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ahd. herbist, herpist, mhd. herbest und herbst, niederländ. herfst und herft, ags. hearfest, härfest, engl. harvest. die etymologischen bezüge zu griech. καρπος frucht, καρπιζω ernte, lat. carpere pflücken sind von GRIMM gramm. 2, 368 erörtert, die enge verwandtschaft dieser wörter aber mit andern die schneiden und trennen ausdrücken: lat. scalpere, griech. σκορπιζω, lit. kirpti scheeren, prakrit. kalpayati er zerschneidet, ahd. scarph scharf u. a. macht es wahrscheinlich, dasz herbst (eine zustands- und zeitbildung mit demselben suffixe wie dien-st) zunächst auf das gewinnen des getreides mittels der sichel zielt, und also etwa zeit und vorgang der getreideernte bezeichnen will, die man sonst auch schnitt heiszt. WEINHOLD monatnamen 54; vergl. schnitmonat das., und oben haberschnitt sp. 87. herbst bedeutet 1) die dritte der vier jahreszeiten. astronomisch wird sie bestimmt von dem eintritt der sonne in die wage (21. septbr.) bis zum eintritt der sonne in den steinbock (21. december). in der anschauung des volkes umfaszt der herbst die monate september und october, auch november, so dasz diese drei monate selbst den namen herbst führen, oder genauer unterschieden werden der erst herbst, der ander herbst, der drit herbst. WEINHOLD monatnamen 41. 42. doch nicht durchaus: wenn auch für november der ander herbst gilt, so wird dadurch der eintritt der jahreszeit in den october verlegt; wenn andrerseits aber in Tegernsee der september den namen uberherbst führt (Germania 9, 196) so rechnet man als ersten herbstmonat den august, und hierzu stimmt dän. hoestmaaned in derselben bedeutung, wie ein altfranz. erbast august: trois fois lannee .. cest a sauoir en feurier, en may et en erbast. weisth. 4, 462 (Pruntrut, v. 1350). in den fällen, wo herbst dem mai entgegengesetzt wird: wenn man richten Bd. 10, Sp. 1067 wil ze meien und ze herpst. weisth. 4, 280 (vergl. auch die unten folgenden compos. herbstding, herbstgeding, herbstgericht, herbstrecht, herbststeuer, herbstbede) ist vielleicht auch nicht sowol der gewöhnliche herbstmonat september (vgl. unten sp. 1071), als vielmehr der august verstanden, da den oben genannten französischen regelmäszigen zeitabschnitten auch in deutschen lichtmesz, mai und herbst entsprechen, vergl. unten unter herbstrecht. Sonst wird der herbst geschildert als die jahreszeit in der das laub sich färbt, aber auch die zeit der ernte und der jagd: herbest der des meien wât vellet von den rîsen. STEINMAR in WACKERNAGELS leseb. 741, 23; im herbste sieht man als opalen der bäume bunte blätter strahlen. BROCKES 2, 107; in des lenzes heiterm glanze lese jede zarte brust, in des herbstes welkem kranze meinen schmerz und meine lust. SCHILLER klage d. Ceres; freut euch, ir lieben knaben, der herbst erzaigt sich wol. UHLAND volksl. 607; der frühling ist zwar schön, doch wann der herbst nicht wär, wär zwar das auge sat, der magen aber leer. LOGAU 2 s. 76, no. 87; so bald der nächste herbst im walde dohnen stellt, und Bacchus um den wein sein jährlich trinkfest hält. GÜNTHER 663; des herbstes goldner sonnenstaub umwebt der reben üppig laub, und aus dem laube blinkt hervor der winzerinnen bunter chor. UHLAND ged. 320; ich bin der letzt auferwachet, wie einer der im herbst nachlieset, und gott hat mir den segen dazu gegeben, das ich meine kelter auch vol gemacht habe, wie im vollen herbst. Sir. 33, 17; stellen sie sich ein unermeszliches land vor, dem die angenehmste abwechslung von bergen, thälern, wäldern, hügeln und auen unter der herrschaft eines ewigen frühlings und herbstes, allenthalben wohin man sieht, das ansehen des herrlichsten lustgartens giebt: alles angebaut und bewässert, alles blühend und fruchtbar. WIELAND 19, 41; da thut sich ein lachend gelände hervor, wo der herbst und der frühling sich gatten. SCHILLER 50a. 2) personification des herbstes mehrfach: der Lenz, der Summer, der Herbest und der Winter, die vier erquicker und hanthaber des jares, die wurden zwiestoeszig mit groszen kriegen. WACKERNAGEL leseb. 1143, 18; herbest, underwint dich mîn: wan ich wil dîn helfer sîn gegen den glanzen meien. 741, 29; wohl ist der herbst ein ehrenmann, er bringt uns schnabelweide. CLAUDIUS; schon seht ihr den triefenden herbst mit leerem fruchthorn entweichen. RAMLER 1, 12. 3) herbst, die ernte im allgemeinen (vgl. auch unten herbsten 2): was thun? spricht Zeus. die welt ist weggegeben, der herbst, die jagd, der markt ist nicht mehr mein. SCHILLER theilung der erde; besonders aber die weinernte, weinlese. SCHM. 2, 235, LEXER wb. 1, 1253: vindemia herbest, herbste, herbst, herbs, hirbst DIEF. 620a; seinen herpst einsamlen und abwümmen, cogere vindemias. MAALER 218d; den herbst ... einmachen (den gelesenen wein keltern). SEBIZ feldb. 48; was nemlich der wein oder getreid zu zeit desz contracts, oder aber vierzehn tag die nechsten nach dem herbst oder erndten gelten wird. reichspolizeiordnung v. 1577, tit. 19, §. 3; haben die moselbauern diesz jahr guten herbst gemacht? FR. MÜLLER 3, 353; im bilde: bin ich auch ihm nicht angeweibt, er mir der liebste buhle bleibt. für uns ist solch ein herbst gereift! GÖTHE 41, 273. sprichwörtlich in der Schweiz: es geht alles in herbst, mit bezug auf die fröhliche zeit der weinlese, wo alles erlaubt ist. STALDER 2, 38. 4) herbst bildlich, von dem sinken der lebenskraft des menschlichen körpers und geistes, sowie vom niedergang des glückes; das bild ist im 16. jh. wenigstens angedeutet: folgt demnach die herbstzeit, darinn dem grasz alle fräud und mut vergehet, fahet an zu trauren, gleich wie es ein gestallt gewinnt mit desz menschen leben, so es kompt auf das fünfzigst jar. SEBIZ feldb. 54; doch gehen die folgenden belege nicht über die mitte des 18. jh. hinauf: ebenderselbe, welcher in dem frühlinge seines lebens unter liebesgöttern und grazien .. herum geschwärmt, eben derselbe kann sich ja leicht in dem reifen herbste seiner jahre in den Bd. 10, Sp. 1068 philosophischen mantel einhüllen. LESSING 5, 3; wie die natur sich zum herbste neigt, wird es herbst in mir und um mich her. meine blätter werden gelb, und schon sind die blätter der benachbarten bäume abgefallen. GÖTHE 16, 117; er sollte noch im herbst seiner jahre den einflusz des zeitgeistes empfinden und auf eine nicht vorzusehende weise ein neues leben, eine neue jugend beginnen. 32, 258; ich verstehe -- lenker im himmel .. die blätter fallen von den bäumen -- und mein herbst ist kommen. SCHILLER räuber 4, 5; Emanel sah ruhig wie eine ewige sonne, auf den herbst seines körpers herab; ja, je mehr sand aus seiner lebens-sanduhr heraus gefallen war, desto heller sah er durch das leere glas hindurch. J. PAUL Hesp. 1, 269; und so verlebt er nun in arbeit und genusz des lebens späten herbst. WIELAND 23, 85 (Ob. 8, 25); schwalben die im lenze minnen, fliehen, wenn der nordsturm weht, buhler scheucht dein herbst von hinnen, einen freund hast du verschmäht. SCHILLER an Minna. in bezug auf den abend: du, o herbst des tages, der du besonders mich reizest mit dem gütigen himmel, mit sanftern gemäszigten sonnen, und mit stillen schatten. ZACHARIÄ tageszeiten (1757) s. 95 (vergl. frühling des tages für morgen s. 4); sonst zeitlich: jede minute ist der herbst der vergangenen. J. PAUL Hesp. 4, 44. |
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wie ein herbstdurchschütterter strauch ist das zagende vaterland. RÜCKERT 632. |
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eh es herbstet, trauern wir um die gestorbne rose. L. DREVES vigilien (Bonn 1839) 63. Bd. 10, Sp. 1069 2) mit persönl. subject (nach herbst 3 oben) ernten. SCHM. 2, 235: in dem lenzen het er zu säen, in dem herbst het er zu herbsten. PAULI schimpf 93a; besonders weinlese halten: vindemiare herbesten, herbsten. DIEF. 620a; herbsten, weinlesen GOLII onomast. (1582) 370; herbsten, wümlen, wümmen, läsen, vindemiare, vindemiam facere. MAALER 218d; von den dornen lesen si nicht fîgen, noch von dem busche herbisten si nicht wînber. Behaims evang. buch, Luc. 6, 44; man sol der zeit und stat gefahren, und schneiden weil die erndt, herbsten weil der herbst ist. AGR. spr. 211a; man soll herbsten so lang herbstzeit ist. SIMROCK sprichw. s. 243; ausführlicher unterricht, wie man eigentlich herbsten soll, und was bei der weinlese zu beobachten. HOHBERG 3, 1, 272; sie schlugen die bauern, brandschatzten die herren, ernteten, herbsteten, raubten vieh. J. V. MÜLLER schw. gesch. 2, 328; bald hebt sich auch das herbsten an, die kelter harrt des weines; der winzer schutzherr Kilian bescheert uns etwas feines. SCHEFFEL gaudeamus 54. bildlich: also hat auch die natur ihre vässer selbst gebunden, in denen die feuchte sein sollen, so im menschen gewimlet und geherbstet werden, das seind vasa naturae. PARACELSUS 1, 295c. |
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triumph! auf herbstesdämmerung folgt milder frühlingsschimmer. KOSEGARTEN poes. 1, 334. |
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wars nicht wie klaggesang, was sich im strauch verlor? zog nur das trauerstöhnen vorbei der herbstesluft? LENAU Faust 136. vergl. herbstluft. |
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die natur in steter dauer, was sie selbst mir flüchtig gab, frühlingswonne, herbstestrauer, gibt sie ewig meinem grab. RÜCKERT ges. ged. 1, 337. |
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herbstfäden ziehn im abendschein in leisem hin- und wiederwehn. volksblatt für stadt u. land 1867, s. 1117. |
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| HERBSTBLUME, f. |
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| HERBSTELN, v. |
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