Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971.
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HERB
HERBANNENv.
HERBE
HERBEf.
HERBEIadv.
HERBEICHTENv.
HERBEIEILUNGf.
HERBEIFÜHRUNGf.
HERBEIHOLUNGf.
HERBEIKUNFTf.
HERBEINÄHERUNGf.
HERBEINAHUNGf.
HERBEIRÜCKUNGf.
HERBEIRUFUNGf.
HERBEISCHAFFUNGf.
HERBEITREIBUNGf.
HERBEIZIEHUNGf.
HERBEIZUGm.
HERBENv.
HERBEREDENv.
HERBERGEf.
HERBERGENv.
HERBERGERm.
HERBERGERINf.
HERBERGFREIadj.
HERBERGIERENv.
HERBERGIERERm.
HERBERGLEUTE
HERBERGMANNm.
HERBERGS-m.
HERBERGSMUTTERf.
HERBERGSWEISEadv.
HERBERGUNGf.
HERBERGVATERm.
HERBESTELLENv.
HERBETENv.
HERBHEITf.
HERBICHTadj.
HERBIGadj.
HERBIGKEITf.
HERBLASENv.
HERBLICHadj.
HERBLICKENv.
HERBLINGm.
HERBORGENv.
HERBRAUSENv.
HERBRECHENv.
HERBREITENv.
HERBRINGENv.
HERBRINGENn.
HERBRUMMELNv.
HERBRUMMENv.
HERBSTm.
HERBSTABENDm.
HERBSTAPFELm.
HERBSTARBEITf.
HERBSTARRESTm.
HERBSTAUFENTHALTm.
HERBSTBEDEf.
HERBSTBIRNEf.
HERBSTBLUMEf.
HERBSTBRIEFm.
HERBSTBUTTEf.
HERBSTBUTTERf.
HERBSTDINGn.
HERBSTDURCHSCHÜTTERT
HERBSTEISn.
HERBSTELNv.
HERBSTELSPIELn.
HERBSTENv.
HERBSTENTEf.
HERBSTENZIANm.
HERBSTERm.
HERBSTERTRAGm.
HERBSTESANFANGm.
HERBSTESDÄMMERUNGf.
HERBSTESLUFTf.
HERBSTESTRAUERf.
HERBSTFADENm.
HERBSTFARBEf.
HERBSTFEIGEf.
HERBSTFELLn.
HERBSTFERIEN
HERBSTFIEBERn.
HERBSTFLIEGEf.
HERBSTFLORm.
HERBSTFROSTm.
HERBSTGARBEf.
HERBSTGEDINGn.
HERBSTGELBadj.
HERBSTGERICHTn.
HERBSTGERSTEf.
HERBSTGESCHIRRn.
HERBSTGESTIRNn.
HERBSTGEWÄSSERn.
HERBSTGEWÖLKn.
HERBSTGRASn.
HERBSTGRÜNadj.
HERBSTHAFTadj.
HERBSTHERDm.
HERBSTHEU
HERBSTHITZEf.
HERBSTHUHNn.
HERBSTHYAZINTHEf.
HERBSTIGadj.
HERBSTKÄLTEf.
HERBSTKARCHm.
HERBSTKÄSEm.
HERBSTKLEIDn.
HERBSTKNECHTm.
HERBSTKORNBLUMEf.
HERBSTLAMMn.
HERBSTLANDSCHAFTf.
HERBSTLICHadj.
HERBSTLIEDn.
HERBSTLINGm.
HERBSTLÖWENZAHNm.
HERBSTLUFTf.
HERBSTLÜFTCHENn.
HERBSTLÜMMELm.
HERBSTLUSTf.
HERBSTMARKTm.
HERBSTMAST
HERBSTMASTUNGf.
HERBSTMÄSZIGadj.
HERBSTMELLINn.
HERBSTMESSE
HERBSTMILCHf.
HERBSTMONATm.
HERBSTMOND
HERBSTMORCHELf.
HERBSTMORGENm.
HERBSTMOSTIGadj.
HERBSTMUSn.
HERBSTNACHTf.
HERBSTNACHTGLEICHEf.
HERBSTNACHTIGALLf.
HERBSTNACHTSTURMm.
HERBSTNARZISSEf.
HERBSTNÄSSEf.
HERBSTNEBELm.
HERBSTOBSTn.
HERBSTORDNUNGf.
HERBSTPAPPELf.
HERBSTPFIRSICHm.
HERBSTPFLANZEf.
HERBSTPUNKTm.
HERBSTRAHMm.
HERBSTRECHNUNGf.
HERBSTRECHTn.
HERBSTROSEf.
HERBSTRÖTHEf.
HERBSTRÜBEf.
HERBSTSAFRANm.
HERBSTSATZm.
HERBSTSCHEIN
HERBSTSCHLEHEf.
HERBSTSCHNITTm.
HERBSTSCHREIBERm.
HERBSTSEMSEf.
HERBSTSITTEf.
HERBSTSONNEf.
HERBSTSPRUCHm.
HERBSTSTAARm.
HERBSTSTANDm.
HERBSTSTEUERf.
HERBSTSTILLadj.
HERBSTSTIMMEf.
HERBSTSTIMMUNGf.
HERBSTSTUMMadj.
HERBSTSTURMm.
HERBSTTAGm.
HERBSTTEIDINGn.
HERBSTTRÜFFELf.
HERBSTUMWÖLKT
HERBSTVEILCHENn.
HERBSTVERKÜNDEND
HERBSTVERWALTERm.
HERBSTWEIDEf.
HERBSTWETTERn.
HERBSTWIESEf.
HERBSTWINDm.
HERBSTWITTERUNGf.
HERBSTZAUNm.
HERBSTZEICHENn.
HERBSTZEITf.
HERBSTZEITLOSEf.
  HERB  -  HERBERGS-, m.   (Band 10, Spalten 1054 - 1064 )  
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERB,HERBE, adj. und adv., acerbus, acerbe.
    Das seit dem
12. jahrh. als haru, flectiert harewêr (GRAFF 4, 1043), später als harewe, harwe, herwe (mhd. wb. 1, 635b), hare, har, here und her (LEXER wb. 1, 1183) gebräuchliche adjectiv hat die grundbedeutung schneidend, beiszend, und gehört, wie bereits SCHM. 2, 235 hervorhebt, zu der unter haaren schärfen sp. 27 angezogenen gruppe wurzelhaft verwandter wörter. der ableitende consonant w verhärtet sich bereits seit dem 14. jahr. in b: mit herbem wein. MEGENBERG 355, 16; acerbus herbe DIEF. 9a (15. jahrh.), daneben erhaltung des ursprünglichen wurzelvocals:

der magen leichtlich nimpt ein scheü
ab grober kost und harbem trank.
         H. FOLZ in den fastn. sp. 1265.

für altes herwe, herbe ist die form härg bairisch (SCHM. 2, 237); dagegen beruht eine von LESSING 11, 625 aus BRANTS narrensch. 85, 37 (nicht 84) beigebrachte form herr, die durch assimilation entstanden sein müste, nur auf einem druck- oder lesefehler für hert, hart.
    herbe wird gesagt

1) 
von stechenden thieren und ihrer waffe: eჳ (das einhorn) ist gar scharpf und härwe, alsô daჳ eჳ kain jäger gevâhen mag mit gewalt. MEGENBERG 161, 22; härber hurnausz, crabro asper. MAALER 205d;

indem sticht mich die schlange herb,
das ich mit meiner list verderb.
         B. WALDIS Esop 1, 54, 13.

daran angeschlossen in neueren quellen vom schneidenden geschosse, zunächst das griech. πικρος wiedergebend:

dasz du den herben pfeil mir aus der schulter herausziehst.
         STOLBERG 11, 149 (πικρον οιστον Il. 5, 110);

sprachs, und Antinoos drauf erzielt er mit herbem geschosse.
         Odyssee 22, 8;

dann auf die anderen auch entsendet er herbe geschosse.
         24, 180;

nur jetzt noch halte fest, du treuer strang,
der mir so oft den herben pfeil beflügelt.
         SCHILLER Tell 4, 3.

2) 
in bezug auf das gefühl, scharf, schneidend: mhd.

iჳ sint zuei jâr [...]
daჳ ane gie diser hunger harewêr.
         genesis, fundgr. 2, 69, 39;

der lag still drei tag, und waჳ herbs weter. d. städtechron. 4, 185, 15; herber wind, ventus austerus. STIELER 828;

laut wehklagen sie dir, vor angst noch herberes hungers.
         VOSS 2, 54.

3) 
in bezug auf den geschmack, beiszend, zusammenziehend, scharf, sauer: man schol eჳ (aloe) geben mit herbem wein oder mit wermuotsaf. MEGENBERG 355, 16; bitteres und herbes obst, amarum et acerbum pomum. STEINBACH 1, 738; ein herber geschmack, sapor adstringens, amarus cum adstrictione. STIELER 828; die frucht vom wilden birnbaum, welche zwar wie eine andere birn aussieht, aber klein, und eines ... strengen, harten und herben geschmacks ist. öcon. lex. (1731) 1062; aber was gehen mich bleisüsze Franze an (es ist von weinen die rede), wenn ich meine guten herben Deutschen haben kann, welche das leben eben so sehr verlängern, als versäuern. J. PAUL komet 3, 143;

mir mundet wein, der etwas herb.
         RÜCKERT 366.

von hier aus in einem bilde:

wie herb das fliehen schmecke, noch hatt ers nie vermerkt.
         UHLAND ged. 360.

herb von etwas unreifem: herb, unzeitig, acerbus. DASYP.; und danach ebenfalls bildlich:

auch ich, ich lasse mir zuweilen träumen,
dasz ... mein lorbeer einst noch ... keimt.
doch warlich nicht, weil ihr, oft herbe lieder,
im wahn des sängers süszer wärt;
ich schlage gern beschämt die augen nieder,
wenn euch das ohr des gröszern meisters hört.
         GÖKINGK 3, 116;

Bd. 10, Sp. 1055

in ähnlichem sinne das folgende: Schröder hat an diesen dingen (englischen lustspielen) mehr gethan als man gewöhnlich weisz; er hat sie von grund aus verändert, dem deutschen sinne angeähnlicht, und sie möglichst gemildert. es bleibt ihnen aber immer ein herber kern, weil der scherz gar oft auf mishandlung von personen beruht, sie mögen es verdienen oder nicht. GÖTHE 26, 197. -- herb von zusammenziehenden medicamenten: härb zesamen tringende, verschoppende, stipticus. MAALER 205d.

4) 
herb, in bezug auf den geruch:

und floszfüszige robben der lieblichen Halosydne
ruhn in schaaren umher, den graulichen fluthen entstiegen,
herbe gerüch (πικρον οδμην
) aushauchend des unergründlichen
meeres.
         Odyss. 4, 406.

5) 
herb, wird seit alter zeit in mehrfacher beziehung übertragen gebraucht.

a) 
von einem feind, gegner, ungerechtem verfolger: härb, rauch, unfreündtlich, rauw, geitig, tetricus, austerus, asper, restrictus, saevus. MAALER 205d;

die wůcherer füren wild gewärb,
den armen sint sie ruch und härb,
nit achtens, das all welt verdärb.
         BRANT narrensch. 93, überschr.;

o ihr götter, wie seit ihr so herb!
gebt zu, das ein frumbs mensch verderb,
und last dargegn die bösen lebn.
         AYRER 66d (346, 11 Keller);

in Baiern härb sein auf einen, böse sein, einen härb machen, zornig machen, blitzhärb, jähzornig. SCHM. 2, 235; in Kärnthen harb erbittert, aufgebracht. LEXER 139; ebenso in Oberösterreich. FROMM. 3, 185, überhaupt in dem gesammten bairischen sprachgebiete; in Tirol hat sich auszerdem die nebenbedeutung rasch beim arbeiten entwickelt. FROMM. 6, 145. -- herb in adverbialer stellung: herbe mit einem ümgehen, vehementem se in aliquem praebere. STIELER 828;

sie halten, herr, dein volk sehr herbe,
und drucken dir dein liebes erbe.
         OPITZ psalmen s. 179 (
         ps. 94, 3).

die neuere sprache hat den sinn von herb gemildert, es bedeutet nur kalt zurückweisend, in strenger art ablehnend: zwei töchter, Olivie, schön und mehr nach auszen, Sophie, reizend und mehr nach innen gesinnt; einen fleiszigen, dem vater nacheifernden etwas herben sohn, Moses, will ich zu nennen nicht unterlassen. GÖTHE 25, 337; in einer solchen zarten umgebung wär es nicht möglich gewesen herb oder unfreundlich zu sein, im gegentheil fühlt ich mich wilder als seit langer zeit. 30, 248; ganz neu ist der gebrauch von herbe in bezug auf strenge, nicht weiche kunstformen, wo sich der sinn des wortes mit der bildlichen verwendung der bedeutung oben no. 3 (sp. 1054) berührt: er hätte ihr kaum sechzehn (jahre) gegeben, so schüchtern war noch der wuchs in allen umrissen, so kindlich herbe die wange und der blasse mund. P. HEYSE novellen 5 (1864) s. 168.

b) 
von worten, fragen, urtheilen, vorstellungen als ausflusz kalter, feindlicher oder strenger gesinnung: strafet der pfarrherr in einer predigt mit viel herben worten seine bawren. KIRCHHOF wendunm. 438b; herbe worte, verba acerba. FRISCH 1, 443c; indem Cenie ihre mutter erkennet, ruft sie: 'frau mutter! o welch ein süszer name!' der name mutter ist süsz; aber frau mutter ist wahrer honig mit citronensaft! der herbe titel zieht das ganze, der empfindung sich öffnende herz wieder zusammen. LESSING 7, 90; Clelia wurde immer erbitterter. ich würde mich tief gedemüthigt fühlen durch einen gatten so hoch über meinem stande, sagte sie herb und schneidend. IMMERMANN Münchh. 4, 134; es ziemt uns noch weniger, über seine (Luthers) fehler ein herbes urtheil zu fällen. H. HEINE 5, 79; wenn ich etwas herbe von den gegnern Göthes gesprochen habe, so dürfte ich noch viel herberes von seinen apologisten sagen. 6, 90;

ach herr, die frag ist streng und herb.
         J. AYRER 360b (1805, 31 Keller);

wetteifernd höhnt mit herbem spotte
den eingebrachten fang die rachbegierge rotte.
         SCHILLER zerstör. von Troja str. 11;

also spräche das volk und es wäre mir herbe beschimpfung.
         Odyssee 6, 285.

auch vom gesicht, als herbe empfindungen wiederspiegelnd: ein herbes und saures gesicht. pers. baumg. 4, 5;

he! lustig, alter! kein
so herb gesicht zu solcher freudenbotschaft!
         SCHILLER Wallensteins tod 4, 7.

Bd. 10, Sp. 1056

c) 
herb, streng, bitter, in bezug auf zeiten, schicksale, ereignisse, thaten die an uns heran treten: derselbig hat von der herben zeit, so der kranke priester hat, auch hören sagen. WICKRAM rollw. 97; legte mich derowegen wieder ins bette, wiewol ich nicht schlafen konte, mit sorg und angst erwartende, wie mir diese herbe nacht gedeien würde. Simpl. 2, 203 Kurz; es ist ohne das jetzt so eine herbe zeit, in deren die liebe frucht und das viehe nichts gilt. 3, 319; nichts herber ist, als seinem feind zu fusz fallen, nihil molestius est, quam hosti supplicare. STIELER 828; allein die gräuelthat brachte ihm herben lohn. DAHLMANN dän. gesch. 1, 437;

auch diesen stosz (des schicksals), den herben,
verrückst du aus dem ziel:
es läszt sich nicht so sterben,
als wie der würger will.
         FLEMING 388, 13 Lappenb.;

ich weisz, o herr, dein auge flieszt
bei diesem herben angedenken (eines todesfalls).
         GÜNTHER 146;

nun ists geschehn! dir hat ein herber streich
das schöne lebensglück entrissen.
         GÖTHE 47, 176;

nicht wahrlich guter wille stellte dich,
dich stellte das gesetz der herben noth
an diesen platz, den man dir gern verweigert.
         SCHILLER Wallensteins tod 1, 7;

vergessen ist all die herbe pein.
         KOTZEBUE dram. sp. 1, 301;

dasz er kunde der freund' ansagt und das herbe verhängnis.
         Odyssee 10, 245;

die seinen tod so herb empfunden,
sie sanken alle selbst hinab.
         UHLAND ged. 244;

schon sieben jahre mit herben,
qualvollen gebresten wälz ich mich
am boden, und kann nicht sterben!
         H. HEINE 18, 310.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBANNEN, verb.:

das posthorn,
jenes, das mit geheimnisvoller windung, ...
allzumal, was in Deutschlands räumen aufsproszt
von undichtrischem aberwiz und unsinn,
mir herbannt!
         VOSS 3, 110.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBE, f. herbheit: härbe, reüche, austeritas, asperitas. MAALER 205d; erstlich pocht die herbe, und die hitze macht in dem pochen einen klang. J. BÖHME Aurora (Stuttg. 1835) 143.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEI, adv. in die nähe eines sprechenden.
    Ein ahd.
hera bî, mhd. her bî ist nicht belegt. zurückgang der form zu erbei wird theil 3, 713 nachgewiesen. wie sich zu herab, heran, herauf, heraus die gegensätze hinab, hinan, hinauf, hinaus gebildet haben, so hat auch die ältere sprache zu herbei gegensätzlich ein hinbei (s. d.) entwickelt, das in der modernen sprache jedoch verkümmert ist.
    herbei ist von hierbei (s. d.) dem sinne nach allgemein so unterschieden, dasz das erstere die bewegung in die nähe eines sprechenden, das letztere ruhe in der umgebung desselben zeichnet; doch kommt herbei für hierbei vor, wobei das zu her 7 sp. 1003 bemerkte zu berücksichtigen ist:

ein pollwerk znechst der burg herbei
ist weit und gwaltig aufgepawt.
         SCHMELZL lobspr. 102.

die bedeutung von herbei ist eine örtliche, die leicht ins abstracte verläuft, und eine zeitliche.

1) 
örtlich mit verben der bewegung, auch mit sein, das den endpunkt der bewegung zeichnet (wie bei her sein, vgl. sp. 1000): thut busze, es wird nahe erbei sein das himelreich. LUTHER 1, 48a. die verben werden in dringlicher rede unterdrückt:

der feind ist da! die schlacht beginnt!
wohlauf zum sieg herbei!
         KLOPSTOCK 1, 62;

herbei, ihr männer, gute leute, helft!
gewalt! gewalt! sie führen ihn gefangen!
         SCHILLER Tell 3, 3;

kocht des kupfers brei!
schnell das zinn herbei!
         glocke v. 26.

ausgang und richtung der bewegung bestimmen praepositionen näher: von fernen landen herbei kommen; aus der nähe herbei eilen; kompt er bei fur den herrn. 2 Mos. 16, 9.
    Solche verben der bewegung, des strebens und befehls sind:
    b a n n e n : bei einem neuen lustgebäude .. ist das haupterfordernis schatten, welcher nicht sogleich herbeigebannt werden kann. GÖTHE 31, 162.
    b e r u f e n :

wen darfst du nicht herbeiberufen?
         GÖTHE 12, 257.
    b e s c h w ö r e n :

als herzog Friedland ....
herbei auf éinen sammelplatz beschwor
den Rheingraf, Bernhard, Banner, Oxenstirn.
         SCHILLER Piccol. 2, 7.

Bd. 10, Sp. 1057


    b e t e n : können die frommen sich das venerabile von bundert und mehreren schritten herbeibeten. IMMERMANN Münchh. 1, 98.
    b l i c k e n :

blickt aus eurem sonnenscheine
mir den hellen trost herbei.
         MILLER Siegw. 589.
    b r i n g e n : beute herbeibringen, praedam adferre. HEDERICH 1256; der knabe wurde herbeigebracht. GÖTHE 18, 300;

herrliche gaben bescherend erscheinen sie: Ceres vor allen
bringet des pfluges geschenk, Hermes den anker herbei.
         SCHILLER spazierg. v. 82.
    d r ä n g e n : jedermann drängte sich herbei, den vortrefflichen fürsten zu sehen. GÖTHE 18, 282; glaubten sie nun wirklich, eigentlich um ihretwillen dränge sich die grosze versammlung herbei. 283;

ein jeder drängte sich herbei,
hier gab es keine faule.
         47, 224.
    d r i n g e n : als jeder herbeidrang, um die lange vermiszten zu sehen. KLINGER 8, 124;

von norden dringt der scharfe geisterzahn
auf dich herbei, mit pfeilgespitzten zungen.
         GÖTHE 12, 61.
    e i l e n : herbeieilen, approperare. HEDERICH 1257;

giebel an giebel steigt, der räumige porticus öffnet
seine hallen, o eilt, ihn zu beleben, herbei!
         SCHILLER Pompeji u. Hercul. v. 8.
    f a h r e n : auf einem wagen herbeifahren, curru advehi. HEDERICH 1257; mit dem schiffe herbei fahren, nave advehi. STEINBACH 1, 400. für schnell sich herzu bewegen: Luciane kam herbeigefahren und fragte: wovon ist die rede? GÖTHE 17, 235.
    f i n d e n , reflexiv:

welcher gern newe zeitung hört,
und seltzame geschicht erfehrt,
derselbig finde sich herbei.
         mückenkr. 1, 3.
    f l e h e n : dasz der unglückliche den tod als das ende seiner leiden herbeiflehet. ergänzungsblätter zur Jen. litt.-zeitung 1840 no. 7, s. 50.
    f l i e g e n : herbeifliegen, advolare. STIELER 512; bildlich:

ich höre Orleans bedroht, ich fliege
herbei aus der entlegnen Normandie.
         SCHILLER jungfrau 1, 1.
    f l i e s z e n : herbeiflieszen, adfluere. HEDERICH 1257; bildlich für herbeiziehen, vergl. unten herbei strömen: es dauerte nicht lange, so kamen von verschiedenen gegenden mehrere schauspieler herbeigeflossen. GÖTHE 18, 249.
    f o r s c h e n : das auge der liebe forscht euch herbei. FR. MÜLLER 1, 6.
    f ü h r e n : einen vor die augen herbei führen, ante oculos aliquem adducere. STEINBACH 1, 391; grosze menge korn herbei führen, magnum numerum frumenti advehere. das.; der unglücksfall ward durch die fahrlässigkeit eines angestellten herbeigeführt; ein mittel um den schlaf herbei zu führen.
    g a u k e l n : dann hatte ich zu Paris von einem teutschen taschenspieler artliche stücklein mit der karten zu üben gelernet, damit ich die leute herbei gaukeln und aufhalten konte. Simpl. 1, 386 Kurz.
    g e h e n : zu etwas herbeigehen, accedere ad aliquid. HEDERICH 1257.
    h ä k e l n : herbeihäkelen, attrahere, adhamare. STIELER 731.
    h e r s c h e n :

sein antlitz glüht vor ehrbegier,
und herrscht den sieg herbei!
         KLOPSTOCK 1, 62.
    h e x e n : dieses memoire ists, das so vortrefflich sein soll, und das er irgendwo musz herbeigehext haben, -- denn gemacht hat ers nicht. SCHILLER parasit 4, 7.
    h o l e n : dasz sie ... ihn gleichsam genöthigt habe, ein glas limonade herbeizuholen. GÖTHE 18, 95; nachdem der junge mann ... ein schreibzeug herbeigeholt hatte. 24, 269; der arzt wird schnell herbei geholt;

liebst du mich und bist du treu,
o! so hole sie (knochen) herbei.
         GELLERT 1, 38.

schiffer holen eine insel herbei, wenn dieselbe, indem sie darauf zufahren, ihnen entgegenzukommen scheint. JACOBSSON 2, 255a.
    k o m m e n : da sie aber noch mit im redeten, kamen er bei des königes kemerer. Esther 6, 14; das himelreich ist nahe her bei komen. Matth. 10, 7; wenn ir aber sehen werdet Jerusalem belegert mit einem heer, so merket, das erbei komen ist ire verwüstunge. Luc. 21, 20; erzählte, dasz der herr doctor zufällig bei ihrem unfall herbeigekommen. FREYTAG handschr. 1, 282;

kommt herbei, ihr luftgen schwestern!
         UHLAND ged. 308.

Bd. 10, Sp. 1058

übertragen und transitiv: den solten die herrn strafen so dick und vil, dasz er des moede wurde und sei iren schaden erbi quemen. weisth. 1, 609 (v. 1507). von sachen: die rapiere kamen herbei (wurden gebracht). GÖTHE 18, 225.
    k ö r n e n : herbeikörnen, delinimentis aliquem perpellere. STIELER 122.
    l a s s e n : er liesz einen bittenden herbei; gewöhnlich reflexiv im sinne von bewilligen, eingehen auf etwas: dann werden wir ja sehen, wozu er sich herbeilassen wird. TIECK j. tischl. 2, 261.
    l a u f e n : zu einem herbei laufen, adcurrere ad aliquem. STEINBACH 1, 997; unter dem zahmen federvieh, das mit aller macht herbei gelaufen und geflattert kömmt, wenn man ihm futter hinwirft. HEINSE Ardingh. 1, 282.
    l o c k e n : zu sich herbeilocken, adlicere ad se. HEDERICH 1257; der wirth selbsten, damit er die gäste herbei locke, dinget einen geiger. baurenst. lasterpr. 188;

aber komm musik! durch deine töne
lock uns Uzischen gesang herbei!
         GÖKINGK 1, 61.
    n a h e n : dasz ich mich werd herbei nahen. 4 Esr. 6, 18.
    n e h m e n : man hat ihn auch herbeigenommen, participem eum fecerunt hujus rei, comitem sibi fecerunt. STIELER 1362.
    r a f f e n :

ich fühls, vergebens hab ich alle schätze
des menschengeists auf mich herbeigerafft.
         GÖTHE 12, 90.
    r e i c h e n : herbeireichen, impartiri, contribuere, subministrare. STIELER 1509.
    r e i t e n : herbeireiten, adequitare. HEDERICH 1257.
    r e i z e n : wie dumpf, dringend, dreist, ungeschickt war jeder, den sie herbeireizte. GÖTHE 19, 87.
    r e n n e n :

es rannten die tollen verwandten herbei.
         GÖTHE 1, 215.
    r u d e r n : indessen ruderte der kahn herbei. GÖTHE 17, 159; er hatte kaum einigemale geläutet: so kam ein reich besetzter schwerer hofdiener ohne hut herbeigerudert. J. PAUL flegelj. 4, 29.
    r u f e n : herbeirufen, advocare, accersere, poscere arcessitu. STIELER 1630; er rief seine frau herbei. GÖTHE 18, 137; die jüngere ... liesz sich durch den vater herbeirufen, um die ältere abzulösen. 25, 277;

alle sind herbei gerufen,
vor der göttinn angesicht.
         BÜRGER 114a;

nun der halbe (geist) dich nicht rettet,
ruf den ganzen doch herbei,
dasz er neu dein schlosz dir baue,
deine ketten brech entzwei!
         UHLAND ged. 284.
    s a u g e n : mit unserm innerlichen seelenothem müssen wir jene geisterwelt herbeisaugen. TIECK Sternb. 2, 379.
    s c h a f f e n : man musz gelt herbeischaffen, pecuniae requirendae sunt. STIELER 1711; dem kind eine amme herbeischaffen, aliquam puero nutricem parare. das.; wenn wir ein künstliches fuhrwerk herbeischaffen. GÖTHE 11, 293; immer mehr bücher herbeizuschaffen. 18, 276; ich vernahm dasz die ameisen alliirte meines schwiegervaters geworden, und dasz er sie im gegenwärtigen fall aufgerufen und verpflichtet mich herbeizuschaffen. 23, 102.
    s c h i f f e n : herbeischiffen, nave advehi, adnavigare. HEDERICH 1258.
    s c h l e i c h e n :

ein fliegender befehl citiert aus allen hainen
das nymfenvolk persönlich zu erscheinen.
sie schleichen allgemach herbei,
und keine läuft dasz sie die erste sei.
         WIELAND 10, 143.
    s c h l e i f e n : ich liesz aber eine volle quartausgabe Voltairens herbeischleifen. J. PAUL teuf. pap. 2, 25.
    s c h l e p p e n : den gefangenen herbei schleppen; allerlei ursachen herbeischleppen, varias causationes arcessere. STIELER 1807.
    s c h m a u c h e n : herbeischmauchen, adrepere, occulte se immergere. STIELER 1868.
    s c h w i m m e n :

da kömmt, vielleicht von ungefähr,
ein spielendes delphinenheer,
zu aller trost, herbeigeschwommen.
         HAGEDORN 2, 41;

wackelnd kommt herbeigeschwommen
manches alte zauberschlosz.
         H. HEINE 18, 136.
    s e h n e n : sie, .. deren erscheinung ich mir so oft herbeisehnte. GÖTHE 17, 386; ich habe nicht sehnsuchtsvoll, wiewohl vergebens, danach (nach einem orden) geseufzt, sondern ihn realiter an meinen rock herbeigesehnt. IMMERMANN Münchh. 1, 99.

Bd. 10, Sp. 1059


    s o c k e n : ganz leise sockte jetzt der fusztritt der haushälterin herbei. L. TIECK ges. nov. 3, 15.
    s t o s z e n : herbeistoszen, admovere quam proxime, adjungere, annectere, applicare, coagmentare. STIELER 2180.
    s t r ö m e n , bildlich (vgl. oben herbei flieszen) von personen: nun erscheint der kaiser selbst wieder in Ispahan, gesandte von allen weltgegenden strömen herbei. GÖTHE 6, 202;

denn bank an bank gedränget sitzen, ...
herbeigeströmt von fern und nah,
der Griechen völker wartend da.
         SCHILLER kraniche des Ibykus;

von sachen:

da strömet herbei die unendliche gabe,
es füllt sich der speicher mit köstlicher habe.
         glocke v. 113.
    s t ü r m e n :

geschrei
füllt den pallast; man flieht vom lager, stürmt herbei,
umringt den sterbenden.
         GOTTER 2, 456.
    s t ü r z e n : leute, die das unglückliche ereignis von der ferne warnahmen, stürzten herbei.
    t r e i b e n : das vieh zum wasser herbei treiben, animalia ad aquam adpellere. STEINBACH 2, 856; steuern herbeitreiben.
    t r e t e n : herbeitreten, accedere ad aliquid. HEDERICH 1258;

aber da trat herbei der apotheker behende,
zupfte den geistlichen herrn.
         GÖTHE 40, 295.
    w ä l z e n :

wenn unerträgliches, mit felsenlast
herbei sich wälzend, ihn bedrohend schlich.
         GÖTHE 9, 322.
    w a n k e n : ein greis wankte herbei.
    w a t s c h e l n : wie? was? was giebts da? schrie der kurze dicke rathsherr, der auch herbei gewatschelt kam. WIELAND 19, 317.
    w i n k e n , mit accus.: Schach-Gebal winkte ihn (den kämmerling) herbei. WIELAND 8, 411; wenn nicht Wilhelm den im augenblick hereintretenden mann begrüszt und ihn herbeigewinkt hätte. GÖTHE 18, 203; er winkte die andern herbei. 21, 40;

du schworst, o herr, bei deinem leben,
mein kästchen unversehrt mir einst zurück zu geben:
jetzt ist es zeit, wink es herbei!
         WIELAND 10, 294;

der ritter bleibt wie angefroren stehn,
winkt Scherasmin herbei, und fragt ihn, was er sehe?
         22, 126.
    z a u b e r n : wenn sich Baylens schattengestalt durch beschwörungen herbeizaubern liesze. ABBT bei CAMPE unter schattengestalt.
    z e r r e n : er zerret herbei, was er kan, omnia aucupatur, exquirit. STIELER 2316.
    z i e h e n , intransitiv: schaaren ziehen herbei. reflexiv: nach kurzen ebben überfluthete die menge von zeit zu zeit das haus. officiere von entfernteren garnisonen ... zogen sich herbei. GÖTHE 17, 249. transitiv: einen zu etwas herbeiziehen, attrahere aliquem ad aliquid. HEDERICH 1258; dasz nicht allein das (ordens-)kreuz von meinem wunsche herbeigezogen war. IMMERMANN Münchh. 1, 100; der vergleich ist bei den haaren herbeigezogen;

als herzog Friedland die zerstreuten feindesheere
herbei von allen strömen Deutschlands zog.
         SCHILLER Piccol. 2, 7.
    z u p f e n : herbei zupfen, attrahere, in se trahere, ad se rapere. STIELER 2633.
    z w i n g e n : einen krummen baum herbeizwingen, arbusculam incurvam palo alligare. STIELER 2670; von den wilden erzählt man, dasz sie durch blosze willenskraft sich den tod herbeizwingen können. H. MARGGRAFF gebrüder Pech (1840) 1, 118.

2) 
herbei in bezug auf zeit, mit verben des kommens und nahens, auch des bewirkens der näherung; so
    k o m m e n : da nu die zeit erbei kam, das Israel sterben solt. 1 Mos. 47, 29; deine zeit ist erbei komen, das du sterbest. 5 Mos. 31, 14; der lenz ist erbei komen. hohel. 2, 12; die nacht ist vergangen, der tag aber her bei komen. Röm. 13, 12; als nun die zeit herbei kam. pers. rosenth. 7, 20; der geburtstag war herbeigekommen. GÖTHE 17, 95;

jetzund kömpt die nacht herbei,
vieh und menschen werden frei.
         OPITZ 2, 192.
    n a h e n : seine ankunft nahet herbei, adventus ejus appropinquat. STEINBACH 2, 105; die festtage nahen herbei, feriae non longe absunt. STIELER 1318.
    n ä h e r n : bis die zeit schlafen zu gehen herzu kame, und sich herbei nähert. Amadis 247; die ernde nähert herbei, messis prope adest. STIELER 1319.

Bd. 10, Sp. 1060


    r ü c k e n : die zeit rücke nun herbei, da sie von ihren auf mich gewandten bemühungen und kosten die früchte zu sehen hoffe. WIELAND 12, 89;

es rühme, wer da will, im lenzen
die neue luft, den grünen mai,
je schöner seine blumen glänzen,
je näher rückt ihr ziel herbei.
         GÜNTHER 214.
    s c h w a t z e n :

an dem knisternden kamine
schwatzt der freundschaft tändelei
froher uns die nacht herbei.
         GÖKINGK 1, 54.
    s t r e i c h e n : die weil sich dann die zeit zu reisen wol anliesz und die fasznacht herbeistriche. PHIL. lugd. 5, 265;

dasz ir und eur gsellschaft sollen ...
kurzweil machen und stockerei,
weil die pfingstfeurtag streichn herbei.
         J. AYRER fastn. sp. 102b (2851, 33 Keller).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEICHTEN, verb. die beichte hersagen (vergl. her I, 1, sp. 1000): wolan, so beicht her. ALBERUS widder Witzeln M 4b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEIEILUNG, f.: bei der herbeieilung des endlichen erfolgs hat sich gefunden, dasz die einzelnen deutschen staaten nicht einmal sich selbst, ihre kräfte und ihre wahre lage, kannten. FICHTE reden an die d. nat. 437.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEIFÜHRUNG, f. advectus, advectio. HEDERICH 1257.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEIHOLUNG, f.: die herbeiholung der nöthigen beweismittel ist mit schwierigkeiten verbunden.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEIKUNFT, f.: plötzliche herbeikunft der seeräuber, adventus repentinus praedonum. HEDERICH 1257.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEINÄHERUNG, f. appropinquatio. STIELER 1319.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEINAHUNG, f.: als er (Melanchthon) wegen des churfürsten gefengnus und der feind herbeinahung aus Wittenberg zoge. ZINKGREF apophth. 1, 261; die herbeinahung des todes, mortis appropinquatio. STEINBACH 2, 105.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEIRÜCKUNG, f.: herbeirückung des todes, appropinquatio mortis. HEDERICH 1257.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEIRUFUNG, f.: die herbeirufung des herzogs von Alba. SCHILLER 852.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEISCHAFFUNG, f. provisio, apparatus. STIELER 1712.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEITREIBUNG, f.: die herbeitreibung der steuern geschah mit äuszerster strenge.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEIZIEHUNG, f. attractio, allegatio. STIELER 2641.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEIZUG, m.: die sonne veranlaszt den herbeizug der nördlichen luft. KANT 9, 55.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEN, verb. herb machen; in Baiern (nach herb 5, a, sp. 1055) sich härben, einen härben, erzürnen. SCHM. 2, 235. vergl. erherben theil 3, 848, und verherben.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBEREDEN, verb.: versprach ... zu ihrer mutter zu fahren und durch diese jene herzubereden und beide zu bringen. J. PAUL uns. loge 2, 131.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBERGE, f. hospitium.

1) 
das ahd. heriberga, hereberga bezeichnet zunächst den ort wo ein heer lagert, heerlager, feldlager, es überträgt lat. castra: si consistant adversum me castra, non timebit cor meum. sin joh hereberga gestellet wider mir, die ne furhtet mîn herza. NOTKER ps. 26 (2, 90a Hattemer); die wolegedrangeton heriberga forhtent die vîentâ. WILLERAM LII, 25; geht aber schon hier in die allgemeine bedeutung hospitium, casa, tabernaculum über, und gilt im mhd. überhaupt von einem orte oder hause, in welchem fremde für die nacht unterkunft finden (LEXER wb. 1, 1252). die form des wortes geht im zweiten theile nach der eigentlichen mhd. zeit zurück, gewiss unter einflusz davon, dasz es als eigentliches compositum nicht immer mehr gefühlt wird: dieselben herwerk. TUCHER baumeisterb. 118, 15; hospitium herwerg. DIEF. nov. gloss. 206a; die herberich sol er haben. weisth. 3, 542; so die bischöf im ganzen land den hůren bei den priestern h ä r r i g (wie ich im frauenhaus) vergunnen. SCHADE sat. u. pasqu. 3, 195, 2, eine form die noch weiter verschrumpft ist als das kärnthn. herwige, gekürzt herwe herberge. LEXER 139; -- namentlich erscheint die verkürzung herbrig durch das 16. und 17. jahrhundert: in fremden orten in herbrigen. ERNST gemütsergetzlichkeiten (1697) s. 529; hat um herbrige gebeten. WESENIGK spielsieben (1702) 163;

ob ich möcht haben herbrig hin,
wann ich so gar hartselig bin.
         H. SACHS 3, 3, 25;

aber ich mein, du hattest not
in deiner herbrig.
         FISCHART dicht. 1, 94, 819 Kurz;

in fremd herbrig bin ich gewest
vom vaterlande.
         SELNECCER psalmen (1587) 266.

2) 
herberge in dem ursprünglichen bezuge auf das heer ist selten: der uberige hauf aber that sich auf die matten, also

Bd. 10, Sp. 1061

wie die furrierer und quartierer die herbergen auszgetheilet und verordnet. Amadis 312; aus den herbergen -- welche die lüneburgischen stände 1392 ausdrücklich abgedungen -- war in kriegszeiten allmälig eine ziemlich ausgebildete einquartierungslast geworden. STÜVE wesen u. verf. 123.

3) 
gewöhnlich bedeutet herberge in den ältern quellen den ort, wo ein fremder zu nacht bleiben kann, gasthaus, logierhaus: (die stände des reiches sollen) alle jahr .. einmal zu Frankfurt oder Wormbs durch uns selbs oder unsere vollmächtigte bottschaft, zusammen kommen .. und soll der keiner auf den andern verziehen, warten, noch weigern, auf obbestimpten tag, wie obstehet, ungesaumbt in der herberg zu erscheinen. reichstags-absch. von 1512, III § 21; fürsten, abteien hatten in städten, wo sie öfter verkehrten, eigene, ihnen gehörige herbergen. SCHM. 2, 229; zu Jhene in der herberge, da wir von den sachen redten. LUTHER 3, 46a; verband im seine wunden .. und hub in auf sein thier und füret in in die herberge. Luc. 10, 34; der meister lest dir sagen, wo ist die herberge, darinne ich das osterlamb essen müge mit meinen jüngern? 22, 11; kamen viel zu im in die herberge. apostelgesch. 28, 23; desselbigen aubents kammen etlich frembdt edelleut in die herbrig. Zimm. chron. 2, 487, 22; dem groszen graven, den sie hatten faren und in die herbrig zu Seedorf geen sehen. 3, 156, 32; ain offne herbirg (öffentliches gasthaus). 354, 33; ein offen herberg, würtshaus, pandocheium, hospitium. DASYP.; herbergen kan niemand mit sich führen. PISTORIUS thes. par. 9, 8; herberg schön, der wirth ein schalk. in schöner herberg verzapft man auch sauren wein. SIMROCK sprichw. 243;

wölt aus der herberg lösen mich.
         H. SACHS 1, 516c.

es heiszt zů herberg einkeeren, diverti, zů herberg sein, stabulare. DASYP.; zur herberge liegen: wo Andriutzo an der herberge liege. Bocc. (1580) 1, 60a;

und da er nun gen Lübik kam,
wol in die werde stat,
zum wirt zum weiszen schwane
da er zur herberg lag.
         UHLAND volksl. 549.

die offenen herbergen führen namen: als er nun in die stat Paris gegen aubents kompt und in seiner herbrig zum eisen creuz wil einziehen. Zimm. chron. 1, 393, 9; uf den abent sein sie gemainlich mit ainandern geen Ulm komen und in des alten Rauchschnabels herbrig zu der chronen eingekert. 2, 409, 25; dieweil es aber denselbigen tag ein vastabent, do asen die herren und edelleut nit zu hof, sondern kammen in die herbrig daselbst zum engel, darin der graf zu herbrig lag. 3, 310, 1; herberge zum weiszen falken. HAPPEL acad. rom. 28; daher: wo Jesus der gekreuzigte hinkommt, wie solte da das creuz nicht auch einkehren? er wohnet in der herberg zum heil. creuz; wen er lieb hat, den züchtigt er. OTHO 592.

4) 
nach 3 entwickelt herberge die bedeutung unterkunft, gastliche aufnahme, wobei der engere begriff des gasthauses zurücktritt: herberg, als eines fremden, als bei guten freunden, hospitium. FRISCH 1, 432c; ah, das ich eine herberge hette in der wüsten, so wolt ich mein volk verlassen und von inen ziehen. Jer. 9, 2; sucht herberg nahe bei irem (der weisheit) hause. Sir. 14, 25; solchs ist schwer einem vernünftigen man, das er umb der herberge willen solche wort fressen mus. 29, 35; las das volk von dir, das sie hin gehen in die merkte umb her, und in die dörfer, das sie herberge und speise finden. Luc. 9, 12; es ist uf ein abendt spat ein landtfarer .. in ains pauren haus daselbs kommen und den pauren allain umb ain nachtherbrig angesprochen. Zimm. chron. 4, 107, 34; wir danken dir mit höchstem fleisz, dasz du uns zu herberg aufnimmst. b. d. liebe 210c; ihr habt noch keinen mangel an kleidung und herberg gelitten. J. B. SCHUPPIUS 177; verdächtige person zur herberg aufnemen. balt. stud. 15, 9; aus einem verborgenen winkel muszt ich in den andern flüchten, mit den wilden thieren auf den gebirgen um herberge kämpfen. KLINGER 5, 205; wahrheit findet keine herberge;

wer jetzt die wahrheit sagt,
fleiszt sich des rechten, wie die frommen,
der kan kein herberg niergend bkommen.
         B. WALDIS Esop 4, 74, 148;

O. sie hat den abend mich zur mahlzeit eingebeten.
C. und schlägt ihr herberg ab in dem so weiten hausz?
         A. GRYPHIUS 1698 1, 226;

bei weib und wein und bei gesang
wär Luthern dort (in Weinsberg) die zeit nicht lang;
auch fänd er herberg und gelasz
für teufel und für dintenfasz.
         UHLAND ged. 319.

Bd. 10, Sp. 1062

5) 
auch die mietswohnung, die ein nicht ortsangehöriger, aber im orte sich längere zeit aufhaltender in irgend einem hause bezieht, heiszt, namentlich im 16. jahrh., herberge: do namen die zwen graven von Eisenburg, gebrueder, .. herr Froben Cristof sampt dem preceptor zu sich in ir losament, so lang, das er ain gelegne herbrig bekeme. Zimm. chron. 3, 240, 13; do überkamen die herren ain herbrig und den disch an ainem stillen und wolgelegnen ort bei ainem advocaten im gaistlichen gerichte. 319, 1; ward dem jungen herren, grave Gotfriden Christofen, herbrig und der disch bei eim priester und pfarrer .. bestellt. 30; seiner herberg zůziehen, wider in sein wonung keeren, revisere suas sedes. MAALER 218c. es heiszt (wie oben 3) zur herberge liegen, sein, die herberge bereiten: bin zur herberge gelegen bei unserm bruder Gabel. Tob. 5, 9; nun lag grave Jos oberhalb sant Ulrich in eines kursners haus zur herbrig. Zimm. chron. 4, 43, 19; welcher ist zur herberge bei einem gerber Simon, des haus am meer ligt. apostelgesch. 10, 6; bereite mir die herberge, denn ich hoffe, das ich durch ewer gebet euch geschenket werde. Philem. 22; herberge halten, in solcher weise wohnen; bildlich:

der den himmel kan verwalten,
wil jetz herberg in dir halten.
         JOH. FRANK 'schmücke dich, o liebe seele'.

So bekommt herberge den sinn mietswohnung überhaupt, für arme einheimische familien, die ein eigenes haus nicht vermögen (in Baiern auf dem platten lande noch jetzt SCHM. 2, 228): das barfüszerkloster zu Wittemberg den armen zur herberg zu verordenen. LUTHER 3, 390b; e. churt. gn. wolten solch kloster, sampt Greger Bürgers raum und gebew, unserm herrn Jhesu Christo zu einer herberg und wonung, für seine arme glieder verordnen und geben. 391a; zoch wider zuruck in sein alte herberg, lies hinfurbas seinen eifer faren und ward ein rechtgeschaffner hausman. WICKRAM rollw. 154, 2 Kurz. endlich heiszt auch die dienstwohnung eines untern beamten herberge: so hat ein ziler im schieszgraben am sante sein herwerk vergebens und gibt kein zins. TUCHER baumeisterb. 118, 11.

6) 
die geringe beschaffenheit mancher solcher unterkunftshäuser (oben 3) wird durch die öfter vorkommende bezeichnung kalte herberge angedeutet: zu der kalten herberg. Garg. 81b; die kalte herberg, ein wirtshaus bei München. SCHM. 2, 229;

nu herr mein gott, ins vaterland, aus kalter herbrig,
und aus des kerkers sünd und schand, gnedig führ mich.
         SELNECCER psalmen (1587) 266;

zur ellenden herberg, da alles jamer ze herberg ist, hospitium calamitatis. MAALER 218c; diejenigen (herbergen) hergegen, bei denen eingangs gedachte beqvemlichkeit nicht anzutreffen, und die bewirthung öfters so schlecht als möglich, gleichwohl dennoch zu denen herbergen oder wirthshäusern gerechnet sein wollen, pflegt man mit den zunahmen einer finstern, kalten, pracher-, oder gar bettler-herberg, ingleichen zum nobiskrug, letzten heller u. s. f. zu belegen. öcon. lex. (1731) 1003. daher herberge der winkelschenke gleichgesetzt: wir wollen auch die winkelwirthschaften und herbrigen hiermit abgeschafft haben. corpus constit. Brandenb-Culmb. 2, 1, 646. den geruch in solchen herbergen kennzeichnet die redensart: es schmeckt nach der herberg, illuviem olet, sapit sterquilinium. prompt. von 1618 bei SCHM. 2, 228, die in Düringen noch jetzt gebräuchlich ist.

7) 
herberge hat, und für die neuere sprache fast durchaus, seinen begriff verengt zu dem des gasthauses, das eine handwerkszunft für ihre zusammenkünfte und für die unterkunft zuwandernder gesellen hält. JACOBSSON 2, 254a: endlich gieng ich in ein bierhaus, liesz mir ein nösel bier geben, und fragte nach der schneider-herberge, da beschrieben sie mir es, dasz ich also die herberge mit genauer noth wider fand. unw. doctor 369; herberge wegbringen, die herberge öffentlich von einem hause in ein anderes verlegen, womit ein feierlicher aufzug verbunden ist. JACOBSSON a. a. o.

8) 
herberge bildlich, zufluchtsort, zuflucht: in den herzen der menschen, welches ein herberge der ungefälschten reinen warheit sein soll. SCHUPPIUS 570; die reichen sind ... den pilgramen eine herberge. pers. rosenth. 7, 20;

der redlichkeit herberg und schutz.
         WECKHERLIN 572;

gekommen bin ich bis zu der äuszersten
herberge Karmels, bis in den hohen wald!
         KLOPSTOCK 6, 242;

am wege dort ein crucifix,
des unglücks herberg, ragt.
         LENAU neue ged. 86.

Bd. 10, Sp. 1063

9) 
in der landwirtschaft ist herberge der boden, in welchem pflanzen stehen: es musz auch dieses hei den alten reben in gute betrachtung kommen, ob der grund feist oder mager, denn die frechen und geilen weinstöcke, die gute fette herberg haben, und die mehr frucht ernehren können, denen kan man wol mehr augen lassen. HOHBERG 1, 338b; weil aber, wann ein nasser herbst ist, die carde leichtlich faulen, nehmens etliche mit samt der wurzen aus, .. und setzens entweder an einen erhöhten ort, wo ihnen die nässe nicht schaden kan, oder gar in den keller in die erden; allein gehts damit viel mühsamer und längsamer zu, als wann sie in der ersten herberg bleiben können. 500b.

10) 
bei den salzwirkern in Halle a. S. bedeutete soole zur herberge austhun, dieselbe bis zum nächsten sieden stehen lassen und zum aufheben übergeben: sie (die salzwirker) dürfen ohne vorwissen ihres herrn, deme sie das salz sieden, keine sole kaufen, verkaufen, verborgen, auch weder herbergsweise einnehmen, noch zur herberge austhun. HOHNDORF beschreibung des salzwerks zu Halle, vermehrt von Dreyhaupt (1749) s. 63. vgl. unten herbergen 3.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBERGEN, verb. intransitiv und transitiv; die gekürzte form herbern, peherbert werden, hospitari bezeugt SCHM. 2, 229 aus AVENTIN.

1) 
intransitives herbergen, herberge, gastliche aufnahme, zuflucht finden oder haben, ahd. heribergôn hospitari, mhd. herbergen: herbergen, hospitare vel hospitari. voc. inc. theut. i 4a; haben wir auch raum in deines vaters hause zu herbergen? 1 Mos. 24, 23; hebt auf aus dem Jordan zwelf steine, .. und bringet sie mit euch hinüber, das ir sie in der herberge lasset, da ir diese nacht herbergen werdet. Jos. 4, 3; und ein feldteufel wird (in wüsten pallästen) dem andern begegnen, der kobold wird auch daselbs herbergen, und seine ruge daselbs finden. Jes. 34, 14; füreten uns zu einem, .. bei dem wir herbergen solten. apostelgesch. 21, 16; wo wilstu aber herbergen, wann du kein geld hast? Simpl. 2, 198 Kurz; gib dein hausz zum besten, dasz der elephant mit hinein kan gehen und darinnen herbergen. pers. rosenth. 8, 119; L. wo haben sie die erste nacht geherberget? G. nahe bei Sala, aber etwas auszer dem wege bei einem bauer. A. GRYPHIUS 1698 1, 857; du kennst von alters her meine art, mich anzubauen, mir irgend an einem vertraulichen orte ein hüttchen aufzuschlagen, und da mit aller einschränkung zu herbergen. GÖTHE 16, 16.

2) 
transitives herbergen, herberge, aufnahme gewähren, ahd. nicht nachgewiesen, mhd. als herbergen vorhanden: ich was ein gast und ir herbergitet mich. Behaims ev.-buch, Matth. 25, 35 (LUTHER habt mich beherberget); also lesen wir, das Abraham und Lot reich waren, und gerne herbergeten die pilger. LUTHER 3, 293a; es war niemand, der sie die nacht im hause herbergen wolt. richt. 19, 15; herberge nicht einen jglichen in deinem hause. Sir. 11, 30; da rief er inen hin ein und herberget sie. apostelgesch. 10, 23; dasz niemandts in der statt geherberget, sonder jeder sein zelt, auf den weiten schönen matten, neben dem wasser und bächen aufschlagen liesz. Amadis 312; daher ich denn achte, dasz er diese desto lieber herbergen werde. 355; wann ich wüste, dasz du keine läuse hättest, so wolte ich dich herbergen und in ein gut bett legen. Simpl. 3, 198 Kurz; das weibsding (die geduld ist gemeint) müssen wir herbergen. LENZ 1, 181; wo kann ich dich besser herbergen, als in diesem herzen? TIECK 4, 93;

denn nicht ist mir erlaubt, dasz ich herberg oder entsende
solchen mann, den rache der seligen götter verfolget!
         Odyssee 10, 73.

über die allitterierende verbindung hausen und herbergen sieh hausen II, sp. 660. das object zu herbergen ist unterdrückt: herberget gerne (την φιλοξενιαν διωκοντες). Röm. 12, 13;

dort mit dem schiffe gelangt an den felsstrand, lenkten wir heimlich
zur herbergenden bucht.
         Odyssee 10, 141.

3) 
in der technischen sprache der salzwirker zu Halle an d. S. heiszt soole in den börnen herbergen von der soole die bei dem ordentlichen sieden aus jeglichem brunnen gezogen werden soll, etwas bis zu dem folgenden sieden zurücklassen. JACOBSSON 2, 254b. vergl. oben herberge 10.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBERGER, m.

1) 
der mietsmann, der zur miete wohnende, womit in Baiern auf dem platten lande sich gewöhnlich der begriff einer hohen armut verbindet. SCHM. 2, 228.

2) 
herberger, der eine herberge hält. Wirt. franz. Simpl. 1, 17: scheuete sich nicht, hie und da unterwegs unsere herberger

Bd. 10, Sp. 1064

zu bestehlen, und hätte es auch nur ein silberner löffel sein sollen. Simpl. 2, 149 Kurz.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBERGERIN, f. zur miete wohnendes weib, nach herberger 1 oben. SCHM. 2, 228.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBERGFREI, adj. gastfrei, bei S. FRANK: etlich sind herbergfrei, beherbergen die bilgram. weltb. 108b; und ist ein herbergfrei sanftmütigs gůtwilligs volk. 225a; (herzog Friedrich von Sachsen war) gegen den frommen wolthettig, gegen den gesten gastfrei, gegen den frembden herbergfrei. Germ. chron. (1538) 251b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBERGIEREN, verb., was herbergen. STIELER 165. das mit ausländischer endung umkleidete wort galt schon im mittelalter. LEXER wb. 1, 1253.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBERGIERER, m. wirt einer herberge: herbergirer, hospitiorum designator, item caupo, tabernarius. STIELER 165; ein vornehmer, hochangesehener mann, Tobias Cober, herbergirer zu Görlitz, pflegte zu sagen, es sei jetzt besser zu sterben als vorzeiten. OTHO 841; wann einem die bauren nur etwas vom stinkenden käse, benebenst einen trunk äpfelwein aufsetzen, halten sie es höher, als die gemeine wirthe und herbergirer ire delicateste tractamenten. baurenst. lasterpr. 164.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBERGLEUTE, plur. leute die zur miete wohnen (vgl. herberger 1 oben). SCHM. 2, 228. in Obersachsen (als herbergsleute) auch wirt und wirtin einer zunftherberge. vgl. herbergsmutter, -vater.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBERGMANN, m. mietsmann, mieter. SCHM. a. a. o.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBERGSMUTTER, f. wirtin einer herberge, gattin eines herbergsvaters.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  HERBERGS-,HERBERGVATER, m. wirt einer herberge: wenigstens jede mäszig grosze zunft hat in einer stadt ihre herberge, der wirth heiszt der herbergvater. JACOBSSON 2, 254b; der herbergsvater und seine frau gingen in der stube auf und ab. RIEHL culturgesch. nov. 348.
 

 
HERB
   acerbus, acerbe. Das seit dem 12. jahrh. als haru, flectiert harewêr ( Graff 4, 1043
  1) von stechenden thieren und ihrer waffe: eჳ (das einhorn) ist gar scharpf und härwe, alsô ...
  2) in bezug auf das gefühl, scharf, schneidend: mhd. iჳ sint zuei jâr [...] daჳ ane gie ...
  3) in bezug auf den geschmack, beiszend, zusammenziehend, scharf, sauer: man schol eჳ (aloe ...
  4) herb, in bezug auf den geruch: und floszfüszige robben der lieblichen Halosydne ruhn in schaaren umher, den ...
  5) herb, wird seit alter zeit in mehrfacher beziehung übertragen gebraucht.
 
HERBEIadv.
   in die nähe eines sprechenden. Ein ahd. hera bî, mhd. her bî ist nicht belegt. zurückgang ...
  1) örtlich mit verben der bewegung, auch mit sein, das den endpunkt der bewegung zeichnet (wie ...
  2) herbei in bezug auf zeit, mit verben des kommens und nahens, auch des bewirkens der näherung; so kommen: ...
 
HERBERGEf.
   hospitium.
  1) das ahd. heriberga, hereberga bezeichnet zunächst den ort wo ein heer lagert, heerlager, feldlager, es ...
  2) herberge in dem ursprünglichen bezuge auf das heer ist selten: der uberige hauf aber that sich auf die matten, also
  3) gewöhnlich bedeutet herberge in den ältern quellen den ort, wo ein fremder zu nacht bleiben kann, gasthaus ...
  4) nach 3 entwickelt herberge die bedeutung unterkunft, gastliche aufnahme, wobei der engere ...
  5) auch die mietswohnung, die ein nicht ortsangehöriger, aber im orte sich längere zeit aufhaltender in irgend einem ...
  6) die geringe beschaffenheit mancher solcher unterkunftshäuser (oben 3) wird durch die öfter ...
  7) herberge hat, und für die neuere sprache fast durchaus, seinen begriff verengt zu dem des gasthauses, das eine handwerkszunft ...
  8) herberge bildlich, zufluchtsort, zuflucht: in den herzen der menschen, welches ein herberge der ungefälschten ...
  9) in der landwirtschaft ist herberge der boden, in welchem pflanzen stehen: es musz auch dieses hei ...
  10) bei den salzwirkern in Halle a. S. bedeutete soole zur herberge austhun, dieselbe bis zum nächsten sieden ...
 
HERBERGENv.
   intransitiv und transitiv; die gekürzte form herbern, peherbert werden, hospitari bezeugt Schm. 2, 229
  1) intransitives herbergen, herberge, gastliche aufnahme, zuflucht finden oder haben, ahd. heribergôn ...
  2) transitives herbergen, herberge, aufnahme gewähren, ahd. nicht nachgewiesen, mhd. als herbergen ...
  3) in der technischen sprache der salzwirker zu Halle an d. S. heiszt soole in den börnen herbergen von der ...
 
HERBERGERm.
  1) der mietsmann, der zur miete wohnende, womit in Baiern auf dem platten lande sich gewöhnlich der begriff einer hohen ...
  2) herberger, der eine herberge hält. Wirt. franz. Simpl. 1, 17: scheuete sich nicht, hie und da unterwegs unsere herberger
 
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