Wörterbuch der elsässischen Mundarten. Bearbeitet von Ernst Martin und Hans Lienhart. 2 Bände. Straßburg 1899-1907. [Nachdruck Berlin/New York 1974].
  abä  -  ob   (Band 1, Spalten 5a - 7b )  
Verknüpfung auf diesen Artikel  abä, ebä, awä, abeng, abing, awing [àpè, àwè; àpe, api Dehli.; awì Rauw.; èp Brum. Str.] Interj. also, nun denn, nun erst. Abing, ich sin s sefriden Dehli. – frz. eh bien! Doch spielt auch enfin hinein (s. afäng) und Anlehnung an ab Eng = Ende.SCHWEIZ. 1, 46.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Abbe, Labbe [Àpé Isenh. Logelnh.; Làpé U.] m. kath. Vicar; auch Herrabbe: Bi welchem Herrabbe gehst in d Christenlehr? Unser Labbe. Ndhsn. Demin. Rabbenele [Ràpénələ] n. der kleine Herr Vicar. Obhergh.

Bd. 1, Sp. 5b

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Abend [Ówət Mütt. Str. Hf. Rauw.; Owət Lohr, Ndrröd. Wh.; Ópə Roppenzw. Liebsð. Hi.; Ówə Lutterb. Su. Ruf. Geisp.; Ôwə Co. Lobs.; Uwə Hlkr. Logelnh. K. Z. Bühl Zinsw. Nówə Breitenb. Nyowə Mühlb.] Abend. Gruss: Guete-n-Owe! Antw.: Dank üch Gott! Moosch, Hattst. Hlkr. Lobs. Bhüet üch Gott! Wittenh. Goten-Owe! Sëjne üch Gott! Ndhsn. Saarunion. Gueten-zOwe! (scherzh.) Ruf. Denen Owe, am Nowe heute Abend Urbis Hf. [hetə-n-Ówə Su.] Allen Owe Su. z Owe, z Owes, z Oweds Prinzh. Gestert z Obe Heidw., morn z Owe oder morn zen Owe Hf. z Owe ëssen Steinbr. Wörth, Weissenb. z Owen ë. Su. Bf. Brum. ‚Sauermilch vnd Bratwürst mit dem Apollo zobezehren‘ MOSCH. II 25. ‚ame Z'owen Esse‘ LUSTIG I 104. z Owet ë. Vesperbrod um 4 Uhr: Wein, Brot, Käse, Obst; verschieden vom zNachtëssen AEckend. Als ein Wort gefasst, daher eps zuem zOwetëssen haben. ‚Gerüescht isch euer Zowe‘ HIRTZ Ged. 172. Bauernregel: am Palmenowe ësst men s erste Mol z Owe vom Palmsonntag bis St. Gallus, am 16. Oct. Su. Wetterregel: Was der Sunntig für Wëtter wil haben, zeigt er am Fritig z Uwe schun an Dü. Owe rot, morje gueter Tag gerot Molsh. ‚Vom oben sytzens an den morgen‘ MURNER Mühle 1135. – SCHWEIZ. 1, 34.

Brendewitenabend [Prèntawitanûwə M.] m. Christnacht, eig. Abend des brennenden Baumes.

Firabend [Fírówə Ensish. Su. Logelnh. Rapp. Mutzig K. Z.; Fíryowə M. Daneben auch Fírófə Geisp. K. Z.; Fírówət Obbr.] m. Feierabend, Ruhe. F. machen die Arbeit einstellen. Gruss am Abend: Han ihr F.? (F. gemacht?) Zuruf an spät Arbeitende: Alle, machet F.! Geiswasser Lobs. Den F. bekummen vom Meister entlassen werden Obbr. Firowendbüschele das letzte, meist etwas kleinere Büschel Dü. Rda. Wenn der Kopf ewëg ist, het s Füdle (s Loch Z.) Firowend Geberschw. Der spot F. die Krätze. Scherzhaft: Firowe und Raüch unden Dü. Spw. Am Morjen muess mer den F. suechen wer früh anfängt, kann auch früh aufhören Hf., ähnl. M. JB II 167. Feierabend im Wirtshaus: d Schandarmen haben F. gebotten U. Mer han nur noch e halb Ämele (Ohm) Win, dernoch ist F. dann hat das Trinken ein Ende O.SCHWEIZ. 1, 36.

Bd. 1, Sp. 6a

äbelen [éwlə StM.] unpers. allmählich Abend werden: s het grad gäwelt, wo-n-i zue-n-ihm kummen bin. – SCHWEIZ. 1, 34 ābelen; äbelen Appenzell.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  aber [àwər Ndrbetschd.] Präp. herab von: Mach diese Deck a. dem Bett nimm die Bettdecke weg! D Blätter fallen a. denum. Er schamt sich a. eim er schämt sich mit einem zu gehn. – aus ab her.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  aber [àpər Olti.; àwər, âwər Su. Hlkr. Dü. U. W.] Conj. aber. Gegensatz: s geht a. nit grad wie men meint Hlkr. A. auch nit! doch nicht Str. Aber ouch! Interj. des Bedauerns Hi. Gëlt a.? nicht wahr, doch Hlkr. U. G. a., was dis e schöns Kind ist! Str. Hf. Spw. S ist allewil e Awer derbi Bf. Jo a.! ja gewiss. Ausruf der Entrüstung: E a.! Hi. Co. A. mein! Olti. Gest haw ich minen Hund tot gschossen. – Awer! Hf. A. der ist voll! der ist einmal betrunken! Z.SCHWEIZ. 1, 40.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Abiwest [Àpiwèst Hf.] frz. habit-veste, eine Art Frack mit Stehkragen, zwei Reihen Knöpfen und kurzem Unterteil mit zwei äusseren Seitentaschen; wurde vor 30, 40 Jahren von Herrenburen getragen und wird noch vereinzelt angetroffen. Der Stoff ist Bumesin, s. d.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Abuschur [Àpùs͑ýr Mutzig] f. Mundstück eines Blasinstruments. – frz. embouchure.

Äbizel, Ähëksel, s. Egedechse.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  eb [allg.; éw vor Vocal Hf., êw Wh.] Conj. eher, bevor. [Éw iχ s kəwest hàp ehe ich es wusste Hf. Ì pì tèrt èp tý ich bin vor dir dort Liebsd. Tə pats͑ (betest) èp tə en s Pèt kés͑ Ruf. Êw ər Hóχtsit khât hàt Wh.] ‚Kinder werde Lîtt ebb me si's versieht‘ STÖBER Mäder 54. Nebensätze werden dahinter auch durch dass oder weder dass eingeführt: [Èp tàs ər khomən es͑ ehe er kam Hf., èp às tə haim kés͑, treks͑ nòχ ə Litər met mər Co.] ‚ebbe (ehe) got einnen menschen liese virlorn werden‘ MERSWIN 5, 8. 10; ‚ebbe er sich ie wollte drin gegeben‘ 9, 17. u. o. ‚ebb ihr weiters gehn‘ LUSTIG I 50. ‚Vor ebb se scheide thien vonander‘ LUSTIG I 375. – SCHWEIZ. 1, 53. SCHWÄB. 1, 163. Aus e ob, was in einem Lied von 1443 bei LILIENCRON sich findet: SCHWEIZ. 1, 10. ‚Item es söllent alle die salmen oder lehsse snyden wellent, vor und ee ob sie snydent .. sweren ..‘ (1469) BRUCKER 221.

Bd. 1, Sp. 6b

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  eb [èp Liebsd. Hi. Su. Ruf. Dü. Brum. Z. Hf. wo auch èw oder òw vor Vokal, êw Wh.; è, æn M.] Conjunktion der abhängigen Frage: ob. Lueg eb si kummen Su. Lützelstn. [Eχ wæis net èw i kén sèl ètər nit Hf. Èp tə wet àtər net ob du willst oder nicht Dü. I wèis net æn ər (è sə) s kəmàχt hèt M.] Eindringlich auffordernd ohne das regierende Verbum: [èp tə kliχ hárə kés͑ komm sogleich her! Hf.] ‚Ich weiss nit eb mi Geld wird lànge‘ LUSTIG I 216. ‚Luoge umbe dich ebbe die bebbeste .. ut me sorge hant gehebet‘ MERSWIN 20. – SCHWEIZ. 1, 53. LEXERLEXER = Mittelhochdeutsches Handwörterbuch von M. Lexer, III, Lpz. 1872–78. 2, 127. 3, 333. DWB.. SCHWÄB. 163. Aus ahd. ibu, vgl. engl. if.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  ebeländ [êwəlant Barr] voll bis zum Rand: Gläser u. ä.

ebeländig [êwəlantik Dü.] Adv. e voll bis zum Rand gefüllt. – aus ebenlendig ‚gleich dem Landenach dem Bilde eines angeschwollenen Flusses?

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  eben [épə Hi.; êwə Banzenh. Su. Dü. Str. Hf. Han. éwə Ndrbetschd.; èwə Hlkr. Logelnh. Rapp. K. Ingenh.] Adj.

 1.  eben. Der Tisch ist ewen Logelnh., steht nit ewen wagerecht Rapp. E eweni Stross. [Ùf əm êwənə Pòtə Hf.]. Mit ebenen Füess mit gleichen Füssen Hi Spw. M r kann nit alli Bërig (Berge) ewen machen Avolsh.

 2.  untadelig: [ər wel toχ àlfùet so êwə sen (kên), ùn jètsət mòχt ər tes! Wh.] –
SCHWEIZ. 1, 43.

uneben [ùnêwə Su. Dü.; ùêwə M.] Adj. nicht glatt, rauh: [a ùnêwənər Wái Weg Dü.] Im Spiel sind die Teilnehmer ewen, wenn sie gleich viel zu bezahlen haben, sonst unewen. Volksscherz: Der Ewen und der Unewen han e Laib Brot mit enander gëssen verschiedene Anforderungen lassen zuletzt nichts übrig Dü.SCHWEIZ. 1, 45.

eben [êpə Roppenzw.; êwə Banzenh. Su. Ingersh. K.; èwə Dü. Rapp. Str. Tieffenb.] Adv.


 1.  eben, genau, gerade, soeben. Ewen du bist s gsin Logelnh. Do ist ewen der Hoken! Bf. Zeitlich: Ewen ist er bi-n-üns gsin; verstärkt ewen und ewen grade in, vor diesem Augenblick Hf. Grad ewen haw ich s erfahren Barr. ‚Do kummt der Pfarrer ewwe, un dene müesse mer rynlokke-n-un glych hewwe‘ PFM. V 8. Vor Adj. und vor andern Adv.: Ewen voll voll bis zum Rand Dü. S ist ewen guet gangen über Erwarten gut Obhergh. Das Kleidle ist ihm ewen rëcht passt ihm ganz genau Su.

Bd. 1, Sp. 7a

Du kommst mir ewen rëcht ironisch: Abweisung und Drohung. Ewen so Banzenh.; ewen ze mär s. unter Mär. Erklärend: Du wurst ewen nit gfolgt han Banzenh. S ist ewen nim (nicht mehr) anderst z machen! Bf. Ich kann s ewen noch nit glaüwen, awer s soll wohr sin Ingersh. Zustimmung: Wënn er dis nit gethon hätt! .. Ewen, ewen! Hf. Drum ewen! Z.

 2.  etwa, vielleicht: Hest s ihm ewen nit gseit? Rapp. (hier aus eppe verdreht, s. d.) –
SCHWEIZ. 1, 44.

Ebene, Ebeni, Ebenung [Êwənə Su. Rapp.; Êwəni Ensish.; Êwəni Lützelstn. Wh.] f. Ebene, weite Fläche. Du bist e Kërl uf der E. ein Prahler, der im Gebirg, d. h. vor Schwierigkeiten, zurückschreckt. E Teüfel uf der E. mutwillig Ruf.SCHWEIZ. 1, 46 Ebni.

Ebenheit [Êwəhǽt Wh.] f. scheinbare Tadellosigkeit, Rechtschaffenheit. [Tæm hæt eχ tes net tsûkətrøwt met siner Ê.]

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Eber [Ápər Pfetterhsn. Niffer; wer Str.; Áwər Ingersh. Barr, Hf. Rotb. Aschb. Áwr M.] m. männliches Schwein. Schimpfwort für einen Unreinlichen, so auch Söuëwer, Wildsöuëwer Z.SCHWEIZ. 1, 46.

Kibëber [Xípápər Fisl.] m. Scheltwort für einen zornigen, zanksüchtigen Menschen. – SCHWEIZ. 1, 46.

Ëbert [Áwərt Ndrbetschd.] m. Wildschweineber.

ëberig [áwəri K. Z.] brünstig (vom weibl. Schwein).

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Ibisch [Íwis͑ Mütt. Bf. Z. Ndrbetschd.] m. Eibisch, Althaea officinalis PHARM. 2. Die Ibischwurzle, aus denen ein Syrup gekocht wird, wie aus den Blüten der Ibischthee, wendet die Volksmedicin gegen Hals- und Brustschmerzen an, so auch die Ibischsalb gegen Geschwüre.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  ob [òp Olti. Gebw.] Präp. nur noch in under ob sich verkehrt, auf den Kopf gestellt. [Tə hèps͑ s jo ùəròpsə du hältst es ja verkehrt Olti.] Do ist alles zu. o. s. in Unordnung Gebw. ‚ob sich sursum‘ DASYP. STÖBER Mäder 104. – SCHWEIZ. 1, 50.

oben [ópə Hi.; ówə Steinb. Hlkr.; owə Su. Dü.; òwə Str. K. Z. Han. Ndrbetschd. Lohr] Adv. oben: s Brot leit owen im Korb Dü. Owen am Wald oberhalb des Waldes, am Wald owen am Wald dort oben Steinb. [Tó es͑ Plæsîr òwə da ist grosse Freude Lohr.] Er ist owe bi-n-ihm gilt viel bei ihm Dü. [r setst owə

Bd. 1, Sp. 7b

àn əm sitzt über ihm in der Schule Dü.] Unden owe das Untere obenhin, durcheinander: [Màχ mər nìt àləs ìənowə Rauw.] ‚Got .. leit mit uns recht unden oben‘ legt sich zu uns Gefallenen MURNER Bad. 6, 52. Zöwerst owe ganz oben Hlkr. Er wohnt owen uf im oberen Stock Dü. K. Z. Owen herab! sagt der Kartenspieler, wenn er nicht ab heben lassen will Hf. S macht alls owen erab es regnet immer zu Dü. Owen ewëg mit folgender Negation: durchaus. [Tes es͑ òwən əwak net wór; ty tèrfs͑ tes Mæitən òwən əwak net hírótə Hf.] Wer owe nus (mehr, höher als er kann) will, fallt unden dure Bf. Owen dussen ausser sich: [r es͑ kliχ òwə tysə gleich aufgebracht Hf.] Owen herum in, an der oberen Hälfte des Körpers: s fëhlt mir o. herum ich bin brustkrank. Sich o. erum us thuen die Kleider bis zur Hüfte ablegen Hf. O. rum auf den Bergen M. Obe use und nienen an sollen die Hexen sagen, wenn sie auf ihren Besen sitzend zum Kamin hinaus fahren Hi., ähnlich Str.SCHWEIZ. 1, 50.

doben [tópə Sier. Roppenzw.; tówə Heidw. Ensish. Ingersh.; towə Ruf. Dü.; tòwə Horbg. K. Z.] Adv. dort oben, droben. Wie geht s doben? im oberen Dorfe. ‚der hutmacher, so auch doben wachte‘ Str. 1546 JB III 95.

droben [tròwə Rapp. Str. Wörth Ndrbetschd. Lohr Tieffenb.] Adv. oben. Drowen uf der Bühn auf dem Heuboden.

hoben, ahoben [hówə S.; hòwə U. W.; əhòwə Co. Ingersh.] Adv. hier oben. – SCHWEIZ. 1, 50.

über oben [ipər ôpə Liebsd. Steinb.; ewər ówə Su. Co.] Adv. oben, im oberen Stockwerk. – SCHWEIZ. 1, 50. SCHWÄB. 522.

dobene [tòwənə Obbruck] Adv. oben. Dort dowene möcht ich sin dort oben möchte ich sein.

hobene [howənə Felleri. M.] Adv. hier oben. Howene dran. – SCHWEIZ. 1, 51.

öber [èwər Dü.] Adj. ober. [t èwər Pén die obere Bühne, der obere Dachraum Dü.; figürl. der Kopf: s es͑ èps net ráχt en tər èwrə Pén er ist nicht ganz bei Verstand Dü.] ‚seines beichters oder öbrens‘ Vorgesetzten GEILER J. Sch. (c III. ‚Do were n-awwer d‘ Qualle gar ketsch vom ewwre Laum‘ PFM. III 1. Als 1. Glied in Zss. s Öberdorf der obere Teil des Dorfes; s Öwerland das Oberland, das weiter oben am Rhein, in südlicher Richtung vom jedesmaligen

Bd. 1, Sp. 8a

Standort gelegene Land
; der Öberwind Südwind; so schon GEILER P. 3, 36. Öberländer [Èwərlantər U.] m. Bewohner des Oberlandes; oberelsässischer Wein: Dis ist Öwerländer! Merzw. Superl. öberst [épərs͑t Olti. Liebsd. Roppenzw. Pfetterhsn.; éwərs͑t Heidw. Lutterb. Su.; èwərs͑t Urbis Dü. Str. K. Z. Han. Ndrbetschd. Lützelstn.] oberst. Bist hüt der ö. kumm in der Schule der erste geworden? Lützelstn. s ö. kummen beim Ringen obsiegen Rotb. [tes Te leit s èwərs͑t liegt zu oberst Tieffenb.] ‚Do isch merr in der Midde vom ewwerste Gebir'j PFM. V. 9. zöwerst ganz oben; er ist zö. in der Schuel Dü. zunderst (zunder, zunderst und) zöwerst alles durcheinander, verkehrt, drunter und drüber U. Zu. zö. gheien umstürzen U. Du kunst zu. zö. in dHell mit dem Kopf nach unten Orschw. Su. Bf. Lülzelstn. ‚kehret die Feder umb, das öberst zum underst retournant la plume c'en dessus dessous‘ MARTIN Parl. N. 724. ‚alles zu vnderst zu oberst‘ MOSCH. I 518. ‚S‘ isch nämli uff der vierte Sit vun der Zitung e Schiffahrtsannonce g'sin mit der Zeichnung vum e Dampfschiff, un wil der Bur d‘ Zitung z'unterscht zöwerscht het g'hebt, sin d‘ Mastbäum noch unte g'stande‘ Str. Wochenbl. 1883, No. 61. ‚Doch zuntersch zewerscht dueht er stehn‘ FRANçOISIkHusm. 9. – SCHWEIZ. 1, 52.

Obrikeit [Ówrikhait Dü.; Ówrikhæit Z.] f. Obrigkeit (wenig gebräuchlich). [‚Strai Ó. rèkîart net là] Spw. bezüglich auf das Wetter, hauptsächlich auf starke Kälte Dü. E-n-O. muess sin! Ingenh.

eroberen [ərôwərə Bf. Str. K. Z.] gewinnen, sich aneignen. Was hest durch s Hiroten erowert? Bf. Do ist nit viel zen-eroweren Ingenh.SCHWEIZ. 1, 52. BAYER. 1, 17.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  übel [îpl Liebsd. Roppenzw.; îwl Banzenh.; ìwl Ensish. Dollern, Hlkr. Bf. Str. Lohr; ewl Su. Dü. M. Rapp. K. Z. Han. Ndrbetschd.] Adj. schlecht. Der Bueb wurd allen Tag üweler böswilliger Dollern. Er ist ü. (ü. uf) gefährlich krank, sterbenskrank Hf. [Ys ewl èrjər màχə Z.] ‚Keiner bey dem ich nicht vbel a̔rger machete‘ MOSCH. I 131. ‚Vnd also vbel a̔rger macht‘ ders. II 856. Bes. verneint, um ein Lob auszudrücken:r Win ist nit ü. ist gut Su. [tàs͑ khè ewli Fròi das ist eine hübsche oder tüchtige Frau Dü.] Ironisch: [Tàs͑ net ewl das ist pfiffig! oder: das ist eine saubere

Bd. 1, Sp. 8b

Geschichte Dü. S is͑ net ìwl, àwər wæmər s ə Wil ânlŷjt, wùrt s aim ìwl Str.] – SCHWEIZ. 1, 55.

Übel n. Uebel, körperlicher Fehler. [Wan ər tàs Ewl (Gebrechen) net hat, wár ər ə natər Pýə Rapp.] Spw. Von zwei Üwelenhlt mer allewil s kleinst Rapp.

übel Adv.


 1.  übel, schlecht. Er hört ü., er sieht ü. us. [I pe hàlt ewl trâ tsetər às i khè Àrwət mé hâ Dü.] ‚Diese Leute mu̔ssen vbel ho̔ren‘ MOSCH. I 202. S ist, wurd eim ü. man ist, wird unwohl. [m èps ewl ùf namə, en ewl namə Hf.] Ü. oder wohl han ich müessen gehn es blieb mir nichts übrig als zu gehn Bghz. Nit ü. tüchtig: er ist nit ü. verwitscht getäuscht, geprügelt worden Su. s het nit ü. us geben einen reichen Ertrag geliefert Dü. Ironisch: Du kummst mir nit ü., du bist nit ü. verrissen (oft mit dem Zusatz: awer bös ze flicken Z.) dein Vorschlag ist schlau, frech, aber du irrst dich doch Str. ‚(er hat) nitt iwel nicht wenig Mieih g'ha‘ LUSTIG I 314. Dis wär üwel gseit, das wäre schlimm,nn mer dis nit machen könnt Z. ‚(es) wirde manchem vbel gesagt sein‘ MOSCH. II 151. ‚Wann Krieg noch länger wurd, wär's mancher (Jungfrau) übel g'sagt‘ Str. 1749 JB. IV 134.

 2.  steigernd, sehr: [Ewl s͑én ausnehmend schön, verstärkt kòr e. s͑én Ingenh., e. riχ sehr reich, e. fièl sehr viel Hf.] Synon. wüest viel. Gesteigert: ‚Was isch mier's doch so dootsterwesiwwel PFM. IV 5.

üblich [ewliχ Hf.] Adj. heftig, gewaltig: [ewliχi ‚Smartsə heftige Schmerzen, ən ewliχs Fír ein gewaltiges Feuer; auch ewliχi s͑tàriki ‚Smartsə].

Hörübel [Hérewl Hf.] m. schwerhöriger Mensch. – Imperativbildung. SCHWEIZ. 1, 57.

Surübel [Sýrîpl Olti.; Sýríwl Str.; Sýrewl Bghz. Su. Hlkr. Katzent. Obbr.] m.


 1.  finsterblickender sauertöpfischer Mensch. E Surüwelsgsicht ein finsteres Antlitz Str.

 2.  Mensch mit Ausschlag im Gesicht Bghz.

 3.  = Suremus, s. d.

surübelig [sýrewlik Horbg.] Adj. sauer sehend.

übelen [îplə Liebsd.; îwlə Banzenh.] refl. sich verschlimmern (von einer Wunde) STÖBER Mäder 115 üewele. – SCHWEIZ. 1, 56.

verübelen [fərewlə Bebelnh.] übel aufnehmen.

Bd. 1, Sp. 9a

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  do üben, d-üben [tô iwə Wh.; téwə Ingersh. Z.] da drüben, jenseits. Düwen am Bach jenseits des Baches; düwen am Hus j. des Hauses. [r es͑ fòn tewə] er ist von jenseits des Rheins, aus Baden oder Württemberg, ein Altdeutscher Hf.

drüben [trewə Wörth Ndrbetschd. Zinsw. Lohr Tieffenb.] drüben: drüwen üwer der Stross auf der ander en Seite der Strasse U. W.

dort üben [tèrt ewə Z.] dort drüben GEILER Narr. 23. STÖBER.

h-üben [hewə K. Z. Ndrbetschd.; hìwə Lohr; hiwə Wh.] auf dieser Seite. [r hèt t Lùənantsentù hewən ùn tewə auf beiden Seiten Hf.]

do hüben [tó hewə Geisp.] diesseits: do hiwen an der Matt auf dieser Seite von der Wiese.

ahüben [əhewə Ingersh.] hier auf dieser Seite.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  über [æpər Hi.; ewər Su. Dü. U.] Praep.

 1.  mit Dat. D Supp ist üwer dem Für Bf. [ewər m Hyfə leijə auf einem Haufen liegen, (von Heu, Holz, Lumpen u. a.) Ewər m Khòs͑tə hàn beköstigen Hf.] Während: üwer dem Ëssen; üwer dem während dessen; üwer dem Studieren ist er e Narr worden Hf.

 2.  mit Acc. üwer s Fëld; üwer Fëld gehn in ein anderes Dorf U. Luej üwerschi sieh in die Höhe (über sich)! Bf.; üwer der Wajen nab gheien Dü. Er het noch nix Warms üwer s Hërz awe gelossen nichts Warmes gegessen Su.; üwer s Johr im nächsten Jahre; [ewər àχt Tœ́ Hf.; ewər Nâχt Dü.] Ich weiss nix z klajen üwer den Bueb Dü. [Se sį kəwes əso kâr krop ewər sə] sie sind, wie man sagt, sehr grob gegen sie Mühlb. Das geht doch üwer s Bohnenlied Dü. [n Mól ewər s àntər] in einem fort Hf. [Ewər ǽn Mól] plötzlich Z. Üwer eins Mol Str. Üwer e Hufen gheien a) auf einen Haufen werfen; b) über den Haufen werfen, umstossen, z. B. einen Beschluss Su. Über sich, s. sich. –
SCHWEIZ. 1, 56.

über [ewər Dü. U.] Adv. über: Ist s Fläsch üwer? steht das Fleisch über dem Feuer? Eps ü. haben, thuen Speisen auf dem Feuer haben Bf. Hf.; ü. lossen übrig lassen [hès͑ niks ewər klû? Dü.]

übereinander [ewərnànt Z.] verrenkt, nur prädicativ: [ər hèt tən Ârm ewərnànt Hf.]

drüber [trewər Steinb. Su. U.; trìwər Str. Lohr] Adv. darüber. D. kummen

Bd. 1, Sp. 9b

über etwas geraten, an etwas naschen Steinb. Do kannst nit d. das kannst du nicht vermeiden Su., nicht ändern Z.; Rda. Do springt kein Gäs d. das ist sicher wahr Barr. Gang doch drüwer hinüber! Katzent. Drüber und drunter in Unordnung: [s két àləs tr. ùn tr.] von ordnungsloser Flucht oder Eile Hf. Presbyterialprotokoll Mittelhsn. 1. 3. 1768: ‚Dass es die abgewichenen Osterfeyertage drunter und drüber gegangen ist.‘ Er macht alles dr. u. dr. bringt in Unordnung Obbruck. Drüber drusen aus dem Häuschen, verrückt; [trewr nys khomə] überschnappen Z.SCHWEIZ. 1, 60.

Drüber nüber [Trewər newər Ruf.] n. Uebertreibung, Missbrauch in Essen, Trinken, Kleidung.

herüber [rewər U.; ərewər Hlkr. Co. Ingersh.; əriwər W.] herüber. Do üwen erüwer dort herüber Dehli. Der Perpedickel an der Uhr geht allewil rüwer und nüwer Bf. ‚Gleichwol gehet es zuweilen auch ru̔ber vnd nu̔ber, drunder vnd dru̔ber‘ MOSCH. I 254.

hinüber [newər Co. Rapp. NBreis. U.; ənìwər W.] hinüber. Kinderlied: Rëjen, Rëjen geh niwer, Sunn, Sunn, kumm eriwer! Str. ‚Jez wurrum henn si mi nit gschikt ins Dytschland niwwer, uf Mannem oder Spyr‘ PFM. I 2. In der schriftdeutschen Form [hinípər] nur in hinüber gehn sterben Hf.SCHWEIZ. 1, 59.

vorüber [forewər] Logelnh. vorüber, vorbei. Bis dër kommt, ist früej vorüwer und spot do Rda. von einem langsamen Menschen Bf.SCHWEIZ. 1, 60.

dübere, düberte [tewərtə; Hlkr. tewərə Obbruck M.] drüben. – vgl. SCHWEIZ. 1, 60 drubert.

überich [epəri Gebw.] Adv. oben hinaus: ü. luegen schielen.

übrig [éwrik Lutterb.; ìwri Str.; ewəri K. Z.; ewəriχ Wörth Ndrbetschd.] übrig. Ü. lon übrig lassen; ü. bliben eine alte Jungfer werden Lutterb.; ü. sin nichts mehr gelten U. Brueder Übrig unnützer Mensch. Wënn d alte Lüt emol nimmehr schaffen können, sind se bald üwrig man ist ihrer müde Str.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  üeben [ìawə Logelnh. Geisp.] refl. sich üben.SCHWEIZ. 1, 61.

usüeben [ysìawə Su. U.] ausüben: an eim de Zorn, Nid u. an einem seinen Zorn auslassen.

Bd. 1, Sp. 10a

Uebung [Yø̀wù Z.; wù Str. Wörth; Îwú Ndrbetschd.; ĺwù Lobs.; ø̀wù K.] f. Lärm, Durcheinander, Unordnung. Do ist e Iwung gewënn in dem Dorf, dass du din eijen Wort nimmi ghört hest Lobs. Awer e-n-Ue.! wenn durcheinander stehendes Gerät u. a. den Weg versperrt Hf.Vgl. mhd. uoben. SCHWEIZ. 1, 62.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Äbhaü, Äwäi, Häwäi, Äbheid, Äweheid, Äweit, Ebich [Áphai Hi. Heidw. Ensish. Hüsseren, Dollern Su. Ruf. Co. Dü.; Ápai Sierenz, Hi. Henfli. Osenb.; Áphæi Günsb.; Æpai Str.; Áwǽi Barr, Mutzig K. Z. Ingw. Rotb.; Hápai Horbg.; Háwèi Mühlb.; Háphai Hlkr.; Áphait Türkh. Rapp.; Áphæit Áwæit Kaysersbg.; Awəhait Mü.; Æwəhait Obbr.; Áwait Wörth; Áwǽt Lobs.; Éwiχ Lützelstn. Lorenzen Wh. Dehli. m. (n. Henfli. Hüss. Dollern Ensish. Hattst. NBreis. Co. Türkh.; f. Ingersh. Z. Wörth) Epheu, Hedera helix. Spw. Der Äwei blüet schön, s gibt vil Win Mutzig. ‚Eboi‘ Herrad 192b. ‚Ebhew Hedera‘ DASYP. ‚weltlich wiszheit verwicklet sich mit zeytlichen dingen, als ein spinn in einer spinnwepp oder ein hun in ebhow‘ GEILER P. III 65. ‚ein Hebheu‘ FISCH. Garg. 96. 189. ‚Hedera ebhew‘ GOL. 392. ‚Bisch mer an's Herz gewachse wie Ebbheu an e Muur‘ PFM. I 1. ‚Umsponne bésch so schön, Mét Abhei réngserum‘ MANGOLD Colm. Kom. 77. – SCHWEIZ. 1, 47; 2, 1816.]

äwig [áwik Mü.] Adj. von Epheu. STÖBER.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  ablang [àplà Bf. Mutzig Str. Z.] Adj. länglich, oval: e ablongs Fass. – frz. oblong.

Ablang [Àplà allgem.; Dem. Àplali Heidolsh.; Àplalə Ruf.; Àplal Scherw.] n.


 1.  Fass, welches höher als breit ist, mit ovalem Boden. Ich will das A. mit Win füllen Kaysersbg.

 2.  Fass, das 54 Ohmen hält Kaysersbg.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Ablässel [Àplasl Hindish.] n. Medaille mit Heiligenbild.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Abrassen [prasə Horbg.] f. Plur. Binden zum Zurückhalten der Fenstervorhänge. – frz. embrasses. – SCHWEIZ. 1, 333 Ambrasse.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Absang [Àpsà Hattst.] m. Absinth, Schnaps.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  absalwicken [âsàlwikə Ingw.] = absalvieren [àpsàlfiərə M. Bf.; àpsàlfièrə

Bd. 1, Sp. 10b

Pfast.] absolvieren: 1. fortschicken; 2. scherzh. prügeln (Anlehnung an salben?).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  absolümang [àpsolimà Felleri. Bischw. Meiseng.] Adv. durchaus, unabänderlich, mit Gewalt. – frz. absolument. SCHWEIZ. 1, 43.

absolut [àpsòlyt Hlk. Bf. Hf.; àpsəlyt Roppenzw. Su. Dü. Obbr.] Adv. durchaus, unbedingt: lat. absolute. [Tes ìs͑ wìtər ə Ksèts àpsòlyt] gegen ein unverbrüchliches Gesetz Geberschw.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Obs, Obst [Òps fast allg.; Òps und Òpst Hf.] n. Obst. Spw. Vil Duft vil Obs Dü. Bf. ‚Ops‘ FISCH. Ehez. 128.

Kërnobs [Kharnòps K. Z.] n. Kernobst, Äpfel, Birnen.

Risobs [Rísòps Heidw.] n. heruntergefallenes Obst, vielfach zu Schnitzen verwendet.

Steinobs [tǽnòps K. Z.] n. Steinobst, Zwetschen, Pflaumen. ‚Dz Steinobs hats gern kiel‘ Str. 1625 JB. VII 112.

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  obsenat [opsənât Su. Ruf. M. Wh.; òpsənât Winzenh. Bebelnh. Str. Hf. Geud. Lobs. Wörth; àpsənât Bischw. Dunzenh. Ingenh. Brum.] Adj. eigensinnig, nicht zu befriedigen, bes. wählerisch (im Essen, auch Kleidung u. a.), lecker, empfindlich. Ich bin nit o. Hf. [Te priχt œ nit sù ò. tsə sen] die brauchte auch beim Freien nicht so wählerisch zu sein. [Tes es͑ kòr ən òpsənâti] Geud. Mer dörft nit o. mit ihm sin man hätte nicht nötig so feinfühlig gegen ihn zu sein Horbg. ‚Er isch gar obsenat un will s‘ soll ales danze noch syner Pfyff‘ PFM. I 6. ‚Uff einmol kummt awwer so e-n-obsenater Wind‘ E. Stöber SCHK. 397. ‚D‘ Madam isch gewiss e respectawli Frau, awwer ze-n-obsenaat. An de Märkrechnunge derf kein Dibbele fehle PICK Mo. 4. ... un derby isch er noch wunderli un obsenaat ders. 19. Selten die dem Lat. nähere Form obstinat Str. obsenater dass. Die Endung stammt hier wohl aus frz. opiniâtre.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Observation [Opsèrwatsiǫ́n Osenb.] f. Bemerkung, Vorwurf. Mach mer ke Observationen!
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  -ach Endung vieler am Wasser gelegener Orte: Illzach, Brubach, Sondernach; jetzt in der Mundart a und i gesprochen: [Stərn] Sondernach, [Metlâ] Mittlach, [Tùrni] Dornach JB. VIII 136, IX 213. STÖBER.SCHWEIZ. 1, 63.

Bd. 1, Sp. 11a

 
Verknüpfung auf diesen Artikel  ach [àχ allgem., Nbf.Z.] Interj.

 1.  des Schmerzes und Mitleids: Er het nit ach und nit weh gseit Hf. Ach e leider ach und leider! wozu ein Spötter hinzufügt: und kein Sprossen, als ob er Leiter verstanden hätte Z.

 2.  der Ungeduld, der Zurückweisung: Glaübst du, dass er hent (heut Abend) noch kommt? – Ach! Hf. Ach, geh mir doch ënwëg! Hf. ‚Ach leyder Ah, heu, interjectio dolentis‘ DASYP.
SCHWEIZ. 1, 64.

achen ach rufen: mit a. und krachen mühselig, widerwillig Hf.SCHWEIZ. 1, 65. HESS. 3.

 

 
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