Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971.
  KETZER, m.  -  KETZERJÄGER, m.   (Band 11, Spalten 639 - 643 )  
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZER, m. haereticus, mhd. ketzer, im 12. jh. aufkommend, auch kätzer, mlat. catarus (ahd. sagte man irro, keloubirro u. ä.); nd. nl. ketter, dän. kjätter, schwed. kättare, auch poln. kacerz, böhm. kaciř, niederwend. ka07zař, oberwend. kecaŕ. Der name gieng wahrscheinlich von der manichäischen secte der Cathari (Καθαροι, die reinen) aus, die sich im 11. 12. jh. im abendlande verbreiteten, in Italien Gazari genannt; s. weiteres bei WEIGAND wb. der synon. nr. 1031. Der ursprung musz aber früh vergessen worden sein, man brachte das wort in eine ungewisse beziehung zu katze, dem teufelsthier, schon im 12. jh.: catari dicuntur a cato, quia osculantur posteriora cati, in cujus specie ut dicunt apparet eis Lucifer. Alanus ab insulis (s. myth. 1019), vgl. katzenküsser; dâ von sô heiჳet der ketzer ein ketzer, daჳ er deheinem kunder sô wol glîchet mit sîner wîse sam der katzen (mit ihrer falschheit). BERTHOLD 403, 6 (303 Kl.). eine ähnliche vergleichung der ketzer mit den katzen noch bei ALBERTINUS der welt tummel- und schauplatz (1612) 301 fg., zuletzt: also seind und bleiben die katzen katzen und die ketzer ketzer, dann sie seind einerlei art. merkwürdig bei H. SACHS (vgl. sp. 162):

einer der junge katzen macht,
den selben ich für ein ketzer acht.
         3, 3, 79c.

so findet sich katzenmeister für ketzermeister, katzenglaube für aberglaube, ketzerglaube. die schreibung kätzer (z. b. bei MAALER 239d, H. SACHS u. erzketzer) mag zuweilen auf diese ableitung anspielen; zu md. kaczer in DIEFENBACHS wb. v. 1470 sp. 145 s. u. kellnermeister. das kerzer dagegen, das FRISCH aus Luther beibringt, kerzerei aus Keisersberg, musz blosz druckfehler sein, zumal in der verantwortung gegen herz. Georg E 3b kerzer steht, nicht kertzer, wie die dortige schreibung sonst mit sich brächte.

1, 

a) 
Eigentlich: ein ketzer heiszt, der nicht gleubet die stücke, die not und geboten sind zu gleuben. LUTHER 1, 51b (v. j. 1517); dasz sich ein theil die kirche rühmet und das ander theil ketzer schilt. 26, 11 (Erlanger ausg.). schon im 15. jh. aber sagte man auch ketzer des glaubens, weil der begriff schon damals sich erweitert hatte (vgl. 2. 3), gelaubketzer SCHERZ 781 wie Hieronymus, ein junger Johannis Huss, eins Behems ketzers des glaubens, verbrennet ward .. den man sagt gewesen sein ein ketzer des glaubens. NICLAS VON WYLE im leseb. 1, 1039, 2. 16. im 16. jh. Luthersketzer:

wol (wer) dat secht, de wil de werlt vorkeren
unde mot en Luthers ketter heten.
         Claws bûr 162.

protestanten und reformierte hieszen und heiszen dann in katholischem munde vorzugsweise ketzer, wie SCHÖNSLEDER ketzerei u. a. erklärt mit 'Lutherum, Calvinum profiteri'. daher die lebensregel bei FISCHART: im rath sei ein schwetzer, im bett ein pfetzer, uber dem tisch ein ketzer. Garg. 45a (70 Sch.), kehr dich nicht an die fastenzeit. Im sinne des 18. jh.: das ding, was man ketzer nennt, hat eine sehr gute seite. es ist ein mensch, der mit seinen eigenen augen wenigstens sehen wollen ... ja, in gewissen jahrhunderten ist der name ketzer die gröszte empfehlung, die von einem gelehrten auf die nachwelt (hat) gebracht werden können. LESSING 8, 318 (Bereng. Tur. 1). daher von philosophen:

er quälte sein gehirn, die werkstatt früher list,
dir o Spinoza nachzuäffen,
als ein unsterblicher deist
der kleinen ketzer schwarm dereinst zu übertreffen.
         HAGEDORN 1, 96.

verstärkt groszer ketzer (SCHILLER 855b), erzketzer, s. auch brotketzer. Bei LUTHER einmal von einem psalm, personificierend: dieser psalm ist gewislich ein ketzer, schmehet die könige. 5, 75a.

b) 
in allgemeinerem sinne. da die ketzerei als die höchste, gleichsam unbegreifliche sünde galt, so traute man den ketzern auszerdem allerlei schandthaten wider gott und die natur zu; s. bes. 2. ein rest davon ist schweiz. ketzer für waghals, von leuten die frech und mutwillig handeln (STALDER 2, 97). ebenso die nd. wendung floken (fluchen) as ên ketter, supen as ên ketter u. ä. (Brem. wb.); vgl. ketzerlich a. e. das unnatürliche, widernatürliche, das man früher als 'unchristlich' faszte, ist da der kern des begriffs.

c) 
daher als schimpfwort, so in der Schweiz, 'pöbelhaft derb' STALDER 2, 97: er möchte ihr beistehen, sie bringe sonst die

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ketzern (schweinchen) nicht lebendig heim. GOTTHELF 2, 104; dreiszig gulden wollte er dem Uli das gut wolfeiler geben, wenn das ketzers mädchen ihm weg käme. 2, 361; du ketzers täsche. 3, 187; so einen ketzer von rechnung könne man ja stellen wie man wolle. 3, 166; s. auch TOBLER 92a. wie stark das schimpfwort urspr. ist, zeigt dasz man dafür eine verhüllende form aufbrachte, die eine scheu davor verrät, käpper, 'glimpfliches schimpfwort für ketzer' STALDER 2, 86. umgekehrt schwört, flucht man schweizeizerisch auch bim chätzer! TOBLER 91b, wie beim henker! u. ä.

d) 
aber auch bedauernd, der arme ketzer:

lasz jetzt den armen ketzer laufen.
         HEBEL 3, 271;

du arme chetzer hesch di (hast dein) sach!
         alem. ged. (1820) 217,

von der fliege die sich im spinnengewebe fieng. das stimmt zu ketzern 3, martern, und die wendung wäre am denkbarsten als entstanden unter der zuschauermenge vor dem scheiterhaufen eines ketzers, wie ich mir denke dasz armer teufel, armer schächer unter den zuschauern vor der mittelalterlichen bühne aufgekommen sein mögen.

e) 
eigen im zetergeschrei, wehgeschrei: Schollentritt (der eben einen geiselhieb erhalten) ru̔ft ketzer, jamer, mordio, schelmio, halten den dieb. Garg. 198a (367 Sch.). diesz 'ketzer, jamer' wird nur schmerzensruf sein (s. weiter u. ketzerjammer), vom jammerruf des ketzers auf dem scheiterhaufen entnommen.

f) 
ketzer schweiz. für unwahrer, untreuer mensch: du bist ein ketzer, dasz du das sagst. PESTALOZZI Lienh. u. Gertr. 1, 33; es erschütterte ihn, wie wenn er das fieber hätte, dasz der weibel ihn so wie ein untreuer ketzer verrate. 2, 173. selbst von sachen, 'die bei allem schein von brauchbarkeit doch wenig nütz sind', z. b. das isch e kätzer vomene bîl (beil). STALDER 2, 97. das erinnert wieder zugleich an katze.

2) 
Besonders für unnatürliche wollust war ketzer, ketzerei schlechthin ein ausdruck: vichunrainer oder ketzer. bair. landrecht, hs. von 1453, SCHMELLER 3, 93, s. das. 2, 346; ketzer am lîbe, sodomita, unterschieden von ketzer am glouben. TWINGERS voc. bei SCHERZ 781, wo auch fleischketzer aus KEISERSBERG mehrfach belegt ist. ebenso ist franz. bougre, eig. ketzer überhaupt, urspr. gleichfalls von einer manichäischen secte, dann auch knabenschänder, s. DIEZ 576, nrh. bugger im Teuthon. DIEF. 540a. bei KEISERSBERG kuketzer, bubenketzer päderast, auch frawenketzer moechus (s. SCHILTER 512b), schweiz. sibeketzer stuprator canis WACHTER 833, merreketzer qui cum equa rem habet SCHERZ 780; s. auch ketzerei 2 und eheketzerei. das unnatürliche, das man am kräftigsten als unchristlich dachte, ist auch hier der kern, noch heute heiszt schwäb. jenes laster wider die christlichkeit sündigen. SCHMID 312. auch hier übrigens spielt die katze seltsam mit herein, denn ein 'viehunreiner' hiesz auch katzenritter ('ritter' im eigentlichen sinn), und zu fleischketzer vorhin stimmt fleischkatze: die ledige menscher, diese gaile fleischkatzen. CONLIN närrinnen Augsb. 1711 2, 96 (BIRLINGER volksth. aus Schwaben 1, 343).

3) 
fälscher: metallenketzer, farbenklistierer, mercuriusplager u. s. w. FISCHART groszm. 78 (Sch. 8, 608), offenbar von alchymisten, die echte metalle verfälschen, mit schlechten versetzen, wie die ketzer den glauben; s. dazu ketzern 4.

4) 
das kirchliche ketzer übertragen auf andere verhältnisse, wo ein festbegründeter, gewissermaszen geheiligter glaube, grundsatz, system von einem angezweifelt, verworfen, handelnd dawider verstoszen wird. so schon bei STIELER 955 sprachketzer, novator vocabulorum, pseudocriticus, Aristarchus, vielleicht mit anklang der bed. 3; ich werde diejenigen niemals für grammatische ketzer (ein Gottschedischer ausdruck) erklären ... HEYNATZ briefe die deutsche sprache betr. (1774) 1, 22, s. ketzerei 3. BÜRGER in der abhandlung, mit der er seine erste probe der deutschen Ilias einleitete (bibl. der schönen wiss. 6, 1 1771, verm. schr. 1797 1, 2), nennt den ungläubigen recensenten so: wenn ich aber die härte und unbiegsamkeit kritischer naturen betrachte, so besorge ich dasz der ketzer, der ein solches werk anfangs für unmöglich hielt, hernach dem armen übersetzer das leben noch herzlich sauer machen würde. 135a. GÖTHE in einer recens. von 1772: es ist eine undankbare arbeit, wenn man ketzer retten soll, wie es diese verfasser in ansehung der allgemeinen orthodoxie des geschmacks sind, gegen die sie sich auflehnen. 33, 10. ebenso braucht man bildlich glaube, ungläubig, glaubensbekenntnis, credo u. a.

5) 
einige bedeutungen von ketzer ohne zunächst nachweisbaren zusammenhang mit der vorigen mögen doch hier stehn.

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a) 
bei den wollarbeitern eine auf dem wollrade vollgesponnene spindel mit garn. FRISCH 1, 513a. ADELUNG. es erinnert an katze 16, s. dort und vgl. damit tir. verketzert verdreht, verworren, ketzerei verwirrung SCHÖPF 314 (s. katzen 2). bei KARMARSCH 3, 645. 1, 144 u. a. vielmehr kötzer.

b) 
im Zillerthale eine erdscholle im ackerfeld die zerschlagen werden musz. SCHM. 2, 346, SCHÖPF 314, der aber n. angibt. vgl. katze 13 und ketzern 6.

c) 
schwäb. das abgezogene bett, im ketzer liegen. SCHMID 312. s. auch unter ketzern 5, ketzergrube, wo noch andere bedeutungen unterliegen können.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERBART, m. schimpfwort für evangelische wie ketzer selbst, vgl. knasterbart; ein mönch droht solchen von der kanzel,

dasz wenn sie sich nicht bald
bekehrten ohn länger warten,
man solche ketzerbarte
zwingen würd mit gewalt.
         SOLTAU 2, 346 (v. j. 1626).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERBIRN, f. eine birnenart, ketzerpiren pl., bair. 16. jh. PFEIFFERS Germ. 9, 205 (unten). 198.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERBUBE, m. gleich ketzer 2: cinedus, paticus u. s. w., ketzerbube. B. TROCHUS G 4b (DIEF. 118c), eig. gewiss allgemein gleich ketzer, wie ketzersknabe.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERBUCH, n. liber haereticus:

des abergloub ist ietz so vil,
do mit man gsuntheit sůchen will,
wann ich das als zů samen sůch (conj.),
ich macht wol drusz ein ketzerbůch.
         BRANT narr. 38, 40, ein zauberbuch,

vgl. ketzerei 1, b zauberei. ZARNCKE verweist auf die redensart eine bibel aus etwas machen: man funde wol lüt, die ein bibel darvon schribind (conj.), wie es uf erden oft zůgat. S. FRANK sprichw. (Zürich 1545) 1, 190a. also gieng es der biblia unter dem bapst auch, die man öffentlich ein ketzerbuch hiesz. LUTHER 6, 316a; das die schrift ein ketzerbuch heiszt. 3, 336b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERCHRONIK, f. ketzergeschichte. S. FRANK chronica 2, 84a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZEREI, f. haeresis, mhd. ketzerîe, auch ketzerheit, nd. ketterie, nl. ketterij, dän. kjetterie.

1) 
kirchlich.

a) 
eigentlich, ketzerei anrichten, religionem turbare, inficere, einer ketzerei anhangen. STIELER 956, ketzerei anfangen RÄDLEIN:

verzeih mirs gott! es war ein mann,
dem, weil er ketzereien glaubte,
man kaum ein ehrlich grab erlaubte.
         GELLERT (1784) 1, 19;

da sollen wir nun die neuen psalmen nicht singen, aber schelmenlieder so viel wir wollen. und warum? es seien ketzereien drin, sagen sie. GÖTHE 8, 175 (Egmont);

die pest
der ketzerei steckt meine völker an.
         SCHILLER 253a.

so von einem ganzen ketzerglauben, wie von einzelnen lehrsätzen und meinungen. dazu erzketzerei.

b) 
auch zauberei ward schlechthin so genannt, vgl. ketzerbuch zauberbuch:

mit segen und mit ketzerei
die weter zu vertreiben.
         BEHAIM in MONES anz. 4, 451.

c) 
verallgemeinert für lasterhaftigkeit: er hatte sich mit diebstal und mörd in aller ketzerei gehalten. STUMPF. eigentlich sünde wider die christliche ordnung oder wider die natur; s. ketzer 1, b, vgl. eheketzerei. besonders

2) 
unnatürliche wollust, s. ketzer 2, ketzerbube: ketzery, das ist in unserm tütschen vor mans und frawen personen ain unzüchtig wort, dann nach dem bruch der gemainen sprach by uns wirt verstanden die ungenannten sund wider die natur, darumb were es in disem (dem kirchlichen) handel verstentlicher so wir sagten heresis, irrung im rechten glauben. REUCHLIN verstentnus 3a; (i. j. 1409) da saczt man vier priester in ain fogelhaus uszen an dem Berlachduren (thurm) und schmit sy darain zůsamen .. si hetten keczerey triben mit ain ander. Augsb. chron. in MONES anz. 6, 375; die aller unschaffneste, schnödest, schentlicheste und grüsenlichste sünd wider die natur genant, sie geschehe in eigner person durch ketzery, genant in latin mollities, oder einer andren person seiner lei, in andren glidren weder (als) die natur zů der geburt geordnet hat, oder zů letst mit den tieren eins andren geschlecht. KEISERSBERG dreieck. spiegel Ff 3b, er nennt die päderastie anderwärts der Walen ketzerei, als in Italien besonders heimisch (vgl. florenzen); ihr mann habe sich leider schwerlich vergessen und mit einem schaf oder gstraun (kastraun)

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in ketzerei eingelassen, darob sie ihn selbs ergriffen. act. v. 1590 bei SCHMELLER 2, 346; sodomiterei, ketzerei. bair. landr. v. 1616 das. ebenso nd. ketterie, älter dän. kettery, kietteri MOLBECH dansk gloss. 1, 429, schwed. kätteri IHRE 1, 1050. hierher wol auch ein mnl. ketteren, crissari, fricare hor. belg. 7, 17b, vgl. crissatorium bordeelhuys das. und DIEF. s. v. crissari.

3) 
das verhältnis der ketzerei zu der orthodoxie übertragen auf andere gebiete, s. ketzer 4: diejenigen, welche in diese ketzerei gerathen, als könte kein trauerspiel sonder liebe und bulerei vollkommen sein, werden hierbei erinnert, dasz wir diese den alten unbekandte meinung noch nicht zu glauben gesonnen. A. GRYPHIUS 1663 A 3a (vorr. zu Leo Armenius), man bemerke das glauben; wortketzerei, procrima, critica verborum damnata. STIELER 956, die sich achtungslos am herschenden sprachgebrauch vergreift; (Samuel Butschkys) hochdeutsche Venuscanzelei, beweis seines verdorbenen geschmacks, seiner thorheiten und seiner orthographischen ketzereien. E. C. REICHARD versuch einer hist. der deutschen sprachkunst (1747) inhalt § 48; in den zeitwörtern sonderlich habe ich eine grammatische kätzerei gewaget. GOTTSCHED vorr. zur 3. aufl. der sprachkunst; (der kolossalkopf des Antinous) ist von so groszer und hoher kunst, dasz ich es für keine ketzerei halte, zu sagen es sei dieses werk nach dem vaticanischen Apollo und nach dem Laokoon das schönste was uns übrig ist. WINKELMANN 6, 303; alles schmeckt so sehr nach kunst- und sprachketzerei, dasz ichs freilich ihnen wol zum durchsehen schicken will, aber keinen gebrauch davon am hofe zu machen bitte. MERCK briefs. 3, 130;

Karl. ihr steht in bösem ruf und leumund, vetter,
dasz ihr der frauen schönste tugend schmäht (die treue).
Burgund. die ketzerei straft sich am schwersten selbst.
         SCHILLER 468a (jungfr. 3, 3);

deswegen gereichen ihnen (den Deutschen) selbst treffliche werke zum verderben, weil sie gleich für heilig und ewig erklärt werden .. an diese werke nicht religiös glauben heiszt ketzerei. SCHILLER an Körner 4, 259 (i. j. 1802); die weisen männer, bei denen unser liebes vive la bagatelle! ketzerei ist. WIELAND in Mercks briefs. 2, 102; 'wenn ich heirate (äuszert Lenore von Rothsattel), wozu ich gar keine lust habe, so musz ich doch einen andern namen annehmen, und es wird dem alten ahn in der rüstung, der oben im erkerzimmer hängt, ziemlich gleich sein, wen ich zu meinem herrn mache, eine Rothsattel kann ich doch nicht bleiben'. der vater lachte und zog die tochter an sich: 'wenn ich nur wüszte, woher mein kind diese ketzereien hat'. FREYTAG soll und haben 1, 405.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZEREIFER, m. religiöse verfolgungssucht, fanatismus:

grausamer wüterich, verfluchter ketzereifer!
         HALLER (1777) 91.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERFEIND, m. feind, verfolger der ketzer.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERFEUER, n. scheiterhaufen, flamme zur verbrennung der ketzer, ketzerverbrennung:

o wie manchs herrlich buch mich mügt (ärgert),
dasz darumb ward zerrissen:
vor ketzerfewr sie auch behüt,
wie Cæsar sein Maronem.
         FISCHART Garg. 278b (525 Sch.);

(Calvin) der (durch die hinrichtung Servets) das reformierte princip selbst gefährdet habe, sofern die reformierten fortan den katholiken ihre ketzerfeuer vorzuwerfen nicht mehr das recht gehabt hätten. morgenblatt 1846, literaturblatt nr. 82 sp. 326b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERFLAMME, f. dasselbe. SEUME.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERFREUND, m. freund, begünstiger einer sekte.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERFÜRST, m. heresiarcha, ketzerfurste. DIEF. 275c, hauptketzer, vgl. unter ketzerkrone.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERGEIST, m. spiritus haereticus. STIELER 639.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERGEMEINE, f. ketzerische secte, gemeinde:

weil wir so blind und sicher sein
mitten in der ketzergemein.
         SCHEIBLES flieg. bl. 184 (v. j. 1619).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERGERICHT, m. inquisitionsgericht. RÄDLEIN 533a. nnl. kettergerigt.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERGESCHICHTE, f. historia haereticorum, ketzerhistorie.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERGIFT, n. ketzerei als gift gedacht (vgl. ketzerlich 1):

und scheuest dich vor heiliger schrift
als vor dem ärgsten ketzergift.
         FISCHART bienenk. 1588 171a;

also thut auch disz ketzergift,
der falsche calvinistengeist.
         SCHEIBLES flieg. bll. 211 (v. j. 1619).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERGLAUBE, m. fides haeretica, mhd. ketzergeloube BERTHOLD 250, 22: den lutherischen ketzerglauben .. aus der seele ihres zöglings herauszutreiben. SCHILLER 891b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel 

Bd. 11, Sp. 643

KETZERGRUBE, f. schindergrube, locus cadaverum pecuinorum STIELER 689. SCHILTER 513a. FRISCH 1, 513a, der aus SERARIUS res Mogunt. eine solche ketzergrube zu Mainz citiert, wie SCHERZ 781 eine aus Straszburg. ist das von ketzer haereticus?
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERHAFT, adj. ketzerisch, auch ketzerhaftig. STIELER 956.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERHASZ, m. hasz gegen ketzer und ketzerei.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERHEIT, f. ketzerei, ein mhd. wort, im ältesten nhd. noch gebraucht. FRISCH 1, 513a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERHERDE, f. grex haereticorum:

schick uns zu hilf den starken held
St. Michael, dasz er zieh ins feld,
dasz er schlag drein mit seinem schwert,
verjag die ganze ketzerherd.
         kath. lied des 17. jh. 'Maria breit dein mantel aus'.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERHUT, m. hut den ketzern beim auto da fé aufgesetzt: papirenen ketzerhut der inquisition. FISCHART bien. 1588 266b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERIEREN, gleich ketzern 2, b oder 4:

das buch bedeut falsch schriften fu̔rn,
gotts wort meistern und ketzerieren.
         FISCHART S. Dominicus K 4a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERIN, f. haeretica.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERISCH, adj. haereticus, nl. kettersch, dän. kjättersk.

1) 
kirchlich: einen ketzerischen menschen meide. Tit. 3, 10; den heiszt Theodotion den aller ketzeristen (st gleich scht und so gesprochen) ketzer. S. FRANK dritt chronica (1543) 94b; ketzerische lehre, bücher STIELER 956.

2) 
sodomitisch, und sonst wie ketzerei 2: der mit einer frau die werke der unlauterkeit ketzerisch gehandelt. Ulmer ratsprotokoll von 1517, SCHMID schwäb. wb. 312. dän. kättersk incestuosus, 16. jh., s. MOLBECH dansk gloss. 1, 429.

3) 
auf andere gebiete übertragen, wie ketzerei 3: prof. Ploucquet von Tübingen hat mir letzthin seine reisebeschreibung durch die Schweiz geschickt, die voll ketzerischer ideen über unsere gletscher ist. J. S. WYTTENBACH in Mercks briefs. 2, 269; prüfen sie diesen kriegsketzerischen gedanken (unmittelbar auf Paris zu marschieren) .. aber ich weisz auch, dasz das abweichen von der kriegsregel oft mehr frommt als das befolgen derselben. GNEISENAU an Knesebeck, 15. jan. 1814, bei HÄUSSER deutsche gesch. 4, 477; in ketzerischer auflehnung gegen den orthodoxen litteraturglauben. TH. MOMMSEN röm. gesch. 3, 541. s. auch ketzerlich.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERJAGD, f. eifrige ketzerverfolgung. HÖLTY 12:

wem stets verhaszt unfriede war und ketzerjagd.
         J. H. VOSS.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  KETZERJÄGER, m. ketzerverfolger. CAMPE citiert aus der jen. lit. zeitung: der ketzerjäger Epiphanias.
 

 
KETZERm.
   haereticus, mhd. ketzer, im 12. jh. aufkommend, auch kätzer, mlat. catarus ...
  1, 
  2) Besonders für unnatürliche wollust war ketzer, ketzerei schlechthin ein ausdruck: vichunrainer oder ...
  3) fälscher: metallenketzer, farbenklistierer, mercuriusplager u. s. w. Fischart groszm. 78 ( ...
  4) das kirchliche ketzer übertragen auf andere verhältnisse, wo ein festbegründeter, gewissermaszen geheiligter ...
  5) einige bedeutungen von ketzer ohne zunächst nachweisbaren zusammenhang mit der vorigen mögen doch hier ...
 
KETZEREIf.
   haeresis, mhd. ketzerîe, auch ketzerheit, nd. ketterie, nl. ketterij,  ...
  1) kirchlich.
  2) unnatürliche wollust, s. ketzer 2, ketzerbube: ketzery, das ist in unserm tütschen vor mans und frawen personen ...
  3) das verhältnis der ketzerei zu der orthodoxie übertragen auf andere gebiete, s. ketzer 4: diejenigen ...
 
KETZERISCHadj.
   haereticus, nl. kettersch, dän. kjättersk.
  1) kirchlich: einen ketzerischen menschen meide. Tit. 3, 10; den heiszt Theodotion den aller ketzeristen ...
  2) sodomitisch, und sonst wie ketzerei 2: der mit einer frau die werke der unlauterkeit ketzerisch gehandelt ...
  3) auf andere gebiete übertragen, wie ketzerei 3: prof. Ploucquet von Tübingen hat mir letzthin seine reisebeschreibung ...
 
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