Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971.
  KNOBLAUCH, m.  -  KNÖCHELCHEN, n.   (Band 11, Spalten 1449 - 1453 )  
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCH, m., zuweilen n. wie lauch (SCHOTTEL 1348), allium sativum, der gemeine lauch, gartenlauch.

1) 
formen und ursprung.

a) 
ahd. chlobalouh, chlovalouh, dann clobolouch (HAUPT 5, 365a), chlovolouh, chlofolauh durch angleichung der vocale (vgl. gesch. d. d. spr. 291, auch der erste vocal wirkt so auf den zweiten, z. b. in tuttuli mamilla aus tuttili GRAFF 5, 382), auch chlovulouh und chlobilouh, klobelouh; im 12. jh. auch schon chnobelouch. mhd. klobelouch und knobelouch wb. 1, 1044b, clofelouch MONES anz. 7, 609, knoflach Meraner stadtr. HAUPT 6, 413. mnd. kloflôk MONES anz. 4, 239, knoflôc dion das. 243, cluflôch schordium 250, knuflock DIEF. 24a, knûflôk das., nnd. knufflôk z. b. mekelnb. (SCHILLER zum mekl. kräuterb. 1, 23), mnl. knofloec anz. 6, 441, nnl. knoflook, knuflook. die änderung im anlaut ist wie bei knäuel (s. d.), es mochte dabei, wie bei knüppel, nd. knellik für kleinlich, meklenb. knäglich für kläglich, die doppelheit des l besonders wirken, die der zunge anstosz machte.

b) 
der klobelouch ist eig. gespaltener lauch, von klieben spalten, nach den in sog. zehen gespaltenen wurzelknollen (s. knoblauchzehe). ein recept des 12. jh. schreibt vor: dem diu urfun (?) nocent, ille debet per integrum annum cottidie manducare eine cluft des clofelouches. MONES anz. 7, 609, die zehe dem namen des krauts gemäsz kluft genannt; ebenso nd. klöve: digitus vel nucleus alii, eine kern (zu sp. 593) edder klöve des knuplockes. CHYTRAEUS c. 112 a. e. NEMNICH 1, 175 gibt als name des lauchs überhaupt fränk. glüb an, eig. klüb? vgl. klub.

c) 
der rechte anlaut zeigt sich noch im 15. jh.: klobelauch, klobelach DIEF. 24b. 10c, ja noch im anfang des 18. jh. ist er nicht vergessen: kloblauch absieden und mit baumöl essen (wider den husten). AMARANTHES frauenzimmerlex. 1066; ein essen daran kloblauch gekocht wird. 1067, dazwischen knoblauch.

d) 
die kürzung der zweiten silbe wie in klobelach vorhin ist häufig, herbeigeführt durch die gewalt des hochtons auf der ersten, s. schon mhd. knoflach unter a, knoblach voc. inc. teut. n 3b, bei H. SACHS, knabelach DIEF. 520a. häufiger knobloch DIEF. 24a (vielleicht schon in clobeloch 12. jh. GRAFF 2, 143 ?), noch heute in den md. mundarten herschend, STIELER 1080 gibt sogar nur knobloch an (ALBERUS CC 2b neben knoblauch). doch ist die volle form immer die vorherschende gewesen, während die mundarten auch weiter verkürzen, wie bair. knoblech, schles. knoblich.

e) 
das f in den hd. formen ist nur eine vergröberung des ahd. v; noch bair. knoflauch (knofle') neben knoblauch SCHM. 2, 422, tirol. knoflach SCHÖPF 329 (s. schon unter a), schwäb. knofel SCHMID 320, ebenso östr. CASTELLI 145, mährisch FROMM. 5, 212. aber es findet sich im 15. jh. selbst ausstoszung des lippenlauts, knoloch DIEF. 24a (vergl. knoloich unter 2, a), dagegen auch knobillauch, knobulauch das., merkwürdig knobleich (vgl. ahd. chloviloih anz. 7, 599b, mhd. clobeloich sumerl. 58, 58), knopslich das.; in letzterm wol anlehnung an knopf, wie in nnl. knooplook, dän. knoplög, nd. knuplok CHYTRAEUS c. 112 a. e.; entstellt kruflôk brem. wb. 2, 884.

f) 
über den deutschen kreis im engern sinne geht das wort nicht hinaus; bemerkenswert aber sind lett. kiplohks, ehstn. kruuslauk, finn. kynsilaucka NEMNICH 1, 186, die deutschen ursprung haben müssen. ein schwäb. name abschlag SCHMID 463 erklärt sich aus aschlauch nach falscher auffassung.

Bd. 11, Sp. 1450

2) 
er hatte einst grosze geltung im lande.

a) 
als heimische würze der speisen, als zuessen, als heilmittel, schutzmittel gegen zauber und böse wesen (myth. 1031 fg., vergl. 422 anm., und schon Odyss. 10, 305 als solches schutzmittel μωλυ, im späteren griechisch ein knoblauch), sodasz ihm sicher heiligkeit beiwohnte (von heiden angebetet Barlaam 265, 22 Pf.): und sollen die gerichtsherrn oder schultheiszen (bei der gelegenheit) geben brodt und knolaichs genug. weisth. 2, 196, vom Hundsrück 1549; der schultheis, so dჳ brodt und knoloich giebt. das.; dat irste gericht sall wesen rintfleisch mit deme knofelouche zwein vinger breit boven die schoitel (über die schüssel). 2, 779, man bemerke den bestimmten art., wie im folg.;

es saszen (setzten sich) etlich reuter frisch
daselbst zusamen an den tisch,
aszen ihr brot, darneben auch
den knobelauch nach landes brauch.
         FISCHART flöhhatz 1610 G iiij (GÖDEKE eilf bücher d. d. 1, 179a);

wie alles alber (einfach) war, wie ihre weisheit noch
nach aller mäszigkeit, nach blei und knobloch roch.
         OPITZ 2, 272;

wann man rettich oder knoblauch mit salz zum brod hat, so soll man damit prangen und sich einbilden, es schmeckte nichts bessers in der welt. Simpl. 1713 3, 128, recept zum reich werden; man kan ja (statt der fremden gewürze) die speisen mit salz, coriander, kümmel, majoran, timian, salbei, meerrettig, knoblauch, zwiebeln und solchen sachen genugsam schmackhaft machen. 3, 137; der knoblauch ist der bauren theriack. RÄDLEIN 551a, schon mhd. bei MEGENBERG 384, 5;

knoblauch, die zwiebel zu vertragen,
vertreibet den geruch hinweg.
         WECKHERLIN 810 (epigr. 45).

b) 
ein sprichwort von knoblauch und zwiebel: aber es gehet inen wie man spricht 'zwibbeln tragen sie hin, knoblauch bringen sie wider', in irem ungewissen wahn laufen sie hin, in demselben komen sie wider. LUTHER 6, 127a;

trag knobloch usz und bring zwibel wider.
         SOLTAU 1, 255;

haben knoblach getragen aus,
bringen zwiefel wider zuhaus.
         H. SACHS 2, 4, 50d;

zwiefel ausz und knoblauch heim tragen.
         2 (1590), 4, 39b. 82d. 3 (1589) 1, 4d,

es ist wie wer einen narren schickt dem kommt ein thor wieder SIMROCK 7347 (der narre ein tôre dannan gie BONER 92, 88), vgl. u. gagag 2. zur erklärung des sprichworts erzählt man z. b. am Rhein eine geschichte, s. SIMROCK märchen 321.

c) 
eine redensart bringt ihn mit dem h. Christoph in verbindung: wie etlich bildstürmer im Niderland, welche als sie ainem uberaus groszen stainenen Christoffel nicht die klainste zähe am fusz mochten abhacken, vil minder im ainen knoblauch aus der täschen zwacken, da schriben sie für ein salvaguardi einen zedel daran u. s. w. FISCHART podagr. trostb. 655 Sch.; wenn einer so klein ist, dasz man ihn in S. Christoffs täsch zum knobloch könt stecken. LEHMAN flor. 1, 463, er wurde also als zukost vorrätig in der reisetasche getragen. bei wettläufen ward knoblauch als scherzhafter siegeslohn dem verlierer gegeben: thut wie die, so um ein gabe rennen, der erste der bekompt die gabe, der letzte aber knobloch. des esels adel und der sau triumf (1617 o. o.) 143.

d) 
knoblauch von einem schmause, für knoblauchsessen (vgl. knoblauchsgast): befahlen mir bald i. f. g. im beisein der jungfrau, ich sollte in 14 tagen den knobloch anstellen. SCHWEINICHEN 1, 340, hier als verlobungs- oder hochzeitschmaus; hat mir hr. Kreiselwitz einen knoblauch gemacht. 3, 279; demnach i. f. g. mit mir um einen knobloch zu machen spielten. 2, 327; spielten i. f. g. um einen knobloch. 1, 340.

e) 
ein schles. sprichwort der knoblauch blüht, er will hêtel (hêt haupt) tragen braucht man bei übergroszer lustigkeit, die als vorbote von leid gilt. WEINHOLD 45a. selbst als verhüllender fluch, schweiz.: botz knobloch! RUFF Ad. u. Heva 1114.

3) 
es gibt wilden knoblauch, scordium wild knobelauch DIEF. 520a, mhd. sumerl. 58, 58 wilde klobeloich squilla, ferner aberknoblauch porrum grande ALBERUS CC 2b, ackerknoblauch, alpen- oder schlangenknoblauch, berg-, feld-, garten-, hunds-, lachen-, wald-, wasser-, welsch-, zwiebelknoblauch u. a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHBRÜHE, f. jus alliatum. RÄDLEIN 551a, knoblochbrühe. STIELER 249.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHDUFTIG, nach knoblauch duftend:

des knoblauchduftigen rabbis messer.
         VOSS.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHGERUCH, m.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHGESCHMACK, m. STIELER 1871.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel 

Bd. 11, Sp. 1451

KNOBLAUCHHAUPT, n. spica allii FRISCH 1, 528c, une tête d'ail RÄDLEIN 551a, knoblochhopt bulbus DIEF. 84a (15. jh.), wie zwiebelhaupt, krauthaupt, im buch v. g. speise haubt knobelauches, gr. σκοροδου κεφαλη. s. knoblauchskopf.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHHEDERICH, m. s. knoblauchkraut 1.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHHETZEND, das knoblochhetzend hanenkempfen. Garg. 195a (Sch. 361), man hetzte und reizte die kampfhähne durch füttern mit knoblauch (XENOPH. symp. 4, 9), s. die gr. wbb. s. v. σκοροδον, σκοροδιζω.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHKOST, f. knoblauch als speise, oder speise mit knoblauch (s. d. 2): so lad euch S. Pantel in Sachsen zu schunken, zu knachwürst und knoblauchkost. Garg. 52b (Sch. 85).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHKRAUT, n.

1) 
alliaria FRISCH 1, 528c, erysimum alliaria, ein an schattigen orten wachsendes kraut mit knoblauchgeruch, auch knoblauchhederich, waldknoblauch. NEMNICH.

2) 
scordium (wild knobelauch, lachenknoblauch DIEF. 520a) FRISCH, knoblauchskraut STEINBACH 1, 932, teucrium scordium NEMNICH 5, 1451.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHLAND, n. eine gegend nördlich von Nürnberg; von der Nürnberger veste sagt S. FRANK: darauf die statt lieblich zu übersehen und aus der statt gegen dem Frankenland in das Knoblachland zu sehen. Germ. chron. Augsb. 1538 300b; unter die baurn im Knoblichsland. AYRER 2633, 7.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHSAFT, m. sucus allii: nimb knoblauchsaft, reibe dem pferd die zen und biler wol darmit. SEUTER 100. MATHESIUS Sar. 79a (s. 4, 93).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHSBRATEN, m. hammelbraten mit knoblauch angemacht. FRISCH 1, 528c.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHSBUTZE, m. was man vom knoblauch wegwirft, s. butze 3: würdest ihne (den Socrates, nach dem ersten anblick) .. nicht einer lorischen zwibelschelf (schale) oder knoblauchsbutzen werd gehalten haben. FISCHART Garg. 19b (Sch. 21).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHSCHWAMM, m. agaricus alliarius. NEMNICH, ein blätterschwamm.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHSESSEN, n. ein schmaus. SCHWEINICHEN 2, 248, vgl. knoblauch 2, d, knoblauchsbraten, knoblauchsmittwoch.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHSGAST, m. schlesisch, wol schmarotzer: doch werden allhier die krippenreuter (s. d.), stänker und knoblochsgäste gar nicht verstanden. SCHICKFUSZ schles. chron. 4, 39.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHSKOPF, m. gleich knoblauchhaupt: ein knoblauchskopf weniger oder mehr verderbet das gebund nicht, ich habe noch andre stücklein begangen die dem herrn nicht zum besten gefallen. A. GRYPHIUS 1, 869, sprichwörtlich. als spottname, wol von einem kleinen schlechten kerl (vgl. knoblauch 2, e):

denn ietzo eilt dein herz nach einer dirne zu,
der ieder knoblochskopf bis an den nabel gucket
und ieder galant homme in aug und antlitz spucket.
         GÜNTHER 401.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHSMITTWOCH, f. m., hie und da, wie zu Halle a. S. die mittwoch in der pfingstwoche, wo man knoblauch iszt, im glauben damit auf das jahr die gesundheit zu sichern. FRISCH 1, 528c: es war gleich in der knoblochsmittewoche. Schelmufsky 1, 60, in Hamburg.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHSTAG, m. bei ADELUNG, CAMPE gleich knoblauchsmittwoch.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHSTRANG, m. gebund knoblauch, mit stroh zu einem strang zusammengebunden zum verkauf, wie zwiebelstrang. STIELER 2188.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHSTROH, n. der bocksbart, scandix, tragopogon, knoblochstro. ALBERUS GG 1a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHSUPPE, f. knoblochsuppe. STIELER 1687.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHWURST, f. wurst mit knoblauch gemacht:

die geliebten knoblauchwürstchen.
         H. HEINE romanzero 94.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLAUCHZEHE, f. nucleus allii, aus der hültschen oder schelfen geschelt, mit der hültschen spica genannt (s. knoblauchhaupt). FRISIUS 889a, MAALER 246c, une gousse d'ail RÄDLEIN 551a, FRISCH 1, 528c, über den namen s. unter knoblauch 1, b; knoblochszehe STIELER 2606, dim. knoblauchszehelein M. KRAMER. osterl. knoblochszîwe.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNOBLE,KNOBLENBLUME, f. gleich knollenblume, s. d. NEMNICH 4, 1499, offenbar nach knobel 2.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNÖCHEL, m. articulus, condylus, talus, nodus.

I. 
Formen, verwandtschaft, heimat.

a) 
wir empfinden knöchel mit recht als verkleinertes knochen (knoche), das übrigens selbst auch einst den knöchel bezeichnete. das masc. von letzterem bezeugt, dasz die bildung aus der alten zeit stammt, als man für die verkleinerung noch das geschlecht des mutterwortes beibehielt (s. gramm. 3, 666). doch knöchel

Bd. 11, Sp. 1452

selbst ist ahd. mhd. nicht bezeugt, vielleicht noch nicht vorhanden. wol aber knuchel, aus mhd. zeit, aber aus mitteld. lande: an sînen knuchelin an den handen. GRIESHABER vaterländisches s. 272. das u ist nicht verderbnis, sondern der echte vocal, aus dem das o von knochen (s. d.) erst entstand. noch im 15. jh. knuchel (s. II, 1), auch niederrh. FROMM. 2, 441b, im 16. 17. jh. (jedenfalls schon älter) knüchel, s. sp. 1453. im nd., engl. gilt das u noch, s. unter I, d.

b) 
merkwürdig aber auch knugel, knügel. so in den Wiesbader glossen 2, 16 cnugel vom fingerknöchel (HAUPT 6, 321a, vgl. 326), aus dem 12. oder 11. jahrh., jedenfalls westmitteld., denn noch ALBERUS gibt knügel talus z 3b, talus der knügel am fůs, scaurus der dicke knügel hat ll 3b (daneben knöchel condylus z 4b, fingerknöchel), und so noch z. b. in der Wetterau (gesprochen knijel). ebenso in einem mitteld. voc. des 15. jh. knygel internodium DIEF. 304c (y für ü?), auch knogel condylus 140b (nrh.). das g zeigt sich wieder im norden: schwed. knoge m. (pl. knogar) knöchel, dial. knugge RIETZ 337b, dän. knog und knogle. daneben besteht auch dän. knokkel, schwed. knjokel RIETZ 337b, sodasz das g eine altberechtigte nebenform darstellt.

c) 
aber auch die drittmögliche auslautstufe (k) ist nicht blosz nd.: die selben schů sint oben uszgeschnitten und nider (niedrig) das sie kum den k n y c k e l bedecken. KEISERSBERG bilg. 94d, y wol für ü? vgl. knickel 1 und knichel internodium MONES anz. 7, 301b (rhein.). auch nürnbergisch knöckla fuszknöchel GRÜBEL 1, 175 (aber als neutr.), wie in einem Nürnb. voc. v. 1530 knockle vel rückglenk, spondylus DIEF. 548b, bei H. SACHS knocke (s. d.) knöchel, vgl. unter knöchelfleisch. also ein deutliches und sicheres beispiel, dasz in einem worte alle drei lautstufen entwickelt waren, und das musz schon dem mutterwort knochen (s. d. I, 2) eigen gewesen sein, wie schon hier knocke und nord. knoge (b) beweisen.

d) 
im nd. u. s. w. herscht, dem md. hd. ch entsprechend, k, und wieder auch beide vocale, o und u: mnd. knokel condylus DIEF. 140b, cnokel internodium 304c (nov. gl. 219b), aber auch (nnd.) knukkel brem. wb. 2, 830, hamb. knückel RICHEY 132, westf. knüekel FROMM. 3, 366, pomm. knüchel DÄHNERT 244b. ferner nnl. knokkel (und kneukel), mnl. cnokel, aber auch knuckel condylus DIEF. n. gl. 107b. altfries. knokele, knokle, neufries. kneukel RICHTH. 876a. engl. knuckle, wie ags. cnucl, aber auch altengl. knokil STRATM. 116. endlich schwed. knjokel, knokkel RIETZ 337b, aber auch altn. knykill (s. II, 5).

e) 
dem nhd. knöchel wird eben das denken an knochen den sieg verschafft haben, die form wie das ganze wort musz von mitteld. landen aus ins hd. vorgedrungen sein, wie knochen selbst dort seine heimat hat. es ist in den alem., bair. mundarten noch heute zum theil unbekannt (z. b. im Bregenzerwalde), die oberd. wörter sind knoten, knorren, knübel u. a.

f) 
übrigens gibt es auch ein neutr. knöchel als wirkliches dem. zu knochen, z. b. schweinsknöchel als gericht (ostmd.), vergl. knöchlein und knöcheln 1.

II. 
Gebrauch und bedeutung.

1) 
hervorstehendes knöchlein an den gelenken von fusz und hand oder faust, die gewöhnliche bed.: knuchel der gelieder, condilus. voc. th. 1482 q 8b; knuchel an den gelaichen (gelenken), condus. das. (dieser Nürnb. voc. bringt oft md. wörter früh).

a) 
bes. der knöchel über dem fusze, eigentlich enkel (auch bickel, knoten, knorren, sprungbein): occuus, enkel ader knöchel. DIEFENB. wb. v. 1470 sp. 195, knochel dess. gl. 393b, beides md. quellen: und füret mich durchs wasser bis mirs an die knöchel gieng. Ezech. 47, 3; du machst unter mir raum zu gehen, das meine knöchel nicht gleiten. ps. 18, 37. 2 Sam. 22, 37; also balde stunden seine schenkel und knöchel feste. apost. 3, 7;

du ... stärktest meine bein und knöchel.
         WECKHERLIN 70 (
         ps. 18, 64);

du machtest raum zu gehen aller seiten,
damit mir nicht die knöchel möchten gleiten.
         OPITZ ps. 18, 13;

(der rock) umschlägt ihr im gehn die wolgebildeten knöchel.
         GÖTHE 40, 285;

reichlich herunterwallt zum wolgebildeten knöchel.
         296;

prangende schienen zugleich mit schlieszender knöchelbedeckung.
         VOSS.

von oberd. wbb. gibt DENZLER das wort (noch SCHÖNSLEDER nicht) nur in diesem sinne: 'knöchel, knoden am fusz, talus', mit seinem heimischen worte es erklärend.

b) 
der entsprechende knochen an der hand:

traf des Telemachos hand an dem knöchel.
         VOSS Od. 22, 277

Bd. 11, Sp. 1453

επι καρπω, an der handwurzel, am ballen. so vielleicht im folg.: mit dem zucket er sein schwerdt und traf den herzogen auf sein helm, aber der streich glitschet ab und kame bisz auf den k n ü c h e l . Aimon b.

c) 
die fingerknöchel, an den gelenken: es wundert mich dasz sie nicht einen ring am thor haben, man klopft sich die knöchel wund. kinderm. nr. 178; müszte nicht ... die knöchelseite der hand nach oben gekehret sein? LESSING 8, 114.

d) 
im pl. als volksmäsziges kraftwort für faust, hand, finger, nl. kneukels (s. knöbel 1, b): wer ihnen (den pfaffen) den bauch, beütel und k n ü c h e l gefüllt hat, haben sie in den himmel erhebt. MOSCHEROSCH christl. verm. 386, es musz doch pl. sein wie im folg.; einen auf die knöchel schlagen, auf die finger. STEINBACH 1, 887, M. KRAMERS deutsch-holl. wb.; hier thut die gerechtigkeit schon etwas übriges, strickt ihre knöchel aufs rad und pflanzt ihre schlauköpfe auf spiesze. SCHILLER 150a (Fiesco 1, 9), hier die füsze wol eingeschlossen.

e) 
knöchel der zehen M. KRAMER: bis zô den knuchelen dînre zêen. FROMM. 2, 441b, aus Köln 15. jh.

2) 
auch von dem gelenke selbst, dem der knöchel eigentlich dient: knuchel oder glaich (gelenk), vertebra. voc. th. 1482 r 1a; articulus, knochl. voc. opt. Lpz. 1501 C 4b.

3) 
auch von andern gelenkknochen vielleicht, vgl. das nürnb. knockle rückenwirbel unter I, c, nl. knokels (cneukels BINNAERT) van den ruggraet, verticuli, vertebrae, spondyli KILIAN. das nl. wort gilt auch für knochen überhaupt, daher kneukelhuis beinhaus.

4) 
knöchel für würfel, als landsch. bei CAMPE, s. knöcheln 1, knöchelchen 2.

5) 
eigen condylus .. ein knöchel dჳ an den fingeren wachst. DASYPODIUS, es musz einen knorrigen, knochigen auswuchs meinen, z. b. gichtknoten. so ist das nd. knukkel auch harter auswuchs, geschwulst (brem. wb. 2, 830), ebenso altn. knykill m. FRITZNER, schwed. knokkel auch knotenartige erhöhung überhaupt RIETZ 338a, und das ist wahrscheinlich die urbedeutung.

6) 
ein rest davon auf deutschem boden scheint schles. knöchel, knichel m. kleine bodenerhöhung, hügel. WEINHOLD 45a, s. knübel ebenso, auch knocke 5.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNÖCHEL, n. knöchlein, s. das vor. I, f, vgl. knöchelchen.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNÖCHELBIRN, f. eine harte birnenart. M. KRAMER.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KNÖCHELCHEN, n. das mitteld. demin. zu knochen, wie löchelchen, sächelchen, büchelchen u. s. w.; bei RÄDLEIN 551a, STEINBACH 1, 887 knöchlichen. nd. knökelken SCHAMBACH 107a.

1) 
ossiculum: er (der see) leide keinen todten körper ... sogar das letzte knöchelchen, wenn es zu grunde gesunken sei, müsse wieder heraus. GÖTHE 20, 274; nur ein knöchelchen des kleinen fingers an der rechten hand habe gefehlt. das.; die knochen und knöchelchen des armes. 23, 30, auch 40, 116. 55, 154.

2) 
spielknöchelchen GÖTHE 39, 35, αστραγαλοι (s. knöcheln 1): die töchter des Pandaros gemahlt .. mit knöchelchen spielend. 44, 107; das kinderspiel der knöchelchen. 122.
 

 
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