Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971.
  FURZ, m.  -  FÜRZLEIN, n.   (Band 4, Spalten 950 - 958 )  
Verknüpfung auf diesen Artikel  FURZ, m. ein bauchwind, flatus, ventris crepitus. hochd., nicht vor dem 12. jh. nachweisbar, furz, mhd. vurz, furz, mnl. bei KILIAN vort, nd. furt (brem. wb. 1, 470), fort (DÄHNERT 136a. DANNEIL 56a. SCHAMBACH 277b). es ist dem pl. praet. des ahd. wurzelverbs fërzan (s. farzen) entsprossen und stimmt der lautverschiebung gemäsz und auch selbst in seinem vocal mit dem gleichbedeutenden gr. πορδη. daneben aber zeigt sich, ebenfalls im 12. jahrh., einmal ein dem praes. entsprossenes firz (GRAFF 3, 705), das in seinem vocal mit ags. feort, engl. fart, altn. frëtr, schwed. fjert, dän. fjert, fjärt, stimmt und lit. pirdis, perdis, pirdá, lett. pirdens, lat. peditum (s. farz) entspricht. nhd. kommt im 15. und 16. jh. neben furz die der volkssprache

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Mitteldeutschlands entnommene form forz (s. d.) vor, die einwirkung der niederdeutschen, senkung des u zu o zeigenden fort (SCHAMBACH 277b. DANNEIL 56a) ist. sie findet sich in LUTHERS schriften, die einzige unten angeführte stelle tischr. 199a ausgenommen; aber sie verliert sich bald wieder und bleibt dann blosz mundartlich. dagegen scheint ein früheres farz (s. d.) erst von dem verbum farzen abgeleitet. am geläufigsten von allen dreien ist furz. truntz, furtz, trulla. voc. theut. 1482 hh ija. bombus, ein furtz oder scheysz. vocab. gemma-gemmar. (Straszb. 1505) c 6c. crepitus, ein knall, don, furtz. DASYPODIUS 44b und danach SERRANUS f 1a. furtz, crepitus ventris. ALBERUS KK ija. furz, scheisz, crepitus. FRISCHLIN nomencl. 46. bei HENISCH 1315 der sg. fürtz und furtz. furtz. HULSIUS. SCHOTTELIUS 1321. WILHELMI. RÄDLEIN. DENTZLER 1, 175b. WEISMANN. KIRSCH. LUDWIG. ALER. STEINBACH. MATTHIÄ. furz. STIELER 435. FRISCH. NIEREMBERGER. MOERBEEK. WEBER deutschlat. universalwb., ADELUNG u. s. w. eintheilung und beschreibung der fürtze enthält die abhandlung de peditu in den facet. facetiarum s. 74--98), und vom Schlaraffenland heiszt es

ein furtz gilt einen Binger haller.
         H. SACHS I, 544c;

er hat ein stimlin nach der kürtz,
wie ein esel bricht die fürtz.
         MURNER luther. narr 2870;

mein hertz (spricht des bauern tochter) steckt gen jm liebe vol,
geleich wie ein esel mit fürtzen,
bitt, wölst die heyrat nit verkürtzen.
         II. 2, 39a (29b);

hat man doch nur eins furtzs gelacht. FISCHART Garg. 137a (1608 Q 7b), = über einen f.; botz hinden und fornen, dise gebratnen kästen mit newem wein eingenommen seind gute compositores und modelgiesser der fürtz. 1608 Gg 1a; ob sie (die fürstin, an der ein lobender arzt alles als fürstlich preist) dann auch einen fürstlichen furtz liesse? ZINKGREFF apophth. 1, 145. ein stillschweigender furz, der nicht hörbar ist: so liesz er (Eulenspiegel) ein stillschweigenden furz schleichen, daz er zumal ubel stank. Eulenspiegel nr. 15. ein schleichender, verbiszener (= unterdrückter) furz. STIELER 450, vgl. nachher einen furz verkrümen bei FISCHART. ein starker, knallender haubtfurz. ebenda. ein lauter furz (RÄDLEIN), überhaupt der hörbar ist: einen lauten furz lassen, dasz die ziegel davon auf dem tach gezittert. franz. Simpliciss. 1, 47. ein groszer furz, von starkem schalle: mhd.

daჳ sint guote würze
für die grôჳen fürze.
         gute speise nr. 54. HAUPT 5, 15.

Môrolt wart die stat zu kurz,
ër lieჳ vor dër kunigin ein grôჳen furz.
         Morolt 1280,

in Eschenburgs handschr., die dem 15. jh. angehört und in mitteldeutscher sprache geschrieben ist, forz wie vorher korz. nhd.

und liess einn grossen furcz, sam e (wie vorher).
         ring 38a, 13;

da liesz der pfaff einen grossen furz. Eulenspiegel nr. 12; unnd liesz einen grossen furtz. FREY gartengesellschaft 63b. ein guter furz, in demselben sinne:

sun, thu ein guten trunk auf die wurz,
so wirstu davon laszen ein guten furz.
         fastnachtsp. 64, 30.

ein übler oder sauerer furz, ein übel riechender: wilt du ubel fürz lassen, so gang us der stuben in den hof. Eulenspiegel nr. 52; Ulenspiegel ... gedacht: ein bös pfligt das ander zů verdreiben und liesz so ein suren furz, das der meister mit seiner frawen můsten die nasen zů halten. ebenda. ein stinkender furz. STIELER a. a. o. ein dreckichter furz. ebenda. ein schnöder furz, den man mit verwünschung und verachtung nennt, ein schlechter:

verfluochet sî dër snœde furz, ër macht mich zeinem affen (zu einem dem spotte preisgegebenen menschen).
         Kolmarer meisterlieder nr. 72, 39.
    einen furz verkrümmen, ihn unterdrücken: wer die fürtz verkrümmen will, den grimmen sie herwider viel. lasz rauschen was nicht bleiben will. FISCHART Garg. 161b (1608 T 7a). einen furz lassen, elliptisch für fahren lassen. schon in den meisten der eben angeführten stellen, aber überhaupt gewöhnlich:

daჳ ër nie keinen furz gelieჳe offenbâr.
         Kolmarer meisterlieder nr. 72, 28;

des wolt sey (sie) sich do puken,
die floh ze tot ertruken:
secht, do ward ir dhaut ze kurcz,
ir geschach nicht recht, sey liess einn furcz.
         ring 38a, 3;

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es gat von mir ein böser gschmack
und han ein furz in dkilchen glan.
         Etter Heini 541;

der pfarrer liesz vor angst ein furtz.
         GENGENBACH 286, 938;

als mich bedunckt, so hastu ein furtz gelassen. S. BRANT bei STEINHÖWEL 146b; das pferdtlin auch ein furtz hat gelassen. PAULI schimpf 76a; der wirt ... liesz einen furz und uf der stet noch einen. Eulenspiegel nr. 79. einen furz lassen. RÄDLEIN. LUDWIG. STEINBACH. HEDERICH. NIEREMBERGER. WEBER deutschlat. universalwb. zutritt eines weitern verbums bei lassen zeigt sich in stieben lassen:

lasz fürz in die luft hin stieben.
         grobianus D 3.

einen furz streichen lassen, züchtiger elliptisch einen streichen lassen. dann einen furz vor lassen traben. Hellbach grobianus 229b. mit einem verbum, das wie lassen steht: einen furz umher gehen heiszen, andere zur nachfolge auffordern, der reihe nach auch einen zu lassen, bis diese wieder an den ersten kommt: oder wie das frawenzimmer desz ulmischen fartzenden legaten lacht, da er den furz hiesz herumbher gehn: jhr finds in Bebels bibel. FISCHART Garg. 156b (1608 T ija), s. BEBEL facetiarum libri tres (Lips. 1602) s. 112, wo die begebenheit erzählt ist. einen furz schleichen lassen, s. vorhin die stelle aus Eulenspiegel nr. 15. zu einem andern verbum gefügt: einen furz riechen. hör, Juvenal, stosz den hund ausz, wer hat so gefeust, was? kanstu kein hundsfurtz riechen, so solt du kein wildpret fressen. FISCHART Garg. 87b (1608 K 7a).
    andere verbindungen mit verben sind ein furz entfährt, entrinnt, entwischt:

entfůr jr ob dem disch eyn furtz.
         BRANT narrensch. 110a, 142;

ichn weiჳ wie jr geschach daჳ ir ein furz entran ...
»nu ist mir einr entrunnen gar ân argen wân.«
         Kolmarer meisterlieder nr. 72, 2. 7;

ich lachet das (dasz) mir ein furtz entwust.
         Berner fastnachtsp. von 1522 C 7a = N. MANUEL fastnachtsp. 372.
    derber witz liegt in dann ein knopff an eim furtz sah ich nie machen. FISCHART Garg. 286b (1608 Ll 6a). noch heute hört man in gemeiner derber sprache einen knopf in einen furz machen, diesen aufhalten dasz er nicht weiter kann, ihn im weiterfahren hemmen. vgl. knopfet fist 3, 1691. livländ. hört man in gemeiner rede ein furz mit einem stengel, dem etwas koth nachfolgt. GUTZEIT 1, 302a.
    in beziehung auf vollen schall, wie die voll austönende stimme des mannes, der schall des hornes, das bellen des hundes, gilt auch der furz als bestimmung oder masz der raumweite. dies in dem rechte des vormals dem bischof zu Würzburg gehörigen Salzforstes, wenn es heiszt ëჳ sol ouch nîman kein wilt jagen in sînem (nemlich des Salzforstes) îngange noch in sînem ûჳgange dës sëlben waldes in dër banmîle:

und daჳ ist eins hornes geschelle,
eines hundes gebelle,
eines hamers wurf
und eins schalkes furz.
         monum. boica 39, 278,

d. h. als die raumweite beträgt, in der der schall eines hornes, ferner der schall vom bellen eines hundes gehört wird, von da an der wurf mit dem hammer abreicht und endlich noch der schall von dem furz eines knechtes hörbar ist.
    sonst wird der
furz als derbes zeichen verächtlicher abweisung, auch mit verachtung gepaarten hohnes, überhaupt tiefer verachtung angesehen: wenn (bei erscheinung und anfechtung des teufels) das argument nicht hilfft, quod christianus est sine lege et supra legem, so weise man jn flugs mit einem furtz ab. LUTHER tischr. 199a;

was? beutst du beschnittenen juden den hohnfurz?
         VOSS Horaz (1821) sat. 1, 9, 70.

tiefe verachtung drückt sich auch aus in der redensart einem mit fürzen ausläuten, ihn, anstatt mit ehrendem feierlichem glockengeläute, mit fürzen, d. h. schimpflich, beerdigen: darumb tritt ich in mein fürnemmen, zubeschreiben die bu̔cher de peste mit seinen anhangenden früchten, und wirt mich der gegentheil mit jhrem maulgeschwetz und erhalten wöllen der alten schrifften nit bekümmern ... . darumb wirt mich jhr keiner abrennen: viel drewen sie, aber der vom drewen stirbt, dem leutet man mit fürtzen ausz. PARACELSUS (1589) 3, 150. dies ist denn auch sprichwörtlich, doch findet sich nicht immer die nemliche fassung: altbairisch wer vom drohen stirbt, den soll man mit fürzen begraben. DELLING 1, 190, früher wer von dröwen stirbt, den soll man mit fürtzen begraben (verlaiten).

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HENISCH 1315, 48, wo aber durch einen druckfehler fürwitzen steht. so angewandt in

du tröwest mir vil und wilt mich haben,
mit fürtzen mu̔st man mich begraben,
wann ich von deinem treuwen stürb.
         MURNER luther. narr 3471.

wer von dreuen stirbt, dem soll man mit fürtzen zu grabe läuten. STEINBACH 1, 532. noch verächtlicher und schimpflicher wird der ausdruck hier, wenn mit eselsfürzen statt mit fürzen gesetzt ist, wie die stellen von NASUS im Nasenesel 26b, dann von GARTNERUS und GRYPHIUS unter eselsfurz 3, 1152 haben, wobei auch ausläuten 1, 905 zu vergleichen ist. andere derbe sprichwörtliche redensarten und sprichwörter mit furz sind: schlesisch

besser ein furz entrannt,
als ein dorf abgebrannt.
         WEINHOLD 24b.

ehemals wetterauisch wann der furz fort ist, batt (battet, hilft, nützt) kein arschklemmens mehr, wenn etwas geschehen ist, läszt es sich nicht mehr verhindern oder gar ungeschehen machen. eigene fürze riechen wohl. SIMROCK 2956. alte fürze stinken. 2957. ein furz in der weiten welt ist besser als in dem engen bauch. nd. bei DANNEIL 59b. auffahren wie ein furz im bade, eine mehr in Sachsen vorkommende redensart. fährt auff als ein furtz im bad. facetiae facetiarum (1645) 486; ich hätte mirs nimmermehr eingebildet, dasz ihr eines wortes wegen so auffahren solltet, wie ein forz im bade. STOPPE Parnasz 525. er fährt umme wie ne furz in der laterne, ist zu unstet. aus den solothurnischen dörfern Grenchen, Bettlach und Salzach bei SCHILD der groszätti s. 81 nr. 277. s. auch FROMMANN 5, 37, 99. bey einem tauben ein (einen) furtz lassen, in beziehung auf jemand gesagt der unempfindlich ist, bei jemand etwas thun das vergeblich ist. HENISCH 1315, 39. 42. man kann keinen ruhigen furz lassen, ist zu beschäftigt oder durch andere sehr geniert. s. WANDER 1, 1294, 14. aus einem furz einen donnerschlag machen, zunächst wie wir auch sagen »aus einer mücke einen elephanten machen«, etwas in ungemeszner übertreibung vergröszern, dann so viel als aus ganz geringem viel wesens machen, weiter so viel als grosz thun wo doch nichts ist. du wilt ausz einem furtz ein donnerschlag machen. HENISCH 1315, 44, wo donnerschlag durch büchsensschosz erklärt wird, das in klammern beigesetzt ist, das volk aber meint einen wirklichen donnerschlag und STIELER 435 hat ausdrücklich die fassung den furz zum donner machen, was selbst siebenbürgisch-sächsich vorkommt. FROMMANN 5, 37, 98. dasz der wirkliche donner zu verstehn ist, ergibt sich auch aus einen furz mit dem donner vergleichen, eine mücke mit einem elephanten. s. STEINBACH 1, 532, und vgl. hierbei donnerschlag 3.

besser ein furtz dann ein aug ausz.
         grobianus E iijb,

besser ein kleines übel, als ein sehr groszes. ihm kommt jeder furz in die quere, er ist über alles verdrieszlich. FRISCHBIER preusz. sprichw. 75, 1031. wenn ihm ein furz in die quere kommt oder, wie man anderwärts sagt, quer liegt (= wenn ihm nur das allergeringste fehlt), so ist er krank. 1032. er ist auf den furz gepfropft, es ist aus mit ihm. 1030. er will aus einem furz zwei fiste machen, er ist ein erzknauser. nd. bei DÄHNERT 136. sprichwörtlich scheinen: sawr heisz gewürtz, bringt saur heisz fürtz. FISCHART Garg. 57a (1608 G 1a). heisse lieb gibt heisse fürtz. 271b (Kk 1a). ein sprichwörtlich gebrauchter witz aber scheint he he bäszlein Trein, röste mir disz biszlein zum wein, pa po geröst fürtz in der schaffschellen. L 8b (Scheible 171). züchtiger ist auf die frage was essen wir? die die speise verschweigende ehemalige wetterauische antwort gedörrte flöhzungen und eingebeizte kellerthüren.
    Endlich scheint furz auch als schelte gebraucht zu sein. Blöckabalzer. ein hundsfott spricht, dasz ich euch einen forz geheissen habe. Mählcasper. je nu! ist es doch schon gut. wenn ihr mich keinen forz geheissen habt, so sind wir wieder gute freunde wie zuvor. STOPPE Parnasz 523. doch diese äuszerungen knüpfen sich an die vorhin aus STOPPES Parnasz angeführte sprichwörtliche stelle an.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZÄHLEN, s. vorzählen. annumerare, fürzehlen. WEISMANN 1, 349a. 2, 137.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FURZAUFLESE, m. einer der fürze aufliest oder sammelt, einer der sich für überklug haltend nichtige kunst treibt: darnach befragt sich Ehrenbrecht von Tugendsteig bey einem ausz dem nachtrosz der sieben faulkünstlichen meistern, ausz den furtzaufflesen, was diese mommerey beger. FISCHART Garg. 151b (1608 S 5b. Scheible 279). in dem letzten theile des wortes, lese m.,

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hat sich ahd. lëso m., leser, erhalten, das nur bei NOTKER ps. 93, 20 sich findet und freilich da lector bedeutet, allein das wort kann auch eben so wol den aufsammler ausdrücken, wie das erst im 11. und 12. jh. nachweisbare lësare (GRAFF 2, 248. gl. trev. 12, 23) blosz die bedeutung weinleser, winzer, vindemiator, hat. übrigens würden wir heute furzaufleser sagen.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZCHEN, n., dim. von furz. STEINBACH 1, 532. mit dem lange im 18. jh. beliebten unrichtigen -gen statt -chen fürtzgen. HEDERICH. MOERBEEK.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZEICHEN, n. die kirchenflur. s. vorzeichen.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZEICHNEN, s. vorzeichnen. für- sive vorzeichnen, praenotare, obsignare, praesignificare, praemonstrare. STIELER 2612. beide wörter neben einander auch bei STEINBACH 2, 1077, dagegen bei FRISCH 2, 469a nur vorzeichnen, das auch fortan allein schriftdeutsch gesetzt wird, während fürzeichnen in den süddeutschen mundarten und einem theile der mundarten Mitteldeutschlands, z. b. der wetterauischen, oberhessischen u. s. w., fortlebte.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZEICHNEN, n., s. vorzeichnen n. fürzeichnen (das, inf.), praesignificatio. STEINBACH 2, 1077. vgl. das vorige.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZEICHUNG, f. vormerkung, besonders aber so viel als vorbedeutung. presignatio, fur verkundung, furzeichung. EYCHMAN q iija und damit fürverkündung, fürzeichung in der unter MELBERS namen erschienenen ausgabe v. j. 1486 V 8a. zeichung steht hier statt zeichnung.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZEIGEN, s. vorzeigen. fürzeigen, ostendere. HENISCH 1315, 52, mit der belegstelle so jhnen fürgezeigt waren. 3 Macch. 6, 30.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZEL, n., ein dim. von furz. ahd. würde es furzili lauten. kärnt. fürzl. LEXER 90b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZELN, fürzchen lassen, dann aber auch so viel als wiederholt hinter einander furzen. von dem vorhergehenden fürzel (s. d.), aber das l nimmt in dem verbum, da viele frequentativa mit l gebildet werden, frequentativbedeutung an. fützelen, fürtzelen unnd bürtzelen. FISCHART Garg. 72b (1608 H 8b);

bisz eynsmals er da uberpürtzelt
und eynen teuffel herausz fürtzelt.
         FISCHART Jesuiterhütlein B 1b (Scheible 919).

kärnt. fürzln. LEXER 90b. meisznisch von einem pferde das fürzelt recht, springt, zumal furzend, hinten in die höhe und schlägt aus.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FURZEN, was farzen, pedere. zuerst in der ersten hälfte des 15. jh. auftauchend, in welcher ein vocabular. ex quo von 1440 furczen (DIEFENBACH 78c), der voc. (liber ordinis rerum) von 1429 28d »pedere, bombisare, fortzen« hat, und beide formen mit u und mit o unterscheiden sich eben so, wie furz und forz. von dem ersten ist auch furzen abgeleitet. furtzen, pedere. DASYPODIUS 334c; oppedo, ich furtze widerumb oder dargegen. 175b. crepitum reddere, furtzen, oder einen furtz lassen. FRISIUS (1556) 343b; pedere, furtzen, ein furtz oder scheisz lassen. 965a. nach beiden stellen bei MAALER 152d, und nach diesem wie nach FRISIUS furtzen bei DENTZLER 1, 561b u. 2, 119b. von allen diesen hat DASYPODIUS eben so wol fartzen, wie beide wörter auch bei HENISCH, WILHELMI, ALER, LUDWIG, STEINBACH, FRISCH, MOERBEEK, ADELUNG aufgenommen sind, von denen der letztgenannte sogar furzen den vorzug zu geben scheint. das weitaus geläufigere wort jedoch ist farzen, das auch erst im 15. jh. entstand und von dem sg. praet. des mhd. wurzelverbums vërzen, ahd. fërzan, abgeleitet wurde, für das es auch eintrat. seine gröszere geläufigkeit wird noch dadurch auszer zweifel gesetzt, dasz SERRANUS, ALBERUS, HULSIUS, SCHOTTELIUS, STIELER, RÄDLEIN, WEISMANN, KIRSCH, HEDERICH, NIEREMBERGER, MATTHIÄ, BERNHOLD, WEBER deutschlat. universalwb. nur farzen bieten, kein furzen. süddeutsche mundarten, z. b. die bair., tirol., kärnt., haben farzen und furzen. SCHMELLER 1, 568. SCHÖPF 122 u. 163. LEXER 90b. nd. dagegen ist furten das übliche wort (s. brem. wb. 1, 470. DÄHNERT 139a), doch scheint daneben auch farten vorzukommen, wenigstens führt es das brem. wb. 1, 354 kurzhin mit verweisung auf furten an. über das nd. furten und purten s. farzen; aber eben so stehn westflandrisch frotten und brabantisch protten neben einander (s. SCHUERMANS 133b), in denen versetzung des r stattfindet. in schriften findet sich furzen mehrfach bei FISCHART. so Gargantua 182a, dann wer wol schläfft, seicht, kopt und furtzt, bedarff kein artz noch wurtz. pract. groszmutter Scheible 659. auf etwas furzen, in derber rede für: es für sich ganz und gar werthlos halten, es verachten.

auf groszer leut pracht
furz ich das (dasz) es kracht.
         Garg. 137a (1608 Q 7b).

vgl. scheiszen.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel 

Bd. 4, Sp. 955

FÜRZEN, was furzen. eine in Altbaiern vorkommende (s. DELLING 1, 190) umlautende form, die göttingisch-grubenhagenisch förtjen lautet (SCHAMBACH 277b) und ahd., wenn sie da vorkäme, furzan, d. i. ursprünglich furz-j-an, lauten würde. es steht im wortspiele mit würzen: oder um ein nett gericht westphälischer feldbonen mit plundermilch und cappern aus dem ziegenbehälter gefürzet, holla! aufs beste gewürzet. kunst über alle künste (Reinhold Köhler) 158, 1. 251; gleich wie diese rede mit schlechtem saltz gewürtzet, also wurd das ende mit gebührlichem gestanck gefürtzet. pedant. schulfuchs 193.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FURZER, m.

1) 
einer der furzt. vgl. farzer.

2) 
ein einmaliges furzen, das lassen eines furzes, ein furz.
    beide bedeutungen kärntisch, s.
LEXER 90b.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FURZFASZ, n. podex:

den sy loben, der ist geschendt:
du sichst ir schelten als lang stincken,
bisz sy ausz dem furtzfasz trincken.
         MURNER schelmenzunft nr. 12.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZGLOCKE, f. was farzbüchse. fürtzglock neben fartzglock. FISCHART Garg. 137b (1608 Q 7b).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZICHT, f. der verzicht, die verzichtleistung: mhd.

wan im sëlben vil unschedelîche
diu furziht wirt gitân.
         anegenge 7, 31.

fürtzicht aus der neu reformirten landsordnung der fürstlichen grafschaft Tirol von 1603 bei SCHÖPF 162 und FROMMANN 5, 337. mit für statt ver- umgebildet aus verzicht f. (s. verzicht).
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZIEGEL, m. der vorwand:

zu dem fürziegl (vorwand des eintritts zu trank und braten beim reichen manne) nemb wir uns fur
den armen menschen (den verstorbenen Lazarus) vor der thur.
         AYRER (Keller) 3203, 9.

wol statt fürzügel, wie umgekehrt 3207, 18 furtzig statt fierzig, vierzig.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZIEHEN, s. vorziehen.

I. 
i n t r a n s i t i v , in den bedeutungen

1) 
in einer gewissen gemessenheit sich zur weiterbewegung vornhin bewegen. mit dat.:

weil ihm fürzug Euryalus.
         SPRENG Aeneis (1610) 91b.

2) 
sich mit einer gewissen gemessenheit hervor- oder herausbewegen.

3) 
sich mit einer gewissen gemessenheit vorwärts fortbewegen, vorwärts ziehen: also zogen sie bisz nahend zu dem schlosz mit einander für. Amadis 241, 506; und als bald folgt er der gespor und huffschlag nach, so jn hinweg gefürt hatten, und in dem er fleissiglich fürzoge, hort er ein pferdt wehnlen. 268, 564.

4) 
sich mit einer gewissen gemessenheit voraus fortbewegen, voranziehen, vorherziehen, vorausziehen. mitler weil ritte der zwerg sein weg fort, bisz er den Amadis unnd seine gesellen erfolget, welche allgemach fürgezogen waren, aber so bald er zu jnen kommen, reisten sie etwas strengers. Amadis 394, 843. doch könnte hier auch die vorige bedeutung gemeint sein.

5) 
redend entgegensein, gegenreden, einwendung machen. opponere, wider etwas fürziehen unnd fürwenden in einem gespräch, widerred halten. FRISIUS (1556) 922a.

6) 
stärker ins gewicht fallen, vorwiegen, überwiegen. praeponderare, fürwägen, fürziehen, mer wägen. FRISIUS 1043a; praegravare, uberladen, fürwägen, fürziehen, auff einer seyten schwärer seyn dann auff der anderen. 1040a und danach fürziehen, fürwägen bei MAALER 151a. nach diesen dann noch bei DENTZLER 2, 119 fürziehen, mehr wägen, praegravare, praeponderare, doch sieh die folgende bedeutung. auch KIRSCH 1, 855a hat fürziehen in der hier angegebenen bedeutung und übersetzt haec pars multum praegravabit (vgl. SENECA de clem. 1, 24) durch dieser theil wird weit fürziehen; doch setzt hier schon der ihm sonst folgende MATTHIÄ vorziehen (s. d.). in der bedeutung liegt das vorwärtsziehen d. h. das vorwärtsneigen oder niederneigen der wage auf der seite, auf der das schwerere gewicht ist. aber von ihr geht dann die folgende aus.

7) 
höher geachtet werden, den vorzug haben: die gegeneynanderhaltung der ampter, welches furzeucht und das pest (beste) ist. MELANCHTHON 2 Cor. 3. hierher gehört auch noch bei WILHELMI 2, 104 »fürziehen, mehr wägen, praeponderare alicui«, verglichen mit 1, 532f. bei demselben, eben so bei DENTZLER in der vorhin angeführten stelle.

8) 
sich mit einer gewissen gemessenheit wegbewegen, wegziehen.

9) 
sich mit einer gewissen gemessenheit vorüberbewegen, vorbeiziehen, vorüberziehen: auff die schloszbruck, da alle hoffleuth

Bd. 4, Sp. 956

fürzogen, stellen. FISCHART Garg. 3 (1608 A ija); wir wissen nicht darvon zusagen, dann dasz nach mittnacht drey jungfrawen sampt zehen dienern, so ein roszbar beleitet, fürgezogen. Amadis 268, 564. furziehen, transire. HENISCH 1315, 64.

II. 
t r a n s i t i v , mit beigesetztem acc., in den bedeutungen

1) 
mittelst einer fortbewegung nach sich zu oder auch wie nach sich zu vornhin bewegen, vornhin ziehen. im besondern zur be- oder verdeckung vornhin ziehen, obducere, obtendere. HENISCH 1315, 65. obducere velum, den umbhang fürziehen oder fürspannen. FRISIUS (1556) 889b und danach MAALER 151c. die fürhäng fürziehen, oder hinwegk rucken. HENISCH 1315, 66.

der liebesengel selbst, so neidisch ist wie du,
der will sich itzt bemühen
den fürhang fürzuziehen,
von wegen deiner ruh.
         HOFFMANNSWALDAU, in dessen und anderer Deutschen ged. 1, 378.

für- sive vorziehen. STIELER 2642, der aber in einem beispiele hierzu vorziehen setzt, ein zeichen dasz dieses bereits überwiegt. doch hat WILHELMI in diesem sinne blosz fürziehen, während DENTZLER, der sonst seinem landsmanne FRISIUS folgt, bei fürziehen kurz auf vorziehen, vorspannen verweist. WEISMANN setzt den fürhang fürziehen und den fürhang vorziehen, auch ALER und selbst noch STEINBACH 2, 1114 bietet fürziehen wie vorziehen, eben so KIRSCH, doch der letzte mit hinweisung bei jenem auf dieses, worin ihm MATTHIÄ auch noch in der dritten ausgabe seines lex. folgt. LUDWIG, FRISCH 2, 475c haben nur vorziehen, und, was allein die angegebene bedeutung anlangt, auch HEDERICH und NIEREMBERGER. hiernach scheint fürziehen in derselben schon vor der mitte des 18. jahrh. im schriftdeutschen völlig verdrängt und lebt nur noch mundartlich fort.

2) 
hervorziehen, zum vorschein bringen:

verwahre was man dir giebt etwan auffzuheben,
und wenn man wiederumb es haben wil von dir,
so zeuch die sache nicht erst bey gerichte für
durch einen falschen grieff, dasz du es nicht darffst geben.
         OPITZ 1, 357, 43.

aus dieser bedeutung aber so wie aus der vorhergehenden, diese in ihrer allgemeinheit genommen, gieng dann die folgende hervor:

3) 
vor augen bringen, vorbringen, vorlegen, darlegen. ahd. furiziohan, auch furizihen, furizîhen, proferre, praeferre, proponere. GRAFF 5, 609 u. 610. suslîcha copiam paradigmatum, daჳ chît exemplorum, chunnen die furezihen, die potentes sint in eloquentia. N. Boeth. 47; ube dû dîna chlaga geskeinen maht rëhta wësen, sô toug taჳ tû sia fure zihêst. 54; jâ, muodinch Adam, dû woltôst imo (ihm, nemlich gott) gelîh sîn. wieo? per superbiam (mit ubermuotî) nals per humilitatem (mit diemuotî). ... ër wolta dîna obœdientiam (gehôrsamî), dîna subjectionem (undertânî), dû zuge aber fure (zeigtest aber) contemptum (fermanunga). ps. 70, 19. doch scheint in dieser letzten stelle schon ein anflug von der bedeutung 7) stattzuhaben, wie ja auch lat. praeferre diese annimmt. mhd.

jâ solden si sich von ir undertânen,
als ich ein ëbenmâჳჳe (eine vergleichung) wil fur ziehen,
als dër viehirt von dën viehen
und dër mæister von dën jungern,
sus solten si sich sundern.
         HEINRICH v. gem. leben 143 (W. WACKERNAGELS altd. leseb. 221, 36 = 1861 213, 26).

mit einem satze statt des acc.: und fürzugent, ir rëcht ze bewîsende, sunderlîch nâch lûte und sage eins versigelten rodels, dër vor vil zîtes in geschrift gëben und fürgeleit wart. urk. vom j. 1384, im geschichtsfreund 7, 189. nhd. furtziehen, proferre. voc. theut. 1482 i 6a, tz = z.
    mehr in dem sinne von anführen, geltend machen, allegare: wasz aber dem man gat an sein leib oder an sein erwerck, unn ein man fürzeucht, er sey sein maug (mage, seitenverwandter) unn sich damit weren wil oder er sey sein gefatter. stat. august. c. 318, bei SCHERZ 459.

4) 
mit einer fortbewegung nach sich zu vorwärts oder weiter bewegen, durch ziehen fortbewegen.

5) 
mittelst einer fortbewegung nach sich zu vorausbewegen. davon dann die bedeutung

6) 
gegenredend vorstellig machen, vorhalten, vorwerfen. zugleich mit dat. der person: impietatem objicere alicui, eim gottlose verweysen und fürhalten, oder fürziehen, sagen das (dasz) einer gottlosz seye. FRISIUS 891b, s. Plin. panegyr. 33, 3. proferre, aufheben, fürziehen, schmächlich verweysen. 1067b und danach zum theil MAALER 151c.

7) 
an werth im urtheile vorausnehmen, höher achten, vergleichend über anderes schätzen. in diesem sinne erscheint das verbum erst

Bd. 4, Sp. 957

nhd., und zwar weitaus am geläufigsten; früher kann derselbe nur wie ein anflug bei dem worte angesehen werden. s. vorhin 3). schon LUTHER in seiner bibelübersetzung hat es nur in dem sinne: ihr solt nicht unrecht handeln am gericht und solt nicht furziehen den geringen, noch den grossen ehren, sondern du solt deinen nehesten recht richten. 3 Mos. 19, 15; wie lange wolt jr unrecht richten und die person der gottlosen furziehen? ps. 82, 2; denn wer hat dich furgezogen? was hastu aber, das du nicht empfangen hast? 1 Cor. 4, 7; das heist hie der vers person fürziehen odder person ansehen, wo man die lere nicht aus lieb der warheit, sondern aus lust der person gegen ander erwelet. LUTHER in der auslegung jener stelle ps. 82, 2. fürziehen, höher achten, anteponere, anteferre, praeponere. HENISCH 1315, 54. anteferre, fürziehen. CORVINUS fons latinit. 1, 255b.

zieh du nur dieses eitle für.
         PICANDER ernst-scherzh. ged. 3, 146;

mit dat. statt des acc., aber unrichtig, wie es scheint durch verwechselung beider casus, die in Norddeutschland nicht ungewöhnlich ist:

alles soll vor liebe sterben,
doch, wird Seladon bey mir
um ein frohes jawort werben,
zieh ich ihm noch heute für.
         325.

dagegen neben dem acc. mit dat. zur bezeichnung dessen, dem das durch jenen casus ausgedrückte vorgezogen wird: macht ers besser, warumb solt man yhn nicht myr furzihen? LUTHER vorr. auf das alte test., s. BINDSEILS u. NIEMEYERS ausg. 7, 315; wie proverbiorum am 30. ein ander grosser philosophus der ameyssen fürsichtigkeyt vielen weysen leuten fürzeucht. MATHESIUS Sarepta (1562) 32b; wie etwan fürsten und herrn solche künstliche leute, die gott und die natur andern fürgezogen, auch wisten nach jrem werdt zu halten. 204b;

die kunst, zufahren unbetrogen,
den kräfften weit wird furgezogen.
         SPRENG Ilias (1610) 325b;

das gemeine beste seinem glück und wolstande fürziehen. HENISCH 1315, 58; sich andern fürziehen. 62. CORVINUS fons latinit. 1, 257a;

sein (es ist Jesus gemeint) angesichte
wird angespihen,
das allem lichte
ist fürzuziehen.
         ABSCHATZ himmelschlüssel 159;

und da ich mich an dir erst satt zu laben dachte,
so ziehst du deine ruh der kindesliebe für.
         PICANDER ernst-scherzh. ged. 3, 215;

er hat den jüngsten dem ältesten für gezogen, praeposuit juniorem seniori. STEINBACH 2, 1114; er zog die ehre allen zeitlichen gütern für. ebenda.
    wie aber vorhin unter
1), so auch in dieser bedeutung bei STIELER 2642 »fürziehen, sive vorziehen« und in den beispielen blosz das letzte. eben so beide wörter bei WILHELMI, RÄDLEIN, WEISMANN, ALER, STEINBACH 2, 1114, doch bei dem letzten mit vorwiegen von vorziehen in den zugefügten beispielen. DENTZLER, KIRSCH, MATTHIÄ nehmen in der bedeutung hier nur dieses auf, und LUDWIG, HEDERICH, NIEREMBERGER haben zwar fürziehen, aber mit kurzer verweisung auf vorziehen, das allein sich auch bei FRISCH a. a. o. findet wie später bei WEBER im deutschlat. universalwb. aus dem allen geht hervor, dasz sich fürziehen in der bedeutung hier etwas länger erhalten zu haben scheint, als in der unter 1), aber kurz nach der mitte des 18. jahrh. auch in den wörterbüchern, die es wol noch festgehalten hatten, völlig schwand.

8) 
mittelst einer fortbewegung nach oder wie nach sich zu vorbei- oder vorüberbewegen, vorbeiziehen, vorüberziehen.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZIEHEN, n., der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums. in dessen unter I 9) angegebener bedeutung: allda die Zürcher sich mit irem geschütz ouch gewendt, uff die 5 ort mit den haggen und handgeschuz uss dem closter träffenlich geschossen im fürziichen. bericht über die Cappelschlacht 1531 vom 6. aug. 1583, im geschichtsfreund 7, 508. S. vorziehen n.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZIEHENTLICH, adj., s. das adj. vorziehentlich.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZIEHENTLICH, adv., s. das adv. vorziehentlich.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZIEHUNG, f., s. vorziehung. nach der bedeutung von fürziehen I 7) findet sich fürziehung noch bei RÄDLEIN 314b aufgenommen.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZKARTAUNEN, mit fürzen kartaunen:

und (wie) Wurstdurstpanthel fürtzkartaunt.
         FISCHART Garg. (1608) A 6a
 
Verknüpfung auf diesen Artikel 

Bd. 4, Sp. 958

FURZKERL, m. ein elender mensch, ein erbärmlicher wicht. livländ., s. GUTZEIT 1, 302a. auch furzmichel (s. d.). vgl. furz als zeichen verächtlicher abweisung sp. 952 und als schelte sp. 953.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FURZKLEMMER, m. ein geizhals gröster und kleinlichster art, ein erzknicker. er ist ein wahrer furzklemmer. s. WANDER 1, 1296.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZKNECHT, m.: isz fürtzknecht, wirtsknecht trag auff, das ist ein newer weinkauff. FISCHART Garg. (1608) L 6a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FURZKNOCHEN, m. das steiszbein. beim fallen sich den furzknochen verletzen. livländ., s. GUTZEIT 302a.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FURZLANG, in der gemeinen adverbialen redensart alle furzlang, wiederholt in ganz kurzer zeit: alle furzlang kommt er mit etwas; alle furzlang ist er da.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  FÜRZLEIN, n., ein dim. von furz (s. d.):

solt ich von eines furtzlins wegen
kranck werden, ist mir nicht gelegen.
         grobianus E iijb;

hört, hört, jr herd säw, wie die hinder posaun so schön zu hauffen auffblaset! zu jedem ock und tritt und trott ein fürtzlin, horcha! FISCHART Garg. (1608) Q 7b. ein fürzlein lassen:

do tanzt ich mit meinen pulen im meien,
do sprang ich auf, das ich mich stiesz,
das ich ein kleines fürzlein liesz.
         fastnachtsp. 520, 25;

welche vor forcht nit reden noch husten dorfften, geschweig ein fürtzlin lassen. FISCHART Garg. 237b (1608 Ee 7b); ja es solt ein alte begin nicht ein fürtzlin lassen. dessen bienenkorb (1588) 195a. ein fürzlein thun, mit absicht es lassen:

wenn wir ein furtzlein wollen tun.
         ROSENBLUT, in den fastnachtsp. 1105, 260.

ein fürzlein entfährt: und ist aber dem narren not worden auf dem feld, das im ein fürzlein entfaren. PAULI schimpf u. ernst (Augsb. 1546) 11. es entwischt:

sie da, isz das imberwürtzlein,
das dir vor angst nit entwusch ein fürtzlein.
         trag. Joh. R iiij.
 

 
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