Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971.
  SCHURKE  -  SCHURMUND, m.   (Band 15, Spalten 2047 - 2052 )  
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKE, m. nichtswürdiger mensch. im hochd. seit dem 16. jahrh. bezeugt, doch findet sich schon ahd. virscurgo furcifer GRAFF 6, 542, welches offenbar eine nominalbildung zu ferscurgan, repellere, ist (vgl. schürgen). zusammenhang beider wörter ist nicht wol zu bezweifeln; auffallend bleibt dabei weniger das vollständige fehlen von zeugnissen aus der mhd. zeit, als die durchgängige verhärtung des g zu k. vgl. KLUGE5 338b. WEIGAND 2, 652. im nhd. ist schurke in der schriftsprache sehr gewöhnlich, scheint dagegen in den mundarten nicht beliebt zu sein.

Bd. 15, Sp. 2048

von hd. idiotiken verzeichnet es nur HUNZIKER 233 als schurgg, auch schorgg. es findet sich auch nd., schurk, -e DÄHNERT 418b. TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 164b, und nl. als schurk (erst neunl., s. FRANCK 874 f.), vielleicht aus dem nhd. entlehnt. ebenso ist es ins polnische als szurek übergegangen. die form ist entweder schurke oder schurk, seltenere nebenformen sind: schork(e), s. das. (sp. 1578), bei KRAMER und STIELER, ferner: was mache ich denn, wenn mir die schorken nicht gehorsam sein? WEISE böse Cath. 2, 7; ganz selten schurche Simpl. 2, 151, 2 (s. unten 2). die flexion ist stets die schwache. im gen. sing. findet sich hie und da die erweiterte form des schurkens: wer schurkens genug seyn könnte, mir etwa das schöne sonnenbild vom busen der wahrheit zu stehlen. Siegfr. von Lindenberg4 4, 308; musz sein herz der beleidigung und kränkung jedes schurkens und böszwichts aussetzen. KLINGER theater 4, 125 (Grisaldo 1, 1). einen plural schurkens s. unter 3.
    bedeutung.

1) 
im gewöhnlichsten sinne, als starkes schimpfwort:

a) 
schurk, schurck, schorck, m. .. raspone, avarone, miserone, tenace, taccagno, it. briccone, birbante, furfante, vigliacco, barro, guidone ... v. schuft. er ist ein rechter schurck, ein ertzschurck; mit solchen schurcken mag ich nichts zu schaffen haben. KRAMER dict. 2, 683c; schurcke (der, plur. schurcken), verbero, homo nihili STEINB. 2, 525; schurck, verbero APIN. gl. 488; Hans Schüttlern aber den schalten ifg. vor einen meineider und losen schurken. SCHWEINICHEN 1, 308; die industrie eines schurken verhält sich zu eines ehrlichen manns seiner wie ein maximum zum minimum. HAMANN 7, 258; im grunde ist es nicht ekelhafter, einen hüpfenden, schmeichelnden, unterthänigen, vergoldeten schurken .. von den pflichten für seine ehre reden zu hören, als einen gesetzten, nüchternen, schwerfälligen, gravitätischen schurken zu sehen u. s. w. WIELAND 3, 130 (Agath. 12, 7); verständige, kluge schurken kenn' ich dir so gut, als meine kugel. HIPPEL 1, 261; ich sagte, es gäbe nur zweyerlei leut, brave und schurken. GÖTHE 8, 70; wo ist der schurke? 14, 273 (bürgergen. 7); prinz .. (bricht eine ruthe ab). so sey denn hiemit zum schurken geschlagen. koth! du verdienst nicht, dasz ich meinen degen an dir verunehre. LENZ 1, 99 (Menoza 2, 2); wird er nicht entweder umkehren müssen und sich bessern? oder er wird auch in der groszen schule des elends ein schurke bleiben. SCHILLER 2, 22 (räuber 1, 1 schauspiel); dieser hier ist selbst ein schurke und doch traut er dem ehrlichen gesicht eines andern. 244 (2, 2 trauersp.); er kannte auch den schatten der kraft nicht, die erfordert wird, um nicht ein schurk und ein tropf auf erden zu werden. PESTALOZZI Lienh. u. Gertr. 2, 141; ich wohnte in der strada fratina bei einem der gröszten schurken von Rom, einem advokaten, der einmal sogar den wagen meines sorglosen reisegefährten verkaufen wollte. GRILLPARZER4 15, 89; auf die möglichen grobheiten und handgreiflichkeiten des rothhaarigen schurken drinnen .. baue ich eben meine letzte hoffnung. HEBBEL (1891) 9, 121; der gröszte schurke, den je ein sonnenstrahl beschienen. SCHEFFEL Ekkeh. 154;

was? ruft er; A** hier? wenn mich der könig liebt,
so weis ich, dasz er stracks dem schurken abschied giebt.
         LESSING 1, 33;

ihr aug ist blau, durchstralt die ganze seele,
prägt selbst dem schurken ehrfurcht ein.
         HÖLTY 180 Halm;

und die schurken lasz dem büttel,
und die narren dem geschlecht.
         GÖTHE 3, 172;

mit stichelreden, naserümpfen
soll jeder schurke mich beschimpfen!
         12, 192;

muszt all' die garstigen wörter lindern,
aus sch--kerl schurk, aus -- mach' hintern.
         56, 66;

zum neuen leben ist der todte hier erstanden,
das weisz und glaub ich festiglich.
mich lehren's schon die weisen ahnden,
und schurken überzeugen mich.
         SCHILLER 1, 258;

sey's, wer es will! ein niederträcht'ger bube,
ein höfling musz es seyn ... ein neid'scher schurke,
den meine selbstverdiente würde kränkt.
         12, 259 (Wallenst. tod 2, 6);

denn wenn von ruthen
die narren und die schurken bluten.
         SEUME 1, 33;

vorzüglich sprach ich rund und keck
mit narren und mit schurken.
         213;

es lebt kein schurk' im ganzen Dänemark,
der nicht ein ausgemachter bube wär.
         Shakespeare Hamlet 1, 1;

o welch ein schurk' und niedrer sclav bin ich.
         2, 3;

ein dummkopf bleibt ein dummkopf nur
für sich in feld und haus;
doch wie du ihn zu einflusz bringst,
wird gleich ein schurke draus.
         GRILLPARZER 4 1, 135.

Bd. 15, Sp. 2049

b) 
als name verwendet: mit herrn Schurke war es schon eine bedenklichere sache, er hatte der familie wohl genutzt, wenn es ihm gerade auch nutzte; dagegen ihr auch wieder geschadet, vielleicht zu seinem eignen vortheil. GÖTHE 48, 89 (vorher ist von vetter Schuft die rede).

c) 
in der anrede: Anton ... (haben sie mich zu schicken) etwa in den buchladen? Damis. nein, schurke. Anton. ich musz das schurke so oft hören, dasz ich endlich selbst glauben werde, es sey mein taufname. LESSING 1, 214 (d. j. gelehrte 1, 1); Adrast. (mit einer bittern verachtung) schurke! 400 (freyg. 1, 5);

da liesz er (der kaiser), hoch von grimm entbrannt,
den herold 'nein trompeten (in Weinsberg):
'ihr schurken, komm' ich nein, so wiszt,
soll hängen, was die wand bepiszt!'
         BÜRGER 25b;

von euch schurken keinen spott!
         GÖTHE 13, 104;

ha! ihr schurken wart!
         SCHILLER 1, 345;

gott grüsz dich, Merenberg, du schurk und du verräther!
         GRILLPARZER 4 5, 117 (k. Ottokar 4).

vgl.: herr, einen schurken könnt ihr mich schimpfen, aber den dummkopf verbitt ich. SCHILLER Fiesko 1, 9.

d) 
gern in der fügung schurke von --, z. b. von einem kerl, schurkischer, verdammter kerl, u. ähnl.: schurke von einem wirthe! LESSING 1, 509 (Minna von Barnh. 1, 1); das musz ein schurke von einem soldaten seyn, der ein mädchen anführen kann! 562 (3, 11); da sahst du in einen bach, und da sahst du den albernsten, dummsten, unverschämtesten, langweiligsten, abgeschmacktesten schurken von einem esel, der seit Bileams zeiten jemahls den mund aufgethan hat, nicht wahr? WIELAND 11, 310 (d. Sylvio 4, 2); als nun das pferd fiel und sich überschlug, war der schurke von courier nicht so behend die spitze wegzuwenden. GÖTHE 33, 288; fliehe vor diesem schurken von *** und vor dem bastard seinem sohn, die dir auf alle weise nach dem leben stehen. 316. seltener in unmittelbarer nebeneinanderstellung: Ferdinand .. würden sie vater zu dem schurken sohne seyn wollen, der eine privilegierte bulerin heuratete? präsident. noch mehr. ich würde selbst um sie werben, wenn sie einen fünfziger möchte -- würdest du zu dem schurken vater nicht sohn seyn wollen? SCHILLER kab. u. liebe 1, 7.

e) 
sprichwörter: den schurken und narren gehört die welt, in schurken und narren theilt sich die welt; nimm einen schurken vom galgen, und er wird dich daran hängen; wenn ein schurke vorangeht, folgt bald ein schurke nach, u. a. m., s. WANDER 4, 392.

2) 
im 17. jahrh. wird schurke zuweilen in milderem sinne gesagt von einem trägen oder geizigen menschen, auch mit gänzlicher aufgabe der moralischen beziehung von einem menschen ohne geld und in geringen verhältnissen, armer schlucker, armer teufel, schelm: schurk, m. homo nihili, et contemnendae conditionis, sordidus, ignavus SCHOTTEL 1410; schork, et schurk, propr. agricola, rusticus, sed deinde pro sordido, ignavo, avaro, homine nihili, et contemnendae conditionis haberi coepit STIELER 1768 (vgl. auch KRAMER unter 1); die sönderlinge, so sich mit ihrem natürlichen haar behelffen, .. geben damit nichts anders zu verstehen, als dasz sie arme schurchen seyn, die nit so viel vermögten, ein kal hundert ducaten an ein paar schöne barücken zu verwenden. Simplic. 2, 151, 2 Kurz; wie seine diener ausz betlern und schurcken reiche leute werden. SCHUPPIUS 19. später ist diese verwendung wieder aufgegeben. selten sind sonst freiere gebrauchsweisen, so wenn schurke scherzhaft von einem dinge gesagt wird, z. b. vom wein: der schurk ist auch so glatt. schenk noch einmahl ein. FR. MÜLLER 1, 164.

3) 
besonderheiten.

a) 
bei FISCHART erscheint schurke als name einer münze: die Fuckart von Augspurg schätztens nicht geringer nach specie bestimpter ablosung, als 900. tausent schurckens, 60. tausent Philippisch Klinghart unverruffen, 50000. Peter von Löven, 40000. Arnolds gulden u. s. w. Garg. 120b.

b) 
in Schlesien bedeutet schurk(e) einen tannzapfen, siehe ADELUNG. WEINHOLD 88b: schurke, heiszt nach Meiszners zeugnüsz in Silesia loquente, tann - äpfel, tann - zapfen, squamata nucamenta abietum FRISCH 2, 234c, strobilus NEMNICH.

c) 
schurken heiszen auch wildlinge, wilde birn- und äpfelbäume NEMNICH.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHÜRKELEIN, n.:

das schürkelein, das rackerchen,
vorm feuer dies nuszknackerchen.
         IMMERMANN 13, 89 Hempel.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel 

Bd. 15, Sp. 2050

SCHURKEN, verb. bricconeggiare etc. chiamare, dar del briccone etc. per la testa, trattare da tale. einen schurcken und hundsfüttern, idem KRAMER dict. 2, 684a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKENBAUER, m., vgl. schurke 2: wer nicht ganze halben und stöfe auf einmal aussaufen kann, der ist ein schurkenbauer, der musz hinter der thür sitzen bleiben. quelle des 17. jahrh. bei FRISCHBIER 2, 323b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKENFALLE, f. von einem schurken gestellte falle. K. LESSING schausp. 364.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKENFORDERUNG, f.: so hoch schwindelte eure schurken-forderung nie? SCHILLER räuber 5, 7 trauerspiel.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKENLEIB, m.:

willst du das messer durch den schurkenleib?
         KÖRNER 3, 299 Fischer (Hedwig 3, 5).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKENPACK, n.:

ich will euch, schurkenpack!
         LUDWIG 3, 213.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKENPLAN, m.: gott und die menschen verzeihn dem nicht, der die heilige unschuld zu schurkenplänen miszbraucht. LUDWIG 3, 748.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKENRECHT, n.:

wer jetzt noch bleibt, der musz ein schurke sein.
ich ... bin ein schurk. nun hab' ich schurkenrecht!
denn auch ein schurk' hat recht. er kann nicht mehr
zurück, drum musz er vorwärts.
         HEBBEL 1, 133 (Genov. 3, 10).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKENSEELE, f.:

ha, rief er grimmig, ha ihr schurkenseelen!
die kaiserin schickt uns zum sieg
um ehre zu erfechten in den krieg;
und ihr, ihr schändet euch durch morden und durch stehlen.
         SEUME 5, 174;

indessen brütete die schurkenseele
dir einen plan, der mich banditen rot macht.
         KÖRNER 3, 286 Fischer (Hedwig 2, 13).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKENSOHN, m.: weil vielleicht im hundert und zweyten (jahre) ein schurken-sohn aus uns selber auch ein bauernschinder abgeben könnte. PESTALOZZI Lienh. u. Gertr. 3, 268.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKENSTREICH, m. schurkischer streich, nichtswürdige handlung CAMPE: ich will das nicht rügen, sprach der braune, dasz sie fremde arbeit für die ihrige ausgeben, denn der schurkenstreich ist zu alltäglich. Siegfr. von Lindenb.4 4, 324; so müssen wir armen teufel nun tag und nacht herumreiten, um das herz und die einbildungskraft dieses oder jenes elenden zu einem so genannten schurkenstreich zu reitzen. KLINGER 3, 60; den lesern (Schlossers) blieb der trostlose eindruck, als ob die vielgestaltige herrlichkeit der geschichte nur ein ödes einerlei glücklicher schurkenstreiche wäre. TREITSCHKE d. gesch. 3, 697.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKENTHAT, f.:

was wär das eine schurkenthat gewesen,
das fräulein morden, das ein engel ist.
         LUDWIG 3, 195.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKEREI, f. miseria, furfanteria, bricconeria, vigliaccheria, gagliofferia etc. das ist schurkerey. KRAMER diction. 2, 684a, avaritia, sordities STIELER 1768, handlung oder handlungsweise eines schurken. CAMPE, jetzt nur in der stärkern bedeutung von nichtswürdigkeit, verworfenheit und ähnl.: diesz schwenzeln, diese allheit und leerheit, diese rechtliche schurkerey, diese unfähigkeit (bei Rosenkranz und Güldenstern). GÖTHE 19, 167; ich halte dich an deiner eigenen schurkerei, wie den schröter am faden. SCHILLER kab. u. liebe 1, 5; ob das nun unverständiges benehmen, die drucklegung zu fördern, oder schurkerei war, weisz ich nicht. GRILLPARZER4 15, 164; der erste feindliche zusammenstosz der Germanen und Römer wird durch schurkerei eines Römers herbeigeführt. FREYTAG bilder 1, 41;

die schurkerey des patriarchen .. hat mich
des nächsten weges wieder zu mir selbst
gebracht.
         LESSING 2, 340 (Nathan 5, 5).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKHEIT, f. das schurkesein (gewöhnlicher wäre schurkenhaftigkeit): Knellius ... bei was soll ich denn schwören? herz. bei deiner eigenen schurkheit, hörst? FR. MÜLLER Fausts leben s. 69, 10 neudruck.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURKISCH, adj., schurckisch, rasponesco etc. it. bricconesco, furfantesco, birbantesco, guidonesco etc. schurkischer kerl, un huomo bricconesco. das ist schurckisch gehandelt. KRAMER diction. 2, 684a; vilissime, sordide STIELER 1788; einem schurken gemäsz CAMPE, verworfen, nichtswürdig. von menschen: was mich in dieser besorgnisz bestärkt, ist mein schurkischer bediente, den ich endlich wegen hundert lüderlichen und infamen streichen zum teufel jagen müssen. LESSING 12, 363;

Bd. 15, Sp. 2051



wie? so unnatürlich schurkisch wird
er doch nicht seyn?
         GRABBE 1, 274;

fehlt der schurkische genosz
jetzt mit dem räucherpulver?
         HEBBEL 3, 182 (rubin 2, 5).

von handlungen: es wäre denn, dasz er sich das gute zuschreiben wollte, welches glücklicher weise aus seinem schurkischen betragen entstanden. LESSING 1, 551 (Minna v. Barnh. 3, 5); das ist ein schurkischer streich, darüber du ohrfeigen verdient hättest von einem hundsfutt. GÖTHE 57, 198. in freierer verwendung von dingen, verwünscht, verteufelt: dasz der henker den schurkischen namen holen wolle! LESSING 1, 497 (schatz 11); aber der kopf ist mir über meine schurkischen umstände vollends noch so wüste geworden, dasz ich kaum mehr weisz, was ich schreibe. 12, 269. so auch adverbial: überhaupt geht mir's heut nacht so schurkisch. GÖTHE 57, 186.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHÜRKNECHT, m. im hüttenbau ein gehilfe des abtreibers JACOBSSON 4, 65b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHÜRKNITTEL, m.: wenn das geschieht, so bist du ein höllenbrand und schürknittel des höllischen feuers. BÖHME Aurora (1835) 138, 43.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHÜRL, m.

1) 
s. schörl sp. 1578: schürl, s. schierl, eine schwarze berg-art, oder falsches erz, siehet dem zwitter oder zien-stein ähnlich, ist demselben aber im brenn-ofen schädlich, wann sie unter demselben bleibt, dann sie raubt im feur, gibt viel schlaken, und macht das zien hart und weiszfleckig. FRISCH 2, 234c; so findet sich auch das gediegene gold in unserm Schlesien in dem sande einiger flüsse körnicht und flämmicht, bey welchem gemeiniglich ein schwerer schurl oder 'Wolffram' gewaschen wird. VOLKMANN Silesia subterranea (Leipz. 1720) 209, s. zeitschr. f. d. phil. 20, 48 9; was nicht gediegen und rein ist, sondern mit vielem stein und arsenicalischen teilen vermischt, hat den nahmen Wolffram oder schurell. 224.

2) 
mundartliches. a) in Tirol schürl, m. rührlöffel SCHÖPF 653. b) tschûrl, m. krauskopf; tschûrlkopf, auch eine grasart auf hochalpen HINTNER 47. c) ferner tschurl, tschorl, f. entehrtes mädchen, tschurlkind, uneheliches kind. 48. SCHÖPF 770.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURLEN, verb. pissen, mundartliches, besonders kinderwort, nur im deutschen südosten, so in Tirol schurlen, tschurln SCHÖPF 653, vgl. HINTNER 49, in Kärnten tschûrln, a~ tschûrl machn LEXER 227. SCHÖPF 770, schles. schurlen FROMMANN 4, 184, erzgebirgisch schulrn, tschuln, tschorln GÖPFERT 42, nordböhm. tschureln, tschoreln FROMMANN 2, 239, siebenb. (t)schureln, von rieselndem wasser überhaupt, z. b. beim regen KRAMER 122, in der Zips schirlen SCHRÖER 201a, vgl. auch schirlen sp. 208: hat ein besenbinder bei seiner träuung in die hosen geschurlt. quelle bei FROMMANN 4, 184. vielleicht lehnwort aus dem slav., vgl. cech. čurati?, oder lautmalende bildung? für ersteres spricht das verbreitungsgebiet. -- ein anderes schurrlen findet sich in der Schweiz in dem sinne 'mit übereilung und ohne ordnung etwas thun', s. STALDER 2, 355.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHÜRLETZ,SCHÜRLITZ, m. name eines zeugstoffes und eines kleidungsstückes aus demselben. in der ältern sprache: ahd. scurliz, postcamisia, peripetasmatis; scorlez, palludamentum, sarochium; schurliz, subticula, subucula GRAFF 6, 545; mhd. schürliz, -tz, schurliz LEXER handwb. 2, 829, subucula, scurlitz, est camisia, quae sub alba induitur. glosse bei SCHERZ-OBERLIN 1456; mnd. schorlisse, scorlitze, schurlitz, auch als bezeichnung eines alten weibes SCHILLER-LÜBBEN 4, 120a, schorlitze 6, 255b: paludamentum .. scorlez DIEF. gloss. 408a, peripetasma .. scurliz 427a, postcamisia 449b, subuncula scurlitz, schurlitz, schurtzduch 562c, schürlitz nov. gloss. 353b; gewöhnlich als lehnwort aus mittellat. scorlitium (= superpellicium DU CANGE 7, 666c) erklärt, doch ist die herkunft dieses letzteren nicht klar (entstehung aus superpellicium kaum denkbar) und die bezeugung äuszerst dürftig, sodasz man angesichts der weiten verbreitung des wortes im deutschen und des fehlens in den romanischen sprachen eher entlehnung in umgekehrter richtung annehmen wird. was die bedeutung angeht, so war nach A. SCHULTZ höf. leben2 1, 258 der schürliz eine art unterrock, bei bauerfrauen eine mit schafpelz gefütterte jacke 330, vgl. indes zeitschrift für d. phil. 24, 530. im nhd. wird das wort von den ältern wörterbüchern noch häufig verzeichnet: schürletz (der) barchet und alles so baum wullin ist, xylinum. MAALER 362c; schurlitz, xylinum, alles was baumwollicht. SCHOTTEL 1411; schurlitz, der, sic appellatur omne xylinum, alles was baumwollicht ist, utpote focalia è gossipio texta, ac collaria, xylina. STIELER 1943; schürletz, barchet, xylinum DENTZLER 2, 257a, vgl. auch FRISCH

Bd. 15, Sp. 2052

2, 235a; bei LUTHER steht die schurlitz (schürlitz) Jes. 3, 23 als variante zu die koller (eigentlich: die leinenen unterkleider), s. BINDSEIL-NIEM. 4, 7; schurczlicz quelle vom j. 1520 bei SCHM. 2, 461, vgl. auch SCHÖPF 653 (schirlitz). -- dazu die zusammensetzungen: schürlitzgeld, n.
geld, das an stelle eines schürlitzes als preis bei schützenfesten gegeben wird, in Bern, s. ROCHHOLZ, zeitschr. f. d. phil. 1, 462; s c h ü r l i t z t u c h , n.: ein halb schwarz schürlitztuch unter den preisen des Züricher freischieszens von 1465, s. ebenda; schurliztuch s. BIRLINGER 404a; dasz unser lieb herren schultheisz und rat zu Sursee dise nachbenempten aventüren uszgeben wellend ... darumb ze schiessende, mit namen einen ochsen ... ein gantz schürletztuch. TSCHUDI 2, 563a (beschreibung eines gesellenschieszens vom jahre 1452), vgl. FRISCH 2, 235a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHÜRLING, m., ableitung zu scheren, vergl. schörling sp. 1578.

1) 
beschorener, verächtliche bezeichnung eines pfaffen, s. schörling: wie die schürlinge bisher auch gethan, sampt dem gantzen bapstum. LUTHER 5, 182b; darin wird uns Christus beistehen, und sein werck in uns, wider den trotz aller teufel, pletting und schürling hinaus füren, amen. 6, 324a; was nur ein jglicher unverschampter schürling oder pletting hat dürffen furgeben. 8, 289b; dagegen machet (er, der pabst?) seine schürling, die da kappen und platten tragen, die müssen mit jren orden und müncherey der welt helffen. 305b;

ach vater bapst sih darein,
und lasz dich das erbarmen:
dasz wir pfaffen und schürling dein,
so plötzlich müssn verarmen.
         SOLTAU hist. volksl. s. 463 (nr. 74 vom j. 1622).

2) 
bei den kürschnern schaffelle nach der schur JACOBSSON 7, 280a; dafür s c h ü r l i n g - f e l l e , schaffelle die nach der schur noch keine rechte wolle haben. FRISCH 2, 167c, vergl. SCHERZ - OBERLIN 1456. SCHM. 2, 461; dem kürsner von ainem schürling- und flämischen fell zu wurchen IV. dn. Scheirer dienstordn. von 1500, s. ebenda.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHÜRLITZ, s. schürletz.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHÜRLOCH, n. foramen furni per quod accenditur et lignis nutritur ignis., ofenloch, das feur anzumachen und zuschüren. FRISCH 2, 234c, vgl. ADELUNG, so auch als technischer ausdruck: bei flammöfen die öffnung, wodurch das brennmaterial auf den rost geworfen wird SCHEUCHENSTUEL 219; mundloch im brennofen; öffnung am treibeheerd, wodurch das holz eingeschoben wird; öffnung im siede- oder schwefelofen über dem aschloche zu gleichem zwecke JACOBSSON 4, 66a; öffnung bei ziegelöfen, sowie auch der lange und schmale gang, der zu dieser öffnung führt, auch feuerloch genannt. 7, 280a, bei kienruszöfen BEHLEN 4, 189.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHÜRLOHN, m. lohn des schürknechts für seine arbeit. JACOBSSON 7, 280a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURM, m. für schirm, s. daselbst I, 1, sp. 208; als jagdausdruck, s. II, 2, b, α (sp. 210): folgends wurde alsobald das holtz mit garn und tüchern umstellet, die stellung angerichtet, die hunde in ihren gewöhnlichen schürmen verwahret, die wild- und jägermeister zugegen. SCHOCH krieg- und friedens schäferey J 25 (hier vielleicht nur mundartliche aussprache für schirmen). -- tirolisch schurm, m. übereilter mensch; schurm (= schurmen), verb. übereilt handeln HINTNER 217. vgl. schurrimurri 1.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURMAUS, f. maulwurf, vgl. schermaus (theil 8, 2590) und schormaus (sp. 1578): oder (man) sol jm (dem rosz) die kleinen schrollen erden, welche ein spitz, oder schurmaus vorgraben einflöszen. ZECHENDORFER von gebrechen der rosz (1571) 1, 95.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURMIST, m., vgl. schormist (sp. 1578): darnach schütte man seinen alten verwesenen schurmist, den man von den gassen über einen hauffen geführet hat, und hat ihn also auffeinander verwesen lassen, dieser verwesener schurmist ist der allerbeste mist zu den bäumen. alter verwesener und fein kleiner kühemist ist auch gut dazu, aber der schurmist ist noch besser. COLER hausb. (1680) 1, 221a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHURMUND, m., aus nl. scheurmond, nebenform zu scharbock, vgl. daselbst (th. 8, 2177 f.): es habens auch etliche den schurmund genenet, weil putrefaction den mund und das zahnfleisch beschädiget hat. COLER hausb. (1680) 2, 138b.
 

 
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