Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971.
  SCHLIMM, adj.  -  SCHLINGBAUMHOLZ, n.   (Band 15, Spalten 714 - 723 )  
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMM, adj. tortus, obliquus, curvus; improbus, iniquus, perversus, malus, sinister, pravus, teter STIELER 1851, frühnhd. slim, schlim, slimp, slimpe, schlimp, obliquus DIEF. 387c, schlem vel schieggend, varus 607b, schlimp, slimp, slump, obliquus nov. gl. 267b, streng mhd. slimp, slimbes, jedoch nur belegt in der durch assimilation entstandenen form slim, slimmes LEXER mhd. handwb. 2, 980, ahd. slimp gleichfalls unbezeugt, doch zu erschlieszen aus dem subst. slimbi, f. (?) GRAFF 6, 793; mnd. slim SCHILLER-LÜBBEN 4, 239b, slem, slen DIEF. 387c, nnd. slim, ebenso mndl. und nndl. engl. slim, schwed. dän. slem werden als lehnwörter aus dem nd. oder ndl. aufgefaszt. SCHADE2 2, 822. auch ital. sghembo, piemont, sghinbo, schief, gekrümmt, bresc. slemba, schief geschnittene scheibe führt man auf das deutsche wort zurück. DIEZ4 400. seine vorgeschichte ist dunkel; vermutungen über etymologische beziehungen bei FRISCH 2, 199c (verwandtschaft mit lat. limus), ADELUNG (mit lahm), gramm. 3, 605 (mit slav. zly malus, zle male, serb. zlo), SCHADE a. a. o. (mit lett. schlaups, schlaubs schräge, auch mit slaf, sliofan, slîfan), SCHM.2 2, 522 (mit schrem, schräm, schief, schräg). die schon oben aus DIEF. beigebrachte nebenform schlem, die in früheren nhd. quellen häufiger begegnet: schläm, einer der schlems gadt, mit den knüwen eynhinwärtz, compernis, obliquus MAALER 355a; schlemm, schiegkend, varus 356a, schlemm, varus, distortis cruribus voc. von 1618 bei SCHM.2 2, 522, substantiviert schlem, m. compernis (neben schlim, tortus, obliquus, curvus SCHOTTEL 1401, der schlem, compernis STIELER 1852), hat sich mundartlich bis heute erhalten, meist im sinne von 'schief, krumm' (s. 1). SCHM. a. a. o. (Weihers), schläm FROMMANNS zeitschr. 4, 285, 142 (siebenb.-sächs., neben schlimm in gleichem sinne SCHRÖER 202a), schlemm 6, 413, 71 (bern., neben schlimm), KEHREIN 1, 351 (neben schlimm), doch auch in anderer bedeutung FRISCHBIER 2, 286b, schlemm, schlömm SPIESZ 216. man könnte daran denken, das e dieser form durch annahme eines alten ablautverhältnisses zu erklären. der umlaut müszte dann entweder wirklich durch folgendes j oder durch anlehnung an ein aus *slamjan entstandenes schlemmen (s. schlimmen) hervorgerufen sein. im ersteren falle wäre die form im gegensatze zu schlimm, als ja-bildung anzusehen. näher liegt es aber schlemm als spätere entartung von schlimm mit offenem e (brechungs-ë) aufzufassen. in heutigen oberdeutschen mundarten hat wenigstens der stammvocal diesen klang. im älteren md. wechselt sehr häufig ë mit i. WEINHOLD mhd. gramm. § 46. auch auf oberdeutschem sprachgebiet greift ë theilweise weiter um sich als in der schriftsprache, z. b. im heutigen alem. ben (bin), send (sind), aber auch schon in älterer zeit. alem. gramm. § 14, 1. im heutigen schwäb. ist ë für gemeindeutsches i vor m und n ganz allgemein. 81. das eigentliche bair. bietet nur einzelne belege für diese erscheinung, z. b. schef, dagegen ist die Nürnberger und Oberpfälzer mundart dem ë geneigter, heute wie das westböhm. besonders vor n und r. ebenso kommt es in Tirol vor (auch als ö). bair. gramm. § 11. verbunden erscheinen beide formen in der sprichwörtlichen wendung schlimm sucht schlemm. SIMROCK 428, 9088; ähnlich:

schlym schlem, eyn jeder findt sin glich.
         BRANT narrensch. vorr. 60 Zarncke;

schlim-schlem quaerit sibi similem, gleich gesellt sich gern zu gleich. KEISERSBERG ev. (1517) 185b. ZARNCKE vermutet im commentar zu der obigen stelle, wo er noch 2 belege für die lat. fassung aus den epist. obsc. vir. anführt, entstehung aus lat. similis (quaerit) similem. auf e scheint auch das ei des in Weihers üblichen schleimb SCHM.2 2, 522 zurückzugehen, in dem das alte b noch erhalten ist. für ei statt e erbringt WEINHOLD bair. gramm. § 80 belege aus älterer und neuerer zeit, nicht aber für ei statt ĭ. aus ĭ oder ĕ kann der diphthong der von FRISCH 2, 199c angeführten form schliem, die auch durch älteres schliemmen (s. schlimmen) bestätigt wird, entstanden sein. für das alem. z. b. beweist das WEINHOLD alem. gramm. § 63. 64. als ablautsform musz wol das bei DIEF. a. a. o. (s. oben) aus einem vocabular von 1421 belegte slump angesehen werden.

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1) 
von der geraden richtung abweichend, schief, schräg, krumm, im früheren nhd. ganz gewöhnlich, heute nur noch in den mundarten. s. die oben unter dem formalen gegebenen belege. ebenso: schälb, uberzwerch, schläm, limus, obliquus, tortus MAALER 345a; schälb, schlimm, überzwerg, belg. dwa̔rs, limus, obliquus CALEPIN (1570) 860; gelfs, schelb, schlimm, krumm, überzwerch, obliquus, indirectus, transversus HENISCH 1459, 44; schlimm, tortus, obliquus, curvus STIELER 1851; obliquus, tortus, obstipus STEINBACH 2, 446, bei ADELUNG als mundartlich bezeichnet. STALDER 2, 329. WEINHOLD 84b. PFISTER 254 (Katzen - Elnbogen): schlimmer rücken, dorsum cucurvum STIELER 1851; schlimme nase, nasus obliquus STEINBACH 2, 446; schlimmes maul, os tortum ebenda; schlimmer hals, cervix obstipa ebenda; einen schlimmen hals haben, einen schiefen ADELUNG, niederl. als bezeichnung eines menschen mit solchem halse slim-hals, obstipus KILIAN; schlimmer fusz STALDER 2, 329; schlimme füsze haben, schiefe WEINHOLD 84b, niederl. als bezeichnung eines krummbeinigen slimbeen, varus, valgus KILIAN; daher schlem auch geradezu wie krummbeinig, compernis, so bei SCHOTTEL (s. das formale); schlimme augen, limi STIELER 1851; auch von willkürlich verdrehten, schlimme augen machen: dieses mägdlein macht ein spytziges meülein und schlime augen. LINDENER schwankb. 119 Lichtenstein. in adverbialem gebrauch: compernis, der schlimm, und mit den knien einwärts gehet. MATTHIÄ lex. 1 (1761), 309b; schlimm schreiben, schief ADELUNG. WEINHOLD 84b. verbunden mit krumm:

der has loff in dem garten rümb
und schlug vil hacken, schlemm und krümb.
         H. SACHS 4 (1578), 3, 86d;

krumm und schlemm einhinschiegken, varicari MAALER 356a. als gegensatz zu strack, gerade: die dritte (maus, muskel, am unteren kinnbacken des pferdes) .. steigt mit jren zum theil stracken, zum theil schlimmen, und zum theil halb circkelförmigen zederlein hinabwertz. UFFENBACH neues roszb. (1603) 1, 28; endet sich mit seinen zum theil schlimmen zum theil stracken zederlein. 1, 137. sprichwörtlich: oberd. je schlimmer, je dümmer. ADELUNG; siebenb.-sächs. te hôst schläm geladden, bist betrunken. FROMMANNS zeitschr. 5, 325, 262, ebenso in Weihers. SCHM.2 2, 522; siebenb. - sächs. de nôs (nase) stît der schläm (schief), d. h. du lügst. FROMMANNS zeitschr. 5, 177, 211.

2) 
übertragen, nicht auf das richtige ziel zugehend, nicht in der richtigen lage oder verfassung.

a) 
von ungünstigem ausgang oder einflusz, von schädlicher wirkung oder beschaffenheit, unangenehm, schädlich, widrig, böse, übel.

α) 
am nächsten stehen der eigentlichen bedeutung adverbiale wendungen wie: die sache stehet schlimm, res ad iniqua inclinatur STIELER 1852. STEINBACH 2, 446; es steht schlimm mit ihm, das ist, er steht als wenn er fallen wollte, non recto talo stat, inclinat ad deteriora, minatur res ejus ruinam, casum, interitum FRISCH 2, 199c; um etwas: noch viel schlimmer steht es um die satyrische dichtkunst. SCHILLER 10, 498. es geht schlimm:

bisher ging's freilich schlimm.
         GÖTHE 7, 66;

'nun, freund, wie ging dir's heut im flor?'
o Charedscha, schlimmer als zuvor.
         RÜCKERT 4 (1882), 73.

schlimm fahren bei etwas: er ist bei dem handel schlimm gefahren. ähnlich, veraltet, es reicht schlimm herum: jetzo aber, da es schlimm herum reichen will, willst du den kopf aus der schlinge ziehen und nichts davon wissen. GÜNTHER 1002. weniger deutlich tritt der eigentliche sinn des worts bei den folgenden bedeutungsverwandten ausdrücken hervor: einem schlimm mitfahren, male aliquem tractare FRISCH 2, 199c; schlimm zurechtkommen ADELUNG. volksmäszig schlimm dran sein, nd. hei is slim dran SCHAMBACH 195a; hê is d'r slim an TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 200a.

β) 
so dann auch in allgemeinster adjectivischer verwendung bei abstracten begriffen, von zuständen, verhältnissen, handlungen u. dgl.: schlimmer handel STEINBACH 2, 446: und ward der handel so schlimm, das der Polen uber 20 blieben (getödtet wurden). HENNENBERGER preusz. landt. (1595) 103a, schlimme sache STEINBACH 2, 446; die sache könnte nicht schlimmer seyn. ebenda;

allein, käm es heraus, da gäb's dir schlimme sachen.
         GÖTHE 7, 61.

angelegenheit: seine häuslichen angelegenheiten fingen an äuszerst schlimm zu werden. 15, 119. niederd. 'n slimmen kram, eine böse sache. MI 80b; schlimmer zustand: in schlimmern zustande seyn. STEINBACH 2, 446; umstand ADELUNG;

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schlimmes verhältnisz: ein so schlimmes verhältnisz zwischen der nation und dem thronkandidaten würde auch bei der ruhigsten thronfolge stürme erweckt haben. SCHILLER 8, 78; schlimme seite: sich auf die schlimme seite legen, depravari corruptela. STIELER 1851. auch auf sittliches gebiet bezogen (vgl. κ), deflectere de virtutis curriculo. 1852. FRISCH 2, 199c erklärt die wendung: amare prava consortia, in praecipitia deduci, inconsiderate agere, in declivi et praecipiti loco esse. die schlimme seite erscheint in einer ähnlichen wendung der guten gegenübergestellt: von der guten auf die schlimme seite gerathen, ab excitata fortuna ad inclinatam desciscere. STEINBACH 2, 446; etwas auf (heute von) der schlimmsten seite betrachten: ich erstaune über ihre geschicklichkeit, alles auf der schlimmsten seite zu betrachten. LESSING 1, 451; schlimmer sinn von worten, begriffen: etwas im schlimmsten sinne auffassen; ein schwätzer im schlimmsten sinne des worts; schlimmes zeichen:

jüngst in der liebsten vaterhause,
bewegt von lautem freudenbrause,
begegnete ein schlimmes zeichen.
         RÜCKERT 1 (1882), 626.

schlimme vorbedeutung, wendung, schlimmer ausgang. schlimme zeiten, aspera STEINBACH 2, 446. FRISCH 2, 199c. ADELUNG, zeit:

so geht's mit unsern herrn (den männern) in dieser schlimmen zeit;
es gehen zwanzig drauf, bis dasz ein halber freit.
         GÖTHE 7, 51;

ei! so schnell in dieser schlimmen zeit
verreisen?
         57.

schlimmer dienst, besonders in der wendung einem einen schlimmen dienst leisten:

ihr müszt verläumdet seyn. vermuthet ihr
den feind, der euch den schlimmen dienst geleistet?
         SCHILLER Wallensteins tod 2, 6.

schlimmer rath, adverbial schlimm berathen sein:

wie schlimm wir auch berathen waren,
mit dem ist gott und seine schaaren.
         werke 11, 255.

sich schlimm berathen haben:

du hast dich schlimm berathen, guter jüngling,
und nicht die richt'gen pfade ging dein herz.
         GRILLPARZER 6 (1887), 38.

bei andern bedeutungsverwandten ausdrücken, adjectivisch:

indem der spieler Pfiff -- erzürnte götter! --
durch einen schlimmen wurf ein auge jüngst verlor.
         LESSING 1, 28;

so bin ich hier, gerettet aus des sturms
gewalt und aus der schlimmeren der menschen.
         SCHILLER Tell 4, 1.

adverbial:

schlimm treffen wir bei mondenlicht.
         Shakesp. sommernachtstr. 2, 1.

schlimmer als gegensatz zu besser: Fiesko. .. wo besser als in meiner unendlichen leidenschaft kannst du diesen schaz (die tugend) niederlegen? Julia. gewis nirgends besser, und nirgends schlimmer. SCHILLER Fiesko 4, 12.

γ) 
die beziehung in solchem sinne auf zustände, erscheinungen der umgebenden natur, wie sie die folgenden verbindungen bieten: schlimmes wetter ADELUNG; schlimmer sommer: ich hoffte nach einem so schlimmen sommer einen guten herbst zu genieszen. GÖTHE 27, 5; schlimmer winter, in der folgenden stelle persönlich gefaszt (vgl. ι):

o winter, schlimmer winter!
wie ist die welt so klein!
du drängst uns all in die thäler,
in die engen hütten hinein.
         UHLAND (1864) 32

vermittelt eine ähnliche anwendung auf sächliche concreta: schlimmer weg, der schlecht zu passieren ist. ADELUNG: und wenn wir dann nach einem heiszen tag', nach ausgestandenen fatalitäten, schlimmem weg' im winter, wenn wir eintrafen, in manche noch schlechtere herberge wie diese ist. GÖTHE 10, 150; schlimmes wasser, gesundheitsschädliches:

hier sah ich mich gezwungen,
des schlimmen wassers wegen meinem magen
die zufuhr abzuschneiden.
         WIELAND übers. von Horazens sat. (1794) 1, 169.

δ) 
die bedeutung des schädigenden, die bei concreten dann meist hinter der des minderwertigen zurücktritt (vgl. 2, b, α), erscheint verstärkt und verinnerlicht in fügungen gleich den folgenden: ich kam in die gegend, welche mit recht den namen schlimme mauer führt: denn es ist dort niemals ganz geheuer. GÖTHE 24, 81 (die bezeichnung soll übrigens aus dem namen des ehemaligen besitzers, Slymme, verdreht sein. ANDRESEN volksetym.4 118); aber niemand entgeht seinem schlimmen stern. HEBBEL 9 (1891), 11.

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ε) 
zum begriffe des furchtbaren, schweren erscheint sie erhoben bei wörtern, die schon den begriff des ungünstigen, schädigenden in sich schlieszen: schlimmer sturm, schlimmes unwetter, gewitter, schlimme sünde, schlimmes verbrechen, schlimmes unglück:

o, ich befürchte sehr ein schlimmes unglück.
         Shakesp. Romeo 5, 3;

schlimmer aberglaube:

der aberglauben schlimmster ist, den seinen
für den erträglichern zu halten.
         LESSING 2, 311 (Nathan 4, 4).

von hier aus erklärt sich die mundartliche verwendung des wortes als allgemeine adverbiale verstärkung, vgl. furchtbar, ungeheuer, engl. awfully in solchem gebrauche: nd. noch slimmer lâpen, noch stärker laufen. SCHAMBACH 195a.

ζ) 
statt auf ein eigentliches subst. erscheint schlimm in solcher anwendung auch auf einen infin. bezogen:

vielen gefallen ist schlimm.
         SCHILLER 11, 179.

ebenso auf einen infin. mit zu:

zu zaubern, gift zu mischen,
ist nicht so schlimm!
         GÖTHE 7, 67.

auf einen nebensatz in fügungen wie: es ist schlimm, dasz, wenn, verkürzt schlimm, dasz, wenn: aber mit diesem nothstaat, der nur aus seiner naturbestimmung hervorgegangen, und auch nur auf diese berechnet war, konnte und kann er (der mensch) als moralische person nicht zufrieden seyn -- und schlimm für ihn, wenn er es könnte! SCHILLER 10, 279;

ein einzig böses weib lebt höchstens in der welt:
nur schlimm, dasz jeder seins für dieses einz'ge hält.
         LESSING 1, 9.

schlimm genug, dasz, wenn:

schlimm genug, dasz deiner sache
du nicht gewisser warst!
         2, 355 (Nathan 5, 8).

auch als entgegnung auf eine vorhergegangene bemerkung, mit verschweigung eines als pronomen oder nebensatz zu denkenden subjects: schlimm genug! ähnlich desto schlimmer: postmeisterin. .. werden sich schon legen, die stolzen wellen. madame Sommer. desto schlimmer. GÖTHE 10, 136; Razmann. .. ich sage dir der ruf unsers hauptmanns hat auch schon ehrliche kerls in versuchung geführt. Spiegelberg. desto schlimmer. SCHILLER räub. trauersp. 2, 7. eingeschoben: was noch schlimmer ist: einem schnell einfallenden regengusz aber ist's nicht untersagt, allen den in die ecken geschobenen kehrig aufzurühren, in die canäle zu schleppen, ja, was noch schlimmer ist, in die abzüge zu führen, die nur zum abflusz des wassers bestimmt sind. GÖTHE 27, 143. mit anderen pronom. prädicativ verbunden:

im haus' ist nichts so schlimm, die zeitung macht es gut.
         7, 45;

hat es (das geld) Sophie wohl selbst? verflucht! das wär noch schlimmer!
         79;

nein! das ist schlimmer, o! viel schlimmer, freund!
als wir's in Wien uns hatten träumen lassen.
         SCHILLER Piccol. 1, 3.

nd. dat, et is nich slim, hat nichts zu bedeuten, häufig als ablehnung des danks, auch als frage: is denn dat slim? SCHAMBACH 195a. gnomisch: nd. dat is slimmer, as schelm kum heruut, das ist ein loser schelmenstreich, das ist so schlimm, als es nur sein kann. brem. wb. 4, 831; nichts ist so schlimm, es ist zu etwas gut. SIMROCK 428, 9086;

s'ist nichts so schlimm als man wohl denkt,
wenn man's nur recht erfaszt und lenkt.
         FRIEDRICH Stradella 2, 8.

mit adjectiven:

lau
ist schlimmer noch als kalt.
         LESSING 2, 339 (Nathan 5, 5).

η) 
in besonderer weise entwickelt sich das wort durch die beziehung auf körperliche zustände. dem bisher entwickelten gemäsz kann die wendung es steht schlimm um einen ohne weiteres auch auf körperliches befinden angewandt werden. ebenso erklären sich daraus leicht ausdrücke wie eine schlimme krankheit und ein schlimmer fall, in der sprache der ärzte. ähnlich, veraltet, einen schlimmen umstand haben: ihr habt einen schlimmen umstand, doch wird euch zu helfen sein, wenn ihr folgen wollt. HEBEL 2, 140. wie hier so hat auch in dem volksthümlichen schlimm krank sein, werden: nd. he is slim krank TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 200a das wort den sinn von bedenklich. man sagt weiter einem ist, wird schlimm, seltener persönlich einer ist, wird schlimm, ihm wird übel, schlecht, er fühlt neigung zu ohnmacht oder erbrechen: es musz ihr wohl recht sehr schlimm seyn. GELLERT bei ADELUNG; wo einer, es sei schriftlich oder mündlich, dem mäcenaten so unmäsziglich

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räuchert, dasz diesem schlimm darob wird. KLOPSTOCK 12, 54; wenn sie länger verziehen, so wird ihre mama glauben, dasz sie sehr schlimm sind. WEISZE bei ADELUNG; die baronin. .. es wird mir schlimm -- Lotte! -- ach! die damen. eine ohnmacht! GOTTER 3, 402; mir wird so schlim. FRISCHBIER 2, 286b; hålts mih, miar wiard schlimm! CASTELLI 244. HÜGEL 139b; man sagt auch, so in Posen, wenn man etwas übertriebenes hört: dasz mir nicht schlimm wird. BERND 264. aber auch im weiteren sinne von 'krank' wird das wort gebraucht: bettlägrig und schlimm genug bin ich freilich einige tage gewesen. LESSING 12, 531; sie fanden sie (die kranke) auch wirklich schlimmer, als sie vermutheten. GÖTHE 19, 251; nd. ganz slimm wesen, sehr krank sein. brem. wb. 4, 831. gern wird es volksmäszig von erkrankten, besonders verwundeten, geschwollenen, entzündeten gliedern des körpers gesagt: einen schlimmen fusz, finger, eine schlimme hand, ein schlimmes auge haben, so auch nd. TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 200a.

θ) 
anders modifiziert und verinnerlicht in sonstiger anwendung auf lebewesen, wie gefährlich, zum schaden geneigt, nach ADELUNG nur im gemeinen leben. so von thieren: ein schlimmer hund ADELUNG; im bilde:

das schlimmste thier.
wie heiszt das schlimmste thier mit namen?
so fragt ein könig einen weisen mann.
der weise sprach: von wilden heiszts tyrann,
und schmeichler von den zahmen.
         LESSING 1, 22.

ι) 
tiefer von personen: ein schlimmer knabe ADELUNG; die schlimmen monarchen. SCHILLER 1, 341;

der schlimmste neidhart ist in der welt,
der jeden für seines-gleichen hält.
         GÖTHE 3, 308.

im bilde: der müsziggang der schlimmste feind der jugend. GELLERT bei ADELUNG. sprichwörtlich: je slimmer schelm, je beter glukk, je ärger schelm, je besser glück. brem. wb. 4, 831;

jo slimmer schelm, jo grötter glücke,
jo krümmer holt, jo beter krücke.
         WOESTE 241a.

das wort nähert sich so dem begriffe von 'schlecht, moralisch verderbt, minderwertig': wenn ich einen menschen in einem stücke als sehr schlimm und gottlos kenne, so darf ich ihm in allen andern eben auch nicht viel gutes zutrauen. PESTALOZZI Lienh. u. Gertr. 1 (1790), 105;

ich bin nicht schlimm, mein vater -- heiszes blut
ist meine bosheit, mein verbrechen jugend.
schlimm bin ich nicht, schlimm wahrlich nicht -- wenn auch
oft wilde wallungen mein herz verklagen.
         SCHILLER don Karlos 2, 2.

in solchem sinne dann auch: ein schlimmes gemüt. eine schlimme that. adverbial:

o wüszest du, wie alle von dir sprachen,
so arg, so schlimm.
         GRILLPARZER 4 (1887), 152.

κ) 
schlimm erscheint daher als gegensatz von gut in moralischem sinne: schlimm oder gut, sind wir übereingekommen, seyen prädikate, die eine handlung erst in der seele erlange. SCHILLER 4, 300;

wo falsch und wahr und schlimm und gut
sie längst auf formeln brachten.
         GRILLPARZER 5 2, 135.

adjectivisch (prädicativ) oder adverbial:

die menschen, die man ihm bald gar zu gut beschrieben,
bald gar zu schlimm.
         WIELAND 9, 154.

den bedeutungsübergang vom schädigenden zum sittlich verwerflichen veranschaulicht die folgende stelle:

der prüfstein trügt dich nie: gut ist, was wohl dir thut,
und das ist schlimm, o herz, wobei dir schlimm zu muth.
         RÜCKERT (1882) 7, 372.

λ) 
auch sich zu der bedeutung 'böse, erzürnt' entwickelnd, nur mundartlich: die mutter ist schlimm, aufgebracht, schilt FRISCHBIER 2, 286b; sonst ward der vader schlemm ebenda. milder wie ernst: er sieht so schlimm aus, macht stets eine ernste miene. ebenda.

μ) 
wie scharf, alles mit übertriebener pünktlichkeit und genauigkeit verlangend: ein schlimmer hausherr, eine schlimme frau ADELUNG, nd. de herrschop is slimm, sagt das gesinde, wenn sie scharf und genau auf ordnung hält. DÄHNERT 430a.

ν) 
listig, verschlagen brem. wb. 4, 831. DÄHNERT 430a. TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 200a. WOSSIDLO 170: nd. een slimmen schelm, ein schlauer gast brem. wb. 4, 831; he was mi to slimm. ebenda; een slimmen kopp. ebenda; sprichwörtlich so slimm, as rottenkruud, sehr schlau und verschlagen. ebenda. SCHÜTZE 3, 310.

ξ) 
im verkehr mit frauen durch schlauheit und dreistigkeit gefährlich, lose, einer, dem nicht zu trauen ist. FROMMANNS zeitschr.

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3, 231, 10 (fränk.-henneb.
). SPIESZ 216. HUNZIKER 223. SEILER 255b: (frau Humprecht zu v. Gröningseck) sie sind auch gar zu schlimm, dasz sie es nur wissen. WAGNER kindermörd. 13 (neudr. s. 10).

b) 
im allgemeineren sinne von 'schlecht, minderwertig, gering, unrichtig, unzweckmäszig beschaffen', seltener in neuerer als in älterer sprache, eine anwendung, die wol theils an a anknüpft, theils unmittelbar aus 1 entwickelt ist.

α) 
von gegenständen: mnd. ik danke di, Jhesu, dat du dy letest winden in slymme unde wullen doke. quelle bei SCHILLER-LÜBBEN 4, 239b; is by nachte in slymmen kledern hemeliken van der borgh gewecken. quelle ebenda; manlath dat is en penningh der slimmesten munte. quelle ebenda; bystu doch (o mynsche) eyn slymme ertrick unde aschen. quelle 240a; schlimmester teil, pars postrema, sequior, vilissima STIELER 2268; schlimme augen haben, unbrauchbare, die nicht gut sehen können ADELUNG. sprichwörtlich: mnd. dar is neen drek so slym, he wyl enen slimmeren hebben. quelle bei SCHILLER-LÜBBEN 4, 240a. das gleiche meint wol die folgende fassung, die aber auch moralisch gewandt werden kann: es ist keiner so schlim, er wil einen schlimmern haben. PETRI 2, Aa 8b; schlimmes leder, schlimme schuh. GOTTSCHED d. sprachk. 555. von münzen auch wie unecht, falsch: ein schlimmer schilling FRISCHBIER 2, 286b. schlecht, mit bezug auf künstlerischen wert: das stück war nicht schlimm. GÖTHE 27, 124.

β) 
von thieren wie unbrauchbar: ich musz bekennen, dasz die henn nicht schlim ist, aber 3. thaler ist gleichwohl zuviel geld darvor. Simpl. 4, 252, 17 Kurz;

verwünschtes thier! bricht endlich Hansens grimm
laut scheltend aus, indem die hiebe flogen.
so bist du denn zum ackern selbst zu schlimm,
mich hat ein schelm mit dir betrogen.
         SCHILLER 11, 21;

sprichwörtlich: mnd. it is ein slim pe̜rt, dat syn eigen voer nicht vordeinen kan. TUNNICIUS 953.

γ) 
von menschen mit bezug auf seine erschaffung: mnd. du scalt bedencken dine groten slimheit jeghen sine groten hocheit, wo slim du bist gemaket von aschen und drecke. quelle bei SCHILLER-LÜBBEN 4, 239b. mit bezug auf körperliche untüchtigkeit:

habt jhr dann, sagt der heyd, ein solches schlecht vertrawen
zu mir, dasz jhr euch last in meinem beyseyn grawen,
dasz jhr mich also schlim, und so untüchtig acht,
dasz ich nicht schützen könt euch für des ritters macht.
         DIETR. V. D. WERDER Ariost 1, 80, 3.

auf geistige vielleicht in folgender stelle: mnd.

o Rustevyl, du slymme dwas (armer thor?),
du arme slumpe grove wycht,
machstu solke spyse nicht ...?
         Reinke de Vos 830 Prien.

betreffs der übertragung des worts auf moralisches gebiet, s. a, ι. mit bezug auf rang, gesellschaftliche stellung: mnd. alse he sede, he were gades bade, hebben em de Wollinschen geantwerdet, id werde got so slimme diener nicht hebben, alse he were, de so slicht unde nakent hergingen. quelle bei SCHILLER-LÜBBEN 4, 239b.

δ) 
daher auch mit wörtern wie amt, art verbunden: to eneme slymmen ambachte. quelle ebenda; wente de hertige van so slymmer art unde slechte(n) geboren was, dat he so eddelen blodes unwerdich was. quelle ebenda; dâr nâ bevôlen se er ein slim ambacht in dem klôster. quelle bei SCHRÖDER vruwenlof u. van S. Marinen 15, 51. in sonstiger beziehung auf eigenschaften oder thätigkeiten: ein schlimmer bezahler, malum nomen FRISCH 2, 199c;

wach auf, steh auf, herr, lasz nu sehen,
wie du, erzürnet, kanst umbgehen
mit deinen feinden, und wie schlim
für deinem schweren grim jhr grim.
         WECKHERLIN 21.

ε) 
adverbial: ich bin schlimm mit dir zufrieden. SCHILLER Fiesko 2, 13; sie (die darsteller eines schauspiels) machten es nicht schlimmer als eine angehende liebhabertruppe. GÖTHE 27, 8; moralischer bedeutung nahekommend, vergl. 2, a, k: sie wollten verbessern, marquis, was ich schlimm gemacht. SCHILLER dom Karlos 4, 7.

ζ) 
schlimm in solcher verwendung als gegensatz zu gut: wenn ich aber besser trincke vinum, so rede ich latinum, und zwar nicht das schlimste, sondern auszbündig gut küchen-latein. SCHUPPIUS 544. gnomisch: wie kan man aus schlimmen eisen ein gut schwerdt machen? pers. rosenth. 1, 5.

η) 
auch wie gering in quantitativer beziehung, wenig: Andreas der apostel ein .. hat von einem knaben klein, fünff gersten

Bd. 15, Sp. 720

brod empfangen, und auch zween fisch, die bracht er jhm, und sprach: was hilffts, dens ist zu schlim, unter den grossen hauffen. RINGWALD evang. (1646) M 4a.

3) 
substantiviert.

a) 
als masc.

α) 
von personen mit bezug auf geringe körperliche tüchtigkeit:

da war gar keine furcht bey heyden mehr zu sehen,
der schlimste wolt' es wol mit hundert, an jtzt gehen.
         DIETR. V. D. WERDER Ariost 26, 22.

β) 
von geringem ansehen: ein sammet baret, darin ich mich nicht der schlimmste zu sein gedaucht. SCHWEINICHEN 1, 46.

γ) 
mit sittlicher beziehung: sie zerbrechen sich die köpffe wie es doch möglich gewesen wäre, dasz die natur hätte können einen Ischariot schaffen, und nicht der schlimmste unter ihnen würde den dreyeinigen gott um zehen silberlinge verrathen. SCHILLER räuber schausp. 2, 3.

δ) 
neckisch schlimmer wie loser, böser:

willkommen, du viel schlimmer,
in meines vaters haus!
         UHLAND ged. (1864) 234.

ε) 
der schlemme, schiefe, wirkliche oder fingierte bezeichnung eines tanzes, vergl. schlemmer unter schlimmen. von einem krummbeinigen, schiefgewachsenen (compernis, obliquus): einer der den schlemmen wol trätten kan. MAALER 355a.

b) 
schlimmes, schlimmeres: nach 2, a, β: weil nichts schlimmers daraus erfolgt, als dasz wir hier bleiben. LESSING 1, 317; er habe damit nur so viel sagen wollen, dasz das jahr 1810 dem geneigten leser gutes und schlimmes untereinander, und manchmal auf den nämlichen tag bringen werde. HEBEL 2, 170;

sag an und weder schlimmes hehle mir
noch gutes.
         SCHILLER braut von Mess. 2114.

sittlicher bedeutung sich nähernd, vgl. 2, a, κ: und den will ich sehn, der mir etwas schlimmes nachreden kann. LESSING 1, 331. das schlimme, schlimmere, schlimmste (verstärkt das allerschlimmste), nach 2, a, β:

jedoch das allerschlimmste,
das haben sie nicht gewuszt;
das schlimmste und das dümmste,
das trug ich geheim in der brust.
         H. HEINE 1, 75 Elster (buch der lieder, lyrisch. interm. 24);

schon hatte sich Wilhelm gefaszt gemacht, das schlimmste von ihr zu hören. GÖTHE 18, 178. sich auf das schlimmste (die ungünstigste nachricht, den ungünstigsten ausgang) gefaszt machen. das schlimme, schlimmste (bei einer sache) ist:

und das schlimmste war, ich konnte gar nicht wehren.
         GÖTHE 7, 103.

eingeschoben was das schlimmste war: und was das schlimbste war, so flickte der bruder laicus noch immerhin nur alte (schuhe). Simpl. 3, 379, 10 Kurz; Theophan. sie lieben Julianen? Adrast. (spöttisch) und was das schlimmste dabey ist, ohne den Theophan um erlaubnisz gebeten zu haben. LESSING 1, 441. sprichwörtlich: wir argwonen immer das schlimmere. EISELEIN 551; das schlimmste ist noch nicht vorbei. ebd.; das schlimmste kommt erst nach. ebenda; SIMROCK 428, 9087;

auf dieses öde, meerumtobte land (St. Helena)
ward in der väter zeit vor grauen jahren
ein mächt'ger weitberühmter mann verbannt, ..
im groszen wie im schlimmen unerreicht.
         GRILLPARZER 5 2, 87.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMASSEL, subst., nebenform zu schlamassel, schlammassel, s. dieses oben sp. 428. im sinne von unglück in den redensarten: wann e schlimm - massel kommt, so kommt es nicht allein. WANDER 4, 241; wann das schlimm-massel kommt, darf mer'm 'nen stuhl stellen. ebenda. östr. auch wie 'verlegenheit': hiazd bin ih rechd in schlimassl. CASTELLI 244.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMAUF, et ubelauf, male constitutus STIELER 64.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMBESSERN, verb. verschlechtern in der absicht zu verbessern, auch verschlimmbessern: verschlimmbesserte codices gab es schon früher. F. A. WOLF zu Platons Phaedon (1811) 11.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMBESSERUNG, f. zum vorigen.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMME, f. zu schlimm, schiefe (vgl. schlimm 1), veraltet, ahd. slimbi: crehti alde crumbi unde daჳ tien gelich ist, so slimbi ist unde scrégehôri. quelle bei GRAFF 6, 793; nach der schlimme, schief, schräg: derselbige (kanal am kopfe des pferdes) .. erstreckt sich nach der schlimme bisz an die höhle, welche wir nachmals die dritte cammer nennen werden. UFFENBACH neues roszb. (1603) 4; einen nach der schlimm ansehen. voc. von 1618 bei SCHM.2 2, 523. als gegensatz zu nach der sträcke, gerade: die (zederlein am schwanz des pferdes) haben an jrem obertheil ein runde form und gestalt wie der

Bd. 15, Sp. 721

mastdarm selbst, nemmen nachmals von dannen ihren weg zum theil nach der sträcke, zum theil nach der schlimme allesampt mit einander an einen ort. UFFENBACH 137.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMEN, verb. zu schlimm, schlimm machen oder schlimm werden CAMPE, in letzterem sinne schweizerisch STALDER 2, 329. HUNZIKER 223, in neuerer schriftsprache ungebräuchlich. STIELER 1852 bemerkt: inusitatum, sed poëtis incognitum haut est, praesertim in compos. ut: anschlimmen, seducere, beschlimmen, corruptelarum illecebris irretire, verschlimmen, ad facinus flectere. der neben schlimm in älterer sprache und heutigen mundarten begegnenden form schlemm entsprechend erscheint in gleicher weise hier eine nebenform schlemmen, älter slemmen, meist gleich schlemm in sinnlicher bedeutung, entweder transitiv wie umkehren, umstürzen (eigentlich schief machen): wo rein wæren in æckern di der ober nit schlemen wœlt, mag der under mit eim pflug schlemen wie billich ist. weisth. 6, 317 (1495); vielleicht freier auch wie verwüsten (wenn nämlich die folgende stelle hierher und nicht zu schlemmen prassen gehört, was wegen des reims auf ë und des zusammenhangs weniger wahrscheinlich ist, vgl. LEXER mhd. handwb. 2, 971):

margraf Karle het ein böses vernemen,
win und frucht umb Heidelberg wolt er slemmen.
         LILIENCRON volksl. 1, 114, 3

(vgl. v. 4: das Neckertal wolten sie gar han gebrant),

oder reflexiv, so schweiz. wie in schräger richtung laufen: das gut schlemmt sich unten einwärts, der untere theil geht weiter einwärts, es schlemmt sich da nichts, da geht alles gerade (ob übertragen?). STALDER 2, 328. dazu schlemmer, m. eigentlich der schief geht, in der folgenden stelle, die einen krummbeinigen meint, wirkliche oder fingierte bezeichnung eines tanzes: den schlemmer trätten, krumm und schlemm einhinschiegken, varicari MAALER 356a. vgl. der schlemme unter schlimm 3, a, ε.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMERER, m. zu schlimmern, et verschlimmerer, corruptor, malefactor, adulterator, seductor, sycophanta STIELER 1852.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMERIN, f. zum vorigen, verschlimmerinn, corruptrix STIELER 1852.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMERN, verb. zu schlimmer, comparativ von schlimm.

1) 
schlimmer machen, in heutiger schriftsprache nur im compositum verschlimmern gebräuchlich, schlimmern, et verschlimmern, deteriorem facere, corrumpere, depravare, labefactare, a recta ratione detorquere STIELER 1852, nd. slimmern brem. wb. 4, 831. an die ursprüngliche sinnliche bedeutung von schlimm scheint die folgende stelle zu rühren (vgl. schlimmen): (im bilde)

wann eines baut, das ander schlimmert,
so wird gar bald ein werck zertrümmert.
         Simpl. 3, 460 Keller (vogelnest 1, 16 zusatz).

2) 
schlimmer werden, so schweiz. STALDER 2, 329 und niederd. slimmern brem. wb. 4, 831. mit bezug auf körperliche zustände (vgl. schlimm 2, a, η): he slimmert, seine krankheit nimmt zu. ebenda.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMERN, verb. schweiz. heimlich naschen, besonders von kindern und weibern STALDER 2, 329 gehört wol zu schlemmen, prassen.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMERUNG, f. zu schlimmern, schlimmer machen, werden, heute wie dieses nur in zusammensetzung mit ver-, schlimmerung, et verschlimmerung, depravatio, corruptio, corruptela STIELER 1852, im gegensatz zu besserung: nun liesz es sich manchen tag zur besserung an, des andern tags aber zu einer schlimmerung. Salinde 132.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMES, n.? ein kleines sichelförmiges messer zum beschneiden der weinstöcke KLEIN provinzialwb. (1792) 2, 122 (Coblenz). JACOBSSON 7, 236b. wol mit schlimm im sinne von krumm zusammenhängend (s. dieses 1).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMGESINNT, adj., substantiviert: die neutralen fingen an zu wanken, die getreuen zu verzagen, nur die schlimmgesinnten hatten muth. SCHILLER 8, 78.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMHEIT, f. das schlimm sein, heute ungebräuchlich.

1) 
sinnlich, obliquitas vocab. bei SCHERZ - OBERLIN 1417, curvitas, flexura, anfractus STIELER 1852: schlimmheit des gesichtes, oculi retorti. ebenda.

2) 
unsinnlich, usitatius autem malitia, nequitia, improbitas, vitiositas, malignitas, it. astutia, calliditas, versutia, vafrities. STIELER 1852: schlimmheit der zeiten, temporis injuria. ebenda. mnd. slimheit, niedrigkeit, wertlosigkeit, bösartigkeit SCHILLER-LÜBBEN 4, 240a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMIG, adj., weiterbildung von schlimm, in der schriftsprache nur aus älterer zeit und in der genitivischen adverbialform schlimmigs (s. dieses) bezeugt, in heutigen mundarten der

Bd. 15, Sp. 722

nebenform schlemm entsprechend schlemmig, schief, schräg, abhängig SCHM.2 2, 522. mnd. slimmich, böse, übel SCHILLER-LÜBBEN 4, 240b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMIGKEIT, f. zum vorigen oder unmittelbare weiterbildung von schlimmheit (vgl. roheit und rohigkeit), dasselbe wie dieses STIELER 1852, mnd. slimmicheit SCHILLER-LÜBBEN 4, 240b, nnd. slimmigheid TEN DOORNKAAT KOOLMAN 3, 200. im sinne von feigheit (vgl. schlimm 2, b, γ):

damit der wanckelmuth dich nicht hernach bezwinge,
und das hernachmal dich dein lebelang es präst',
als du aus schlimmigkeit den zaubrer leben lest.
         DIETR. V. D. WERDER Ariost 13, 51, 8;

und als die Schotten er so sieht mit groszen hauffen
wegfliehen, schreyet er: ey wohin wolt jhr lauffen?
ey was für schlimmigkeit, vernehm ich jetzt in euch,
dasz jhr für diesem volck euch lasset finden weich?
         16, 59, 3.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMIGS, adv. zu schlimmig, genitivischer bildung (vgl. gramm. 3, 91). im sinne von schief: und so solches in eim bein geschehe, zu kurtz oder zu lang, krumb, oder schlimmigs in der form, als dann volbringts die natur in sein endt. PARACELSUS (1616) 1, 678 A.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMLICH, adj., weiterbildung von schlimm. schlimlig, nequam SCHMIDTS idiot. Bernense in FROMMANNS zeitschr. 3, 448a. mnd. slimlik(en), slimmelk(en), adv. elend, schlecht, übel SCHILLER-LÜBBEN 4, 240a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMLING, m. schlimmer mensch: es hat mich tausendmal gewundert, wie er auch so ein schlimmling hat seyn können, da er doch so viel wuszte. PESTALOZZI 1, 173.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMS, adv. zu schlimm, genitivischer bildung (vgl. gramm. 3, 773), schief, schräge (vgl. schlimm 1), schlimsz transversus DASYP., schlyms obliquus DIEF. 387c, älter slimbes (belege unten), daneben slems LEXER mhd. handwb. 2, 980, schleyms quelle von 1516 bei TOBLER 388b, sleins? Dioclet. leb. 3542 (s. unten). der heutigen schriftsprache fremd, mundartlich aber noch sehr lebendig: schlems HÖFER 3, 94. SCHM.2 2, 522. SCHMID 466. TOBLER 388b. schlems, schlöms (neben schrems, schröms) LEXER kärnt. wb. 226, schlîms, schliems FROMMANNS zeitschr. 6, 389 (henneb.-fränk.), schliems REINWALD 2, 111. SPIESZ 216: sô der môn aufgêt in etsleichem reich oder in etsleicher wonung, dâ ain mer ist, sô wirft er seinen schein slimbes auf daჳ mer. MEGENBERG 101, 34 (lesart, im text: schelchs); ist es aber schlimsz under sich (sc. gestochen), dჳ ist ain klaine wund. BRAUNSCHWEIG chir. (1539) 9b; (er) wurff breite kiselstein am gestaden schlimms auffs wasser, das sie ob dem wasser weisz nicht wie viel sprüng thaten. Garg. 179b. im gegensatze zu schlechts, gerade: doch must du auffmerckung haben ob der stich schlechts oder schlimsz eingat. BRAUNSCHWEIG chir. (1539) 9c. freier einen schlimms ansehen, scheel, eigentlich mit schiefen augen, von der seite: der narr sihet sie schlimbs an und spricht: 'höre auff du bräckin, oder ich sage dir auch die fünff wort, das man waisz, wer du bist!' LINDENER schwankb. 76 Lichtenstein; der juncker sihet den wirt schlimbs und saur an. 111;

der ritter sach sy sleins an,
er sprach 'den flůch gottes habe dir'.
         Dioclet. leben 3542 Keller

(im mhd. wb. 2, 2, 402b als schlems angeführt. conjectur oder druckfehler?);

do wart der keyszer ein zornig man
und sach die frawe slimbes an.
         KELLER altd. gedichte 196, 24.

hier auch im gegensatz zu recht: wie sihestu meinen herrn so schlembs an, sihe jn recht an. PAULI schimpf u. ernst 75. durch vermischung mit dem gleichbedeutenden adverbialen ausdrucke nach der schlimme, schlemme (s. oben schlimme) entsteht die wendung nach der schlems. SCHM.2 2, 522; in bildlichem sinne:

anlangend die stadt Krems
geht alles nach der schlems.
         quelle des 17. jh. ebenda.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMSTICH, m. bezeichnung einer art von stichen in der malernaht (s. dieses), die nach schneckenart schlimm (d. h. krumm, schräg, vgl. schlimm 1) herum an einander gestochen werden. JACOBSSON 7, 236b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMSWEISE, adv. weiterbildung von schlimms, gleicher bedeutung, wie dies nur in älterer sprache, auch schlimbsweisz (vgl. schlimbs als ältere form von schlimms): gleicher gestalt sollen auch die thor (in festungen) zu machen bedacht, und achtung darauff geben werden, damit sie in allen gebeuwen nit gleich für einander, sondern schlimbsweisz nach einander gesetzt werden, damit nit in einem schusz durch alle thor, so beyeinander seyn, geschossen, auch darzwischen sicher

Bd. 15, Sp. 723

und rüwig zu wandlen, und dardurch ausz und eynzukommen sey (am rande: thor sollen schreg für einander stehn). FRONSPERGER kriegsb. 1 (1578), 131a; dise gruben (bei pomeranzenbäumchen) soltu auch dermasen machen, das sie allwegen inn die höhe uber sich etwas engerer werde, unten aber bei der wurtzel schlimsweisz gehe. SEBIZ feldb. (1579) 275; wann die setzlingstammen ungefähr eynes fingers dick sein, soltu sie eynes halben oder gantzen schuchs hoch von der erden schlimsweisz eynem geiszfusz gleich, schneiden und spalten, und darnach eyn eyntzig beltzzweiglin (pfropfreis) darein setzen. 327.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMMVERWAHRT, adj.:

zu stark für dieses schlimmverwahrte herz
war die versuchung! hätte sie doch selbst
dem bessern mann gefährlich werden müssen!
         SCHILLER Piccol. 1, 3.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLIMPFENSCHLEGLEIN, n.? pflanzenname, evonymus europaeus NEMNICH, bei GESNER und RUELLIUS (16. jh.) schlimpferschlaglinholz, bei GLEDITSCH (18. jh.) schlumpfenschläglein. PRITZEL - JESSEN 150a, vgl. schimpferschlegelein oben sp. 179.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLINDEN, verb., s. schlingen, glutire.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLINDERN, verb., nebenform zu schlendern: slindern, serpere. quelle im mhd. wb. 2, 2, 403a, so auch mnd. SCHILLER-LÜBBEN nachtr. 263b, nnd. im sinne von 'auf dem eise gleiten'. brem. wb. 4, 831 (vgl. schlendern 3, b oben sp. 631) und daher in dieser bedeutung als schlindern in die hd. umgangssprache nd. gegenden gedrungen. auch ein subst. schlinder, f. gleitbahn, glitsche, gebraucht man dort.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLINGBALKEN, m. bezeichnung der balken, die bei der herrichtung des untern rostes zu einem wasserbau quer auf die grundpfähle gezapft werden. JACOBSSON 7, 237a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLINGBAUM, m. bezeichnung mehrerer pflanzen.

1) 
K. V. MEGENBERG schlägt slingbaum als namen für den epheu vor, mit ausdrücklicher beziehung auf slingen, nectere (vgl. schlingen III, 2): edera haiჳt ain epaum oder ain ertpaum, aber er hieჳ pilleicher ain slingpaum, wan er slinget sich über al auf die maur oder auf die want, dar zuo er sich gesellet. 321, 25.

2) 
als übersetzung von fraxinus begegnet bei demselben slintpaum: fraxinus haiჳt ain slintpaum in etleicher däutsch. 324, 14. das adj. dazu lautet bei ihm slintpäumein: und daჳ slintpäumein (fraxineus) holz ist niht gar weiჳ, eჳ ist nâhent aschenvar. 22; wol in gleichem sinne: cantarides haiჳent paumwürm, die zuo obrist auf den esten wahsent an slintpäumeinen paumen oder an andern paumen auჳ fäuhten. 299, 29. der beschreibung des baumes nach (s. 324. 325) scheint er die esche zu meinen, deren regelmäszige lateinische bezeichnung fraxinus ist. wenn WEIGAND recht hat, der den namen mit slinden, heutigem schlingen, glutire zusammenbringt und dadurch erklärt, dasz die blätter der esche als viehfutter dienen (wb.4 2, 591), so würde das wort heute der umbildung des verbums zu schlingen gemäsz (s. dieses unten) wahrscheinlich schlingbaum lauten.

3) 
nhd. heiszt gewöhnlich der kleine mehlbaum, viburnum lantana schlingbaum. TABERNAEMONT. (1664) 1461 C. FRISCH 2, 200b. ADELUNG. NEMNICH 2, 1561. HÖFER 3, 96. OKEN 3, 1856. PRITZEL-JESSEN 434b, nach ADELUNG wegen der schlanken zweige (so auch nach FRISCH a. a. o.), die zu vogelschlingen benutzt werden (vgl. schlingenbeere), oder durch umbildung des slav. kalina (demin. kalinka), der bezeichnung des verwandten wasserholunders, viburnum opulus, deutsch auch kalinke, kalinkenbeere (s. dieses oben theil 5, 64). demnach scheint es, als ob die bezeichnung ganz andern ursprungs ist als das unter 2 erwähnte mhd. slintpaum. möglicherweise liegt aber doch das gleiche wort vor. dafür spricht bair. schlinden neben schlingen, viburnum lantana, und die adjective schlinden, schlindbäumen, viburneus SCHM.2 2, 526 (vgl. slintpäumein unter 2), weiter das bei TABERNAEM. (1664) 1461 C als ndl. name dieses strauchs angeführte cleyne essche, schlieszlich, dasz die pflanze ähnliche chemische eigenschaften hat wie die esche. cimbr. heiszt sie slimbid, wahrscheinlich entstellt aus sling-bid, schlingweide. cimbr. wb. 232b.

4) 
auch der färber- oder gerberbaum, sumach, rhus coriaria, heiszt so. STIELER 115. ADELUNG. NEMNICH 2, 1156.

5) 
unverständlich ist die bei SCHM.2 2, 526 angeführte glosse schlindbaum, trumus.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHLINGBAUMHOLZ, n. holz vom schlingbaum, viburnum lantana JACOBSSON 7, 237a. s. das vorige 3.
 

 
SCHLIMMadj.
   tortus, obliquus, curvus; improbus, iniquus, perversus, malus, sinister, pravus, teter Stieler 1851, frühnhd. ...
  1) von der geraden richtung abweichend, schief, schräg, krumm, im früheren nhd. ganz gewöhnlich, heute nur noch in den ...
  2) übertragen, nicht auf das richtige ziel zugehend, nicht in der richtigen lage oder verfassung.
  3) substantiviert.
 
SCHLIMMERNv.
   zu schlimmer, comparativ von schlimm.
  1) schlimmer machen, in heutiger schriftsprache nur im compositum verschlimmern gebräuchlich, schlimmern ...
  2) schlimmer werden, so schweiz. Stalder 2, 329 und niederd. slimmern brem. wb. 4, 831 ...
 
SCHLIMMHEITf.
   das schlimm sein, heute ungebräuchlich.
  1) sinnlich, obliquitas vocab. bei Scherz - Oberlin 1417, curvitas, flexura, anfractus Stieler 1852
  2) unsinnlich, usitatius autem malitia, nequitia, improbitas, vitiositas, malignitas, it. astutia, calliditas, versutia ...
 
SCHLINGBAUMm.
   bezeichnung mehrerer pflanzen.
  1) K. v. Megenberg schlägt slingbaum als namen für den epheu vor, mit ausdrücklicher beziehung ...
  2) als übersetzung von fraxinus begegnet bei demselben slintpaum: fraxinus haiჳt ain slintpaum in etleicher ...
  3) nhd. heiszt gewöhnlich der kleine mehlbaum, viburnum lantana schlingbaum. Tabernaemont. (1664) 1461 C. Frisch ...
  4) auch der färber- oder gerberbaum, sumach, rhus coriaria, heiszt so. Stieler 115. Adelung. Nemnich 2, 1156.
  5) unverständlich ist die bei Schm.2 2, 526 angeführte glosse schlindbaum ...
 
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