Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971.
  A  -  ABAASEN   (Band 1, Spalten 3 - 10 )  
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Bd. 1, Sp. 1

A
, der edelste, ursprünglichste aller laute, aus brust und kehle voll erschallend, den das kind zuerst und am leichtesten hervor bringen lernt, den mit recht die alphabete der meisten sprachen an ihre spitze stellen. a hält die mitte zwischen i und u, in welche beide es geschwächt werden kann, welchen beiden vielfach es sich annähert. Vorgeschichte und geschichte unserer sprache verkünden solche übergänge allenthalben: lat. pater Iupiter Diespiter, goth. fadar, vater; lat. taceo conticeo, goth. þaha, ahd. dagêm; lat. sapio desipio, goth. safja; lat. habeo cohibeo, goth. haba, ahd. hapêm; skr. saptan, goth. sibun; skr. navja, litt. naujas, goth. niujis; skr. madhja, goth. midjis; skr. agnis, lat. ignis, litt. ugnis, goth. auhns f. uhns; lat. sal, salsus insulsus, goth. salt, ahd. salz sulza; lat. calco deculco conculco; taberna, contubernium; skr. aṇsa, goth. amsa, lat. umerus, humerus f. umesus umsus. unsern ablaut sehen wir häufig aus i in u, aus a in i springen: finde fand funden. ahd. läuft anti in inti und unti; goth. aftuma in iftumin; goth. gahts, mhd. giht, nhd. gicht; ahd. maht naht, ags. miht niht, engl. might night; mhd. ganc und ginc; nhd. ziestag, zistig; nhd. Biberach, Biberich; ahd. apah apuh, goth. ibuks, mhd. ebech, nhd. äbich; nhd. gatter und gitter; nhd. nacke und genick; in allen unsern sprachen zeigt das aus fangen stammende finger, goth. figgrs, ahd. fingar geschwächtes i; mhd. man wird zu min bei DIEMER 111, 23. 118, 14. 122, 9; mhd. albetalle wird mnd. zu albedalle und albedille. Noch mächtiger als solche schwächungen, von welchen oft keine rechenschaft zu geben ist, waltet die regel des umlauts, d. h. der trübung des reinen a durch das folgende oder weggefallene i und u der zweiten oder dritten silbe; ursprünglich scheint dies i und u das a der wurzel in ai und au gewandelt, wie ein bild aus der ferne sich zurückwirft, in die wurzel gespielt zu haben, so dasz schon im voraus a die folgenden i und u an sich fügte, und aus gastim handum ein gaistim haundum hervor gieng, dessen doppellaute sich allmälich in e und o zu gestim hondum verengten; alle e und o aller sprachen sind aus diphthongischem ai und au entsprungen; allein das gesetz des umlauts kann hier nur angedeutet, musz für jede sprache eigens begründet werden. Die gothische läszt ihn gar nicht ausbrechen, die ahd. nur den durch i, nicht durch u zu (gestim aber hantum), die altn. beide (gestum f. gestim und höndum f. haundum, hondum.) von bezeichnung des hochdeutschen umlauts, welchen i erzeugt, hernach unter Ä.
    Es ist ein vorzug hochdeutscher sprache das a, kurzes wie langes, rein darzugeben. die langen ê und ô müssen, analog jenem e und o, aus ai und au, beide aus aa geleitet werden, jenachdem die verlängerung sich dem i oder u zuneigte. goth. jêr mêna svês sind ahd. jâr mâno suâs und zunächst vielleicht geworden aus jiar miana svias. nicht anders verhalten sich manche fries. ê und die mnl. ae (nnl. aa) zu ahd. â. niederdeutsche volksdialecte sprechen hingegen unser langes a wie o aus, jahr klar wahr wie jor klor wor, und diesen laut zeigen die nur leise oder gar nicht von o abweichenden schw. å, dän. aa in år aar. Kurzes a pflegen die Friesen bald in e zu wandeln: smel schmal, stef stab, gres gras, bald in o: noma name, fona fahne, hond hand; ebenso die Angelsachsen bald in ä: däg smäl stäf gräs, mit schönem wechsel in daga smalum stafum grasa; bald in o: hona hahn, noma name. die Engländer, auch wo sie a schreiben, sprechen häufig ä aus: day man name staff lamb hand, andere wörter mit o schreibend und sprechend: long among cold old fold hold. das dänische haand hängt zusammen mit dem laut des altn. hönd =

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hond haund, die Schweden sprechen rein hand. schw. hålla lautet dän. holde, schw. kall dän. kold u. s. w.
    In allen fällen dieses schwankens der uns verwandten sprachen zwischen a e o gilt hochd. reines a, auszunehmen sind folgende wörter, welche o für a setzen. für kurzes a: von, nl. van, fries. fon und fan, ahd. fona, mhd. von, selten van; gewohnheit, mhd. gewoneheit, ahd. giwonaheit, giwon suetus, altn. vanr; hohlen holen, ahd. halôn und holôn, mhd. holn; schor, wob, wog, flocht, focht, mhd. schar, wap, wac, flaht, faht; trotz, mhd. traz, altn. trâss, schw. trots, dän. trods. für â hingegen: wo, mhd. wâ (neben da, mhd. dâ); ohm, mhd. âme; brombeere, mhd. brâme, ahd. prâma; ohne, mhd. âne; mohn, mhd. mâge, mâhe, ahd. mâgo; argwohn (neben wahn) mhd. arcwân wân; odem (neben athem), mhd. âtem, ahd. âtum; schlot, mhd. slât; zote, ahd. zâta; zofe vom mhd. zâfen putzen; woge mhd. wâc; docht am licht, mhd. dâht. nicht aber gehört dazu mochte (neben macht), das schon im mhd. mohte, ahd. mohta (neben mahta) und im u von mugun begründet ist. Nie weichen hochdeutsches a und ê der wurzeln in e aus, wie das niederdeutsche nese für nase, schw. näsa, dän. näse, altn. aber nös = nasu, ags. nosu, fries. engl. nose, und häufig nd. geven breken spreken, mnd. gêven brêken sprêken, mhd. gâben brâchen sprâchen, goth. gêbun brêkun.
    Alle unsere a haften fast nur in den wurzeln, die der flexion und ableitung waren schon mhd. zu unbetontem e herabgesunken; oberdeutsche volksmundarten hegen noch einzelne auslautende a in der flexion. doch dauern in der schriftsprache die volleren ableitungen eidam und monat, ahd. eidum mânôt, welchen man einige zusammensetzungen wie bräutigam heimat und nachbar gleich behandelt, in solchen fällen geht demnach a nicht auf ein altes, vielmehr auf u, uo, ô zurück.
    Kürze erhielt sich in den einsilbigen partikeln
an und ab, im unpersönlichen man, im fragwort was, in hat (habet), für welche der häufige gebrauch sie nicht vergehn liesz; weit öfter wo sie durch doppelte consonanz geschützt war. beispiele: all ball fall fallen, narr harren starren, amme flamme hammer lamm schwamm, kann mann rann spanne wanne, lappe schnappe, affe schaffe, apfel napf zapf, acker backe wacker, mache sache wache, matte ratte satt schnattere, blasz dasz fasz hasz lasz (piger) nasz, hassen nasser wasser, halm halb kalb salbe half balg talg falke walke bald wald alt kalt gestalt salz walze hals, arm harm erbarmen harn warnen darbe starb warb darf warf arg barg sarg mark stark ward garte hart warte schwarz warze, kampf stampfen amt samt, hanf sanft ranft, lang fange hange sang verlangt krank schrank wanke hand brand sand wand bekannt kranz wanze gans, kraft saft schaft, magd, acht nacht wacht schacht achse dachs lachs wachs wachsen, ast gast last mast rast.
    Sonst aber musz sich das kurze a dehnen und dem organisch langen in aussprache wie schreibung gleich setzen lassen, welches übel und tadelhaft auf dreifache weise geschieht.

1) 
die dehnung bleibt unbezeichnet,

a) 
für organische kürze: schal (insipidus) schmal thal, gebar dar gar schar (cohors) sparen war (fui), gram kam name scham, schwan, aber gab gabel grab habe erhaben haber habicht knabe labe rabe stab schnabel, traf hafen, mag hagel hager behagen lag nagen nagel sage schlag trage zage wagen (currus), adel bad faden hader laden made pfad rad schade gestade tadel wade, bat trat vater waten, asz frasz masz sasz base das faser gras genas nase rase (cespes).

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b) 
für organische länge: qual pfal schale, waren (fuimus) waret (fuistis), kamen kram same, span gethan, abend gaben Schwab, schaf schlaf graf tafel trafen, lagen pflagen schwager wagen (audere), nach brache brachen sprache sprachen, nahen sahen, gnade nadel, baten braten that thaten traten unflat rath, aszen fraszen maszen saszen, blasen genasen rasen (insanire).

2) 
die dehnung wird durch gemination ausgedrückt, nur in wenig wörtern vor liquiden und lingualen

a) 
für organische kürze: saal aar baar waare.

b) 
für organische länge: aal haar staar saat aas und die fremden paar zaar staat.

3) 
durch eingeschobnes h, nur vor liquiden,

a) 
für organische kürze: fahl kahl mahle (molo) stahl (furatus est) wahl zahl, fahre nahrung wahren bewahren, lahm nahm zahm, ahn (avus) fahne hahn (neben henne) mahnen zahn.

b) 
für organische länge: mahl mahle (pingo) stahl (chalyps) stahlen (furati sunt) strahl, bahre gefahr jahr wahr, nahmen (ceperunt) rahm.
    Einleuchtend ist das auch überwiegende unbezeichnetlassen der dehnung allein richtig und die zweite wie dritte weise hätten längst verworfen werden sollen, da kam und lahm, war haar und jahr uns völlig gleichen laut haben. um unterschiede der bedeutung wie war (fui) wahr (verus), waren (fuerunt) waaren (merces) wahren (servare) darf man unbesorgt sein.
    Einzelne
a bleiben auch vor zwei consonanten gedehnt und ungekürzt: art bart schwarte spart wart (fuistis) zart und mit eingeschaltetem h: fahrt bejahrt wahrt.
    Auslautendes sz dauert in der conjunction dasz, wird aber im pronomen das und was, wie sonst in es, im neutr. aller adj. blindes gutes und in der partikel aus zu s, mhd. behalten alle diese ჳ (daჳ eჳ blindeჳ ûჳ); in was pflegt a gekürzt, in das gedehnter zu lauten, in dasz ist es entschieden kurz. denn der auslaut sz liebt vor sich kurzes a: hasz lasz (piger) nasz und geht inlautend über in ss: erblassen gasse hassen lasses nasses wasser, selbst in lasz (sine) und lassen (sinere) fügt diesem gebot sich die organische länge (mhd. lâჳ lâჳen). umgekehrt hält in asz aszen, frasz fraszen, vergasz vergaszen, masz maszen, sasz saszen neben der dehnung auch der inlaut sz stand.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  A, ausgang alter flusz- und ortsnamen wie Bibra Bebra Fulda Steina f. Biberach Steinach Biberaha Fuldaha Steinaha. s. aa, ach und aha.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Ä, meistentheils umlaut des kurzen oder langen a, dessen ursprung aus ai vorhin entfaltet wurde, für den auch zeugt, dasz hin und wieder ahd. aigi statt egi, airin statt erin, eisto statt esto, meiniki statt meniki, sceifte statt scefte, selbst noch mhd. eiste eingel statt este engel, ja nhd. einlich für enlich, ähnlich geschrieben vorkommen. dem ai liegt ae, dem ei liegt ê oder e nahe. die ahd. sprache kannte nur umlaut des a in e, nicht des â in æ, die mhd. hat beide umlaute und drückt den des kurzen vocals meist durch e, selten durch ae, den des langen immer durch ae aus; in der mhd. grammatik unterscheidet man sie so, dasz den umlaut des kurzen vocals ä, den des langen æ bezeichnet. nhd. ist ä viel häufiger und ein unterschied zwischen beiden im schreiben entbehrlich, so sehr es in der grammatik noth thut ihn geschichtlich zu erkennen.
    Nemlich nhd.
ä, wo es mhd. æ entspricht und aus â hervor gieng, bleibt immer lang und gedehnt, kann auch nie durch e ausgedrückt werden: schale schälchen, stahlen stahle, Westfal Westfäling, pfahl pfählen, jahr jährig, gefahr gefährlich, wahr bewähren, waren wäre, kamen käme, kram krämer, same sämerei, wahn wähnen, gaben gäbe, Schwab Schwäbin, graf gräfin gräflich, schaf schäfer, strafe sträflich, lagen läge, pflagen pfläge, schwager schwägerin, brachen bräche, sprachen spräche, sahen sähe, nahe näher, ader geäder, gnade gnädig, baten bäte, rat räte, thaten thäte thäter, trat träten, braten bräter, spat später, sasz säszen, aszen äsze, maszen mäsze, blasen bläser, lasen läse, dachte dächte.
    Ist aber ä umlaut des kurzen a, den auch e bezeichnet, so fragt es sich nach der anwendung beider, und die regel lautet: wo der umlaut fühlbar, der reine vocal daneben im gang bleibt, ist ä, wo der umlaut ungefühlt, die abstammung verdunkelt war, e zu schreiben.
    Beispiele des
ä: saal säle, schmal schmälern, thal thäler, wahl wählen, zahl zählen, ball bälle, fall fälle, galle vergällen, nahrung nähren nährhaft, fahre fähre, fahrt fährte, narr

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närrisch, gram grämen grämlich, damm dämme, lamm lämmer, hammer hämmern, kammer kämmerchen, lahm lähmen, zahm zähmen, an ähnlich, mann männer männlich, fahne fähnrich, zahn zähne, habe häbig, grabe gräber, schnabel schnäbeln, tappe täppisch, lappe läpplein, apfel äpfel, napf näpfe, klage kläger, magd mägde, schlag schläge, nagel nägeln, tag täglich, sagen unsäglich, ertragen erträglich, acker äcker, nacke hartnäckig, bach bäche, lachen lächeln, gemach gemächlich, sache sächlich, schwach schwächen schwächlich, fach fächer fächern, schade schädlich, rad räder, bad bäder, vater väter, blatt blätter, glatt glätter glätten, satt sättigen, satz sätze, schatz schätze, hasz häszlich gehässig, lasz lässig, glas gläser, gras gräser, nase näseln, hase häsin, kalb kälber, balg bälge, balke gebälk, alt älter, falte fälteln, kalt kälter, walze wälzen, hals hälse, falsch fälschen, arm ärmer, darm därme, erbarmen, erbärmlich, harm härmen, schwarm schwärmen, warm wärmen, scharf schärfen, arg ärger, bart bärte, zart verzärteln, schwarz schwärzen, stampf stämpfen, amt ämter, sanft sänfter sänftigen, ranft ränftlein, gang gänge gänglein, hang hänge, sang sänger, schwanger schwängern, wange wänglein, bank bänke, Franke Fränkin fränkisch, ander ändern, brand brände, hand hände händchen, land länder, pfand pfänder, schande schändlich, gewand gewänder, rand ränder, tand tändeln, ganz ergänzen gänzlich, tanz tänze, gans gänse, kraft kräfte, nacht nächte nächtlich, wacht wächter, dachs dächse, Sachse Sächsin, lachs lächse, asche äscherer, gast gäste, macht mächten, last lästig, laster lästern.
    Beispiele des e sind beim e nachzusehen, bei ente, erbe denkt niemand mehr an das alte a in arbi anut, anit. zuweilen begegnen von demselben wort abgeleitete, die ä oder e an sich tragen: mann männer aber mensch; arm brachium, ärmchen, ärmlein brachiolum, aber ermel manica; alt älter aber eltern; hand hände, aber behende; vater väter, aber vetter; weil man in mensch ermel eltern behende vetter die abkunft nicht recht wahrnahm und der alten schreibweise mit e treu blieb, denn mhd. waltet in allen solchen wörtern e statt des nhd. ä. aus satz folgt sätze, doch nicht setzen, da in sasz von sitzen der consonant abwich. nemlich war seiner ableitung von name vergessen, obschon viele nämlich schreiben. in schwankenden fällen, z. b. in älster, elster wird das wort durch verweisung gesichert. ähre arista schrieb man schlecht zur unterscheidung von ehre honor.
    In einzelnen wörtern wie
hölle, geschöpf und andern bei ö verzeichneten ist dieser umlaut an die stelle von ä oder e getreten, und im 16. 17. jh. war der misbrauch noch weiter eingerissen.
    Geschrieben wird auch als umlaut von wörtern, die
aa erhalten, nur einfaches ä: aal äle, saal säle, haar härchen, paar pärchen; niemand wird ääle sääle häärchen wollen, die zukauft musz al sal har herstellen.
    Auszer dem bisher besprochnen
ä, dem umlaut des a, ersetzt ä verschiedentlich das mhd. aus i entspringende ë in bär gebären gähren erwägen währen schämen dämmern rächen und wärts.
    Schwierig, verworren und oft verderbt ist die heutige aussprache aller dieser ä gegenüber dem e, und eben dasz nhd. ä an die stelle dieser mhd. e getreten ist, hat auf den rechten laut nachtheilig gewirkt. eigentlich sollten alle umgelauteten kurzen a, seien sie durch ä oder e ausgedrückt, ganz gleich auszusprechen sein, hände wie ende, älter wie eltern, kräfte wie hefte, schläge nägel wie regen (movere), fälle wie elle, überall mit dünnem e; allein durchs auge verwöhnt ertheilt man dem geschriebnen ä mehr den laut des dicken aus i entsprungnen ë; für ä, wo es langes â umlautet, ist er erträglicher. ein jetziges ohr vermag noch wehren defendere von währen durare, heer von bär im vocal zu unterscheiden, kaum fällen casibus von fellen pellibus und unsere aussprache von wählen hehlen fehlen, von läsen lesen besen strauchelt. mehr davon unter e.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  Ä, weheruf, von weinenden kindern gebraucht: man hört in der kammer ein kind schreien ä! ä! GÖTHE 13, 148; verschieden davon ein ruf des abscheus an kinder: das ist ä! und auch sonst: pfui was ist das ein ä geschmack! GÖTHE 13, 80. s. aa, äks.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AA, f. einsilbig auszusprechen, name vieler flüsse und bäche in der Schweiz, in Westfalen und anderwärts, suffix vieler flusz- und ortsnamen wie Fulda Jossa Bibra, früher Fuldaha Jaჳaha Bibaraha (GRAFF 1, 110). es ist das ahd. aha, mhd. ahe, goth. ahva, lat. aqua, wasser, flusz.
 
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AA, m. merda, excrementum, zweisilbig und zweimal betont, ein uraltes wort, dem nur zeugnisse abgehn, anständiger als die gemeinen ausdrücke koth oder dreck, jetzt aber nur wenn mit kindern oder vertraulich gesprochen wird im gebrauch: das ist aa! aa machen, seine nothdurft verrichten, schweizerisch recks nit a, sist aa! sist agge! aa, agge machen (STALD. 1, 82), niederdeutsch einsilbig a: a don (brem. wb. 1, 1). früher wol mit allmälich geschwundenem kehllaut haha oder chacha, schweiz. agge, äggi und gaggi, gäggi, gaggeli, bair. gäckelein n. (SCHM. 1, 24). wie gr. κακκη f., it. sp. caca f., franz. caca m., dem lat. cacare zum grund liegend, finn. kakka, ir. cac, welsch cach, doch armorisch ach, each: ach eo ann drâzé, c'est du caca; vielleicht ahd. chachala testale (GRAFF 4, 361) zu vergleichen (s. kachel). Die Böhmen sagen člowecčině, menschliches, humanum, quod ab hominis natura non abhorret. s. leutekoth, menschenkoth.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AAL [al], m. anguilla, ahd. mhd. âl, nnl. aal, ags. æl, engl. eel, altn. âll, schw. ål, dän. aal, scheint entsprungen aus ahal (wie noch LUTHER ahl schreibt), der verkleinerung oder ableitung eines verlornen aha schlange, skr. ahi, gr. οφις und εχις, wegen ähnlichkeit des fisches mit der schlange und natter. denn auch lat. anguilla gehört zu anguis, beide vor dem g ein n entwickelnd; mit r für l russ. ugor, böhm. auhoř, poln. węgórz, litt. ungurys, est. angrias. Der gewöhnliche pl. lautet aale, doch setzt GÖTHE 8, 126 äle, MÖSER 2, 190. 3, 41 dreiszig bund ähle, eine stiege ähle, wie schon mhd. æle Reinh. 647, 757, beidemal auszer reim; nnl. alen. B. WALDIS gibt dem sg. ael und HOHBERG 2, 514 braucht aal weiblich.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AALBEERE, f. s. alantbeere.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AALEN, tubum purgare, kunstwort der röhrenmeister: eine verschlammte röhre lüften, indem man einen lebendigen aal durch sie schlüpfen läszt.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AALFANG, m. captura anguillarum, anstalt zum fangen der aale.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AALGLATT, glatt wie aal: aalglatter heuchler.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AALHAUT, f. cutis anguillae, eigentlich und uneigentlich von einer glatten, schlüpfrigen.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AALMUTTER, f. blennius viviparus, ein seefisch, den die fischersage wol zur mutter des aals machte.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AALRAUPE, f. gadus lota, sonst auch aalruppe, aalquappe, rufolke, nnl. puitaal, aalpuit, ein dem aal ähnlicher fisch, der wahrscheinlich für eine jüngere gestalt und raupe des aals galt.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AALTHIERCHEN, n. vibrio, anguille du vinaigre, aalförmiger wurm in gestandnem essig, kleister erzeugt.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AAR [ar], m. aquila, des adlers echter name, goth. ara, gen. arins, ahd. aro arin, mhd. ar arn; erst aus dem zusammengesetzten adalaro gieng unser scheinbar abgeleitetes adler hervor, und aar gilt noch in höherer dichtersprache:

fleuch auf du königlicher aar,
dich schwingend in die lüfte!;
junger aar, dein königlicher flug
wird den druck der wolken überwinden.
         BÜRGER an A. W. Schlegel.

doch LUTHER sagt nur adeler, GÖTHE nur adler, SCHILLER könnte aar gebrauchen. gen. und pl. bekommen besser aaren als aares und aare. In aro, wie pero ursus scheidet sich die goth. und hochd. mundart von der ags. und altn., welche earn und örn (doch neben ari) wie beorn und biarn sagen, das n aufnehmend in den nom. und den gen. stark bildend earnes beornes, arnar biarnar. auch mhd. ins mnd. neigende dichter setzen den nom. arn Roth. 4974. Athis B, 27. 45. 80. E, 130; mnl. den nom. aren (mit eingeschaltetem e wie in arem für arm) gen. arens Esop s. 80. 84. 85, woraus nnl. arend, gen. arends (wie aus ieman iemand) und nd. arnd geworden ist. Zu ara, aro stimmt das armor. er, welsche eryr (im ir. iolar, gal. iolair scheint iol eher vorgesetzt wie adal in adalaro, als l = r), und mit ableitendem l das litt. arélis orélis, sl. orel orl; zu earn örn arn das gr. ορνις, mit dem allgemeinern sinn von raubvogel, vogel, der attisch auf hahn und henne eingeschränkt wird, namen wilder hirtenvögel wandelten sich in die der hausthiere. den zum könig aller vögel erhobnen gewaltigen raubadler bezeichnete zwar die ableitung von ara aus skr. hara rapiens. dagegen führt αιετος, αετος so wie οιωνος einfach auf avis, skr. vajas und vi (BOPP 309a. 317b) für avajas avi? und die wurzel αημι skr.wehen, so dasz avis und ara den in der luft gehenden bedeuteten; aquila mit andrer ableitung dasselbe. merkwürdig aber gemahnt aquila an aquilo und die mythische beziehung des windes auf adlersflügel (deutsche myth. s. 600. 601)
 
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Bd. 1, Sp. 6

AAS [as], n. esca, cadaver, ersteres scheint die eigentliche bedeutung und die wurzel itan, eჳჳan, wie von esca für edca edere, morticina caro, vögeln und raubthieren zur speise liegend. mhd. âs (BEN. 1, 64), nnl. aas, ags. æs, schw. as, dän. aas und aadsel. goth. ahd. altn. nicht aufzuweisen. gilt noch heute vom weggeworfnen todten fleisch, das die thiere lockt, ganz wie luder, während köder nur esca, nicht cadaver ausdrückt. er liegt im wasser den fischen zum aase; wo das aas liegt, da samlen sich die adler; die geier witterten das aas; mit frischem aas erfischen; wiltu capaunen feiszt machen, so bereit ein aas von kleien und gibs ihnen zu essen. TABERNAEMONT. kräuterb. 649; der gestank der moräste und äser. KANT 10, 160; soll ich noch staub auf das aas des gefallnen verräthers werfen?

ein dorrendes geripp, ein halbverbrantes aas.
         A. GRYPHIUS 1, 214;

so soll dich auch mein aas noch pochen.
         GÜNTHER 203,

d. i. meine leiche dich noch verhöhnen.
    Verachtend und als heftige schelte:
du aas! ihr äser! du faules oss! H. SACHS I. 5, 511d; verstärkt schindaas, schindäser, rabenaas, das auf dem schindanger liegt, auf das sich die raben niederlassen. Häufig aber auch aus der schelte übergehend in liebkosung, wie das frankfurtische os, dim. esi der manigfaltigsten bedeutung fähig bald traulich und lobend, bald schimpfend und verachtend zugerufen wird.

der tact, du aas, zu deiner melodei,

sagt Mephistopheles zur hexe. ein hübsches rabenäschen. WEISE com. probe 60; ach du rabenaas! GÜNTHER 1001; komm liebs esi! in solchem sinn kann aas blosz als esca, ohne gedanken an das todte, als reiz und lockung gefaszt werden, wie es auch heiszt freszlieb, einen vor liebe auffressen mögen. Gerade so doppelsinnig sind luder und schelm (ahd. scelmo cadaver, pestis): du luder! hei luder! du freundlicher schelm! schelmenauge! litt. maita aas, eik maita eik! geh luder geh! NESSELMANN s. 389.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AASEN, pascere, vesci, nnl. azen, vom fressen und weiden einiger thiere. die jäger sagen nicht der hirsch friszt, sondern er aaset, andere schreiben er äset oder äszet. die kühe aasen im fetten gras, nach einigen mit dem nebensinn des verschwendens. beides von aas speise, weide.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AASFLIEGE, f. musca cadaverina, schmeiszfliege.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AASFRESSIG, cadavere vescens, von thieren, die aas fressen.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AASGEIER, m. vultur percnopterus, geier der auf raub ausgeht.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AASGERUCH, m. odor cadaveris, gestank, dunst des aases.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AASGESTANK, m. dasselbe.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AASHAFT, cadaverosus.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AASIG, dasselbe, doch wie aas auch in gemildertem sinne gebraucht.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AASKÄFER, m. silpha, σιλφη, benennung stinkender käfer.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AASSEITE, f. interior pars corii, den gerbern, die inwendige seite des fells.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AASVOGEL, m. avis cadavere vescens, der sich vom aase nährt.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AASZ [asz], n. esca, cibus. zuweilen für aas, wenn es speise, futter, nicht leiche bedeutet: ein schönes aasz. LOHENST. Arm. 2, 339, eine schöne, eszbare speise. ahd. âჳ cibus comestio, zumal in der zusammensetzung huntâჳ brina; altn. ât esus, ags. æt edulium, cibus, dän. aadsel. so geschrieben liegt es der wurzel ëzan, ëta näher als in der form aas, für welche der einflusz anderer jetzt verdunkelter bildungstriebe den wandel des sz in s nach sich gezogen hat. der schreibung aasz gebricht auch die bedeutung des cadavers.
 
Verknüpfung auf diesen Artikel  AB, uralte partikel, die früher rege, weitwaltende praeposition war, heute fast nur als adverb in vielen zusammensetzungen übrig ist. wo sie sich einem nomen verbindet, haftet sie fest, vor dem verbum steht sie freier und kann den umständen nach getrennt werden. goth. af, ahd. apa aba, mhd. abe, alts. mnl. nnl. altn. schw. dän. af, ags. engl. of. lat. a ab, gr. απο, skr. apa und ava, litt. ap api. in der wurzel iban af êbun (s. unter abend) würde sich die bedeutung nieder leicht ermitteln, verwandt liegen aber und ebech, äbicht. das ab ist sowol ein deorsum als seorsum (s. abwärts).
    Schon mhd. begann die praepositionskraft zu erlöschen und der jüngeren partikel von zu weichen, beispiele der haftenden hat BEN. 1, 3. unserer heutigen schriftsprache dauert die praeposition

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nur ungefühlt fort in
abhanden und abseiten, wo handen und seiten wirkliche, vom vorstehenden ab regierte dative sind; aus abseiten bildete sich dann ein adv. abseits, so dasz auch abwegs auf ein älteres ab wege, von dem wege fort, abstatt auf ein ab der stete, abhag auf ein ab dem hage zurückschlieszen läszt; mehr darüber unter diesen wörtern. früher sagte man schöner ab augen, ab herzen, als heute aus den augen, aus dem herzen. der ruf: pferd ab! gewehr ab! hut ab! meint ab dem pferde, ab der schulter, ab dem kopf, so dasz neben dem ab bald die sache ausgedrückt wurde die entfernt, bald von welcher entfernt werden sollte.
    Doch beharren noch schriftsteller des
15. 16. 17. jh. in bestimmten fällen bei der alten praeposition, welche hier genauer gesammelt werden müssen, zumal geschah es für die verba des fallens gehens springens erschreckens entsetzens grausens verwunderns verdrieszens und klagens. fiehl er ab dem ros. TH. PLATER 153; Margaretha fiel sich unlang darnach ab einem laufenden pferd zu tod. FRANKS chronik 215a; um dieselbe zeit fiel mein bruder Samson ab einem kirschbaum zu tod. TOGGENB. 67; Drusus ist am Rhein ab einem rosz gefallen. REISZNER Jerus. 2, 81a; fünftausend haben sich ab dem hohen felsen zu tode gefallen. das. 2, 125b; ab werke gan, von der arbeit gehn. weisth. 1, 341; sprang ich ab dem weg. TH. PLATER 40; die herzogin mit sampt den andern ab dem hohen thurn steigen theten. GALMY 85; den rock ab dem leib ziehen. TH. PLATER 72; nicht erschrecken ab wirbeln. FISCHART gl. schif 35; er zitterte ab disen worten; ein scheuhen hetten sie ab Frankfurt. KIRCHHOF wendunm. 401b; so tapfer und menlich, dasz man sich oft ab seiner gegenwertigkeit entsetzt. das. 370b; sich ab jener groszen menge entsetzte. ZINKGR. apophth. 19, 1; ab solcher strengheit erschraken sie. RIHEL Liv. 188; wer bist du dasz dir förchst ab eim tödlichen menschen? HUTTEN 5, 400; hastu ein grauen ab dem jungfrau schenden? K. d. f. 64; die fischer haben ein grosze forcht ab solchen fischen. FORER fischb. 61b; ab welcher schröcklichen stimm ihn ein grausen ankommen. PHILAND. 1, 287; ich hatte aber gleich ein abscheuen ab ihrer leichtfertigkeit. Simplic. 5, 6; dann ich hatte einen eckel ab aller weiber beiwohnung. das. 5, 10; damit sich der labyrintisch medicus nicht verwunder ab dem artzt, der aus eim anderen grund redet. PARACELSUS 1, 282; der könig grosz verwundern ab dem ritter nam. GALMY 74, 215; verwunderten sich ab meiner lenge. FEL. PLATER 162; sich ab seiner schöne nicht genug verwundern mochten. GALMY 214; verwunderte sich ab seiner manheit. AIMON CI.; verwundernd sich ab solchem wunder. WECKHERLIN 346: rauenbilderen, die ab ihren männern misfallens haben. FISCHART ehzucht 6; vertrüszig werden ab dem man. das.; hette es auch ein beduren ab unser einöde. FEL. PLATER 143; nit ists beschehen, dasz gott ab seiner misbietung wolgefallens getragen. KIRCHHOF wendunm. 251a; die andern vögel waren ab irer (der eule) sittigkeit verdrüszig geworden. das. 62; und was unglück ab diser seiner torheit im zustehet. FRANK weltb. 38a; dich ab solcher völle der ertheilten gnaden höchlich verwundern und erfreuen würdest. SPEE 190; wie wol ist meinem herzen ab einem solchen trost. das. 186; will uns noch der tyrann ab dem joch zwingen. WECKHERL. 184; sie macht, dasz ab dir sich himmel, luft und erd erquicken. das. 431; werden alle die, deren ehr deiner ehr zuwider, ohn ausflucht vertilget ab der erden. das. 229; der sich ab eines affen bossen gesund lachet. FISCHART Garg.; der merhas ist ein giftig thier, ab welchem gar nah alle andere thier, auch der mensch stirbt. FORER fischb. 19b; schlegt mit seinem schwanz das aas ab dem angel. das. 36a; also schosz der Tell dem kind den öpfel ab der scheitlen des houpts. TSCHUDI 1, 238; der ritter nit wenig schmerzen ab der herzogin red empfangen thet. GALMY 204; ein zitternde seel, die ab gottes wort erhaschet. FRANK parad. 171b; nimmet niemant kein exempel ab disen. FRANK laster f ii; wan es der weg zur seligkait wer, würde alle welt ab gott klagen. d iiii; wir würden uns all ab gott bekalgen. K. d. f. 67; die ab Rumensattel klagtend. UHLAND volksl. 306; sol in für gericht fueren und sol ab ime richten. weisth. 1, 689. Aus andern bairischen, schwäbischen, schweizerischen schriften z. b. AVENTIN, PARACELSUS lassen sich solche belege leicht mehren, selbst aus neueren oberdeutschen büchern. in FRÖHLICHS fabeln heiszt es s. 158

was wirft dein wild gestöhn
lavinen ab den höhn?

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und HEBEL im schatzkästlein sagt: hat euch der feldschütz verjagt ab den kirschbäumen? aber nach einigen wochen kam ab der post ein kistlein an ihn.
    Statt jenes alten einfachen er fiel ab dem baum pflegen wir jetzt zu sagen er fiel von dem baum herab, indem wir von an die stelle des ab, und dies als adverb noch mit her verbunden hinzu setzen. zu fürchten, erschrecken fügte schon LUTHER statt des ab die praep. für, die wir heute mit vor vertauschen. mit klagen verbindet sich über, nicht von, das aber in manchen andern der gegebnen beispiele angewandt werden musz: es verdrieszt mich von dir, hingegen: sich verwundern über. einigemal würde jetzt wegen zu setzen sein.
    So viel von der verloren gegangnen praeposition. Was das adverbiale
ab angeht, so pflegen einzelne dichter noch die mhd., im 15. 16. jahrh. häufige zweisilbige form zu hegen und selbst GÖTHE 41, 335 gestattet sich: wasserstrom der abestürzt. bei OPITZ, FLEMINC, LOGAU ganz gewöhnlich.
    An und ab, zu und ab, auf und ab bilden gegensätze: ich gehe ab und zu; das eichhorn läuft auf und ab am baum; sie schweben auf, sie schweben ab;

hier musz ich auf und ab
durch wild gestrüpe reisen.
         FLEMING 118;

freud und lust an allem ab und an,
an und ab dem kleeblatt holder kinder.
         BÜRGER 60a;

im keller war der alte ab- und zulauf fremder gesichter. J. PAUL Tit. 4, 10.
    Zu erwägen ist das andern adverbien und selbst dem nomen unmittelbar nachgesetzte und allmälich suffigierte ab. Da hin und her sich entgegengesetzt sind, jenes die richtung nach, dies von einem ort anzeigt, ist die verbindung herab begreiflicher als hinab und den wahren gegensatz zu herab bildet hinan; hinab bezeichnet aber zweierlei, sowol die richtung nach als von einem ort, beide als verschiedne gedacht. nicht anders erklärt sich dar ab. kurz ab, fern ab, weit ab. weiter ab:

sie wundert sich, dasz wir so weit ab von ihr sein.
         FLEMING 129;

sie wird euch aus dem fenster winken,
ob er hinauf geht oder weiter ab
sich schlägt.
         LESSING 2, 213.
    Beim anschlusz hinten an substantiva, ohne artikel, fragt sichs nach dem casus. wie es heiszt den berg hinab gehn, den strom hinab fahren, könnte man auch bergab steigen, stromab schwimmen accusativisch zu fassen versucht sein. besser aber erscheinen sie als dative:

wo die ergrimmte see mit ganzen wellen streift
und jagt das schif grundab.
         OPITZ 2, 22:

wir flohen himmelan und hellenab mit schrecken.
         FLEMING 204;

mit lastern scheitelab bisz auf den fusz bedeckt.
         A. GRYPHIUS 1, 244;

flieszet es von natur
felsenab durch die flur.
         GÖTHE 40, 382;

ein treuer mann kommt eilig felsenab.
         GÖTHE 41, 266:

streifte sich der goldne ring
fingerab in wasserklüfte.
         GÖTHE 5, 147;

d. i. von grund auf, von der hölle, vom scheitel, vom felsen und finger ab, noch mit praepositionsnachgefühl, und einem mhd. abe grunde, abe velse, abe vinger vergleichbar, nur dasz im anhang und suffix die praeposition adverbialnatur gewann. wenn wir sagen treppe auf, treppe ab gehn, so wäre das die treppe hinauf, von der treppe herab, obschon gedacht werden kann die treppe hinab, wie FLEMING 308 ausdrücklich

die heisze thränenbach
rinnt mir ümmsonst die rothen backen ab;

oder GÖTHE 1, 129

es blitzen waffenwogen
den hügel schwankend ab,

wo die beigefügten artikel allen zweifel heben. In einem wie dem andern fall mahnen diese thalan thalab, bergan bergab an die goth. dalaþ dalaþrô, und an die griechische partikelbildung, wenn auch jede sprache dabei noch andere mittel und wege einschlug.
    Die hernach aufgeführten zusammensetzungen sind in ihrer überwiegenden mehrheit anschlüsse des
ab an verba, ungleich seltner an nomina.

Bd. 1, Sp. 9


    Wird ab einem nomen vorangesetzt, so unterscheide man 1) entweder gleicht der zusammenstellung eine mit dem verbum, dann ist es leicht den begrif jener nach dieser zu bemessen, abbild abfahrt abreise abschlusz entsprangen erst nachdem schon abbilden abfahren abreisen abschlieszen gangbar war, und nicht etwa läszt sich hier das verbum aus dem nomen leiten. auch empfangen solche nomina oft eingeschränkteren sinn als die verba, z. b. absicht hat blosz die bedeutung des absehens auf, nicht des absehens von etwas. 2) oder das ab trat unmittelbar vor das nomen, ohne dasz ähnliche verbindung mit einem verbum obwaltete; dann pflegt es minderung des im nomen enthaltnen begrifs, gleichsam entfernung aus ihm anzuzeigen, abgrund ist was den grund, die erde verlassend in die tiefe, den grund hinab reicht, abgott ist ein götze, der vom wahren gott abweicht, abgunst entfernung der gunst, abhold seine huld entziehend, eigentlich ab der huld seiend, wie behende bei der hand, absonnig von der sonne abliegend, daher abgunst und ungunst, abhold und unhold nicht ganz zusammenfallen, in abgunst abhold steckt die vorstellung des abgangs von gunst und hold, worin sich neid und feindschaft wahrnehmen lassen, während ungunst unhold die blosze leugnung nie vorhanden gewesener gunst und huld enthalten. Offenbar sind die zusammensetzungen zweiter art älter und bedeutsamer als die der ersten, ihr ab schwankt über in das verwandte aber (abwitz aberwitz, abweg aberweg, abglaube aberglaube) und entspricht auch dem ahd. mhd. â = ar (abraum ârûmi, abkamm âchampi, abschmeckig âsmecki, absetzen âsezze, abschrôt âscrôt, abweg âwiggi, abweis âweis, abwerk âwirchi, abwitz âwizzi, abwurf âwerf); von dergleichen zusammensetzungen lassen sich einzelne verba herleiten, wie abkosen, mhd. âkôsen ein âkôse deliramentum voraussetzt.
    Vor dem verbum flieszen alle bedeutungen des
ab aus dem alten sinnlichen praepositionsbegrif und stetes augenmerk war es, in den beispielen für jedes einzelne wort dies hervorzuheben. der sprachgeist gieng immer von einer lebendigen redensart aus, stufenmäszig auf die abgezogenere über. zuerst hiesz es den staub ab dem tuche blasen, die nüsse ab dem baume schlagen, bald aber konnte des einen oder andern substantivs oder gar beider entrathen werden: den staub abblasen, die nüsse abschlagen, indem man den von der praep. abhängigen casus wegliesz; oder das tuch abblasen, den baum abschlagen, mit kühnerer umdrehung des acc. auf den abhängigen dat. und ellipse des ersten acc.; endlich aber durfte den umständen nach auch mit dem bloszen abblasen, abschlagen ausgereicht und dem verbum dadurch ein intransitiver schein verliehen werden: wir wollen heute abschlagen! rufen zur nuszernte gerüstete; absetzen, mit ausgelassenen acc. den fusz, trat in die vorstellung des abfallens, zurückweichens über. In allen diesen fällen nun gieng das ab seiner praepositionalen kraft verlustig und ward zum bloszen herab, hinab, fort, weg bedeutenden adverb. gern aber gesellte sich, wenn der dativ ausgedrückt bleiben sollte, ihm noch die neue praeposition von hinzu, was die sinnlichkeit der rede erhielt, doch mit partikeln belastete, denn was hinab von dem baume sagt, sagte ab dem baume einfacher. Auf diese weise hat man sich von sämtlichen mit dem verbum eingegangnen verbindungen des ab rechenschaft zu geben: die praeposition liegt im hintergrund, wenn es auch erst nach einigem umschweif gelingen sollte ihr ursprüngliches verhalten zu ermitteln. In abbilden abschreiben abmahlen wird das übertragen von (ab) einem auf das andere ausgedrückt, ein lied abblasen heiszt es von den noten oder aus dem horn herab blasen, absehn ablangen meint etwas von ferne her, von einer stelle her sehn und holen; abnützen abgreifen durch öfteres nützen und angreifen etwas von der sache nehmen, es hiesz zuerst ab der thür greifen, dann blosz abgreifen. wo in ab der begrif des vollendens, fertigens liegt, ist ein geben und thun von der hand, ab der hand anzunehmen, wie in abmachen, abthun, was dann in andern wörtern wie abstrafen, abprügeln nicht mehr genau zu fassen, blosz von dem vollzug der handlung zu verstehn ist. Schwerer zu deuten scheinen die verba des abbüszens abarbeitens abängstigens, vermutlich sagte man sich ab einer sache ängstigen, müde arbeiten; in absterben mag, wo nicht andere unterlagen deutlich sind, stecken hinsterben, davon sterben, in abscheiden davon, ab dem leben scheiden, in manchen wie abändern absondern ist die verschiedenheit von dem einfachen ändern und sondern kaum merkbar. einzelne solcher zusammensetzungen sind aber treflich gebildet und werden andern

Bd. 1, Sp. 10

sprachen unerreichbar, z. b.
abprangen, abknixen, abgeweint.
    Die praeposition hatte vor dem nomen ihre gemessene stelle (ob sich bergab, thalab aus nachgesetzter praep. deuten lassen, verdient erwogen zu werden); adverbiales ab konnte eine freie vor oder nach dem verbum einnehmen und nahm sie in der älteren sprache ein. allmälich gewann aber das ursprünglich lose ungebundne ab, wo es nach der wortfügung unmittelbar vor das verbum zu stehn kommt, an dieses festeren anschlusz, ohne darum die fähigkeit zu verlieren, ihm in andern lagen der rede nachzutreten. damit verhält es sich bei ab wie mit allen andern trennbaren partikeln. Doch erscheint es auch heute noch oft, zumal wo sich die partikeln häufen, in freierer bewegung, z. b. in folgender stelle:

bis dann auch er gebändiget von einer götterhand
ab auf den rogus nieder stürzt, den er sich selbst gehäuft.
         GÖTHE 2, 185.

überhaupt, wenn es nieder, fort, weg bedeutet und aus manigfalten ellipsen verständigt werden musz: ab vom pferde (gestiegen)! ab den hut (genommen)!

ab denn, rascher hinab!
         GÖTHE 2, 69.

Vor einzelnen wörtern behauptet es sich fortwährend loser und fast unzusammengesetzt, namentlich vor dem substantivverbum, vor haben und kriegen (s. absein, abbehalten, abbleiben, abhaben, abkriegen), noch weniger läszt sich vor können müssen sollen wollen anwachsendes ab denken: der baum soll ab (gehauen werden), der nagel will nicht ab (gehn), ich glaube dasz er doch ab (genommen werden) musz; denn deutlich wäre es hier näher an die ausgelassenen verba hauen gehn und nehmen zu fügen, nicht an das auxiliar:

man ist darauf (auf dem pferde) wie angepicht,
will immer ab (steigen) und trabt in einem stücke
nur weiter fort.
         GÖKINGK 1, 105.
 

 
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