadel (fehlt dem Dial., Nadel ist stets Nähnadel). Uf Guffen und Nodlen sitzen mit grosser Ungeduld warten, in Verlegenheit sein. ‚Sitzt wie uff Guffe-n-un uff Nodle‘ HIRTZ Ged. 220. ‚gufe‘ BRUCKER. ‚Die guffen mit den grossen Knöpfen.‘ GEILER Brös. I 96a. ‚Guff, Gluff acicula‘ DASYP. ‚Acicula häfftle, guffen‘ GOL. 228. ‚mit guffen schürlen jouer aux espingles‘ MARTIN Coll. 205. ‚Guff‘ KLEIN.SCHWEIZ. 2, 607 Gufe, Glufe. SCHWÄB. 235 Glufe.

Demin. Güfel, Güffel [Kîflə Ruf.; Kéfla Ingersh.; Kefl Bebelnh. Bf. K. Z.; Kìfələ Hi. Str.] s. auch die Zss. Guffenballens, bettle, hüsel, kissel, knöpfl, macher, spitz.

Bd. 1, Sp. 200a

Harguff(e) f. Haarnadel allg. ‚Jetz nimm i d‘ Hoorguffe‘ PFM. II 2.

Krawattenguff f. Krawattennadel, Vorstecknadel Str.

Lockenguff f. Haarnadel Str.

guffen [kûfə Sier.; kùfə U.] mit Stecknadeln zusammen, an heften. Guff mir s Halstuech an! U. (Die Sonntagshalstücher der Frauen und Mädchen werden mit Stecknadeln hinten befestigt).

zsammen g. mit Stecknadeln zusammenheften (der Schneider ein Kleid beim Anprobieren, der Arzt eine Wunde) Z.

Güfner [Kéfnər M.] = Guffenmacher.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gift [Kìft, Keft allg.]

 1.  n. (Hf. Wh.) Gift. Bildl. eim G. gëben, reden verletzend sprechen; G. bekummen zornig werden.

 2.  m. aus dem Körper ausgeschiedene, nach Laienanschauung schädliche Substanz, Eiter; auch von der Impflymphe gebraucht. Do kummt der G. herus! Erklärung für einen Ausschlag bei unreinen Körpersäften Hf. Die kleinen Krotten han auch G. Dehli.

 3.  m. bildl. Schädlichkeit, schädliche Redensarten, Hass: äm den G. nëmmen jemand unschädlich machen. ‚Was het Si for e Gift uf dene Mensche so?‘ PFM. III 2. ‚den Gift auslassen‘ sein Mütchen kühlen KLEIN. 4. m. schadenfroher verhasster Mensch M. Z. s. auch Zss. Giftblater, nickel, Giftenblitz. –
SCHWEIZ. 2, 134. BAYER. 1, 875.

Demin. Giftel n. boshaftes Frauenzimmer; Huhn, das trotz allen Scheuchens nicht in den Stall zu bringen ist Ingenh.

Ehrgift [Érkìft Bischw.] f. Mitgift: die het e schöni E. mit kriejt.

Rattengift [Ràtəkìft Rauw.] n.


 1.  Schnaps.

 2.  Ausruf: abscheulich! verflucht! ‚Bryd: ‘S isch ken Gspass. Der dytsch Herr ... Lizenziat: Raddegift! Der Grossnas do us Breme?‘ PFM. II 2.

giftig [keftik Su.; kefteχ Wh.] Adj.


 1.  giftig; verletzend: GEILER Narr. 19 ‚das er kein schädlich vnnd gifftig Wort auszstosz‘.

 2.  leicht reizbar, zornig, wütend: der ist awer g. worden! Wh.

 3.  eiternd. Adv. verletzend: g. reden; [tàs hàs i keftik] das thut mir sehr leid M.
SCHWEIZ. 2, 136. BAYER. 1, 876.

vergiftig [fərkefti K. Z.] Adj. und Adv. verletzend: E vergiftiger Mensch. ‚ein vergifftig Thierlein‘ (Wassereidechse) BALDNER, ‚vergift‘ ebd. Eim v. reden Unangenehmes sagen.SCHWEIZ. 2, 136.

Bd. 1, Sp. 200b

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gaga, Gägä [Kaka Fisl. Roppenzw. Baldersh. Ruf. Su. Horbg.; Kàkà Co.] n. (Kindersprache)

 1.  Notdurft: G. machen. Kot: geh wëg, s ist G. do!

 2.  Gesäss: deck dich zua, mer gseht dir den G. Demin. Gaganele. – frz. caca.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gaggag [Kàkâk M.] Kinderruf beim Suchen von Ostereiern: ‚Gagâh! Gagâh! der Has het gelait‘ Aug. Stöber Ged. 135. – Vgl. BAYER. 1, 881 Gagk gagk Selbstlob der Henne, die ein Ei gelegt hat.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Gagag [Kàkàk Roppenzw.; Kâkâ Dunzenh. Ingenh.] n. Gans. Spottreim der Kinder: Hëmbdeschisser, Gagag, Üwermorn ist Sunntaj Scherw. ‚als ist ein gans geflogen uss und gagack kumt wider zuo huss‘ BRANT Narr. 34, 13–14. GEILER Narr. 81b. ‚Vnd blibt sein lebtag ein gagag‘ MURNER Mühle 1081. Wulle, Wulle, Gaga! rufen die Kinder den Gänsen zu, wenn diese mit einander schnattern Dunzenh.SCHWÄB. 214.

Gägäg [Kǽkǽk Str.] (Nachahmung des Gänseschreies) Spottruf für die badischen Fischer, welche den Strassburger Markt besuchen. Luej, d G. kummen; zaj ruef emol!

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  gagen [kâkə Hi.] gackern der Henne, die ein Ei gelegt hat. – vgl. SCHWEIZ. 2, 139 (schnattern der Gans), SCHWÄB. 214 ebenso, BAYER. 1, 877. HESS. 114 (Henne).

Gager [Kâkər O. bis Logelnh.] m.


 1.  Gänserich.

 2.  Hemd, das zur zerrissenen Hose heraushängt: dër hat e G.; du hängst der G. use; der G. hebt (hält) ihn; der G. laüft dir noch Wittenh.

 3.  einfältiges Mädchen Logelnh.

Gagare [Kâkàrə Rädersd.] m. Rocksaum eines Mädchens, der am Boden schleift. Mach der G. ufe!

Gagi [Kâki Sier.] m.


 1.  Gänserich.

 2.  lang aufgeschossener Mensch.
 

 
gëben
  1. geben. Wer viel gibt, bhalt wenig. Wichs g., ein par g., eini g. ohrfeigen ...
  2. ergeben, werden: dis het awer einen Kërl geben! das ist ...
  3. vorhanden sein: s gibt viel Obs dis Johr. Beim Vorübergehn an einem Jäger fragt man ...
  4. treffen. Wënn mer e Bëngele änger e Hërd Sui wirft, brüell ...
 
Gablie
 
gäch
  1. jäh, steil, rasch eintretend, plötzlich: der Bucke(Hügel) ist so g. wie e ...
  2. jähzornig, übereilt: ein gächer Mensch. ‚in dem gehen geist würst du zu ermürsen, zerbrechen ...
 
Gauch
 
Gauch
  1. Kukuk: [tər Koiχ kykst schreit
  2. †göuch, gauch m. Thor, Narr; f. Thorheit, Narrheit (vgl. Murners Geuchmatt)
 
Gichte
 
Gaden
 
Gäder
 
Gaudel
 
Guder
 
vergüden
 
gaffen
 
gaflen
 
Gauff
 
geiferen
  1. Speichel oder Speise und Trank aus dem Munde fliessen lassen und dadurch die Kleider beschmutzen.
  2. unaufhörlich sinnloses Zeug schwatzen, ein Geheimnis ausplaudern; spöttisch: reden. Gaifer oüch emol eps ...
 
Giff
 
Gifitz
  1. Kiebitz, Vanellus cristatus. ‚Gifitzen‘
  2. leicht aufbrausender Mensch, Hitzkopf.
  3. weichherziges Mädchen. –
 
Gofren
 
Guf(e)
 
Gift
  1. n. (
  2. m. aus dem Körper ausgeschiedene, nach Laienanschauung schädliche Substanz, Eiter; auch von der Impflymphe gebraucht. ...
  3. m. bildl. Schädlichkeit, schädliche Redensarten, Hass: äm den G. nëmmen jemand ...
 
Gaga
  1. Notdurft: G. machenKot: geh wëg, s ist G. do!
  2. Gesäss: deck dich zua, mer gseht dir den G.  ...
 
Gaggag
 
Gagag
 
gagen
 
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