Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971.
  SCHARMÜTZEL, n.  -  SCHARRE, f.   (Band 14, Spalten 2208 - 2214 )  
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARMÜTZEL, n. velitatio, dimicatio, conflictus, pugna, certamen. STIELER 1251. das wort, das schon aus dem 13. jahrh. belegt ist (LEXER mhd. handwb. 2, 665), wird in älterer zeit vorwiegend als masc. gebraucht: darnach wart eyn grosser scharmutzel. die ersten deutschen zeitungen 14 Weller; mich dünckt, da der satan ... dieses weibs rede hab angehört, werde er die trompete blasen und die kesseldrumm haben rühren lassen, und gedacht haben, nun werde der scharmützel recht angehen. SCHUPPIUS 174. auch SCHOTTEL 1394, STIELER 1251 und FRISCH 2, 163c bieten das gleiche geschlecht, während ADELUNG

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das neutr. als regelmäszig bezeichnet. der übertritt in das neutr. mag hervorgerufen oder begünstigt sein durch die diminutivgleiche form des worts, neben der in früherer zeit auch scharmütz begegnet. vgl. BLUMER geschlechtswechsel der lehn- u. fremdwörter im hochd. 75:

man sah auch in disem schar mücz
ain, hiesz Raltasser Nebelschücz.
         BEHEIM buch v. d. Wienern 180, 21 Karajan.

weitere der älteren zeit angehörige nebenformen sind scharmutzel, scharmitzel, scharrmützel, schärmützel, schermeuszel, schirmeuszel, schalmüszer plur. LEXER mhd. handwb. 2, 665. scharrenmützel:

mit scharrenmützel schieჳჳen
den werden nicht verdrieჳჳen
wegund.
         SUCHENWIRT 16, 35.

schermützel bietet noch SCHOTTEL 1397 neben scharmützel 1394. STEINBACH 2, 388 giebt seiner auffassung des worts gemäsz (s. u.) der schreibung scharmitzel vor der uns geläufigen den vorzug. historisches interesse verdient die von STIELER 1251 gegebene, von STEINBACH 2, 60 und ADELUNG angenommene erklärung als zusammensetzung aus schar und metzel, gemetzel, laniena, internecio, mactatio, trucidatio. thatsächlich entstammt das wort dem italienischen, dessen scaramuccia, scaramuccio, saramuzza, schermugio ableitungen vom verbum schermire sind, dem seinerseits das deutsche schirmen, mhd. schirmen, schërmen zu grunde liegt. das a des stammes der substantivbildungen mag sich durch den einflusz des deutschen und roman. scara, schar, erklären. DIEZ4 284. die franz. entsprechung ist escarmouche, die span. escaramuzo. mnd. begegnet scharmutzel, scharmutzinge, schalmuschinge SCHILLER-LÜBBEN 4, 51b, holl. schar-, schermutseling, dän. skjermydsel, m., schwed. skärmytsel, m. auch das engl. skirmish hat den gleichen ursprung. SKEAT2 558b. scharmützel wird vorzugweise gebraucht in der bedeutung kleineres gefecht, treffen: ein gefecht von partheyen, welches keine schlacht kan genennet werden. FRISCH 2, 163c, dann auch wie 'schlägerei' u. ähnl. ALBERUS erklärt proelium tumultuarium vel eruptio: in des noch volbringung mancherley scharmutzels, in den vil erber beder seiten gefangen wurden, doch der merer teyl yn die stat; wart dem bischoff von Coln wee an einem fusze, des halben er auffbrache und mit ym hertzog Leupolt von Osterich. d. städtechron. 3, 302, 15; nachdem. iren vil in aim schärmützel hart verwundt und zum thail erstochen. Zimm. chron. 1, 77, 33; es wardt von vilen gesagt, waver graf Gotfridt Wernher, ir alter herr, des scharrmützels in jener welt ein wissens, das im sollichs ein besondere frewde sein wurde. 4, 266, 10; es begibt sich aber einmal auff einem scharmützel, das die studenten den obersten (der stadtknechte) auf den Niclasen-kirchof bringen, das er in nit entwüschen kan noch mag, und schlagen in wehrlos, bringen under sich und dreschen in wol und rein natürlich ab. LINDENER schwankb. 172 Lichtenstein; zu Wittenberg, vor seinem (Fausts) hausz, erhub sich ein hader mit 7. studenten, wider 5. das gedauchte d. Faustum ungleich seyn, hebt an, und verblendet allen jhre gesichter, dasz keiner den andern mehr sehen kundt, schlugen also im zorn blinder weisz ein ander, dasz die so zusahen, ein grosz gelächter ab diesem seltzamen scharmützel hetten. volksbuch vom doctor Faust 84 neudr.; der doctor unnd ich stunden vor einen mann: unnd wäre der scharmützel gewisz redlich angangen, wann wir nicht von den andern, welche alle herbey geloffen kamen, von einander wären gerissen worden. PHILANDER 2, 724; nach einem dreytägigen scharmützel muszte er (Christian IV.) endlich bey dem dorfe Lutter am Barenberg dem feinde stehen. SCHILLER 8, 123; scherzhaft, mit bezug auf das werfen von zuckerwerk u. dergl. im römischen carneval: niemand ist vor einem angriff sicher; jederman ist im vertheidigungsstande, und so entsteht aus muthwillen oder nothwendigkeit, bald hier bald da ein zweykampf, ein scharmützel oder eine schlacht. GÖTHE 29, 253;

da er hat vil erliten
und manich rais geriten
in offem chrieg der gar gehewr,
scharmützl, stürm und schumphentewr.
         SUCHENWIRT 18, 538;

doch wardt in dem scharmützel
der feindt hart heym gesucht.
         SOLTAU volksl. 1, 328;

postbott spricht:
der köng war trawriger geber,
er war stets von hertzen betrübet.
der marschalck spricht:
sag an, was jn denn darzu ubet,
hat etwann ein scharmützl verlorn?
         H. SACHS 5 (1579), 235a;

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in dem scharmützel, sturm und schlacht
ist jhm an dapferkeit und macht (dem grafen von Mansfeld)
Achilles auch nicht zu vergleichen.
         WECKHERLIN 513.

sich im scharmitzel üben, ad velitationem se exercere. STEINBACH 2, 60; scharmützel halten, praelium committere, acie contendere, manus conserere. STIELER 1251; mit einem ein scharmitzel halten, praelio levi cum aliquo contendere. STEINBACH 2, 60; wie er denn auch mit ihnen etliche scharmützel gehalten. MICRÄLIUS altes Pommern 1, 69. scharmützel pflegen:

als er ans bstellt end was komen,
rennten etlich feind entgegen,
als woltens scharmützel pflegen.
         Teuerdank 215 (cap. 89), 34 Gödeke.

scharmützel als bezeichnung einer bestimmten art von turnieren um 1600. BÖHEIM waffenk. 569. in bildlicher anwendung vom wortgefecht: das scharmützel ist aber noch kein treffen, in welches ich mich zu seiner zeit paragraph vor paragraph einzulassen gesonnen. LESSING 11, 584. verhüllend für coitus: ehe und zuvor aber der scharmitzel angieng, greift der münch mit baiden henden zum gaffeisen und sicht hinein. Zimm. chron. 4, 107, 4.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARMÜTZELFECHTEN, n. punctariola procursatio, velitatio, leve certamen. STIELER 454.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARMÜTZELN, verb. im scharmützel fechten, in pugna concurrere. quelle von 1412 bei SCHM. 2, 468, proelio lacescere. quelle von 1514 ebenda; scharmützlen, mit eim fächten oder ein gängle thůn, velitari. MAALER 347c. in älterer sprache auch scharmutzeln, scharmitzeln, schermutzeln. LEXER mhd. handwb. 2, 665. noch STEINBACH 2, 60 schreibt scharmitzeln. vergl. oben scharmützel. scharmützeln war nach ADELUNG zu seiner zeit seltener als scharmutzieren, welches man sehe:

hat er gekempft, gestürmt und gestriten,
geschermutzelt, mit scharpfen glenn (lanzen) geriten.
         fastnachtsp. 743, 29;

gscharmützelt und gestochen
das gschach zum dickern mal.
         SOLTAU volksl. 1, 214;

nun ligen wir vor Langelor
und schon offt gescharmützelt darvor.
         AYRER 1531, 32 Keller;

im bilde: so scharmützlet doch die blindt vernunfft, die allzeyt gott sein will, wie in allen göttlichen dingen, also sunderlich von der welt ankunfft gar wunderbarlich überzwerch velds herein, mit eittel lufftstreychen und fälgriffen. FRANCK weltb. vorr. anfang; er (der wachtmeister) soll .. keinen lärmen im lager machen, dann so etwas daran gelegen, auch nicht scharmützeln, sonder dem kriegszherrn alle gelegenheit zuembieten. FRONSPERGER kriegsb. 2, 83a; und in kurzem dermaszen unter ihnen scharmützelte, dasz ihrer fünfzehn auf dem platze blieben. SCHÜTZ beschreib. d. lande Preuszen 35. mit eim scharmützlen, concurrere alicui MAALER 347c: auff ain zeitt vorderten die Bair unser burger aus der stat mit in ze scharmützeln. d. städtechron. 4, 315, 7; die von Rottenpurg .. scharmitzelten mit den veinden und schluegen ir wol 20 man zu tod und viengen 12 raisig. 5, 21, 20; die vier gebrüder scharmützelten mit den seinen (des kaisers leuten). Aimon E; und waren schon so nahe bey uns, dasz wir mit ihnen scharmützelten. GÖTZ VON BERLICHINGEN 55; (sie) rüsteten sich sampt andern bürgern hinausz zu fallen, mit dem feindt zu scharmützlen und zu schlagen. buch d. liebe 207, 2; scharmützeln mit der wechter igelskolben. Garg. 50b; sie fielen öfters aus und scharmützelten mit den Preuszen. SCHÜTZ beschreib d. lande Preuszen u. s. w. 29; scherzhaft: dann alsbald sie inn den forst kamen unnd jm (Gargantuas lastmaul) die roszbremen ein schlacht lifferten, und dapfer den sturm anlieffen, zog er seinen schwantz von leder, scharmützelt mit jhnen, schnitzelt und schneitzet jhnen so gewaltig, dasz er .. uberall den forst niderschlug. Garg. 230 neudruck; scharmützlen und schertzen, certamina levia serere. MAALER 347c; verhüllend für coire: und als er ine so gar grosz, faist und ungefueg gesehen .., hat er ine under anderm gefragt, wie er doch bei seinem weib scharmitzlen kunde und mit so groszer ungelegenhait was bei ir schafen. Zimm. chron. 3, 154, 33; darbey dann der frawen mann, mit deren er die vergangen nacht gescharmützelt, auch ware. LINDENER schwankb. 15 Lichtenstein. substant. infin.: das scharmützlen oder schnäll umbhin voglen der reisigen mit ringen pfärden auff der feynd boden, decursiones equitum. MAALER 347c; das scharmützlen der ringen knechten, velitatio. ebenda; sind die viendt zugeczogen und das schermüczeln angefangen. quelle von 1462 bei DIEF.-WÜLCKER 834;

an dem scharmuczeln und gevecht.
         BEHEIM bei SCHMELLER 2, 468;

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da hůb sich ain scharmitzeln
als in aim wilden her.
         UHLAND volksl. 2 509;

scherzhaft:

do wirt man mit glesern und krausen
ain sollich scharmützlen von uns sechen,
wellen uns dan auf die penk verdrechen,
das uns die ruck pisz frue erstarren.
         fastn. sp. 341, 2.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARMÜTZEN, verb. dasselbe wie das vorige, von scharmütz, s. dieses oben unter scharmützel. nebenformen scharmutzen, scharmitzen, schalmützen, schalmeuszen. LEXER mhd. handwb. 2, 665: mnd. und quemen to velde, scharmutzeden mit vorlosunge ein deel volckes. quelle bei SCHILLER-LÜBBEN 4, 51b;

ze schlahen und ze prennen,
ze rauben und zschalmüczen.
         WITTENWEILER ring 41b, 43;

schalmützen, schalmeussen niemant schied.
         OSW. V. WOLKENSTEIN 10, 4, 1;

schickt man in (den geputzten landsknecht) zu scharmützen
und laufen von nöten wär,
kan er sich selbs nicht bschützen,
sein haut musz halten her.
         UHLAND volksl. 2 406;

da solt all's zu pferd aufsitzen,
mit dem feinde zu scharmützen,
was zum streit nur hätte kraft.
         SOLTAU volksl. 1, 529 (prinz Eugen).

substantivierter infinitiv: scharmitzen, pugna DIEF. 471b, das scharmützen, levia praelia MAALER 347d.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARMUTZIEREN, verb. scharmützieren, in älterer zeit auch scharmitzieren. LEXER mhd. handwb. 2, 665, dasselbe wie das vorige, vom ital. scaramucciare WEIGAND 2, 550. scharmuziren STIELER 1251: die leichtbewehrten soldaten machen mit scharmutzieren nach dem gemeinen gebrauch den anfang des streits. DOCEMIUS sprachenthür des Comenius § 711; wie sie dann den 1. und 2. sept. (1630) mit den kayserl. croaten tapffer scharmutziert, und darbey gut glück gehabt. SIMON Eilenb. chron. (1696) 4; dieses wärete einige zeit, dasz sie dergestalt mit einander scharmuzirten. HEILMANN Thucydides 503; sie (die menschen) haben unter sich so viel zu kriegen, zu scharmuziren und zu schikaniren. GÖTHE 14, 113;

weil er (Christian IV.) nu seine ordnung macht,
mit uns zu scharmutzieren,
Tilly sein volk auch herzu bracht
und liesz die stück plantieren.
         OPEL-COHN 30jähr. krieg 168, 8.

einen scharmutzieren:

heut hab ich mal wieder
den lügenteufel wacker scharmuziert.
         WERNER Luther 2, 1. v. 949.

das scharmützeln oder scharmützieren, velitatio. FRISCH 2, 163c. bildlich: als ich nach Venedig kam und betrachtete, auf wie verschiedene weise mein grausames schicksal mich verfolgte, tröstete ich mich, da ich mich so munter und frisch befand, und nahm mir vor, mit ihm auf meine gewöhnliche weise zu scharmuzziren. GÖTHE 35, 174. vom wortgefecht HUNZIKER 218; in ausgeführtem bilde: ist er (der freude daran hat, dasz andere ihren witz gegen ihn richten) nicht blosz ein ausgestopfter Sarazene, wie derjenige, an dem bei lustkämpfen die ritter ihre lanzen übten, sondern versteht er selbst zu scharmuziren, zu necken und aufzufordern, leicht zu verwunden und sich zurückzuziehen, und, indem er sich preis zu geben scheint, andern eins zu versetzen, so kann nicht wohl etwas anmuthigeres gefunden werden. GÖTHE 25, 35. vom liebesgetändel FRISCHBIER 2, 258b: eine von eurem volk hat meiner groszmagd prophezeit, sie würde einen gutsbesitzer heirathen, und ich muszte das mädchen abschaffen, welche sonst brauchbar war, weil sie anfing, gegen Rollmaus selbst zu scharmuziren, obgleich dieser nur darüber lachte. FREYTAG handschr. 3, 111;

gebrauch list auff list, schmach auff schmach,
bisz sie fro ist, dasz sie zu schwach,
und zu verlieren scharmüzieret.
         WECKHERLIN 461.

freier heiszt mundartlich scharmezieren auch lärmen, 'spektakel' machen. SPIESZ 207.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARMÜTZLER, m. der scharmützelt, bezeichnung für leicht bewaffnete, leichte reiter. CAMPE: scharmützler, ring und fertig kriegsleüt, die den angriff thůnd, rorarii milites, velites. MAALER 347d; die den angriff thun, scharmützler, so geringe rüstung führen, der verlohren hauffen, rorarii, milites levis armaturae. HENISCH 1738 (l. 36), 61.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARMÜTZUNG, f. velitatio MAALER 347d, von scharmützen.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARN, m. verkaufsstelle für fleisch, brod u. s. w. WEIGAND 2, 550. SCHM. 2, 449. SCHAMBACH 181a. beschränktes werk zu einer krambude. JACOBSSON 3, 351a; fleischscharre, quod etiam dicitur fleischscherne, macellum, ubi notandum, quod quilibet locus tectus, sive tegumen, ubi aliquid corraditur, appellatur scharn,

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scherne, et per metaph. schranne, ut brotscherne, scharne et schranne, fulcrum panarium. STIELER 1738. scharre, m. macellum, boucherie, metzge, fleischscharre. SCHOTTEL 1394. scharren, f. kommt von scharne und schranne, hiesz vor alters eine bank, fleisch-scharren, brod-scharre. FRISCH 2, 164a. scharren, m. ADELUNG. die historisch berechtigten formen sind scharne, scharn, wenigstens bieten sie die ältesten, dem niederd. des 15. jh. angehörigen belege. WEIGAND 2, 550. DIEF. 102b. durch umlaut wird daraus das in gleichzeitigen niederd. quellen bezeugte scherne, aus diesem durch tonerhöhung weiter im md. des 15. jh. schirn. WEIGAND a. a. o., das sich bis heute im hess. und rheinfränk. erhalten hat. VILMAR 350. DIEF. 102b unter carnificina (Frankf.). STIELERS ableitung des worts vom verb. scharren ist haltlos, wahrscheinlichkeit hat dagegen die zusammenstellung mit schranne, nur dasz nicht schranne aus scharn, sondern umgekehrt scharn aus dem schon ahd. bezeugten schranne (scranna GRAFF 6, 581) durch umstellung des r entstanden ist WEIGAND 2, 550 (vergl. born und brunnen): fühlen wie die fleischer nur nach der fettwampe für ihren scharren. WEISFLOG (1824) 1, 48; so eine, die ein halbes rind aufheben und an den hacken hängen kann, wenn ich gerade nicht im scharrn bin. ARNIM kronenw. 1, 232. wie der nom. sing. im sprachgebrauche LUTHERS lautet, ist aus der folgenden stelle nicht sicher zu erschlieszen: denn wo wir Deudschen fleisch hören, dencken wir nicht weiter, denn in die scherren. 4, 413a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARN, mist, s. das folgende.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARNBULLE, m. der mistkäfer, roszkäfer, scarabaeus stercorarius. NEMNICH 2, 1238. brem. wb. 4, 609. der erste theil des worts, das wol eigentlich nur dem nd. sprachgebiet angehört, ist das nd. scharn, mist SCHILLER-LÜBBEN 4, 51b, ags. scearn, scern. BOSWORTH-TOLLER 825a, altfries. skern RICHTHOFEN 1028a, altn. skarn CLEASBY-VIGFUSSON 539b, dän. skarn, das man mit altslav. skvirna, skverna, skverina, skvruna, 'besudelung' zusammenstellt. SCHADE 2, 781b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARNAGEL, m. nagel zu den schindeln eines schardaches (s. dieses). SCHM. 2, 445. in Tirol schårnågel SCHÖPF 591, schôrnôgel HINTNER 218, kärnt. schorrnàgl, groszer eisennagel zum festnageln von brettern u. s. w. LEXER kärnt. wb. 214: 300 schar negl zum poden. quelle von 1552 ebenda; scharnägl, clavi tegularii voc. von 1618 bei SCHM. 2, 445; der scharnagel soll 2 zoll lang sein. quelle von 1769 ebenda. Schornagel findet sich als bildlicher eigenname schon bei Seifried Helbling 2, 1382, vergl. LEXER mhd. handwb. 2, 666.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARNICKEL, m., s. sanikel.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARNIER, n. vorrichtung zur verbindung zweier theile auf drehung, an thüren, werkzeugen u. s. w., gewinde, gelenk, aus franz. charnière. WEIGAND 2, 550. KARMARSCH-HEEREN4 7, 578. mundartlich auch gleich dem franz. worte fem. SCHM. 2, 469. HUNZIKER 218. übertragen auf die gelenke am körper. ebenda. bildlich: aus der scharnier sein, kommen, gebracht werden, aus der ordnung, ruhe, fassung. SCHM. 2, 469. davon s c h a r n i e r b a n d ,  s c h a r n i e r e i s e n ,  s c h a r n i e r k l u p p e . KARMARSCH-HEEREN4 7, 578.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARNIG, adj. landschaftlich im sinne von 'fett, gemästet'. FRISCHBIER 2, 258b. eigentlich 'zum fleischscharn, zum schlachten reif', vgl. scharn. gött. scharnefett, gleicher bedeutung, auch von menschen gebraucht. SCHAMBACH 181a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARNOBBE, m.? der mistkäfer, scarabaeus stercorarius. NEMNICH. vgl. scharnbulle.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARNÜTZEL,SCHARNÜTZLEIN, n. papierrolle, papierdüte, aus ital. scarnuzzo. WEIGAND 2, 550. SCHM. 2, 469. scharnützle (das) ein pulffer heüslin, cucullus MAALER 195a. cucullus, würtz brieflein, scharnützel. GOLII onomast. (1582) 354. papierne scharnützel, cucullus, involucrum chartaceum. voc. v. 1618 bei SCHM. 2, 469; cucullus, scharnützlin, stettelin. nomencl. von 1629 ebenda. als masc.: Fritz Herman nimt den malsack, und würfft den scharnützel drein. H. SACHS 5 (1579) 350a. als fem. bei SCHOTTEL 1394. nebenformen sind scarnützel: thue jede kugel (pille für ein pferd) in ein sonderbares papier oder scarnützel. HOHBERG 2, 180b. scharnitzel JACOBSSON 3, 551a. starnitzl: willstu aus diesem papier ein starnizl machen? ABR. A S. CLARA bei SCHÖPF 592. scharmützel STIELER 1251. FRISCH 2, 163c. ADELUNG unter düte. schwäb. scharmützel, scharmütze f. SCHMID 453: die alte köchin ... thůt ein brieff auff unnd findt ein gůtten dicken dreck drinnen verborgen; sie sucht weytter, findt aber einen, bisz sie die scharnützel alle auffmacht und voller dreck findt. LINDENER schwankb. 116 Lichtenstein; villeicht fehlet es auch den kremern noch an scharnützlen, drumb müssen dise meine

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predigten auch gedruckt werden. MATHESIUS Sarepta (1572) 106a; denn grob und blaw, und graw schlag papier, und alle böse bücher gehören billich in die leden, und zum rotschmid, darausz man scharnützlein mache. ebenda; wieg von dem silber oder kürnten (gekörntes silber) zwo gleiche mark deines pfennig gewichts ab, thu jede in ein klein scharnützelein. ERKER 24b; mache ain klein guetts schieszpulfer in wolgeheebe scharnützelein oder rhagettlein. quelle von 1591 bei SCHM. 2, 469; indessen lasset euch diese edition meiner lebens-beschreibung, darbey meines verlegers nahm befindlich, vor andern lieb seyn; dann die andern exemplarien, da das wiederspiel befindlich, werde ich, so wahr ich Simplicissimus heisze, nicht vor meine geburt erkennen, sondern, weil ich athem hole, anzufeinden, und wo ichs sehe, aus selben scharmutzel zu machen, auch dem nachspicker eine copi davon zu übersenden nicht unterlassen. Simpl. 1, 5, 4 Kurz; man nimmt gantz aufgethane rosen, thut das gelbe und grüne davon, und trocknet hernach die blätter in papierenen scharmützeln. HOHBERG 3, 1, 196a; man nimmt deuten (scharmützel) von pappier .. oder kleine hörnlein, die oben enge und unten weit, und hänget sie darüber (über die nelken, um sie vor insekten zu schützen). 583b. in den folgenden stellen ist geldrolle gemeint:

wann er fand in manchem scharmützel,
offt drey oder vier würff zu lützel.
         H. SACHS 1 (1590), 332a;

mein herr, gebt uns ein scharmützel,
des geltz zu marck wer sunst zu lützel.
         3 (1561) 3, 38c.

in bildlichen wendungen: ey das (des herrn name) ist eine karthaun von papier gedrehet, ein scharnützlin. LUTHER 5, 56a; wer gottes wort gleubt, das Christus aufferstanden sey, und wir durch jn auch aufferstehen werden, dem dienen solche bild auch wol, gleich als seiden tüchlin oder scharnützlin darein er diesen artikel (die auferstehung) fasse, und mit sich trage. 6, 256b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARNÜTZELKÖPFLEIN, n.: aber Kundlob von Hohen Rhumsteig sagt ..: es seyen noch etlich feine mörselstempffel under euch (den apothekern), welchen das vaszbinderisch pumperlepump wol von hand gehet: auch feine scharpffe scharnützel köpflin, welche die gordische knöpflin mächtig sauber an die wurtzbrieff und sambeneditenhüt schrauben. Garg. 190a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARNÜTZELWEISE, adv.: wann man nachgehends von geringen höckern und krämern, deuten- scharnitzel- und groschen - weisz das gewürtz kauffen wil, wird man gewisz schlechten nutzen davon haben. HOHBERG 3, 1, 51b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARNWEBER, m. der mistkäfer, roszkäfer, scarabaeus stercorarius NEMNICH. eigentlich nur nd., scharnewever, -wevel, SCHILLER-LÜBBEN 4, 52a, scharnwever, -wevel brem. wb. 4, 610. in Osnabrück scharwevel, scharwiewel ebenda; mecklenb.-vorpomm. entstellt zu scharpenwewer MI 75a. schon im ags. begegnet scearnwifel neben scearnwibba in gleicher bedeutung. BOSWORTH-TOLLER 825a. der zweite theil des compositums, der in seinem suffixe -er oder -el sich als nom. agentis kundgiebt, hängt wie das hd. wiebel, mhd. wibel mit dem verb. weben zusammen, dessen älteste bedeutung 'sich bewegen' ist. der erste theil ist das nd. scharn, mist (vgl. scharnbulle):

es hetten abr am eichenbaum,
eingenommen ein groszen raum,
ein fewrwurm, vil meyn, und roszkefer,
bein Sachsen genant scharnewewer.
         ROLLENHAGEN froschm. (1595) B bb 5a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARP, m., s. scharpvogel.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHÄRPE, f. breite binde, fascia, in älterer zeit auch scharpe STIELER 2049. FRISCH 2, 163c, scharfe, scherfe quelle von 1716 bei WEIGAND 2, 550, mundartlich scherf brem. wb. 4, 645, scherfe PFISTER 247, aus franz. écharpe, das seinerseits vielleicht wieder deutschen ursprungs ist. DIEZ4 287. schärpe wird vorzugsweise gebraucht von der binde der offiziere, die über dem waffenrock um den leib oder über die rechte achsel bis zur linken hüfte getragen wird. FRISCH 2, 163c. JACOBSSON 3, 551a, fascia militaris STIELER 2049: Ferdinand (fängt an stärker zu gehen, und beunruhigter zu werden, indem er schärpe und degen von sich wirft). SCHILLER kab. u. liebe 5, 7; schärpe des ritters:

als sie nun ausgeredet,
fuhr sie fort mit ihrer nadel
ihm zu nähn die schönste scherpe.
         HERDER lit. u. k. 5, 85;

'hab ich', versetzt sie (Blanscheflur) 'mich verfehlt
in irgend einer pflicht, gezählt
zur courtoisie der damenpflichten?
ich denk's, herr Riwalin, mit nichten.
ward eurer tapfern siegerfaust
mit schärp' und schleife nicht gedanket?'
         IMMERMANN 13, 34 Boxberger;

Bd. 14, Sp. 2214

schärpe nennt man die binde derer, die einen arm nicht brauchen dörfen, weil sie daran zur ader gelassen oder verwundet. FRISCH 2, 164a; den arm in der scharpe tragen, brachium mitella involvere. STIELER 2049; weiber-schärpe, so die schultern deckt, worüber sie als gespannt liegt, bis an den gürtel, und vornen lang mit zwey enden herunter hängt. FRISCH 2, 163c.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHÄRPER, m., s. scherper.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARPFAHL, m. dasselbe wie strebepfahl. CAMPE.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARPFLICHTIG, adj. ad memoratas angarias obligatus. quelle bei SCHERZ-OBERLIN 1379 (vgl. schar 16).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARPVOGEL,scharp, m. die schnarrwachtel, crex pratensis, nach dem geschrei scharp, scharp, landschaftlich. FRISCHBIER 2, 258b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARRADEL, m. wol in der bedeutung prahlerischer, trotziger adel (vgl. scharren 3): denn was ich des thät, wollt ich gott zu ehren und seiner gnaden zu lobe, ja auch dem unadeligen scharradel zu schanden thun, auff das der frome adel deste mehr gonst bey gott und seinen christen gewönne, und der unadel deste ungeschaffner und feindseliger seyn muszte. LUTHER 5, 203b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARRAZE, f.? dasselbe wie scharrfusz. vgl. das folgende: die herren zoll-bedienten, denen meine verrichtung zu ohren gekommen war, hielten mich vor einen menschen, der etwas zu bedeuten haben müste, und machten mir einen haufen scharratzen. angen. zeitvertr. 218.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARRAZEN, verb., verstärktes scharren, landschaftlich. CASTELLI 228. auch scharrezen SCHM. 2, 449. SCHÖPF 592. vgl. garrezen, karezen.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARRE, f., zu mhd. schërren und scharren gehörig.

1) 
werkzeug zum scharren, radula SCHOTTEL 1394. durch anlehnung an scharren aus mhd. schërre, ahd. scërra, strigilis. scharre zum abscharren, abkratzen des ruszes in schornsteinen, ruszscharre. JACOBSSON 3, 551. besonders in zusammensetzungen üblich, harzscharre, holzscharre, pechscharre, pflugscharre, trogscharre, welche man sehe. übertragen von einer frau (vgl. scharren, verb. 5): heirathete eine alte abgenutzte triefaugichte scharre. zeitvertr. (1668) 383; ein junger mann, so eine alte scharre geheirathet. lyrum larum nr. 357;

hoscha abermal, du alte scharre,
sihe zu im hause, alls wol verware.
         HAYNECCIUS H. Pfriem 26, 551 neudruck.

2) 
was gescharrt, abgescharrt wird, so die speisetheile, die sich beim kochen im gefäsz ansetzen. ADELUNG. SARTORIUS 106. mundartlich auch scherre. WEIGAND 2, 551: ich will meinem Hans .. ein süppchen kochen zum abende; der lose vogel, der grosze, hat mir gestern das pfännchen zerbrochen, als er sich mit Philipsen um die scharre des breys zankte. GÖTHE 16, 20. von rübenschnitzeln:

nun loben wir den herrn sant Gall,
der bringt uns rüben und kraut,
so scharrn (schaben) die paurn und paurin all
und feisten dann gar laut;
welche die grösten scharren macht,
die hat den grösten bisz
wol bei dem rocken in der nacht.
         LILIENCRON deutsches leben im volksliede 40, 11, 5.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  SCHARRE, f. eine drosselart, turdus viscivorus. NEMNICH 2, 1513.
 

 
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